Pfeifer & Langen: Eine Geschichte des Zuckers und der Innovation
Pfeifer & Langen ist einer der führenden Zuckerhersteller Europas mit einer langen und bewegten Geschichte. Das Unternehmen wurde 1870 gegründet und hat sich seitdem zu einem bedeutenden Akteur in der Zuckerindustrie entwickelt. Die Geschichte von Pfeifer & Langen ist eng mit der Entwicklung der Zuckerproduktion und der Innovation verbunden.
Die Gründung und frühen Jahre
Am 19. April 1870 gründete Eugen Langen, ein bedeutender Kölner Industrieller, zusammen mit Emil und Valentin Pfeifer die Firma "Pfeifer & Langen". Dies war der Beginn einer erfolgreichen, jahrzehntelangen Zusammenarbeit beider Familien. Im Jahr 1871 nahm die Zuckerfabrik in Elsdorf ihren Betrieb auf. Dort entwickelte Eugen Langen das "Langen'sche Würfelverfahren" zur Herstellung von Zuckerwürfeln.
Eugen Langen, geboren in eine gut situierte Unternehmerfamilie, war ein vielseitiger Mann. Als Erfinder trieb er den Maschinenbau und die Zuckerproduktion voran. Gemeinsam mit Emil Pfeifer unterstützte er Nikolaus Otto bei der Gründung der Motorenfabrik Deutz AG, die heute noch existiert. Langens finanzielle Möglichkeiten aus der Zuckerindustrie und das Erbe seines Vaters machten ihn und seine Brüder zu bedeutenden Kapitalgebern in der Gasmotorenfabrik. Als Vorstandsmitglied war Langen jahrelang maßgeblich am Management und der industriellen Verwertung des Otto-Motors beteiligt.
Neben dem Würfelzucker und dem Otto-Motor wird Eugen Langen auch mit der Schwebebahn in Verbindung gebracht, einem von ihm entworfenen einschienigen Hängebahnsystem, das 1901 in Wuppertal in Betrieb genommen wurde. Des Weiteren engagierte sich Langen in einer Vielzahl von Aufsichtsräten der Elektro- und Transportindustrie sowie in Banken und Versicherungen.
Wachstum und Diversifizierung
Das Zuckerunternehmen wuchs in den folgenden Jahrzehnten kräftig. Ab Ende der 1960er Jahre beschritt man durch Beteiligungen neben dem Zucker weitere Geschäftsfelder. Viele der bekanntesten Marken im Süß-und-salzig-Regal der Supermärkte gehören ganz oder teilweise den Pfeifers und Langens: Funny-frisch, Chio, Ültje, Pom-Bär, Fritt, Goldfischli, Schogetten, Edle Tropfen. Dazu natürlich Zucker der Marke Diamant, weiß oder braun, als Würfel, Kandis oder Puder, oder aufgelöst in Cola, Keksen oder Gummibärchen.
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Intersnack machten die Pfeifers und Langens über eine ganze Reihe von Fusionen und Kooperationen groß. Seither wurde munter zugekauft, im In- und Ausland. Partner wurden sukzessive ausbezahlt, sodass das Knabberreich heute komplett in Familienbesitz ist. Beim Zucker expandierte der Clan ähnlich tatkräftig. Die Eigner übernommener Zuckerbetriebe wurden jedoch oft am Familienkonzern beteiligt. Das spart Cash.
Herausforderungen und Veränderungen
Trotz des Erfolgs stand Pfeifer & Langen vor Herausforderungen. Im Jahr 2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen die drei heimischen Zuckerkonzerne ein Bußgeld von 280 Millionen Euro wegen unbotmäßiger Absprachen. Auf Druck der Welthandelsorganisation wurde zum 1. Oktober die Zuckermarktordnung der EU (ZMO) abgeschafft. Künftig müssen sich Europas Zuckerriesen mit der Konkurrenz aus Thailand oder Brasilien messen.
Kartell und Konkurrenz entblößten die Schwächen von P & L. Die Familie musste reagieren, um die Streuverluste einzudämmen. Als neuer starker Mann galt seither Guido Colsman, Vordenker der Familienholding. Anders als seine Vorgänger setzte Colsman als Holdingchef verstärkt auf externes Know-how. Für P & L verpflichtete er Frank Walser (52), der zuvor den Werhahns im Mühlengeschäft gedient hatte. Die neuen Herren gaben sich tatkräftig, das Familienerbe sollte nicht dahinschmelzen wie der Zuckerhut in der Feuerzangenbowle.
Pfeifer & Langen heute
Pfeifer & Langen ist heute einer der führenden Zuckerhersteller Europas. Zur langjährigen Kundschaft zählen sowohl die Lebensmittelindustrie als auch der Lebensmitteleinzelhandel, wo Produkte der Marken Diamant oder Kölner Zucker vertrieben werden. Darüber hinaus stellt das Unternehmen Futtermittel aus Zuckerrüben her und entwickelt Qualitätsprodukte für die weiterverarbeitende Non-Food-Industrie. Der strategische Schwerpunkt liegt auf Rübenzucker. Daher verarbeitet Pfeifer & Langen vor allem Rüben aus der Region der Produktionsstandorte und beliefert Kunden in den heimischen Märkten in Europa.
Das Sortiment umfasst mehrere hundert verschiedene Produktspezifikationen entsprechend der individuellen Kundenbedürfnisse. Es reicht von Kristallzucker unterschiedlichster Körnungen über flüssige Zucker, Puderzucker, Karamellzuckersirupe, Kandisfarine, Bio-Zucker, Gelierzucker, Kulöre, Fondants, farbige oder aromatisierte Zucker bis hin zu vielen weiteren funktionalen Zuckern.
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Ein Bereich, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, rund ums Jahr läuft, ist die Veredelung. Der im Silo eingelagerte Zucker wird gesiebt und den Kundenwünschen entsprechend in Säcke, Big Packs oder Kleinpackungen abgefüllt. Im 24/7-Betrieb läuft die Fabrik selbst nur während der Kampagne. Dann gibt es aber keine Gelegenheit, Maschinen abzuschalten, der Betrieb muss permanent gewährleistet sein. Alle Vorbereitungen - für Mensch und Maschine - müssen deshalb außerhalb der Kampagne stattfinden.
Nachhaltigkeit und Engagement
Nachhaltiges Wirtschaften ist für Pfeifer & Langen ein Kernwert, nach dem das Unternehmen bereits seit seiner Gründung im Jahr 1870 handelt. Die Unternehmensphilosophie ist es, das Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit auszurichten. Pfeifer & Langen setzt sich national als Förderer des organisierten Sports und im Themengebiet Ernährung für einen bewussten Zuckerkonsum und Zuckergenuss ein.
Die Zuckerfabrik in Lage
Die Zuckerfabrik Lage liegt an der Strecke Herford-Detmold-Altenbeken in der Nähe des Bahnhofs Lage. Sie wurde 1883 gegründet und firmierte unter "Lippische Zuckerfabrik AG" und "Lippe-Weser Zucker AG". 1986 wurde die Zuckerfabrik von "Pfeifer & Langen KG" (Köln) übernommen.
Der Jahresablauf in einer Zuckerfabrik
Während der gut dreieinhalbmonatigen Kampagne im Herbst und Winter rollen reihenweise vollgeladene Lastwagen auf den Hof der Zuckerfabrik, die Rüben türmen sich auf dem Gelände und werden nach und nach zu Zucker verarbeitet. Im Frühjahr schließt sich dann eine vier- bis achtwöchige Dicksaftkampagne an. Aber was geschieht den Rest des Jahres in der Fabrik?
In der Stillstandszeit wird alles frisch und fit gemacht für den nächsten Einsatz im Herbst: Apparate müssen auseinandergenommen und in Ordnung gebracht werden, mit dem Röntgengerät wird nach Haarrissen gesucht, manches wird von innen neu beschichtet, bei Undichtigkeiten wird geschweißt. Der klebrige Zucker ist eine Belastung für Pumpen und Rohre, die müssen bei Bedarf repariert oder ausgetauscht werden. Auch Sensoren und Messgeräte aus dem Bereich der Elektrotechnik kommen auf den Prüfstand.
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Neben der Instandsetzung stehen aber auch Investitionsprojekte an. Zur Kampagne 2021/22 hat Pfeifer & Langen einen Kessel von Braunkohle auf Gas umgebaut, aktuell steht der Bau der Niedertemperaturtrocknung (NTT) an, die bestenfalls zur kommenden Kampagne in Betrieb gehen soll. Für solche Projekte ist das Zeitfenster zwischen den Kampagnen oft ambitioniert.
Bei diesen Arbeiten können die Mitarbeiter auf ein großes Lager zurückgreifen, in dem Ersatzteile und Reparaturmaterial im Wert von sieben bis acht Millionen Euro vorrätig sind. Die letzten Tage vor Kampagnenbeginn seien immer stressig. In Probeläufen wird getestet, ob wirklich alle Rohrleitungen dicht sind und alle Pumpen laufen.
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