Dubai-Schokolade: Inhaltsstoffe, Hype und Warnungen
Die sogenannte Dubai-Schokolade hat im Jahr 2024 einen regelrechten Hype in den sozialen Medien ausgelöst. Diese orientalische Schokolade, die zartschmelzende Vollmilchschokolade mit einer Füllung aus feiner Pistaziencreme und knusprigem Kadaifi, auch bekannt als "Engelshaar", vereint, erfreute sich großer Beliebtheit. Sogar Discounter wie NORMA reagierten auf die hohe Nachfrage und brachten die Dubai Style Schokolade ab dem 23. Dezember 2024 für 3,99 Euro pro 100 Gramm in ihre Regale. Dies machte den luxuriösen Geschmack von Dubai für ein breiteres Publikum erschwinglich.
Der Hype und seine Schattenseiten
Der Hype um die Dubai-Schokolade führte zu einer enormen Nachfrage nach Pistazien, einer Hauptzutat dieser Süßigkeit. Der Anbau von Pistazien ist jedoch nicht unproblematisch. Pistazienbäume gehören zu den durstigsten Nutzpflanzen der Welt, und für die Produktion eines einzigen Kilogramms Pistazien werden je nach Region zwischen 5.000 und 11.000 Liter Wasser benötigt. Besonders problematisch ist dies in wasserarmen Regionen wie Kalifornien, das für einen Großteil der weltweiten Pistazienproduktion verantwortlich ist.
Zudem erfolgt die Pistazienproduktion oft in Monokulturen, was die Böden auslaugt und die Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln erhöht. Auch die Trocknung und Lagerung von Pistazien birgt Risiken, da bei nicht ausreichender Trocknung oder Lagerung Schimmelpilze entstehen können, die gefährliche Aflatoxine bilden.
Warnungen der Lebensmittelaufsicht
Die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung wurde auf den Hype um die Dubai-Schokolade aufmerksam und nahm erste Proben. Die Ergebnisse waren alarmierend. Von acht Proben wurden alle beanstandet. In fünf Proben aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde Fremdfett statt echter Schokolade gefunden, was als klarer Fall von Verbrauchertäuschung gewertet wurde. Zudem waren diese Proben aufgrund von herstellungsbedingten Verunreinigungen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. In drei Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam gefunden, der insbesondere für Sesam-Allergiker gefährlich sein kann.
Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) betonte, dass es nicht akzeptabel sei, wenn "Dubai-Schokolade" draufstehe, aber keine echte Schokolade mit hochwertigen Zutaten ohne Verfälschungen oder Verunreinigungen enthalten sei. Er startete ein landesweites Sonderprogramm, um angebotene Dubai-Schokolade genauer unter die Lupe zu nehmen.
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Untersuchungsergebnisse im Detail
Die Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) des Landes fanden in sämtlichen Proben der Dubai-Schokolade Verunreinigungen, Farbstoffe, Allergene und Fremdfett. In einer Probe mit Pistazienfüllung wurden hohe Anteile an Schimmelpilzgiften (Mykotoxine), vor allem Aflatoxine, festgestellt. Der Verdacht auf eine Aflatoxin-Höchstgehaltsüberschreitung bestätigte sich.
Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass viele der getesteten Produkte nicht den geltenden Vorschriften entsprachen. So wurde in einigen Proben Palmkernöl oder lediglich "Palm" anstatt Kakaobutter als pflanzlicher Fettbestandteil angegeben. Laut Kakaoverordnung muss Schokolade jedoch Kakaobutter enthalten. Produkte, die andere pflanzliche Fette enthalten, dürfen nicht als Schokolade verkauft werden, sondern beispielsweise als kakaohaltige Fettglasur.
Zudem wurden in vielen Proben nicht deklarierte künstliche Farbstoffe gefunden, die einen höheren Anteil an wertgebenden Zutaten vortäuschten. Bei drei von fünf auf Allergene untersuchten Proben war Sesam in deutlichen Mengen enthalten, obwohl dieser weder als Zutat noch im Spurenhinweis deklariert war.
Stiftung Warentest und ihr Urteil
Auch die Zeitschrift "Stiftung Warentest" nahm sechs Tafeln Dubai-Schokolade unter die Lupe (Ausgabe 4/2025). Ihr Fazit fiel wenig begeistert aus: "Einzigartigen Geschmack oder herausragende Qualität fanden wir nicht, dafür Schimmelpilzgifte und Fettschadstoffe."
In den zwei Tafeln aus Dubai entdeckten die Tester Fettschadstoffe (3-Monochlorpropandiol- und Glycidylester), die als möglicherweise krebserregend eingestuft sind. In einer der beiden Schokoladen wurden zudem Schimmelpilzgifte (Aflatoxine) nachgewiesen.
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Die Tester bemängelten auch, dass nur eine Schokolade einen kräftigen Pistaziengeschmack aufwies. Zudem fehlten bei vier der sechs Schokoladen verpflichtende Angaben zu Inhaltsstoffen, Zusatzstoffen oder Allergenen.
Konsequenzen und Empfehlungen
Die Untersuchungsergebnisse der Lebensmittelaufsicht und der Stiftung Warentest zeigen, dass bei der Dubai-Schokolade Vorsicht geboten ist. Verbraucher sollten auf die Inhaltsstoffe achten und Produkte mit unklaren Angaben oder nicht deklarierten Allergenen meiden.
Wer nicht auf Pistazien verzichten möchte, sollte beim Kauf auf Bio-Qualität und Pistazien von kleinbäuerlichen Betrieben achten, die oft nachhaltigere Anbaumethoden einsetzen. Alternativ können heimische Nüsse wie Haselnüsse, Maronen und Walnüsse sowie Samen wie Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne und Leinsamen eine nachhaltigere Wahl sein.
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