Salzburg Schokolade Insolvenz: Hintergründe, Details und Auswirkungen

Der traditionsreiche Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade mit Sitz in Grödig (Flachgau) steht nach turbulenten Jahren endgültig vor dem Aus. Vom einstigen Erfolg bis zur Insolvenz - die Entwicklung des Unternehmens ist ein Spiegelbild wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, beeinflusst von Pandemie, Kostensteigerungen und strukturellen Herausforderungen. Die Insolvenz betrifft sowohl die Belegschaft als auch zahlreiche Gläubiger, während die Zukunft der berühmten „Echten Salzburger Mozartkugel“ weiterhin ungewiss bleibt.

Die Geschichte von Salzburg Schokolade

Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1897 in der Stadt Salzburg unter dem Namen Rajsigl-Süßwarenfabrik. Der Grundstein für die Firma Salzburg Schokolade wurde im Jahr 1897 gelegt. Die Geschichte begann in Salzburg mit einer kleinen Süsswarenfabrik, die 1948 aus Platzgründen nach Grödig verlegt wurde. 1956 siedelte man dann nach Grödig in Österreich um. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das Gros der Anteile seit dem Jahr 2014 der Philipp Harmer Beteiligungs-GmbH, Geschäftsführer Christian Schügerl hält einen kleinen Teil am Unternehmen. 1975 ging das Unternehmen in den Besitz von Suchard über, später bekannt als Interfood, Kraft Food und schliesslich an das Unternehmen Mondelez.

  • Salzburg Schokolade ist besonders bekannt für die Marken Bobby Schokoriegel, „Maria Theresia“-Taler und Salzburg Confisérie.
  • Exklusiv für den US-Konzern Mondelez stellte das Unternehmen die „Echte Salzburger Mozartkugel“ von Mirabell her.
  • Unter der Marke Nordpol beliefert man Bäckereien und Konditoren mit Nougat, Marzipan und anderen Halbfabrikaten.
Historie Salzburg Schokolade mit alten und neuen Marken

Erste Insolvenz und Sanierungsversuche

Bereits im November 2021 musste das Unternehmen mit damals noch rund 140 Beschäftigten Insolvenz anmelden. Vor vier Jahren rutschte das Unternehmen zum ersten Mal in die Insolvenz. Damals wurde ein Sanierungsverfahren angenommen. Ende 2021 war das Traditionsunternehmen in die Insolvenz gerutscht, das Verfahren konnte dank eines Sanierungsplans mit einer 100-prozentigen Rückzahlung an die Gläubiger im Februar 2022 abgewendet werden. Die erste Teilquote von 20 Prozent wurde damals fristgerecht ausgezahlt. Die weiteren 80 Prozent sollten bis zum 7. Februar 2025 geleistet werden. Das gelang nicht, daher werden nun die Liegenschaftsanteile der Firma, die als Sicherstellung für die zweite Teilquote dienten, verwertet.

JahrSchlüsselereignisMitarbeiterzahlUmsatz (in Mio. €)
2019Stabile Gewinne~14028,72
2021Erste Insolvenz~140Keine Angabe
2022Sanierungsplan~70Teilzahlung an Gläubiger
2024Produktion einstellen, Grundstück verkauft58Keine Angabe
Chronologie der Insolvenzen und Mitarbeiterzahlen

Gründe für die Insolvenz: Corona-Pandemie und wirtschaftliche Herausforderungen

Obwohl man in den vergangenen Jahren Gewinne erzielen habe können, sei das Unternehmen ab 2020 schwer von der Coronapandemie getroffen worden, schreibt Geschäftsführer Christian Schügerl. Schuld an der Pleite ist die Corona-Pandemie. Wie unter anderem "der Standard" berichtet, muss der österreichische Schokoladen-Hersteller Salzburg Schokolade Insolvenz anmelden. Der mangelnde Tourismus trug zum Aus des Schokokugel-Herstellers bei. Aufgrund des massiven Rückgangs von Touristen, Veranstaltungen und Anlässen wie Geburtstags- und Hochzeitsfeiern sank die Nachfrage nach den Süßwaren von Salzburg Schokolade, was zu einem signifikanten Umsatzrückgang geführt habe.

Den Umsatzrückgang aus dem Vorjahr habe man im neuen Geschäftsjahr nur teilweise kompensieren können. Trotz neuer Kunden im Exportgeschäft und der staatlichen Corona-Hilfen werde man wie im Vorjahr heuer erneut einen erheblichen Verlust einfahren. „Der aktuelle Lockdown und erhebliche Kostensteigungen bei Rohstoffen, Energie, Löhnen, Logistikkosten und Verpackungsmaterialien waren weitere Gründe“, erklärt Geschäftsführer Christian Schügerl in seinem Schreiben.

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  • Großauftrag während Pandemie weggebrochen.
  • Stark gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Verpackungen.
  • Ende der Zusammenarbeit mit einem der größten Kunden.
  • Produktionsstätte in Grödig zu groß und kostspielig für verbleibenden Betrieb.
  • Umsatz für das Jahr 2019 betrug laut Wirtschaftscompass 28,72 Mio. € - Zahlen für das erste Corona-Jahr 2020 waren zunächst nicht bekannt.
Umsatzverluste und Corona-Auswirkungen auf Salzburg Schokolade
Bericht über die Auswirkungen der Pandemie auf Salzburg Schokolade

Verlauf des Insolvenzverfahrens und Auswirkungen auf Mitarbeiter und Gläubiger

Am Freitag wurde das Konkursverfahren eröffnet. Die rund 300 Gläubiger können ihre Forderungen ab sofort beim KSV1870 anmelden. Gläubigerforderungen können bis zum 8. September (gerichtliche Anmeldefrist) über den KSV1870 oder den AKV angemeldet werden. Das Unternehmensvermögen besteht nach Angaben des KSV1870 aktuell nur noch aus Liegenschaften - letztlich ohne Sachanlagevermögen. Gutachten hätten nun für die Liegenschaften mit rund 9,9 Millionen Euro einen deutlich niedrigeren Wert ausgewiesen, als ursprünglich angenommen.

Damit entfällt aber die Grundlage für die nächste Auszahlung im Sanierungsplan. Die Schulden werden mit etwa 7,7 Millionen Euro beziffert, wobei der exakte Schuldenstand erst nach Abschluss der Immobilienverwertung feststehen wird. Eine Investorengruppe kaufte das Grundstück und will dort Büros und Unternehmen ansiedeln, sodass 300 bis 400 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Bis Ende Dezember 2024 waren noch 58 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Betrieb beschäftigt. Ihre Dienstverhältnisse wurden mittlerweile aufgelöst.

Den Mitarbeitern können die Novemberlöhne und -Gehälter und das Weihnachtsgeld nicht überwiesen werden. Das Unternehmen verwies auf den Insolvenzentgeltfonds, der die Zahlungen sichere und riet den Beschäftigten, die Arbeiterkammer (AK) zu kontaktieren. Der Salzburger AK-Präsident Peter Eder sagte den betroffenen Mitarbeitern Unterstützung zu. „Wir wollen dann alles in die Wege leiten, damit sich die Menschen zumindest über Weihnachten finanziell keine Sorgen machen müssen.“

Schließung des Werks und Protest der Mitarbeiter in Grödig

Produktion und Zukunft der „Echten Salzburger Mozartkugel“

Bekannt ist Salzburg Schokolade nicht nur für Süßigkeiten für den Endverbraucher - etwa seine Marken Bobby Schokoriegel, "Maria Theresia"-Taler und Salzburg Confisérie. Doch im vergangenen Jahr kündigte man an, die Produktion der Mozartkugeln vom Standort Grödig ins Ausland zu verlagern. Die Fabrikanlagen wurden geschlossen. Die letzte „Echte Salzburger Mozartkugel“ von „Mirabell“ ist am 6. Dezember 2024 vom Band gelaufen. Die Produktion der „Echten Salzburger Mozartkugel“ wurde Ende des vergangenen Jahres eingestellt und ins Ausland verlagert.

Wie es nach der Schließung mit den Produkten, vor allem der weltberühmten „Echten Salzburger Mozartkugel“, die exklusiv für den US-Konzern Mondelez hergestellt wurde, weitergeht, ist noch unklar. Es gab Gerüchte um eine Verlegung der Produktion ins Ausland.

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  • Auf Mozartkugeln müssen Schokoladenliebhaber aber nicht verzichten: Die „Original Mozartkugeln“ werden weiterhin von der österreichischen Konditorei Fürst produziert (blauer Alufolie).
  • Auch die Firma Reber aus Bayern produziert Mozartkugeln.
Mozartkugel: Produktion, Marken und Herstellungsstandorte

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen

Fabrik und Grundstücke am Produktionsstandort in Österreich sind schon verkauft worden. Eine Salzburger Investorengruppe sicherte sich das Areal um mehrere Millionen Euro. Sie will dort Büros und Unternehmen ansiedeln. 300 bis 400 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Nach einem Bericht von heute.at ist eine Frist zur Schuldenbegleichung verstrichen. Noch im Dezember waren 58 Mitarbeiter beschäftigt, sie wurden aber mittlerweile entlassen.

Die Angestellte protestierten davor mehrmals gegen die Schließung des Werks in Grödig. Die österreichische Gewerkschaft Pro-Ge setzte sich für den Erhalt der Schokoladenfabrik ein. Der Standort in Tschechien, spezialisiert auf Verpackung, ist von der Insolvenz nicht betroffen.

Neunutzung des Grundstücks und geplante neue Unternehmen

Chronologie der Insolvenzverfahren und Eigentümerwechsel

Im Februar 2022 übernahm die KEX Confectionery Group aus Rumänien, legte einen Sanierungsplan vor, konnte Salzburg Schokolade trotz mehrerer Maßnahmen aber nicht nachhaltig stabilisieren. Die ersten 25 Mitarbeiter bekamen die Kündigung, Teile der Produktion wurden stillgelegt. Die Produktionsstätte in Grödig erwies sich als zu groß und kostspielig für den verbleibenden Betrieb.

Das Konkursverfahren über das Vermögen der Salzburg Schokolade wurde am Freitag am Landesgericht Salzburg eröffnet. Zum Masseverwalter wurde der Salzburger Rechtsanwalt Johannes Hirtzberger bestellt. Die erste Gläubigerversammlung, Berichts- und Prüfungstagsatzung, wurde für den 22. September 2025 um 11.45 Uhr am Landesgericht Salzburg anberaumt.

Timeline der Betreiberwechsel und Insolvenzverfahren

Zusammengefasste Informationen zu Gläubigern und Schulden

Gläubiger Schulden (in Mio. €) Jahr der Insolvenz
~300 7,7 2024/2025
dreistellige Anzahl 20% Teilquote ausbezahlt 2022

Die Salzburg Schokolade in Grödig (Flachgau) blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Dieser Kult-Hersteller musste sich aufgrund von gravierenden Verlusten verabschieden - mit Folgen für Mitarbeiter, Gläubiger und die regionale Wirtschaft.

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Gläubigerstruktur und Schuldenverteilung

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