Rohen Plätzchenteig essen: Risiken und Gefahren

Das Naschen von rohem Plätzchenteig ist eine beliebte Tradition, besonders in der Weihnachtszeit. Doch Vorsicht ist geboten, denn der Verzehr von rohem Teig birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken.

Die Verlockung des rohen Teigs

Wer kann schon widerstehen, wenn der süße Kuchenteig aus der Rührschüssel lockt? Besonders Kinder haben ihren Spaß beim Backen und Naschen. Doch hinter dem harmlosen Vergnügen verbergen sich Gefahren, die nicht unterschätzt werden sollten.

Salmonellen in rohen Eiern

Ein bekannter Risikofaktor im Teig sind Salmonellen. Sie können über rohe Eier in die Masse gelangen und bei Verzehr zu einer Salmonelleninfektion führen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer solchen Infektion dank der Impfpflicht für Legehennen gesunken ist, besteht weiterhin eine Gefahr.

Symptome einer Salmonelleninfektion

Eine Salmonelleninfektion äußert sich durch Symptome wie:

  • Plötzlicher Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Unwohlsein
  • Erbrechen
  • Erhöhte Temperatur

In schweren Fällen kann es zu starken wässrigen Durchfällen, erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten sowie Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl kommen.

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Gefährdete Personengruppen

Besonders gefährdet für schwere Verläufe einer Salmonelleninfektion sind:

  • Sehr junge Patienten
  • Sehr alte Patienten
  • Menschen mit Immunschwäche (z. B. bei fortgeschrittener HIV-Infektion)

E. coli-Bakterien im Mehl

Doch nicht nur rohe Eier sind ein Problem. Auch rohes Mehl kann mit krankmachenden Bakterien, sogenannten STEC (Shiga-Toxin bildende E. coli Bakterien), verunreinigt sein. Diese Bakterien können im Körper eine Darmentzündung auslösen, die einen schweren Verlauf nehmen kann.

Was sind STEC-Bakterien?

E. coli-Bakterien sind Teil einer gesunden Darmflora bei Mensch und Tier. STEC-Bakterien sind jedoch krankmachende Varianten, die einen bestimmten Giftstoff (Verotoxin) bilden können.

Symptome einer STEC-Infektion

Gelangen STEC-Bakterien in den Körper, können sie eine Darmentzündung mit folgenden Symptomen auslösen:

  • Durchfall
  • Bauchkrämpfe
  • In schweren Fällen: hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) mit akutem Nierenversagen

Wie gelangen STEC-Bakterien ins Mehl?

Die Kontamination des Getreidekorns kann bereits auf dem Feld erfolgen, beispielsweise durch die Ausbringung von Gülle oder durch den Kot von Wildtieren. Trotz Reinigungsmaßnahmen in den Mühlen können STEC-Bakterien in das fertige Mehl gelangen und dort längere Zeit überleben.

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Warnung vor rohem Mehl

"Essen Sie Keks- oder Plätzchenteig möglichst nicht roh", warnt BVL-Präsident Friedel Cramer. Denn Lebensmittelkontrolleure haben in Weizenmehl immer wieder krankmachende Bakterien nachgewiesen.

Der Fall Rivera: Eine tragische Konsequenz

Der Fall von Rivera zeigt auf tragische Weise, welche Folgen der Verzehr von rohem Keksteig haben kann. Im Mai 2009 aß sie ein paar Bissen von rohem Keksteig und infizierte sich mit einer besonders bösartigen Form von E. coli-Bakterien (E. coli O157:H7). Sie erlitt einen septischen Schock, Organversagen und einen Herzstillstand. Nach einem 10-tägigen Koma verbrachte sie weitere vier Jahre in Krankenhäusern und im Bett, bis sie schließlich an den Folgen der Infektion starb.

Interessanterweise wurde in Riveras Fall das Mehl als Quelle der Bakterien identifiziert, nicht die Eier. Die Eier in Nestlés backfertigem Keksteig waren pasteurisiert, was das Risiko einer Salmonellenübertragung verringerte.

Was sagen die Hersteller?

Nestlé verfolgt einen sehr konservativen Ansatz und empfiehlt, rohe Produkte, die gekocht werden sollen, nicht zu konsumieren. Obwohl die Eier im Keksteig pasteurisiert sind, können theoretisch andere Zutaten kontaminiert sein.

Weitere Risiken: Hefe und Backpulver

Auch Hefe oder Backpulver können zu gesundheitlichen Problemen führen. Die Backtriebmittel erzeugen Kohlendioxid im Darm, was sich bei empfindlichen Menschen in Blähungen und Krämpfen äußern kann.

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Alternativen beim Zuckerguss

Oft wird auch Zuckerguss mit rohem Eiweiß hergestellt, zum Beispiel für Lebkuchenhäuser. Auch hier sollten empfindliche Personen sicherheitshalber nicht naschen und eifreie Alternativen wählen, wie zum Beispiel Aquafaba.

Hygienetipps für die Weihnachtsbäckerei

Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, sollten folgende Hygienetipps beachtet werden:

  • Hände, Küchenutensilien und Oberflächen, die mit rohen Eiern in Kontakt gekommen sind, gründlich reinigen.
  • Kontakt zwischen Mehl und Lebensmitteln zum direkten Verzehr vermeiden.
  • Verschiedene Bretter, Teller, Schüsseln und Rührgeräte verwenden oder gründlich reinigen.
  • Rohe Teige und Massen stets gut durcherhitzen.

Fazit: Lieber geduldig sein

Das Naschen von rohem Plätzchenteig ist zwar verlockend, birgt aber ernsthafte Gesundheitsrisiken. Salmonellen in rohen Eiern und STEC-Bakterien in Mehl können zu unangenehmen bis gefährlichen Erkrankungen führen. Auch Hefe und Backpulver können bei empfindlichen Menschen Beschwerden verursachen.

Daher ist es ratsam, geduldig zu sein und mit dem Naschen zu warten, bis die Plätzchen durcherhitzt und fertig gebacken sind. So kann man die Vorfreude und den Genuss der Weihnachtsbäckerei unbeschwert genießen.

Roher Keksteig zum Direktverzehr: Eine sichere Alternative?

Findige Foodies und Lebensmittelhersteller haben den Trend des rohen Teigs erkannt und bieten mittlerweile "Cookie Dough" zum Direktverzehr an. Bei der professionellen Herstellung werden thermisch behandelte Mehle eingesetzt, um Krankheitserregern vorzubeugen. Es ist davon auszugehen, dass bei dieser Hitzebehandlung pathogene Keime wie EHEC inaktiviert werden.

Sich über professionell hergestellte Backwaren mit EHEC zu infizieren ist unwahrscheinlich, die größte Gefahrenquelle lauert in den eigenen vier Wänden.

Risikogruppen sollten besonders vorsichtig sein

Insbesondere Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit Immunschwäche sollten von rohem Teig die Finger lassen. Für sie kann eine Infektion schwerwiegende Folgen haben.

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