Rhabarber roh mit Zucker essen: Gesund oder giftig?
Rhabarber ist ein beliebtes Frühlingsgemüse, das oft für Obst gehalten wird, aber botanisch gesehen zum Gemüse gehört. Besonders in der Rhabarber-Saison, die von Mitte April bis Ende Juni dauert, finden sich viele unterschiedliche Zubereitungsarten, von Kompott und Kuchen bis hin zu erfrischenden Getränken. Doch immer wieder stellt sich die Frage: Darf man Rhabarber roh essen, vor allem mit Zucker - oder ist das gesundheitlich bedenklich?
Anbau und Ernte von Rhabarber
Rhabarber stammt ursprünglich aus China und kam im 18. Jahrhundert nach Europa. Die Pflanzenstaude können Sie ganzjährig auspflanzen. Die ideale Zeit hierfür ist von Ende Februar bis Mai oder von September bis Ende Oktober. Ernten können Sie die Stängel ab einer Länge von mindestens 25 cm von April bis um den 24. Juni (Johannistag). Danach endet die Erntezeit, da der steigende Säuregehalt in den Stängeln weniger bekömmlich ist. Die Stängel finden Sie von April bis Juni auf Wochenmärkten und in Supermärkten direkt aus der Region. Importierten Rhabarber erhalten Sie bereits ab März aus den Niederlanden oder Belgien.
Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass die Stängel fest sind und eine grünlich bis rötliche Farbe haben. Frisch hält er sich in einem feuchten Tuch eingeschlagen etwa drei Tage im Kühlschrank. Geputzt und in Stücke zerkleinert ist er zum Einfrieren oder Einkochen geeignet.
Giftige Komponenten im Rhabarber - Oxalsäure
Rhabarber enthält relativ viel Oxalsäure, insbesondere in den Blättern und in der Schale. Ganz besonders die Blätter sind nicht zum Verzehr geeignet, da der Gehalt an Oxalsäure hier sehr hoch ist und bei Verzehr zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und in schweren Fällen sogar zu Nierenversagen führen kann.
Der Oxalsäuregehalt in den Stielen liegt etwa bei 450-460 mg pro 100 g Rhabarber. Diese Säure ist natürlich, kann aber in höheren Mengen gesundheitlich bedenklich sein. Vor allem die Schale enthält mehr von der kritischen Fruchtsäure als das Fruchtfleisch. Die Oxalsäure bindet im Körper Mineralstoffe wie Calcium, Kalium und Magnesium und kann in größeren Mengen die Nieren belasten sowie die Eisenaufnahme hemmen.
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| Rhabarberart | Oxalsäuregehalt (mg/100g) |
|---|---|
| Grüner Rhabarber | ~460 |
| Roter Rhabarber | ~350 |
Wird Oxalsäure in zu großen Mengen aufgenommen, kann dies zu typischen Vergiftungserscheinungen führen. In schweren Fällen kann die Menge an Oxalsäure den Körper überfordern und zu Nierenversagen führen. Besonders grüne und ältere Stangen enthalten mehr Oxalsäure als junge, rote Exemplare. Der Gehalt an Oxalsäure steigt im Laufe des Wachstums. Je später der Rhabarber geerntet wird, desto mehr der speziellen Fruchtsäure enthält er. Nach dem 24. Juni sollte Rhabarber nicht mehr geerntet werden.
Wilder Rhabarber ist nicht zum Essen geeignet, denn er ist giftig. Sie finden ihn häufig an Böschungen von Bach- und Flussläufen sowie Teichen. Seine Blätter sind groß, nierenförmig und grob gezahnt. Der Verzehr von Wildem Rhabarber kann gefährlich sein.
Rhabarber roh essen: Darf man das?
Viele kennen es aus ihrer Kindheit: Frische Rhabarberstangen roh gegessen, oft in Zucker getunkt. Und tatsächlich ist das kein Problem, solange es sich um nur ein oder zwei Stangen handelt - und ausschließlich bei geschälten Stängeln, nicht bei Blättern. Die Dosis macht das Gift: Ein gelegentlicher Biss in einen rohen Rhabarberstängel ist für gesunde Erwachsene in der Regel kein Problem. Wer aber größere Mengen roh verzehren will, etwa in einem Smoothie oder als Snack, sollte aufpassen.
Allerdings enthält roher Rhabarber Oxalsäure, die den Mund rau oder pelzig wirken lässt und den Zahnschmelz angreifen kann. Besonders Kinder, Menschen mit Nierenproblemen oder einem erhöhten Kalziumbedarf (z. B. in der Schwangerschaft) sollten auf rohen Rhabarber besser verzichten. Auch Menschen mit Rheuma oder Gicht sollten unbedingt die Finger von rohem Rhabarber lassen. Für intensiveren Genuss und bessere Verträglichkeit empfiehlt sich meist die gegarte Variante, zum Beispiel als Kompott oder im Kuchen.
Tipps zum Rohverzehr und Zubereitung
- Wählen Sie möglichst junge, zarte, rote Stangen - sie enthalten weniger Oxalsäure und schmecken milder.
- Den rohen Rhabarber unbedingt schälen, da in der Schale die meiste Oxalsäure enthalten ist.
- Putzen und waschen Sie die Stangen gut, schneiden Sie sie in kleine Stücke.
- Rhabarber kann fein geschnitten im Joghurt oder Quark gegessen werden. Joghurt enthält viel Calcium und kann die Oxalsäure binden, wodurch der Oxalgehalt minimiert wird.
Rhabarber roh mit Zucker: Eine Kalorienfalle
Achtung: Werden die rohen Rhabarberstücke für einen besseren Geschmack in Zucker gewälzt, wird das gesunde Gemüse schnell zur Kalorienbombe. Die Kombination aus Fruchtsäure und Zucker ist zudem schädlich für die Zähne, weshalb besonders Kinder nicht regelmäßig rohen Rhabarber mit Zucker naschen sollten. Der intensive, erfrischende Geschmack stammt vor allem von Apfel-, Zitronen- und Oxalsäure.
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Nach dem Verzehr von rohem Rhabarber sollte mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen gewartet werden, da die Oxalsäure den Zahnschmelz angreift und sich Komplexe an den Zähnen ablagern können.
Wie kann man Oxalsäure reduzieren?
Um die Oxalsäure im Rhabarber zu reduzieren, sollten Sie den Rhabarber schälen und möglichst früh in der Saison ernten. Blanchieren oder Kochen verringern den Oxalsäuregehalt, indem die Säure ins Kochwasser übertritt - dieses sollte danach weggeschüttet werden. Das Kochen macht den Rhabarber generell bekömmlicher.
Ein weiterer Tipp ist, den Rhabarber immer mit Milchprodukten wie Quark, Joghurt oder Milcheis zu verzehren. Das Calcium darin bindet die Oxalsäure und mindert das Risiko einer Vergiftungserscheinung oder Calciumverlust. Auch für gekochten Rhabarber ist die Kombination mit Milchprodukten zu empfehlen.
Nährstoffgehalt und Gesundheitliche Vorteile von Rhabarber
Trotz Oxalsäure ist Rhabarber sehr gesund. Er enthält viele pflanzliche Inhaltsstoffe, darunter Vitamin C, Kalium, Ballaststoffe und Antioxidantien. Diese Eigenschaften machen Rhabarber zu einem echten Superfood:
- Stärkt das Immunsystem durch Vitamin C.
- Enthält viel Vitamin K, wichtig für die Blutgerinnung.
- Geringer Kaloriengehalt von nur 15-32 Kilokalorien pro 100 Gramm.
- Verbessert die Bluthochdruckwerte dank Kalzium, Kalium und Eisen.
- Fördert die Verdauung durch seinen hohen Ballaststoffanteil.
- Unterstützt Herzgesundheit und Muskelaufbau durch Kalium.
- Bekämpft Zellschäden dank antioxidativer Inhaltsstoffe (Anthocyane).
Rhabarber in der Küche
Rhabarber ist vielseitig verwendbar und wird meist als Kompott, Kuchen, Strudel, Sirup, Chutney oder Marmelade zubereitet. Die jungen, zarten Stängel können auch ungeschält weiterverarbeitet werden, dicke Stängel sollten geschält werden, da sie sonst faserig sind. Am beliebtesten ist der Himbeer-Rhabarber mit seinen knallroten Stängeln.
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Als Gemüse der Saison wird Rhabarber gern zu Bowle, Limonade oder Gelee verarbeitet. Mit dem Saft kann man darüber hinaus auch Gelee herstellen - ideal als Brotaufstrich oder Dip.
Rhabarber ist zudem eine erfrischende Zutat im Salat. Verwenden Sie zarte Stangen und schneiden Sie sie in dünne Spalten - als Topping verleihen sie dem Salat eine knackige Note.
Am besten schmeckt Rhabarber jedoch gekocht, etwa als Kompott, Zutat im Salat oder als Kuchen und Gebäck. Wer viel Rhabarber zu verarbeiten hat, kocht am besten Kompott oder Marmelade.
Rezept für veganen Rhabarberkuchen
Waschen Sie zuerst 1 kg frischen Rhabarber und schneiden Sie ihn in kleine Stücke. Geben Sie 300 g Weizenmehl, 250 g Zucker, 280 ml Pflanzenmilch (z.B. Sojamilch), 100 g pflanzliche Margarine, Vanillezucker, eine Prise Zimt und 50 g gehobelte Mandeln oder Haselnüsse in eine Rührschüssel und verrühren die Zutaten zu einem glatten Teig. Verteilen Sie den Teig auf einem eingefetteten Blech, legen Sie die Rhabarberstücke darüber und streuen Sie die Mandeln oder Haselnüsse darüber. Bei 175 Grad Umluft etwa 45 Minuten backen - guten Appetit!
Spezielle Hinweise für sensible Personengruppen
Menschen mit Nieren- oder Gallenproblemen sollten Rhabarber grundsätzlich meiden, da Oxalsäure die Bildung von Calciumoxalatsteinen begünstigt. Auch Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern wird empfohlen, auf den Genuss von Rhabarber (egal ob roh oder gekocht) zu verzichten.
Falls Sie gesundheitliche Probleme mit den Nieren oder Galle haben, empfehlen Apotheker und Ärzte, Rhabarber nicht zu konsumieren.
Zusätzliche Tipps zur Lagerung und Haltbarkeit
Rhabarber sollte am besten frisch geerntet oder kurzfristig gekauft werden, denn er lässt sich nur schlecht lagern. Nach dem Kauf kann Rhabarber in einem leicht feuchten Tuch eingewickelt und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Um ihn länger haltbar zu machen, kann Rhabarber ungekocht und in kleine Stücke geschnitten eingefroren werden.
Fazit: Roher Rhabarber mit Zucker - Genuss mit Bedacht
Rhabarber kann theoretisch roh gegessen werden, wird aber meist davon abgeraten. In sehr kleinen Mengen und bei gesunden Menschen ist der Verzehr generell möglich, besonders wenn Sie junge, rote Stangen verwenden und diese gut vorbereiten (Schälen, Waschen, mit Milchprodukten kombinieren). Größere Mengen sollten vermieden werden, besonders in Kombination mit Zucker. Für intensiveren Genuss und bessere Verträglichkeit empfiehlt sich meist die gekochte Variante.
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