Roter Stern Schokolade: Geschichte und Hintergrund
Rotstern ist eine Schokoladenmarke aus dem Osten Deutschlands. Schokolade wird in Saalfeld schon seit 1901 produziert.
Frühe Jahre und Gründung der Fabrik
Damals kamen aus Berlin die Gebrüder Alfred und Felix Mauxion (deren Vater hatte dort 1855 mit einer Confiserie angefangen) und kauften die Saalfelder Neumühle, um daraus eine Schokoladenfabrik zu machen. 1917 erwarb der Geschäftsführer Ernst Hüther die Firmenanteile der beiden Brüder. Die Lauben wurden in einheitlichem Stil errichtet und waren allesamt mit einem Wohn-, einem Werkzeug- und einem Abstellraum sowie einem überdachten Freisitz ausgestattet.
Die sechzig 300 bis 500 Quadratmeter großen Parzellen konnten seinerzeit von den Angestellten des Unternehmens für wenig Geld gepachtet werden. Das Laubenzubehör wurde vorgeschrieben wie z. B. ein Lampenschirm mit Glühbirne, kleine Illuminations-Glühbirnen, Tisch und Stühle, Papierkorb und Abfalleimer. Den Pächtern standen für den Gartenbau geeignete Fachzeitschriften und Literatur zur Verfügung.
Verstaatlichung, Markenwechsel und Entstehung von Rotstern
In der Sowjetischen Besatzungszone wurde das Unternehmen im Juni 1948 verstaatlicht und hieß nun VEB Mauxion Schokoladefabrik. Vor Gericht erwirkte 1954 die Familie des 1944 verstorbenen Ernst Hüther, die nach Westdeutschland übergesiedelt war, dass ihr die Markenrechte für Mauxion zugesprochen wurden. In Saalfeld reagierte man schnell und meldete am 18. November 1954 den Namen und das Logo für Rotstern als Marke an, welche am 17. März 1955 im Markenregister eingetragen wurden.
Der Hintergrund des Namens Rotstern hat unterschiedliche Interpretationen: Entweder stehe er für den russischen Stern und das Symbol des Sozialismus oder er symbolisiere die aufgehende Sonne hinter dem Roten Berg, der gegenüber dem Werk liegt.
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Rotstern im sozialistischen Betrieb und Arbeitsverhältnisse
Aber auch im sozialistischen Betrieb Rotstern erinnerten sich einzelne Mitarbeiter noch an ihren früheren Chef Hüther. Die Leiterin des Pralinenpacksaals (SED-Mitglied) kommentierte 1956 die Kritik von Arbeiterinnen an vorhandenen Missständen, dass zu ihrer Zeit als Directrice bei Hüther „es so etwas ... nie gegeben habe“ und die Arbeiterinnen aufgewiegelt worden seien (Unruhen in Polen und Ungarn). Es kam aber kaum zu Arbeitsniederlegungen wie z. B. am 3. Oktober 1959 wegen unterschiedlicher Prämien für Brigaden.
Schon früh war Rotstern im Kreisgebiet eine Ausnahme bei Besetzung von Führungspositionen mit Frauen (Sechzig in mittleren und höheren Leitungspositionen bis 1970).
Zusammenlegung und Marktanteil in der DDR
Der VEB Rotstern Schokoladenwerk und der VEB Berggold in Pößneck wurden 1966 zum VEB Thüringer Schokoladenwerke zusammengelegt, 1981 kam noch die Süßwarenfabrik Erfurt dazu. Der VEB Thüringer Schokoladenwerke gehörte bis 1990 zum Kombinat Süßwaren und produzierte bis zuletzt unter dem Namen Rotstern Schokolade für den DDR-Markt, auf dem es einen bedeutenden Marktanteil hatte.
Wende, Übernahme und Verschwindung der Marke
Im Januar 1991 wurde die größte Schokoladenfabrik der DDR von Stollwerck übernommen. Statt Rotstern lieferte das Werk nun Schokolade unter den Namen Stollwerck, Sprengel oder Waldbaur. Der VEB Thüringer Schokoladenwerke wurde von Stollwerck übernommen die kein Interessa an der Marke Rotstern hatten. Bis zur Wende 1990 wurde unter dem Namen Rotstern Schokolade vertrieben. Danach verschwand die Marke für etwa 10 Jahre fast völlig vom Markt.
Wiederbelebung der Marke in den 2000er Jahren
Im Zuge der Renaissance der Ostmarken kaufte das Handelshaus Alsen aus Ichtershausen-Thörey bei Erfurt 2002 die ungenutzten Markenrechte von Stollwerck. Zuerst ließ man die Schokolade bei Nestlé herstellen. Im Januar 2004 wurde das Handelshaus Alsen zur Rotstern GmbH & Co. KG umbenannt.
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Mitte 2005 eröffnete die Rotstern Confiserie mit Espressobar in Erfurt am Fischmarkt. Ende 2005 wurde die insolvente Feengrotten-Chocolaterie in Saalfeld übernommen, um vor allem Pralinen selber zu fertigen. Neben weiteren Schokoladen-Ostmarken wie Chokis oder Mokka-Bohnen wurde aber auch Spielzeug vermarktet, das 2010 ein knappes Drittel des Umsatzes ausmachte.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Kooperationen und Übernahme durch Caritas
Im Frühjahr 2010 stand die Produktion in der Schokoladenmanufaktur in Saalfeld aus wirtschaftlichen Gründen still. Die Firma Rotstern kooperierte daraufhin mit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein. Davor begann schon die Kooperation mit der Caritas Behindertenwerk GmbH Burgenlandkreis, die für Rotstern in Osterfeld Pralinenkästen füllte sowie ab September 2010 Verpackungen für Rotstern produzierte sowie eine Versandabteilung betrieb.
Anfang Juni 2012 meldete die Firma Rotstern dann Insolvenz an, wobei indirekt auch 135 Beschäftigte der Caritas betroffen waren. Im September 2012 erwarb die Caritas-Behindertenwerk GmbH Burgenlandkreis (cbw) im Rahmen einer sanierenden Firmenübertragung das Unternehmen Rotstern GmbH & Co. KG. Die cbw ist eine 100%ige Tochtergesellschaft des Caritasverbandes für das katholische Bistum Magdeburg (DiCV). Durch den Kauf wurde der mögliche Verlust von bis zu 150 Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung vermieden.
Die Manufaktur in Saalfeld wird mit weniger Mitarbeitern weitergeführt. Die Produktion dort musste bereinigt werden, sodass auch die Herstellung der Edelbitterschokolade „Feenzauber“ in Sammlerdose mit Saalfelder Motiven eingestellt werden musste. Es handelte sich um eine exklusive Variante der als Scho-Ka-Kola bekannten koffeinhaltigen Schokolade. Die Confiserie am Erfurter Fischmarkt wurde nicht von der cbw übernommen und schloss 2012.
Neuere Entwicklungen
Rotstern meldet Insolvenz an. Im September 2019 wurde die Rotstern Schokoladen GmbH & Co. Im September 2019 geht Rotstern in die neue Rotstern Schokoladen GmbH & Co. Rotstern Schokoladen GmbH & Co. Geschichte der Marke Am 17.3.1955 wurde die Marke "Rotstern" in Ostdeutschland gegründet. Sie entstand aus der 1855 gegründeten Firma Mauxion (zur früheren Geschichte siehe dort). Erst mit der "Ostalgie-Welle" und einem neuen Inhaber kommt Rotstern 2002 wieder zurück in die Verkaufsregale.
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Wirtschaftliche Struktur und Produktion
Statt Rotstern lieferte das Werk nun Schokolade unter den Namen Stollwerck, Sprengel oder Waldbaur. Zuerst ließ man die Schokolade bei Nestlé herstellen. Die Manufaktur in Saalfeld wird mit weniger Mitarbeitern weitergeführt. Die Produktion dort musste bereinigt werden.
Sozialer und kultureller Kontext
Auch die Kleingartenkolonie „Rotstern“ ist Teil des lokalen Erbes. Ebenfalls in Saalfeld existiert eine Kleingartenanlage namens „Rotstern“, die seit 1996 als schützenswertes Gartendenkmal eingetragen ist. Diese wurde vom damaligen Eigentümer der benachbarten Schokoladenfabrik Mauxion, Ernst Hüther, initiiert, gebaut und im Frühjahr 1937 als Schrebergartenkolonie Laubenheim Mauxion eingeweiht. Die Illuminations-Birnchen gaben der Kolonie einen „außerordentlich wirkungsvollen Eindruck“, weshalb auf Wunsch von Dr. Hüther die Pächter verpflichtet wurden, die Birnchen an den Wochenenden zwischen 21 und 22.30 Uhr einzuschalten. Die Kleingartenkolonie besteht nahezu unverändert bis heute.
Wichtige Daten und Meilensteine
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1855 | Gründung der Confiserie der Familie Mauxion in Berlin (Ursprung) |
| 1901 | Gründung der Schokoladenproduktion in Saalfeld durch die Gebrüder Mauxion |
| 1917 | Ernst Hüther erwirbt Firmenanteile |
| 1948 | Verstaatlichung: VEB Mauxion Schokoladefabrik |
| 1955 | Marke Rotstern im Markenregister eingetragen (17. März) |
| 1966 | Zusammenlegung zum VEB Thüringer Schokoladenwerke |
| 1991 | Übernahme durch Stollwerck |
| 2002 | Wiederaufleben der Marke durch Handelshaus Alsen |
| 2004 | Umbenennung zu Rotstern GmbH & Co. KG |
| 2012 | Insolvenz und Übernahme durch Caritas-Behindertenwerk Burgenlandkreis |
| 2019 | Neuorganisation: Rotstern Schokoladen GmbH & Co. |
Quellenhinweise und Literatur
- Karin Hartewig: Süßes aus dem Osten! Schokolade aus Saalfeld.
- Karin Hartewig: Mauxion, Rotstern und Stollwerck - Die bewegte Geschichte der Schokoladenfabrik in Saalfeld.
- Almut Wagner: Schokolade aus Saalfeld 1945 bis 1990.
- Andrew I. Port: Die rätselhafte Stabilität der DDR: Arbeit und Alltag im sozialistischen Deutschland.
- Ch. Michael Heinemann: Geschichte der Süsswarenindustrie der DDR.
Rotstern bleibt ein Beispiel für die wechselvolle Geschichte einer regionalen Schokoladenmarke zwischen Tradition, sozialistischer Umstrukturierung, Wende, Wiederbelebung durch Ostalgie und sozialem Engagement durch Träger wie die Caritas.
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