Honig im Kopf: Eine kritische Betrachtung von Til Schweigers Tragikomödie

Til Schweigers Film "Honig im Kopf" aus dem Jahr 2014 spaltet die Gemüter. Während einige Kritiker und Zuschauer den Film als charmantes Familienkino mit viel Gefühl und berührenden Momenten loben, sehen andere darin einen kruden Feelgood-Quark mit Alzheimer-Garnitur. Der Film thematisiert die Alzheimer-Demenz und erzählt die Geschichte des an Alzheimer erkrankten Amandus Rosenbach und seiner Familie. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Films und setzt sich kritisch mit seiner Darstellung der Krankheit auseinander.

Inhalt und Handlung

Der Film beginnt mit dem ehemaligen Tierarzt Amandus Rosenbach, der an Alzheimer erkrankt ist. Sein Sohn Niko nimmt ihn in seinem Haus in Hamburg auf, was zu zahlreichen schwierigen und unangenehmen Situationen führt. Amandus verursacht fast einen Küchenbrand, fährt ein Auto zu Schrott und pinkelt in eine Schüssel im Kühlschrank, die er für eine Toilette hält. Als Amandus auf dem Sommerfest der Familie ein Feuerwerk zündet, beschließt Niko, ihn in ein Pflegeheim zu geben.

Tilda, Nikos elfjährige Tochter, ist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und entführt ihren Opa nach Venedig, da sie gehört hat, dass sich Alzheimer-Patienten an Orte erinnern, die sie von früher kennen. In Venedig hatte Amandus seine Flitterwochen verbracht. Auf ihrer Reise erleben die beiden einige Abenteuer, bevor sie schließlich von Nikos Frau Sarah in einem Luxushotel in Venedig gefunden werden.

Die Familie kehrt gemeinsam nach Hamburg zurück, wo Sarah ihren Beruf aufgibt, um sich um Amandus zu kümmern. Neun Monate später bekommt sie einen Sohn, der nach Amandus benannt wird.

Kritiken und Meinungen

Die Meinungen über "Honig im Kopf" gehen weit auseinander. Einige Kritiker loben den Film für seine gefühlvolle Darstellung der Alzheimer-Krankheit und die berührenden Momente zwischen Amandus und seiner Enkelin Tilda. Die Deutsche Film- und Medienbewertung bezeichnet den Film als "charmantes Familienkino mit viel Gefühl, einer bezaubernden Hauptdarstellerin und vielen berührenden Momenten".

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Andere Kritiker bemängeln die unrealistische Darstellung der Krankheit und die übertriebene Dramatik. Sie werfen dem Film vor, die Alzheimer-Demenz zu verharmlosen und für humoristische Zwecke zu instrumentalisieren. Ein Kritiker von kino-zeit bezeichnet den Film als "kruden Feelgood-Quark mit Alzheimer-Garnitur".

Positive Aspekte

Ein positiver Aspekt des Films ist die schauspielerische Leistung von Dieter Hallervorden, der den an Alzheimer erkrankten Amandus überzeugend und einfühlsam darstellt. Seine Darstellung vermeidet Klischees und zeigt die verschiedenen Facetten der Krankheit. Auch Emma Schweiger als Tilda überzeugt mit ihrer natürlichen und authentischen Spielweise.

Der Film thematisiert zudem wichtige Aspekte des Lebens mit Alzheimer, wie die Belastung der Angehörigen, die Schwierigkeit, mit der Krankheit umzugehen, und die Bedeutung von Liebe und Zuwendung. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bescheinigte Schweigers Werk Authentizität und einen realistischen Blick.

Negative Aspekte

Ein Kritikpunkt an "Honig im Kopf" ist die unrealistische Darstellung der Alzheimer-Krankheit. Der Film zeigt vor allem die humorvollen und rührenden Seiten der Krankheit, während die negativen Aspekte, wie Aggressivität und Verwirrtheit, kaum thematisiert werden. Dies führt zu einer geschönten und geglätteten Darstellung, die der Realität nicht gerecht wird.

Auch die Handlung des Films wirkt überkonstruiert und unrealistisch. Die Reise von Tilda und Amandus nach Venedig ist voller Zufälle und unwahrscheinlicher Ereignisse. Zudem werden die Konflikte zwischen Niko und Sarah oft überdramatisiert und klischeehaft dargestellt.

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Ein weiterer Kritikpunkt ist die Instrumentalisierung der Alzheimer-Demenz für humoristische Zwecke. Der Film bedient sich häufig an Witzen und Slapstick-Einlagen, die auf Kosten der Krankheit gehen. Dies wirkt respektlos und unangemessen.

Schweigers Intention

Was will uns der Film sagen? Dass Alzheimer gar nicht so schlimm ist? Das auch. Aber vor allem wohl, dass man so lange wie möglich zusammen wohnen und der kranken Person mit Liebe und Zuwendung begegnen sollte.

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