Mit den Waffeln einer Frau: Roland Kaiser, Schmuddel‑Schlager und das Gespräch über Liebe und Lust

Seit 50 Jahren steht Roland Kaiser auf der Bühne und noch immer knistert‘s: Er singt von Ehebruch und erstem Mal, vom Versöhnungssex und der Lust auf den Dreier. Kaisers Hits aber haben den Wandel der Zeiten unbeschadet überstanden. In Münster hat der 73‑Jährige mit 1500 Fans die Premiere seines Films „50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik“ gefeiert. Vor dem Gang über den roten Teppich haben wir ihn im Obergeschoss des Cineplex getroffen.

Rechts sitzt Kaisers Tochter Annalena Keiler vor dem Schminkspiegel, links sitzen wir und vor uns nimmt Roland Kaiser Platz und spricht über Liebe, Lust und Lieder aus fünf Jahrzehnten. Hinter den Kulissen der Filmpremiere: Roland Kaiser im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Herr Kaiser, Ihr Songs handeln von Sehnsucht und Sinnlichkeit. Zu den Themen unter der Gürtellinie, sollte das heißen - darum geht‘s ja in Ihrer Musik. Korrekt.

Roland Kaiser auf dem roten Teppich

Das Stilmittel: Verführung statt Voyeurismus

Ich bin keine Kunstfigur. Ich bin immer der gleiche Mensch, auf der Bühne und danach. Da gibt es keinen großen Unterschied. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Man muss auf der Bühne derselbe sein, der man wirklich ist. Ein Lieblingslied von uns ist „Manchmal möchte ich schon mit dir“. Da überlegt ein Mann, ob er mit der Frau seines besten Freundes schlafen soll. Es ist nur ein Lied. Aber auch eine Geschichte, die Wahrheiten in sich birgt.

Ich habe den Song als Melodie angeboten bekommen. Den Text haben Norbert Hammerschmidt und ich dann selbst geschrieben. Und bei uns beiden kam nicht die Lust hervor, es zum finalen Höhepunkt kommen zu lassen. Ich glaube, das ist der Witz an dem Lied: dass es nicht passiert und alles nur so ein Verführungsmoment bleibt. In allen meinen Texten bleibt die Frau immer eine selbstständig entscheidende Persönlichkeit, die nicht gegängelt wird und über die man nicht entscheidet. Es geht immer um eine Frau, die frei entscheiden kann.

Provokation als Reiz

Der Titel ist dabei ein Vorschlag, den ein Mann seiner Frau unterbreitet. Viele haben mir dazu gesagt: Wie kannst du in der heutigen Zeit so ein Lied veröffentlichen? Für viele war das provokant. Ich finde, das ist gerade der Reiz an der ganzen Sache. Man singt das und guckt, was passiert. Und gar nichts ist passiert - außer dass die Menschen auf den Konzerten das ausgesprochen unterhaltsam finden.

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Schmuddel‑Schlager in der öffentlichen Debatte

In der neusten Folge von „Mit den Waffeln einer Frau“ diskutieren Barbara Schöneberger und Atze Schröder den deutschen Schlager - genauer gesagt die Schmuddel‑Texte von Roland Kaiser und Andrea Berg. Die Texte von Roland Kaiser (71) mögen Atze Schröder schockieren, die Mutter von Barbara Schöneberger findet aber genau das gut. „Meine Mutter sagt zu mir: Den Roland Kaiser liebe ich, der hat nur versaute Texte“, so die Moderatorin.

„Das kannst du doch nicht machen“: Atze Schröder entsetzt über Schmuddel‑Schlager. „Roland Kaiser hat mit Maite Kelly zusammen gesungen: Warum hast du nicht Nein gesagt? Das kannst du doch nicht machen.“, so Atze Schröder völlig fassungslos. Während Barbara Schöneberger amüsiert lacht, muss der Comedian feststellen, dass sich im deutschen Schlager noch ganz andere Abgründe auftun.

Die Fassungslosigkeit über den deutschen Schmuddel‑Schlager nimmt kein Ende. Atze Schröder erzählt dann, dass die Texte wohl absichtlich so anzüglich seien, wie ihm Jacky Drechsler, Songschreiber von unter anderem Roland Kaiser, verraten hat: „Der hat mir mal erzählt, dass sie versucht haben, immer versauter zu werden (…), bis es mal einer merkt. Aber es hat nie einer gemerkt“.

Podcastfolge „Mit den Waffeln einer Frau“ mit Roland Kaiser

Zwischen Emanzipation und Verführung

In „Du, Deine Freundin und ich“ geht es um eine Affäre zu dritt. Roland Kaiser singt unter anderem: „Das Dominante, das Unbekannte. Und unser Spielfeld endlos weit. Lassens geschehen, lassen uns gehen, ohne einen Hauch Verbindlichkeit“. Die Fans von Roland Kaiser diskutieren „Du, Deine Freundin und ich“ und sind gespaltener Meinung. „Und dann kann die Freundin noch eine Freundin mitnehmen, dann sind wir zu dritt“ - eine Anspielung auf seinen Song „Du, Deine Freundin und ich“.

Am reizvollsten finden Frauen die Geschichte. Ich gehe da nicht mit moralischen Bedenken ran. Ich bilde die Wirklichkeit ab. Wenn Geschlechtsgenossen von mir sagen, dass sie an der Bar zu der Frau rüber sind, dass sie sie „klargemacht“ haben - dann ist das, glaube ich, alles eher Wunschdenken. Das stimmt einfach nicht. In Wirklichkeit entscheiden die Frauen, was passiert. Nicht die Männer. Punkt.

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Wie sich das Gespräch über Sex verändert hat

Wie über Liebe und Sex gesprochen wird, hat sich in den 50 Jahren Ihrer Karriere stark verändert. In den 70ern liefen freie Liebe und eine bürgerliche Prüderie nebeneinander, in den 80ern prägte die Aidskrise die Debatte, heute gibt es Fremdgeh‑Apps und Polyamorie. Offen gesagt, nicht so sehr. Bedenken gibt es immer.

Es gibt kein Universalrezept. Das kann so und so passieren. Die Lust auf den Seitensprung, von der Sie singen, dürften viele zu Hause tunlichst verschweigen. Schreiben Fans Ihnen Leserbriefe zu diesem Konflikt? Ich bin kein Mentor. Ich bilde Situationen ab, die auch anderen Menschen passieren könnten. Mehr ist das nicht. Es ist ein Unterhaltungsangebot und die Menschen können das annehmen oder nicht.

Erfolg, Repertoire und Bühnenarbeit

Gibt es den einen Song, bei dem die Leute besonders toben? Es gibt eine Reihe davon. Einer der Höhepunkte ist immer „Joana“. Auch da ist die Situation, dass eine Frau, die dem Erzählenden völlig fremd ist, ihn einfach vernascht. Ich bin kein Mentor. Ich fühle mich als Unterhalter. Und das möchte ich auf möglichst hohem Niveau machen. Ich habe eine exzellente Band. Wir machen, wie ich finde, eine gute Bühnenarbeit. Wir proben sehr lange und versuchen das zu perfektionieren.

Gibt es ein Album in Ihrer Karriere, das Ihnen am wichtigsten ist? Auf diese Frage wird Ihnen jeder Künstler sagen: Mein letztes Album ist das beste, das ich jemals gemacht habe. Für meine ganze Karriere würde ich sagen: Viele Alben sind gut gelungen. Manche vielleicht auch nur zu 30 oder 40 Prozent. Zu 100 Prozent wird man es nie hinkriegen. Auf dem Weg muss man Kompromisse machen. Das ist auch meine Sicht auf mich selbst: Ich hätte immer noch was besser machen können. Nobody is perfect.

„Marathon“ und neue Songs

Es soll um sein neues Album gehen, „Marathon“, das gerade erschienen ist. Dabei geht es um Musik und Entertainment. Um Themen wie Liebe und Anstand, die das sehr gut gesungene und produzierte Werk bestimmen. Weil sich sein Leben wie ein Marathon anfühlt, hat er sein neues Album so genannt. Nach Hits wie „Santa Maria“, „Perspektiven“, „Warum hast du nicht nein gesagt“ und vielen mehr liefert Roland neue Hits, die u.a. von Peter Plate, Daniel Sommer oder auch Maite Kelly geschrieben worden sind.

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Privates: Hunde, Handsauger und Alltag

Ihre Instagram‑Fotos lassen aber noch eine zweite, heimliche Leidenschaft erkennen: Dackel. Der heißt Miley. Der Züchtername ist Resi von der Hirschweide. Als wir den Hund angeschafft haben, wollte meine Frau einen, mit dem auch unsere Tochter spielen kann. Mir war ein Dackel eigentlich zu klein und zu wenig Hund. Aber gut. Meine Tochter wollte ihm dann einen griffigen Namen geben. Und weil Miley Cyrus ihr großer Star war, wurde Resi zu Miley. Inzwischen ist der Hund elf Jahre alt.

Dackel Miley auf dem Sofa

Dieser Dackel ist auch gar nicht gern in Restaurants unterwegs. Der ist mehr zu Hause. Er kann gut alleine sein, legt sich hin und schläft eine Runde, bis wir wiederkommen. Kein Problem. Der Hund kriegt sein Trockenfutter und zwischendurch nichts extra. Wir kämen nicht auf die Idee, ihm irgendwelche Essensreste zu geben. Er hat noch eine Kaustange, damit die Zähne gereinigt werden. Das war’s dann. Zu Weihnachten gibt’s vielleicht einen Knochen.

Als ich ein Kind war, hatten wir einen Foxterrier. Den hatte ich meiner Mutter mehr oder weniger abgenötigt - durch Weinen und Schreien. Das war ein wunderbarer Hund. Ich liebe Hunde sehr. Sie tragen eine tiefe Philosophie in sich, die unserer menschlichen weit überlegen ist. Zumindest für mich gilt das: Mein Dackel ist mir deutlich überlegen. Er ist ungeheuer trickreich. Man denkt immer, ein Hund hat so drei oder vier Maschen drauf. Von wegen - der hat 400. Miley trickst einen so aus, dass es eine Freude ist. Ich liebe dieses Tier sehr.

Alltag und kleine Gesten

Roland Kaiser macht seinem Nachnamen alle Ehre: Er ist immer top gestylt und sieht einfach schick aus. Das zieht sich auch in andere Lebensbereiche, denn Roland Kaiser mag es gerne ordentlich und dabei geht es auch um einen Ort, der bei vielen von uns gerne mal unordentlich ist: Das Auto! Darüber haben Roland Kaiser und unsere Senderchefin Barbara Schöneberger im Podcast “Mit den Waffeln einer Frau” gesprochen. Während man vom Boden des Autos von Roland Kaiser essen könnte, findet man auf dem Boden des Autos von Barbara Schöneberger eher noch was zum Knabbern. Deswegen hat Roland Kaiser Barbara Schöneberger seine Hilfe angeboten. Roland Kaiser ist nämlich immer bereit: Wer einen Handsauger im Auto hat, der ist einfach immer bereit.

Thema Kernaussage
Musik & Texte Verführungsmomente, Frauen als selbstständig entscheidende Figuren
Öffentliche Debatte Schmuddel‑Schlager polarisiert, bleibt Teil der Unterhaltung
Karriere 50 Jahre Bühne, kontinuierliche Arbeit und Perfektionismus
Privat Dackel Miley, Ordnungsliebe, Alltagshumor (Handsauger)

Beeindruckend! Ihr wollt noch mehr von Roland Kaiser erfahren? Dann hört euch doch den Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ von Barbara Schöneberger mit Roland Kaiser an. Dort konnte Barbara Schöneberger von Roland Kaiser das ein oder andere Geheimnis erfahren. Hier könnt ihr die Podcast‑Folge mit Roland Kaiser ganz einfach nachhören: Folge 232 | 24.04.2023 | 54:06 Roland Kaiser.

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