Honig mit dem Refraktometer richtig ablesen und den Wassergehalt bestimmen: Die ultimative Anleitung
Der Wassergehalt ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Honig. Um die Lagerfähigkeit und Gärsicherheit des Honigs zu gewährleisten, ist die präzise Bestimmung des Wassergehalts unverzichtbar. In diesem Artikel erfahren Sie ausführlich, wie Sie mit einem Refraktometer den Wassergehalt im Honig zuverlässig messen und was es dabei zu beachten gilt.
Warum ist der Wassergehalt im Honig so wichtig?
Der Wassergehalt beeinflusst die Stabilität des Honigs unmittelbar. Ist er zu hoch, beginnt der Honig zu gären und wird ungenießbar. Der Wassergehalt ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Honig. Er beeinflusst Geschmack und Lagerfähigkeit - vor allem aber entscheidet er darüber, ob der Honig bei der Lagerung zu gären beginnt. Ab etwa 18 % steigt das Risiko der Gärung, ab 20 % ist Honig in Deutschland nicht mehr als Honig verkehrsfähig.
Laut deutscher Honigverordnung darf Honig maximal 20 % Wassergehalt aufweisen. Für das Siegel des Deutschen Imkerbundes sind höchstens 18 % erlaubt. Ideal: 15-18 % - dann ist der Honig gärsicher und gut lagerfähig. Honig über 18 % ist generell empfindlicher als trockener Honig. Erst wenn die Bienen die Zellen verdeckeln, ist der Honig reif und lagerstabil.
Gesetzliche Grenzwerte im Überblick
| Verordnung / Verband | Max. Wassergehalt |
|---|---|
| Honigverordnung | 20 % |
| Deutscher Imkerbund (DIB) | 18 % |
| Idealbereich | 15-18 % |
Refraktometer: Messprinzip und Bauarten
Am genauesten misst du den Wassergehalt mit einem Refraktometer. Das optische Messgerät zeigt den Wert direkt in Prozent an. Mit dem Refraktometer wird der Brechungsindex des Honigs gemessen und kann praktischerweise direkt als Wassergehalt in Prozent auf einer Skala abgelesen werden.
Refraktometer gibt es für die verschiedensten Anwendungen, zur Messung des Wassergehaltes im Honig muss das Refraktometer auch für diese Anwendung geeignet sein. Ein Messbereichsumfang von etwa 13% bis 25% Wassergehalt reicht für imkerliche Zwecke aus. Eine Einteilung der Skala in 0,1% oder 0,2% Schritten ist sinnvoll, damit ein möglichst genaues Ablesen möglich ist.
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Digitale Refraktometer geben oft verlässlichere Werte als die analoge Ausführung zurück. Preislich liegen diese Geräte bei ca. 200 Euro aufwärts und können sich für eine große Imkerei mit hohen Qualitätsstandards lohnen.
Wie funktioniert ein Honig-Refraktometer?
Der Brechungsindex von Honig liegt bei 20 °C üblicherweise ungefähr im Bereich von 1,474 bis 1,504. Honig hat je nach Wassergehalt einen anderen Brechungsindex für Licht, je höher der Wassergehalt umso kleiner der Brechungsindex. Bei jedem Brechungsindex wird das Licht am Honig ab einem definierten Winkel nicht mehr durchgelassen, sondern gespiegelt.
Beim Honig-Refraktometer zeigt eine blau-weiße Grenzlinie auf der Mess-Skala den Wassergehalt in Prozent an.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wassergehalt im Honig messen
1. Vorbereitung und Kalibrierung
- Refraktometer mit der beiliegenden Kalibrierflüssigkeit oder Öl kalibrieren. Zum Beispiel kalibrieren Sie mit einer Kalibrierflüssigkeit, deren Brechungsindex dem von Honig nahekommt.
- Bei preiswerteren Geräten wird häufig destilliertes Wasser verwendet (Einstellung auf 0 %), das ist für Honigmessungen jedoch weniger präzise.
- Ist das Refraktometer immer wieder größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt, beschlagen die optischen Teile im Refraktometer und der Kontrast zwischen der Hell-/Dunkelfläche wird immer geringer, oder die Trennung der Flächen wird immer unschärfer, so dass ein ablesen des Wassergehaltes auf der Skala unmöglich wird. Refraktometer sind empfindliche optische Messgeräte die einer pfleglichen Behandlung bedürfen.
- Eine Justierung eines Refraktometers mit ATC kann somit bei jeder Temperatur durchgeführt werden.
- Misst man draußen am Bienenvolk, keinesfalls das Refraktometer in der warmen Jackentasche transportieren und dann messen, sondern z.B. im Werkzeugkoffer transportieren (Umgebungstemperatur). Das Refraktometer sollte sich im Arbeitsraum 2-3 Stunden offen liegen lassen, damit es sich an die Raumtemperatur anpasst.
2. Honigprobe vorbereiten
- Der Honig sollte klarflüssig sein. Fester, trüber oder cremiger Honig geben nur ungenaue Kanten bei der Lichtbrechung und somit ungenaue Messresultate.
- Kristallisierter Honig lässt sich mit dem Refraktometer nicht zuverlässig direkt ablesen, da die Kristalle das Licht unregelmäßig brechen. Verflüssigen Sie ihn daher vor der Messung schonend im Wasserbad (ca. 50 °C), rühren Sie ihn zu einer homogenen Konsistenz und lassen Sie die Probe anschließend auf etwa 20 °C abkühlen.
- Reinigen und trocknen Sie das Prisma sorgfältig (Honigreste oder Wasser verfälschen das Ergebnis).
- Mit einem Holz- oder Plastiklöffel etwas Honig auf das Prisma geben, keinen Metalllöffel benutzen - das Prisma verkratzt leicht. Auch nicht mit den Fingern den Honig aufbringen - Hautfeuchtigkeit kann das Ergebnis verfälschen.
3. Messung und Ablesen
- Die Prismenklappe sorgfältig schließen und andrücken.
- Gegen das Licht durch das Okular schauen und den Wert an der Skala ablesen.
- Zum Ablesen wird das Refraktometer zu einer Lichtquelle gehalten und der Wert abgelesen. Sollte die Anzeige unscharf sein, kann meist an einem Okular die Skalar scharf gestellt werden.
- Der abgelesene Wert entspricht dem Wassergehalt des Honigs in Prozent.
- In der Regel wird man sein Refraktometer nur bei der Honigernte benutzen.
Temperaturkompensation und Korrektur
Die Referenztemperatur zum Vergleichen von Messwerten ist 20 °C. Achtung: ATC kompensiert meist die Gerätetemperatur, nicht die Temperatur eines „warmen“ oder „kalten“ Honigtropfens. Wenn Sie warmen Honig auf ein kaltes Prisma geben, kann der Messwert verfälscht sein.
Die Messung des Wassergehaltes mit dem Refraktometer wird stark von der Umgebungstemperatur beeinflusst. Ist die Raumtemperatur über 20° C wird der Honig dünnflüssiger und damit ändert sich der Brechungsindex, er wird kleiner, und somit der abgelesen Wert für den Wassergehalt größer. Unter 20°C ist der Honig dickflüssiger und der Brechungsindex größer.
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Bei Temperaturen über oder unter 20°C muss der abgelesene Wert deshalb korrigiert werden (siehe Tabelle). Meist verfügen die Refraktometer heute über eine automatische Temperaturkompensation (ATC). Doch Geräte mit ATC sollten kritisch geprüft und ggf. mit Korrekturtabellen kontrolliert werden - insbesondere wenn höchste Präzision gefragt ist.
Praktischer Tipp bei der Messung größerer Gebinde
Der Wassergehalt unterscheidet sich ja unten und oben - und ich vermute bei einer größeren Höhe, wie Klärfass, kann dieser Unterschied noch größer sein. Weserberglandimkerei: Du misst damit nur den Bereich in dem die Spindel eintritt. Da Honig schwerer ist als Wasser ist nach einiger Zeit der Wassergehalt oben höher als unten. Schwebeteilchen und Schaum verfälschen ebenfalls die Dichte und somit das Messergebnis. Für genauere Ergebnisse halt komplett klären lassen, abziehen, durchmischen und dann messen. Anstatt durchzumischen kannst du auch unten genügend Honig in einen kleineren Behälter ablassen und diesen messen. Das sollte dann der minimale Wassergehalt sein.
Alternative Methoden zur Bestimmung des Wassergehalts
Verdeckelungsprobe
Sind die Waben zu mindestens zwei Dritteln verdeckelt, liegt der Wassergehalt meist unter 18 %. Die zuverlässigste Faustregel.
Spritzprobe
Eine volle Wabe waagerecht kräftig nach unten schlagen. Spritzt Honig aus den Zellen, ist der Wassergehalt meist zu hoch.
Kalibrierung und Wartung eines Honig-Refraktometers
- Zwei Möglichkeiten zur Justierung des Refraktometers bieten sich an - Honig oder Quarzglasblock.
- Ein Quarzglasblock hat einen festen Brechungsindex, der anders als bei Flüssigkeiten, nicht durch Temperaturveränderungen beeinflusst wird.
- Besitzt das Refraktometer eine Temperaturkompensation (ATC), muss die Raumtemperatur allerdings 20°C betragen. Justiert man das Refraktometer bei 20%, so wird der Messfehler um so größer, je weiter die Messung von 20% entfernt liegt.
- Ein Handrefraktometer ist ein nützliches Hilfsmittel hat aber keinesfalls die Genauigkeit eines professionellen Laborgerätes.
- Honig Hygroskopisch ist und je nach Luftfeuchtigkeit Wasser an die Umgebungsluft abgibt oder aufnimmt und der Wassergehalt sich somit bei einer nicht luftdichten Lagerung über die Zeit verändert.
- Die Messgenauigkeit beträgt jeweils 0,1% Schritte.
Die Wartung eines Refraktormeters ist im Prinzip nicht erforderlich. Halten Sie es stets sauber und achten Sie darauf, dass das Glas frei von Kratzern bleibt.
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Verwenden Sie zur Reinigung des Prismas kein Wasser. Damit soll verhindert werden, dass Wasser in das Instrument eindringt. Reinigen Sie das Prisma mit einem trockenen oder leicht feuchten Tuch. Tauchen Sie das Gerät niemals in Wasser ein oder spülen Sie es unter fließendem Wasser ab.
Zusätzliche Hinweise zur Messgenauigkeit und Fehlerquellen
- Ein Handrefraktometer hat eine lineare Messkurve, eine Gerade mit einer definierten Steigung.
- Der Wassergehalt des gemessenen Honigs ist höher, als der am Refraktometer abgelesene Wert.
- Es ist einzig und allein wichtig zu wissen, ob der Wassergehalt noch unter 20% bzw. unter 18% liegt. In diesem Bereich muss das Refraktometer genau arbeiten.
- Die Messung sollte bei jeder Temperatur den gleichen Wert ergeben. Wenn nicht, ist die Temperaturkompensation des Refraktometers defekt.
- Häufig liegt der Fehler bei ca. 0,1 Prozent je Grad Celsius Differenz zur Bezugstemperatur 20 Grad.
Typische Fehlerquellen bei der Messung
- Kristalline oder trübe Honigproben
- Unzureichende Temperaturangleichung von Gerät und Probe
- Verschmutztes oder zerkratztes Prisma
- Ablagerungen am Okular oder Kondensation im Gerät
FAQ: Weitere Fragen rund um die Honigrefraktometrie
- Wie groß muss das zu messende Gebinde minimal sein? Geschätzt etwa 30 cm.
- Wann genau messen? Die Messung direkt nach dem Vermischen der einzelnen Bienenwabenzellen liefert den genaueren Durchschnittswert.
- Für die Ermittlung des Wassergehalts im Honig muss dieser klar-flüssig vorhanden sein.
- Honig von Heidekraut: erlaubt bis 23 %, Backhonig bis 25 %.
Für Olivenöl sollte das Refraktometer einen Wert von 27,0 bis 27,2 Prozent anzeigen, für Sonnenblumenöl 24,8 bis 25,2 Prozent. Weicht der Messwert für Olivenöl oder Sonnenblumenöl ab, liegt ein Steigungsfehler der Mess-Skala vor.
Ein korrekt bestimmter Wassergehalt des Honigs gehört zu den wichtigsten Schritten sowohl beim Schleudern als auch beim Abfüllen. Diese Anleitung dient Imkerinnen und Imkern als praktische Hilfe zur Kontrolle des Wassergehalts im Honig und zur richtigen Einstellung des Refraktometers, damit die fertige Charge qualitativ hochwertig und gut lagerfähig ist.
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