„Niemals darfst du so tief sinken, den Kakao, durch den man dich zieht, auch noch zu trinken“ – Bedeutung und Herkunft der Redewendung
Die Sprache ist ein reiches System an Zeichen, das der Kommunikation dient. Dazu gehören auch Redewendungen. Sie verschönern unsere Ausdrucksweise, machen unsere Alltagssprache bunter und begleiten uns auf Schritt und Tritt. Zu diesen farbigen sprachlichen Bildern gehört auch die bekannte Redewendung: „Jemanden durch den Kakao ziehen“. Ein besonders prägnanter Zusatz findet sich im berühmten Zitat von Erich Kästner: „Niemals darfst du so tief sinken, von dem Kakao, durch den man dich zieht, auch noch zu trinken.“ Doch was bedeutet diese Redewendung wirklich, und wo liegen ihre Ursprünge?
Bedeutung der Redewendung
Wenn man jemanden sprichwörtlich durch den Kakao zieht, dann ist damit keineswegs etwas Gutes gemeint. Gemeint ist damit, dass man eine Person verspottet, lächerlich macht oder ironisch aufs Korn nimmt. Doch Kästner ergänzt: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Das bedeutet, dass man die erlittene Herabsetzung niemals selbst akzeptieren oder verinnerlichen sollte.
- Scharfzüngig fordert Kästner damit auf, Würde und Selbstbehauptung selbst dann zu wahren, wenn andere einen bereits erniedrigen.
- Die Redewendung bezieht sich also auf das Verhalten von Menschen in schwierigen sozialen Situationen und mahnt, sich selbst nicht zu verraten.
Herkunft der Redewendung „durch den Kakao ziehen“
Was die Herkunft der Redewendung betrifft, gibt es heutzutage mehrere Varianten. Laut der ersten Variante ist die Redensart vor etwa einhundert Jahren entstanden. Zu dieser Zeit zog man jemanden aber nicht „durch den Kakao“, sondern „durch die Kacke“. Und zwar genau dann, wenn man eine Person gar nicht mochte und sich über sie lustig machte. Aber damals wollte nicht jeder das Wort „Kacke“ in den Mund nehmen, besonders vornehme Menschen nicht. Darum musste man sich also ein anderes Wort einfallen lassen und es gewann das Wort „Kakao“, weil es so ähnlich klingt.
So wie sich dahinter ein verhüllendes Schimpfwort verbirgt, um den vulgären Begriff für Kot nicht in den Mund nehmen zu müssen, ist auch der Kakao eine scheinbar kindertümlich-harmlose Alternativbezeichnung für ein ähnlich klingendes tabuiertes Wort: Kacke. Als Lateiner wissen wir, dass das vom Verb cacare kommt, das genau das bezeichnet, wonach es klingt.
Und da man das halt nicht sagt, griff man eben zum aztekischen Wort cacao, das die Spanier aus Mexiko nach Europa brachten (nicht nur das Wort, übrigens, auch die Bohne und damit das Göttergesöff. ¡Muchas Gracias!). Weniger geläufig sind heute aus diesem Kontext entstandene Redewendungen wie „Kakao in der Hose haben“ oder „im Kakao sitzen“. Das mit dem Durchziehen hat sich aber ganz gut gehalten.
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Die zweite Herkunftsvariante geht zurück auf den grandiosen Schriftsteller Erich Kästner, der satirisch-politische Gedichte schrieb. Er verwendete diese Bildsprache gezielt in einem seiner Verse: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Kästner spielt mit dem Versmaß und variiert mit der Länge der Gedichte. Thematisch deckt er eine große Bandbreite ab und reimt über alltägliches, politisches, philosophisches wie auch persönliches.
Teilweise deutet er seine Meinung nur an und versteckt die Kritik hinter Versen, die scheinbar unbedeutende Normen beschreiben, die gesellschaftlich akzeptiert und somit wenig hinterfragt werden. Und je mehr ich Gedicht für Gedicht lese, je mehr ich mich in Kästners Lyrik vertiefe, umso mehr verdichtet sich in mir der Verdacht, dass es sich hier weniger um einen volltönenden, schönstimmigen Gesang (wie der Titel fälschlicherweise versprechen könnte) handelt.
Beispiele für Kästners Satire und Gesellschaftskritik
- So hinterfragt er z. Bsp. im Gedicht „Brief an meinen Sohn“ die klassische Rollenverteilung in der Erziehung.
- In „Das Riesenspielzeug“ weist er auf die damalige hohe Zahl von jugendlichen Erwerbslosen hin, die ohne Perspektive nur allzu empfänglich für den Lockruf der Nazis waren.
- In „Sozusagen in der Fremde“ beschreibt er mit bitterem Ton die Vereinsamung des Einzelnen, obwohl dieser von Menschenmassen umringt scheint.
- Bei „Die deutsche Einheitspartei“ führt er die Daseinsberechtigung eben dieser ad absurdum, indem er das Widersinnige und die Sinnlosigkeit bloßlegt.
Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, jetzt hinter jedem Kakao gleich etwas Bösartiges zu vermuten. Kakao ist ein leckeres Heißgetränk, das wir meist in den Wintertagen genießen. Es muss allerdings nicht immer eine positive Assoziation wecken.
Kulturvergleich und weitere Sprichwörter
Die Redewendung könnte ins Slowakische als „strielať si z niekoho“ (wörtlich: sich aus jemandem schießen) übersetzt werden, was mit dem deutschen „jemandem zum Narren halten“ verglichen werden kann. Umgekehrt ist die Redensart völlig unbekannt, dass man über jemanden lästert, indem man ihn durch den Kaffee zieht. Hier schlägt die Stunde des Kakaos.
Wer einen Rückzieher macht, bekommt im letzten Moment sprichwörtlich kalte Füße. Die Herkunft der Redewendung ist ganz klar: Die Redensart kommt aus England, aus der Welt des Glückspiels. Als Poker und andere Glücksspiele verboten waren, zog man sich oft in ungemütliche und kühle Kellerräume zurück.
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Vergleichbare deutsche Redewendungen
- Will man jemanden für ein unverbindliches Gespräch treffen, hat sich die Redewendung etabliert, dass man auf einen Kaffee geht. Deutlich seltener kommt die Aufforderung, dass man gemeinsam einen Kakao trinken möchte.
- Auf Slowakisch benutzt man für eine Situation, bei der man in Schwierigkeiten gerät, die Redensart „zavariť si (na problém)“ oder „prihárať na problém“.
Andere Redewendungen im Vergleich
| Deutsche Redewendung | Bedeutung | Wortwörtliche Übersetzung |
|---|---|---|
| Durch den Kakao ziehen | Jemanden verspotten | - |
| Kalte Füße bekommen | Angst bekommen und aufgeben | Get cold feet |
| In Teufels Küche kommen | In Bedrängnis geraten | Get into the devil’s kitchen |
Sollten Sie also von jemandem mit den Worten „Gehen wir auf einen Gaugau?“ zu einem Treffen geladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee.
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