Methylglyoxal (MGO) Gehalt in deutschem Honig: Vergleich zu Manuka-Honig, Herkunft, Messung und Bedeutung
Manuka-Honig gilt als einer der außergewöhnlichsten und begehrtesten Honige der Welt. Er stammt aus Neuseeland und wird aus dem Nektar der Manuka-Pflanze (Leptospermum scoparium) gewonnen, die dort wild wächst. Im Gegensatz zu herkömmlichen Honigen enthält Manuka-Honig einen besonders hohen Anteil an Methylglyoxal (MGO), einer natürlich vorkommenden Verbindung, die in dieser Konzentration sonst kaum in anderen Honigen zu finden ist. Durch diese Eigenschaften hebt sich Manuka-Honig deutlich von vielen deutschen Honigsorten ab.
Was ist Methylglyoxal (MGO) und wie entsteht es?
MGO steht für Methylglyoxal, eine natürliche Verbindung, die für die besonderen Eigenschaften des Manuka-Honigs verantwortlich ist. Das Besondere daran: MGO entsteht aus Dihydroxyaceton (DHA), das in den Blüten der Manuka-Pflanze vorkommt. Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton (siehe unten).
Die MGO-Konzentration im „reifen“ Honig korreliert mit der DHA-Konzentration im Nektar, welche wiederum von Strauch zu Strauch schwankt. Bei der Lagerung frischer Manuka-Honige kommt es zu einem markanten Anstieg der MGO-Konzentration bis zum Erreichen eines Plateaus, an dem der Honig in Bezug auf den MGO-Gehalt als „ausgereift“ betrachtet werden kann. Direkter Precursor ist die Verbindung Dihydroxyaceton (DHA), die bei der Honigreifung zu MGO umgesetzt wird.
Messung und Kennzeichnung: MGO, UMF und Analyseverfahren
Die wesentlichen Inhaltsstoffe des Manuka-Honigs sind neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Kommerzielle Manuka-Honige werden hinsichtlich ihrer nicht-peroxidischen antibakteriellen Aktivität mit einem sogenannten Unique Manuka Factor = UMF (übersetzt „einzigartiger Manuka-Faktor“) gekennzeichnet, welchen der neuseeländische Verband Unique Manuka Factor Honey Association (UMFHA) an Lizenznehmer für entsprechende Honigqualitäten vergibt. Zur Bestimmung dieses Faktors wird die antibakterielle Wirkung des Manuka-Honigs mit der einer Phenollösung verglichen.
Die neuseeländische MPI und andere Anbieter verwenden zusätzlich das Markenzeichen MGO®, gefolgt von einer Zahl, die den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig angibt. Andere Anbieter folgen mittlerweile dieser Methodik, indem sie ebenfalls einen MGO-Wert (Methylglyoxalgehalt) zur Charakterisierung der nicht-peroxidischen antibakteriellen Wirkstärke angeben.
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Laboranalysen und Vorhersage des MGO-Gehalts
Die TU Dresden hat ein Messverfahren entwickelt, mit dem sich die durch Lagerung erzielbare MGO-Konzentration im Honig vorhersagen lässt. Für die Bestimmung von DHA in Honig konnte eine RP-HPLC-Methode basierend auf einer Vorsäulen-Derivatisierung mit OPD und UV-Detektion erfolgreich etabliert werden. DHA und MGO wurden in frischen und kommerziellen Manuka-Honigen in vergleichsweise hohen Mengen bis zu 2700 mg/kg DHA bzw. 700 mg/kg MGO quantifiziert.
Antibakterielle Wirkung von MGO: Wirksamkeit und Grenzen
In Arbeiten des Instituts für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden konnte die Konzentration des Stoffwechselproduktes Methylglyoxal in bestimmten Manuka-Honigen aus Neuseeland gemessen und dessen antibakterieller Einfluss quantitativ in vitro nachgewiesen werden. Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt. Für Methylglyoxal wurde die minimale Hemmkonzentration gegenüber beiden Keimen ermittelt als 1,1 Millimol pro Liter (entsprechend 75 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm).
Mittels Mikrodilutionstest wurden gegen vier klinisch relevante Bakterien (Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Streptococcus pyrogenes und Pseudomonas aeruginosa) für MGO minimale Hemmkonzentrationen (MHK) zwischen 0,44 und 3,55 mM bestimmt. Die Inhibierung war im Vergleich zu typischen Antibiotika geringer, eine Antibiotika-Resistenz der Bakterien hatte keinen Einfluss auf die inhibierende Wirkung von MGO. In Anwesenheit von Zucker- bzw. Honigmatrix resultierten vergleichbare MHK-Werte für MGO.
Ist MGO im menschlichen Körper gefährlich?
Methylglyoxal (MGO) ist ein Stoff, den unser Körper ganz natürlich im Zuckerstoffwechsel produziert - allerdings eher als unerwünschtes Nebenprodukt. Trotz seiner Risiken hat MGO auch eine antibakterielle Wirkung - und genau das macht es für die Naturmedizin interessant. Die Bedeutung des Methylglyoxalgehaltes im Manuka-Honig wurde sowohl hinsichtlich der antibakteriellen Wirksamkeit als auch der toxikologischen Unbedenklichkeit kontrovers diskutiert. Der Lebensmittelchemiker Thomas Henle von der TU Dresden hält die in Manuka-Honigen gefundenen 300 bis 700 mg pro Kilogramm „für den menschlichen Organismus (…) möglicherweise nicht mehr unbedenklich“.
Manuka-Honig in Medizin und Wundversorgung
Mit der steigenden internationalen Nachfrage erhöhte sich der Preis von 37 NZD für ein Kilo im Jahr 2010 auf über 100 NZD im Jahr 2015. Im August 2005 wurde ein zur Behandlung von Wunden ausgewiesenes Fertigpräparat unter der Bezeichnung Medihoney europaweit als Medizinprodukt zugelassen. Medihoney wird aus dem Blütennektar verschiedener Leptospermum-Arten gewonnen und enthält als weitere Komponente einen Blütenhonig mit einem hohen Anteil des Enzyms Glucose-Oxidase. Mittlerweile wird Manuka-Honig in klinischen Studien erforscht und teilweise angewendet. Durch den Einsatz des Honigs als Wundauflage soll ein feuchtes Wundmilieu erzeugt werden. Dieses soll in der Lage sein, sich ständig selbst zu desinfizieren, die Wunde nach außen abzuschließen und sie mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
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Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass sich aufgrund der Unterschiede in den Wundarten und Vergleichsbehandlungen keine allgemeinen Schlussfolgerungen über die Wirkung von Honig auf die Wundheilung ziehen lassen. Allerdings bestehe Evidenz hoher Qualität dafür, dass Teilschichtverbrennungen mit Honig etwa vier bis fünf Tage schneller heilen als mit konventionellen Verbänden. Heuer et al. befürworteten 2011 die Anwendung von Manuka-Honig nur auf nicht-chronischen Wunden. Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. rät in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung ab.
Fälschungen, Markt und Authentizität
Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es leider viele Fälschungen oder minderwertige Mischhonige auf dem Markt. Der Markt ist voller Produkte mit fragwürdigen Etiketten, überzogenen Versprechen und zweifelhafter Herkunft. Nach neuseeländischem Recht durfte in der Vergangenheit uneingeschränkt jeder Honig, der von einem Bienenvolk produziert wurde, das in der Nähe von Manukapflanzen aufgestellt ist, von den Imkern als „Manuka“ vermarktet werden, auch wenn die Manukaanteile im Honig kaum mehr nachweisbar waren. 2013 warnte die britische Agentur für Lebensmittelstandards (Food Standards Agency) Konsumenten vor zunehmenden Betrügereien mit falschem Manuka-Honig. Analyse-Ergebnisse würden zeigen, „daß offensichtlich insbesondere in England, aber damit natürlich auch im Rest von Europa, sehr viel Manuka-Honig verkauft wird, der gar kein Manuka-Honig ist. Konkret wurde festgestellt, daß in diesen Honigen gar kein Methylglyoxal, also damit gar kein tatsächlicher wertgebender Inhaltsstoff, enthalten war.“
Die neuseeländischen Produzenten gaben 2013 eine jährliche Produktion von nur 1700 Tonnen an, weltweit wurden jedoch jährlich 10.000 Tonnen angeblicher Manuka-Honig verkauft. Nur jeder fünfte bis sechste verkaufte „Manuka-Honig“ sei demnach authentisch. Eine Gruppe Dresdner Lebensmittelchemiker um Thomas Henle konnte auch unter den in Deutschland angebotenen „Manuka-Honigen“ eine ganze Reihe identifizieren, in denen kein Methylglyoxal enthalten war. Diese Honige würden mit entsprechenden „Phantasie-Auslobungen“ wie zum Beispiel active plus oder active 10 verkauft.
Gibt es deutsche Alternativen mit relevantem MGO- oder antibakteriellem Gehalt?
Heidehonig ist einer der wenigen deutschen Honige, die geschmacklich und von der Konsistenz her mit Manuka-Honig vergleichbar sind. Mehrere Studien und Analysen weisen darauf hin, dass lokale Honige vergleichbare antibakterielle Wirkungen aufweisen wie Manuka-Honig. Prof. Günter Kamp vom Labor für Angewandte Molekulare Physiologie in Münster hat Edelkastanien- und Sommertrachthonig auf antibakterielle Wirksamkeit gegen zwei Bakterienstämme (Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus) testen lassen. Bei beiden Honigsorten ist eine eindeutige antibakterielle Wirksamkeit festgestellt worden, die nahezu der Wirksamkeit eines ebenfalls getesteten Manuka-Honigs mit einem Methylglyoxal (MGO)-Wert von 250+ entspricht.
Die Analyse-Ergebnisse decken sich mit einer Vielzahl internationaler Studien, die belegen, dass lokale Honige vergleichbare antibakterielle Wirkungen aufweisen wie Manuka-Honig. Eine indische Studie vergleicht beispielsweise die Wirksamkeit dreier Mundspüllösungen: Mit Manuka-Honig, mit naturbelassenem lokalen Honig sowie dem chemischen Wirkstoff Chlorhexidin. Während Chlorhexidin die stärkste Wirkung entfaltete, zeigten die Honigspülungen ebenfalls deutliche Hemmeffekte, dabei lag der lokale Honig mit Manuka gleichauf.
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Enzymatische Aktivität und Lagerung als Qualitätseinfluss
Wie man bei der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim nachlesen kann, setzt das Enzym Glucose-Oxidase aus verdünntem Honig Wasserstoffperoxid frei, das die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmt. Unsere diesjährigen Honigsorten sind von unabhängigen Laboren analysiert worden. Die Honigsorten Edelkastanie, Sommertracht, Lindenblüte, Frühjahrsblüte und Löwenzahn enthalten ansprechende Werte des Enzyms Glucoseoxidase - (GOX100+ bzw GOX 50+).
Ein Vorteil von Manuka-Honig liegt darin, dass seine antibakteriellen Eigenschaften durch den Wirkstoff Methylglyoxal relativ stabil bleiben, während die Wirksamkeit bei anderen Honigen stark von Sorte zu Sorte variiert und zu einem großen Teil von der schonenden Verarbeitung und der sachgemäßen (kühlen und dunklen) Lagerung abhängt. Die wertvollen Enzyme sind licht- und wärmeempfindlich. Wenn der Honig vor dem Abfüllen im Fass kristallisiert und er vom Imker erhitzt werden muss, dann sind auch viele seiner positiven Eigenschaften im Eimer, da die Enzyme verloren gehen, wenn der Honig erhitzt wird. Enzymaktiver Honig sollte kühl und dunkel gelagert werden, etwa in einem Vorratsraum ohne Fenster oder in einem geschlossenem Regal.
Analytische Zusammenfassung: MGO, DHA, HMF und Diastasezahl
In handelsüblichen Manuka-Honigen ergeben sich große Unterschiede in den bestimmbaren Konzentrationen von MGO, DHA, 5-Hydroxymethylfurfural (HMF) und Diastasezahl (DZ). Frische Manuka-Honige zeichnen sich analog zu anderen frischgewonnenen Honigen durch einen sehr geringen Gehalt an HMF aus, der während der Lagerung stark ansteigen kann. Im Vergleich zu anderen Honigsorten zeichnet sich Manuka-Honig durch eine eher niedrige bis mittlere DZ aus.
| Parameter | Bedeutung | Beobachtung bei Manuka |
|---|---|---|
| Methylglyoxal (MGO) | Antibakteriell, Maß für Qualität | Bis zu 700 mg/kg; Kennzeichnung MGO® + Zahl |
| Dihydroxyaceton (DHA) | Vorläufer von MGO | Bis zu 2700 mg/kg; korreliert mit MGO |
| 5-Hydroxymethylfurfural (HMF) | Indikator für Alter/Erhitzung | Niedrig frisch, steigt bei Lagerung/Erhitzung |
| Diastasezahl (DZ) | Enzymaktivität, Qualitätsparameter | Eher niedrig bis mittel bei Manuka |
Praktische Hinweise für Verbraucher in Deutschland
- Wer echten Manuka-Honig kaufen will, sollte auf nachvollziehbare Zertifikate wie UMF® oder MGO® achten und Laboranalysen verlangen.
- Aus deutschen Honigen können einige Sorten (z. B. Heidehonig, Edelkastanie, Sommertracht) vergleichbare antibakterielle Wirkungen zeigen; unabhängige Laboranalysen sind hilfreich.
- Enzymaktiver Honig verlangt schonende Verarbeitung und kühle, dunkle Lagerung, um seine bioaktiven Eigenschaften zu erhalten.
- Die EU- und Lebensmittelgesetzgebung erlaubt keine gesundheitsbezogenen Angaben auf Honigprodukten (Health Claims), deshalb sind Werbeversprechen kritisch zu prüfen.
Schutz vor Fälschungen und Auswahlkriterien
Der größte Unterschied zwischen hochwertigem und fragwürdigem Manuka-Honig liegt in der Zertifizierung. Ein echter Manuka-Honig sollte mindestens eine dieser beiden Auszeichnungen tragen: MGO-Siegel oder UMF®. Seit Dezember 2017 stellte das neuseeländische Ministerium für Grundstoffindustrien (MPI) eine Definition und ein Analyseverfahren vor, die für die Authentifizierung von „neuseeländischem Manuka-Honig“ verwendet werden können. Mit der Einführung separater Warennummern für Manuka-Honig war es möglich, die tatsächlichen Exportmengen eines Jahres für Manuka-Honig zu beziffern.
Forschung, offene Fragen und Ausblick
Die Ursache für die hohen antibakteriellen Eigenschaften von Manuka-Honig kann auf eine Besonderheit in der Zusammensetzung zurückgeführt werden. Ziel wissenschaftlicher Arbeiten war die weitere Aufklärung und Charakterisierung des Ursprungs und der Bildung des in Manuka-Honig enthaltenen MGO. Es stellte sich die Frage, warum MGO einen natürlichen Honigbestandteil darstellt, inwieweit die Bildung auf einer enzymatischen oder mikrobiellen Grundlage basiert und ob sie durch weitere Honigparameter, wie z. B. pH-Wert, Wasser- oder Proteingehalt, beeinflusst wird.
Für die Anwendung in der Medizin existieren weiterhin offene Fragen: Die Evidenz für verschiedene Wundarten ist unterschiedlich, und toxikologische Aspekte hoher MGO-Konzentrationen sind nicht abschließend geklärt. Klinische Studien und standardisierte Messverfahren bleiben wichtig, um Nutzen und Risiken besser abzuschätzen.
Wer eine hochwertige, regionale und unkomplizierte Alternative sucht, trifft mit sorgfältig produzierten deutschen Honigen wie Heidehonig oder bestimmten Trachten eine kluge Entscheidung - vorausgesetzt, Qualität wird durch unabhängige Laboranalysen belegt und die Verarbeitung erfolgte schonend.
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