Melezitose-Honig schleudern: Tipps und Methoden für Imker

Viele Imker kennen das Problem: Honig, der in den Waben hart und krümelig auskristallisiert - der sogenannte „Zementhonig“. Melezitosehonig entsteht, wenn Bienen den zuckerhaltigen Honigtau von bestimmten Läusen sammeln, die auf Nadelbäumen leben. Melezitose ist ein Dreifachzucker, der aus je zwei Molekülen Glukose und einem Molekül Fruktose besteht und im Honigtau vorkommt.

Woran erkennt man Melezitosehonig?

  • Hohe Tageszunahmen: Wenn die Tageszunahmen stark steigen, solltet ihr den Honigraum kontrollieren. Eine Stockwaage ist dein bester Freund! Wenn ein Bienenvolk mehr als 3 kg Honig pro Tag sammelt, solltest du hellhörig werden. Bei Melezitosehonig liegen die Zunahmen meist zwischen 3 und 5 kg, können aber auch bis zu 8 kg oder sogar um die 10 kg pro Tag betragen.
  • Trübheit kontrollieren: Hält man Honigwaben mit normalem Honig gegen die Sonne, erkennt man den Zellboden, der wie ein dreizackiger Stern aussieht. Melezitosehonig hingegen ist sehr trüb, ihr könnt daher den Zellboden der Honigzellen nicht mehr erkennen.
  • Geleeartige, dann sandig-körnige Konsistenz: Der Melezitosehonig hat zudem eine Konsistenz wie Gelee und ist sandig, wenn man mit dem Finger durch die Wabe kratzt.
  • Schnelle Kristallisation: Bei stark melezitosereichen Trachten kristallisiert der Honig mitunter innerhalb weniger Tage in den Waben aus. Ab einem Melezitose-Anteil von etwa 20% kristallisiert der Honig bereits in den Waben und lässt sich nicht mehr schleudern.

Warum ist Melezitoseproblematisch?

Ist der Melezitose-Anteil im Honig hoch, kristallisiert er schnell und wird teilweise schon in den Waben so hart, dass Imker ihn nicht mehr schleudern können. Deshalb ist der „Zementhonig“ bei den meisten Imkern gefürchtet. Melezitosehonig ist für die Bienen als Winterfutter absolut gefährlich! Du musst ihn unbedingt vor der Einwinterung aus den Völkern entfernen. Bienen können den harten, kristallisierten Melezitosehonig im Winter kaum aufnehmen. Sie brauchen viel Wasser, um den Zucker aufzulösen - aber im Winter ist Wasser oft knapp. Im schlimmsten Fall verhungern die Bienen trotz voller Honigwaben, weil sie den festen Honig nicht aufnehmen können. Zudem können sie durch Waldhonig an Ruhr oder Nosema leiden.

Früherkennung und erste Maßnahmen

  • Regelmäßig kontrollieren: Um früh reagieren zu können, ist es wichtig, zu wissen, ob und wann es Zementhonig gibt. Da das Problem oft sehr lokal auftritt, ist es schwer vorherzusagen.
  • Mittelwände geben: Wenn die Tracht läuft und du erste Anzeichen von Zementhonig siehst, kann es helfen, den starken Bautrieb zu nutzen: Gib Mittelwände, lasse sie zügig ausbauen und entnimm die frisch ausgebauten, noch unbefüllten Waben nach 1-2 Tagen wieder als Reserve.
  • Nicht als Winterfutter verwenden: Melezitosehonig darf auf keinen Fall als Winterfutter dienen.
  • Nicht unreif schleudern: Direkt nachdem die Bienen den Honig eingetragen haben, lässt er sich oft noch schleudern, bevor er in den Waben hart wird. Das ist zwar verlockend - man sollte aber keinesfalls Honig mit zu hohem Wassergehalt schleudern.
  • Honig entnehmen: Deshalb sollte man allen Melezitosehonig entnehmen - auch wenn noch welcher im Brutnest lagert!

Methoden, um Melezitosehonig schleudern zu können

Die einfachste und qualitativ schonendste Methode ist, den Honig von den Bienen umtragen zu lassen. Beim Umtragen reichern die Bienen den Honig mit Enzymen an, die den Zucker spalten. Dadurch bleibt er flüssig und lässt sich schleudern. Beim Umtragen lassen sollte man unmittelbar nach einer Melezitosetracht handeln.

Umtragen lassen - Schritt für Schritt

  1. Trachtende abwarten: Lagert den entnommenen Honig kühl bis zum Ende der Tracht. Erst dann werden die Bienen den Honig umtragen.
  2. Entdeckeln: Entdeckelt die Waben mit einer Entdeckelungsgabel oder einem Messer. Die Waben dürfen nicht verdeckelt sein, bevor sie ins Volk zurückgehängt werden.
  3. Wässern / Anfeuchten: Um den harten Honig umzuarbeiten, brauchen die Bienen große Mengen an Wasser. Es hilft, wenn ihr die Waben vorher für 5-15 Minuten in warmes Wasser legt oder die Waben gut mit Wasser besprüht.
  4. Ins Volk einhängen: Jetzt könnt ihr die Waben zurück in starke Völker einhängen. Um die Bienen zum Umtragen zu motivieren, könnt ihr die Waben unter das Brutnest, direkt über dem Boden einhängen. Die Bienen mögen es nicht, wenn der Honig so nahe am Flugloch ist und werden ihn umtragen. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Waben oben unter eine lichtdurchlässigen Abdeckung zu hängen. Durch das Licht denken die Bienen, ihr Stock hat ein Loch und tragen den Honig panisch ins Dunkle.
  5. Geduld haben: Jetzt heißt es geduldig sein und den Bienen Zeit geben, den Honig umzutragen. Das Umtragen ist in der Regel in 1-3 Tagen erledigt, kann aber bis zu mehreren Wochen dauern. Zur Unterstützung kann man die Waben immer wieder mit Wasser besprühen.
  6. Erneut ernten: Ist der Honig umgetragen, kann man ihn - wie immer - schleudern. Er ist in den Waben nun flüssig wie klassischer Waldhonig.
Waben mit Melezitose gegen Licht gehalten

Wenn Umtragen nicht möglich oder zu lange dauert

  • Waben pressen: Schneide die Waben aus den Rähmchen, zerkleinere sie und presse den Honig aus. Dafür gibt es eigene Pressen, mit denen man auch Olivenöl oder Apfelsaft pressen kann.
  • Stippen / Nadelwalze: Ist der Honig sulzig und noch nicht ganz hart, kann man ihn mit einer Nadelwalze bearbeiten und dann schleudern.
  • Ausschmelzen im Deckelwachsschmelzer: Bei größeren Mengen kann man die Waben mit dem Zementhonig in einem Deckelwachsschmelzer einschmelzen. Das flüssige Wachs sammelt sich oben, der Honig setzt sich unten ab. Qualitätsparameter können jedoch leiden; HMF-Wert und enzyme können beeinflusst werden.
  • Erhitzung/Wärmebehandlung: Heißluft-Entdeckelungswachsschmelzer oder ähnliche Verfahren lösen das Wachs bei ca. 65-70°C. Durch die schützende Wachsschicht bleibt der Honig weitgehend vor direkter Hitze geschützt. Qualitätsauswirkungen sind möglich; bei korrekter Anwendung bleibt der HMF-Wert meist unter kritischen Grenzen.

Praktische Hinweise zur Handhabung

  • Markiere betroffene Waben: Praxistipp: Markiere Brutwaben mit großen Melezitose-Futterkränzen (z. B. farbige Reißzwecken) und hänge sie möglichst an den Rand oder bündele sie gezielt in wenigen Völkern oberhalb eines Absperrgitters.
  • Verwendungsoptionen: Den entnommenen Melezitosehonig kannst du kühl, trocken und bienendicht lagern. Wenn der Honig durch starke Erwärmung in seiner Qualität beeinträchtigt wurde, kannst du ihn als Backhonig verkaufen. Wenn du ihn schonend gewonnen hast, ist er geschmacklich oft sehr attraktiv.
  • Als Imker: Bedenke gesetzliche Vorgaben für Honigverkauf in Deutschland/Österreich.
  • Verbrauch in Jungvölkern: In Jungvölkern kann Melezitosehonig kurzfristig zum Aufbau verwendet werden; die Bienen verarbeiten ihn dann beim Brüten. Ziel ist, dass dieser Honig nicht ins Winterfutter gelangt, sondern vorher verbraucht wird.
Methode: Waben einhängen zum Umtragen

Vorbeugung und Standorteffekte

Kannst du als Imker etwas tun, um Melezitosehonig zu vermeiden? Leider kaum - die Bienen sammeln einfach den Honigtau, den die Natur ihnen anbietet. Melezitosehonig entsteht vor allem in Waldgebieten mit vielen Fichten, Tannen oder Lärchen. Bei typischen Honigtauquellen werden in der Praxis grob folgende Muster beobachtet: In Tannenhonigtau sind die Melezitoseanteile oft moderat, während Fichtenhonigtau tendenziell höhere Anteile aufweist. Besonders die Große Schwarze Fichtenrindenlaus produziert Honigtau mit sehr hohen Melezitoseanteilen.

Qualität und Vermarktung

Melezitosehonig kann geschmacklich sehr attraktiv sein und wird von vielen Kunden wegen seines würzig-karamelligen Aromas geschätzt. Er bleibt jedoch häufig trüb und kristallisiert grob; leichte Ausprägungen lassen sich rühren, die Konsistenz wird aber meist nicht vollständig feincremig. Erkläre deinen Kunden die Besonderheiten dieses seltenen Honigs: seine Herkunft, die aufwändige Gewinnung und seinen einzigartigen Geschmack - die Seltenheit kann einen höheren Preis rechtfertigen.

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Gläser mit Melezitosehonig und Etikett

Kurztabelle: Übersicht der Methoden

MethodeVorteileNachteile
Umtragen lassenSchonend; Honigqualität bleibt gutZeitaufwendig; bis ~50% Verlust möglich
Waben pressenEffektiv bei hartem HonigArbeitsaufwendig; Wachsreste
Ausschmelzen im SchmelzerWirtschaftlich bei großen MengenThermische Belastung; Qualitätsverlust möglich
Stippen / NadelwalzeErmöglicht Schleudern bei sulzigem HonigNur bei noch nicht komplett hartem Honig

Praktische Hinweise für Ableger und Jungvölker

Bei Ablegern mit Melezitosehonig im Brutraum bietet es sich an, die Melezitose-Waben in die Mitte des Brutnestes zu setzen, damit die Bienen gezwungen sind, die Waben auszuräumen und der Honig beim Brüten verbraucht wird. Wenn Völker früh in der Winterphase an umfangreiche Mengen ballaststoffreicher Nahrung gelangen und gleichzeitig lange Flugpausen auftreten, kann das die Kotblase stark belasten und das Risiko von Ruhr-Symptomen erhöhen. Ziel dieser Maßnahme ist es, dass dieser Honig nicht im Winterfutter landet, sondern möglichst kurzfristig verbraucht wird.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Bei der Verarbeitung des eingetragenen Honigtaus wird Melezitose durch die Bienen vergleichsweise langsam verändert. Je höher der Melezitoseanteil im Rohstoff ist, desto wahrscheinlicher bleibt ein relevanter Anteil im fertigen Honig erhalten. Melezitose wurde historisch im Honigtau von Lärchen beschrieben und erhielt daher die Bezeichnung „Lärchenzucker“. Das führt bis heute gelegentlich zu der Annahme, Melezitose entstehe ausschließlich an Lärchen - tatsächlich liefern verschiedene Lausarten zeitlich versetzt Honigtau mit unterschiedlichen Melezitoseanteilen.

Demonstration: Waben umhängen und Umtragen lassen

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