Sacher-Masoch-Torte: Eine süße Verführung mit Geschichte und Kontroversen
Die Sacher-Masoch-Torte ist mehr als nur ein Dessert; sie ist ein Spiegelbild der Kultur, der Kunst und der bisweilen bizarren Vorlieben, die unsere Gesellschaft prägen. Benannt nach Leopold von Sacher-Masoch, dem Namensgeber des Masochismus, vereint diese Torte auf einzigartige Weise kulinarischen Genuss mit einem Hauch von Erotik und intellektueller Auseinandersetzung.
Die Ursprünge der Sachertorte
Die Geschichte der Sachertorte beginnt im Wien des 18. Jahrhunderts, wo erste Vorläufer dieser berühmten Schokoladentorte entstanden. Der eigentliche Ursprung der Sachertorte liegt jedoch im Jahr 1832, als Fürst Metternich seine Hofküche beauftragte, ein besonderes Dessert für seine Gäste zu kreieren. Der Legende nach soll er gesagt haben: „Dass er mir aber keine Schand’ macht, heut Abend!“ Obwohl die Torte bei den Gästen Anklang fand, wurde ihr zunächst keine weitere Beachtung geschenkt.
Erst Eduard Sacher (1843-1892), der Sohn des ursprünglichen Schöpfers, perfektionierte die Sachertorte in ihrer heute bekannten Form während seiner Ausbildung beim k.u.k. Hofzuckerbäcker Demel. Anschließend wurde die Torte sowohl im Demel als auch im von Eduard Sacher im Jahr 1876 gegründeten Hotel Sacher angeboten.
Der Tortenstreit: Sacher vs. Demel
Die Popularität der Sachertorte führte zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen dem Hotel Sacher und dem Demel. Nachdem Eduard Sacher die Torte im Demel vollendet hatte, wurde dort eine "Original Sacher-Torte" angeboten. Dies führte 1938 zu Meinungsverschiedenheiten mit den neuen Eigentümern des Hotels Sacher, die die Torte nicht nur im Haus servierten, sondern auch zum Straßenverkauf anboten und die Bezeichnung "Original Sacher-Torte" als Markenzeichen registrieren ließen.
In den folgenden sieben Jahren stritt man sich um die Verwendung des Namens, die zweite Marmeladeschicht in der Mitte und die Verwendung von Margarine anstelle von Butter. Friedrich Torberg, Stammgast in beiden Häusern, bezeugte, dass zu Anna Sachers Lebzeiten die Torte niemals in der Mitte aufgeschnitten und mit Marmelade bestrichen worden sei.
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1963 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung: Das Hotel Sacher durfte die Bezeichnung "Original Sacher-Torte" verwenden, während der Demel seine Torte mit einem dreieckigen Siegel mit der Aufschrift "Eduard Sacher-Torte" versah.
Der Hauptunterschied zwischen den beiden Torten liegt in der Anordnung der Marmeladenschichten. Die "Original Sacher-Torte" hat eine Marmeladeschicht unter der Schokoladenglasur, während "Demel's Sachertorte" zusätzlich eine Marmeladenschicht in der Mitte hat.
Die Sacher-Masoch-Torte: Eine Hommage an den Masochismus
Anlässlich der Kulturveranstaltung „Graz-Kulturhauptstadt 2003“ wurde die Sacher-Masoch-Torte kreiert, die eine Variation der Sachertorte darstellt. Die Torte ist eine Hommage an Leopold von Sacher-Masoch, den österreichischen Schriftsteller, der für seine Darstellung masochistischer Neigungen in seinem Roman "Venus im Pelz" bekannt ist.
Die Performance-Künstlerin Irene Andessner inszenierte sich im Rahmen eines Kulturhauptstadt-Projekts als Wanda Sacher-Masoch, die Ehefrau des Schriftstellers. Das Palais-Hotel Erzherzog Johann gestaltete Zimmer 208 zur "Wanda Sacher-Masoch Suite" um.
Der Grazer Torten-Designer Karl Fröhlich kreierte die "Wanda Sacher-Masoch Torte" mit einem optischen Konzept von Irene Andessner. Die Torte besteht aus zwei weißen Dreiecken, die einen masochistisch-unterwürfigen Augenaufschlag symbolisieren sollen. Die Farben Schwarz, Weiß und Rot dominieren, passend zur Suite im Hotel Erzherzog Johann.
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Die Sacher-Masoch-Torte zeichnet sich durch ihren schokoladigen Geschmack und eine milde Ribisel-Marmelade (Johannisbeermarmelade) aus. Um auf Konservierungsstoffe zu verzichten, umkleidet Karl Fröhlich die Torte mit einer großzügigen Marzipan-Umhüllung.
Die Rezeptur der Original Sacher-Torte
Die Rezeptur der "Original Sacher-Torte" wird vom Hotel Sacher geheim gehalten. Es wird vermutet, dass das Geheimnis nicht in den Zutaten der Torte selbst liegt, sondern in der Schokoladenglasur. Diese besteht aus drei besonderen Schokoladensorten, die von unterschiedlichen Herstellern exklusiv für das Hotel Sacher produziert werden.
An der originalen Rezeptur dürfen die Konditoren nicht rütteln. Dennoch gelang 1998 die Produktion der mit 2,5 Meter Durchmesser größten je hergestellten Sachertorte, die auch ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde.
Die Produktion der Sachertorte heute
Das Hotel Sacher produziert jährlich rund 300.000 Torten. Dies erfordert die Verarbeitung von 1,2 Millionen Eiern, 80 Tonnen Zucker, 70 Tonnen Schokolade, 37 Tonnen Marillenmarmelade, 25 Tonnen Butter und 30 Tonnen Mehl.
Die Produktion findet seit 1999 nicht mehr im Keller des Hotels statt, sondern in einem Flachbau nahe dem Wiener Zentralfriedhof. Für die Herstellung der Torten in Handarbeit werden 21 Konditoren und 25 Verpacker benötigt. Eine Mitarbeiterin ist alleine damit beschäftigt, bis zu 7.500 Eier täglich aufzuschlagen. Erst seit 2003 gibt es eine automatische Schneidemaschine, zuvor mussten die Torten noch von Hand geteilt werden.
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Neben der Sachertorte werden auch Varianten wie die Sacherschnitte, der Sacherwürfel und andere Süßwaren produziert. Die Torte wird täglich in zwei Tranchen ins Hotel geliefert, wo ein Drittel der Jahresproduktion verzehrt wird.
Ein einfaches Rezept für eine Sachertorte
Hier ist ein einfaches Rezept für eine Sachertorte, das Sie zu Hause ausprobieren können:
Zutaten:
Für den Teig:
- 200 g Zartbitterkuvertüre (mind. 70 % Kakaogehalt)
- 200 g weiche Butter
- 175 g Zucker
- 8 Eier (Größe M)
- 1 Prise Salz
- 200 g Zucker
- 200 g Weizenmehl (Type 405)
Für die Füllung und Glasur:
- 350 g Aprikosenkonfitüre
- 2 EL Aprikosen-Likör (oder Saft)
- 200 g Zartbitterkuvertüre (mind. 70 % Kakaogehalt)
- 50 g Zucker
- 30 g Crème fraîche (oder Crème double)
- 150 g Sahne
- 25 g Butter
- 70 g Vollmilchkuvertüre (für das Muster)
Zubereitung:
- Teig: Kuvertüre schmelzen und abkühlen lassen. Eier trennen. Eiweiß mit Salz steif schlagen, dabei Zucker einrieseln lassen. Butter und Zucker cremig schlagen, Eigelb und Kuvertüre unterrühren. Eischnee und Mehl unterheben.
- Eine Springform (Ø 24-26 cm) mit Backpapier auslegen. Den Teig einfüllen und bei 170 Grad Ober-/Unterhitze (Umluft: 150 Grad) ca. 1 Stunde backen. Auskühlen lassen.
- Füllung: Konfitüre und Likör erhitzen und passieren. Den Boden waagerecht halbieren und mit Konfitüre bestreichen. Zusammensetzen und antrocknen lassen.
- Glasur: Kuvertüre hacken. Wasser und Zucker aufkochen, Crème fraîche einrühren. Sahne erhitzen, Butter unterheben. Kuvertüre schmelzen und mit Zuckersirup verrühren. Torte mit der Glasur überziehen.
- Für das Streifenmuster Vollmilchkuvertüre schmelzen, in Streifen aufspritzen und mit einem Zahnstocher durchziehen.
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