Stiftung Warentest Honig: Ein umfassender Überblick
Honig ist ein beliebtes Lebensmittel, das vielfältig eingesetzt wird - sei es als Brotaufstrich, zum Süßen von Tee oder als Zutat in verschiedenen Rezepten. Die Qualität von Honig ist für Verbraucher von großer Bedeutung, wobei der Geschmack oft als wichtigstes Kriterium gilt. Doch wie bewertet man Honig objektiv und welche Rolle spielt die Stiftung Warentest dabei?
Qualitätsmerkmale von Honig
Aus fachlicher Sicht ist das Enzym Invertase ein wesentliches Merkmal zur Beurteilung der Qualität von Honig. Da die Bienen dieses Enzym dem Honig hinzufügen, wird es als Indikator für die Naturbelassenheit des Honigs angesehen: Je höher die Enzymaktivität, desto besser. Ein geringer Gehalt an Hydroxymethylfurfural (HMF), das beim Erwärmen zuckerreicher Lebensmittel entsteht, deutet ebenfalls auf eine hohe Qualität hin.
Verfälschungen und Qualitätsmängel
Honig gehört laut Stiftung Warentest zu den Lebensmitteln, die besonders häufig verfälscht werden. Dies geschieht beispielsweise durch die Zugabe von billigem Sirup auf Mais-, Reis- oder Zuckerrübenbasis. Einige Labore setzen inzwischen auf moderne DNA-Analysen, um Fälschern auf die Spur zu kommen. Dabei wird der Honig auf das Erbgut der Pflanzen untersucht, welche die Bienen beim Nektarsammeln besucht haben.
Der Honig-Test der Stiftung Warentest (2025)
Im April 2025 veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Honig-Test, der jedoch auf Kritik stieß. Der Deutsche Erwerbs- und Berufsimkerbund (DBIB) und der Landesverband Rheinland-Pfalz (LVRP) bemängelten, dass weder wissenschaftliche Standards noch journalistische Sorgfalt eingehalten wurden. Sie warfen der Stiftung Warentest vor, die Bewertung der Analysen zu verdrehen und die Ergebnisse ins Gegenteil zu verkehren.
Kritikpunkte am Testverfahren
Ein zentraler Kritikpunkt war der Vergleich von deutschen Blütenhonigen mit Mischhonigen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, ohne die genaue geografische oder botanische Herkunft zu berücksichtigen. Dies erschwert eine korrekte sensorische Bewertung, da ein Vergleichsstandard fehlt. Zudem wurden Fachbegriffe wie "animalische" und "stallige" Aromen pauschal als Fehler eingestuft, obwohl sie wichtige Kennzeichen der Authentizität bestimmter Blütenhonige sein können.
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Ein weiterer Kritikpunkt betraf die Bewertung von Rauchnoten. Während diese nach internationalen Standards als "Off-Flavours" und damit als Ausschlusskriterium gelten, wurden sie bei einigen Discounterhonigen nicht abgewertet. Zudem wurde ein Kohl-Aroma bei einem deutschen Imkerhonig abgewertet, beim Testsieger jedoch nicht, obwohl beide Honige Blütenhonige waren.
Veraltete Methoden und fehlende Neutralität
Die Imkerverbände kritisierten auch die Verwendung veralteter Methoden durch die Stiftung Warentest. So wurde beispielsweise auf die zentrale Nachweismethode der EU-Kommission (HPAEC-PAD) verzichtet, die maßgeblich zur Aufdeckung von Honigverfälschungen beigetragen hat. Auch die 1H-NMR-Spektroskopie nach Bruker, eine hochauflösende NMR-Methode zur Erkennung von Abweichungen vom Reinheitsgrad, wurde nicht angewendet.
Darüber hinaus wurde der Verzicht auf die DNA-Methode bemängelt, die im BVL-Handbuch der amtlichen Untersuchungsmethoden gelistet und validiert ist. Die Imkerverbände warfen der Stiftung Warentest Voreingenommenheit vor und stellten die Glaubwürdigkeit des gesamten Tests infrage. Sie kritisierten, dass Verwaltungsrat und Kuratorium der Stiftung Warentest von Staatsbediensteten und Wirtschaftslobbyisten besetzt sind, was die Neutralität der Institution gefährden könnte.
Ergebnisse des Honig-Tests (2025)
Die Stiftung Warentest untersuchte 24 Blütenhonige unterschiedlicher Preisklassen, darunter bekannte Marken, Handelsmarken und Bioprodukte. Die Preisspanne der getesteten Honigprodukte lag zwischen 5,58 und 24,94 Euro pro Kilogramm. Die Honige wurden mit rund 40 verschiedenen Methoden auf etwa 1.050 Einzelparameter geprüft.
Testsieger und gute Platzierungen
Insgesamt konnten 14 der 24 getesteten Honige mit einem "guten" Urteil überzeugen. Sechs Produkte erhielten nur ein "ausreichend", ein Honig wurde sogar mit "mangelhaft" bewertet. Der Honig "Breitsamer Frühlingssummen" (erhältlich bei Rewe) wurde mit der Note 1,8 zum Testsieger gekürt. Dicht gefolgt vom "Gut Bio Honig cremig" von Aldi (Note 1,9) und dem "Maribel cremiger Blütenhonig" von Lidl (ebenfalls Note 1,9).
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Qualitätsunterschiede und Kritik an der Deklaration
Die Qualitätsunterschiede zeigten sich unter anderem in Aussehen und Geschmack. Typischerweise ist die Konsistenz cremig bis teilkristallin. Die Produkte schmeckten süß, blumig und ausgewogen - teils sogar aromatisch. Einige Honige warteten mit besonderen Eindrücken auf wie kohlartig oder minzig.
Kritisiert wurde die unklare Ursprungsangabe "Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern", die auf vielen Discounterhonigen zu finden ist. Diese Angabe ist zwar erlaubt, hat aber wenig mit Verbraucherinformation zu tun. Zudem wurden einige Honige abgewertet, weil sie keine Nährwerttabelle auf dem Etikett hatten, obwohl Honig laut EU-Verordnung von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung ausgenommen ist.
Frühere Honig-Tests der Stiftung Warentest
Die Stiftung Warentest hat bereits in der Vergangenheit Honig-Tests durchgeführt. In der "test"-Ausgabe 02/2019 wurden 36 Honig-Sorten aus verschiedenen Preisklassen untersucht, darunter Akazienhonig, Rapshonig, Waldhonig und Wildblütenhonig. Dabei erreichte keines der getesteten Produkte die Note "sehr gut", jeder vierte Honig fiel sogar durch. Unter den Waldhonig-Sorten konnte sich der "Wald Honig" von Aldi Nord in der Dosierflasche als Testsieger durchsetzen.
Die Rolle der Imkerverbände
Die Imkerverbände spielen eine wichtige Rolle bei der Qualitätssicherung von Honig. Sie setzen sich für eine transparente Kennzeichnung und eine schonende Behandlung des Honigs ein. Zudem bieten sie ihren Mitgliedern Unterstützung bei der Produktion und Vermarktung von hochwertigem Honig.
Kritik an der Stiftung Warentest
Die Imkerverbände kritisieren die Stiftung Warentest häufig für ihre Testmethoden und Bewertungsgrundlagen. Sie bemängeln, dass die Tests oft nicht dieRealität der Imkerei widerspiegeln und dass die Ergebnisse zu Verunsicherung bei den Verbrauchern führen können.
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Echter Deutscher Honig
Die Marke "Echter Deutscher Honig" steht für Honig, der ausschließlich in Deutschland von deutschen Imkern erzeugt wurde. Dieser Honig unterliegt strengen Qualitätskontrollen und muss bestimmte Kriterien erfüllen, wie beispielsweise eine hohe Invertase-Aktivität. Die Imkerverbände setzen sich dafür ein, dass die Marke "Echter Deutscher Honig" als Qualitätsmerkmal für heimischen Honig gestärkt wird.
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