Die Geschichte von Lebkuchen Schmidt und Mainbernheim

Mainbernheim, ein Ort mit einer reichen Geschichte in Franken, ist eng mit der Lebkuchenfabrik Gebrüder Schmidt verbunden. Diese Verbindung prägte die Stadt über viele Jahre und hinterließ sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Spuren.

Mainbernheim: Ein historischer Überblick

Die erste urkundliche Erwähnung von Mainbernheim als ‚berenheim' wird auf das Jahr 889 datiert. Allerdings gibt es in der Forschung Uneinigkeit darüber, ob sich diese Erwähnung tatsächlich auf Mainbernheim oder auf das mittelfränkische Burgbernheim bezieht. Ungeachtet dessen deutet vieles darauf hin, dass an der Stelle des heutigen Mainbernheim bereits in merowingischer Zeit eine Siedlung existierte. Die Endung "-heim" im Ortsnamen weist auf die fränkische Landnahme zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert hin.

Im Jahr 1172 wurde Mainbernheim von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Reichsdorf erhoben. Diese Stadterhebung und die Befestigung von Dörfern waren typische Entwicklungen in Mainfranken, um die Macht zu sichern und Stützpunkte zu schaffen. Mainbernheim wurde 1382 in einer Urkunde als Markt und Stadt erwähnt. Neben dem Recht auf Befestigung erhielt die Stadt weitere Privilegien, darunter 1414 das königliche Privileg zur Abhaltung eines Wochenmarktes und dreier Jahrmärkte, 1431 das königliche Privileg zur Aufnahme bzw. Ausweisung von Juden und 1442 die Verleihung des Blutbannes (Halsgerichtsordnung) durch Kaiser Friedrich III.

Im Jahr 1494 wurde die Stadt durch die Ritter Anton von Bibra und Neithart von Thüngen brandschatzt und geplündert, was um 1500 zum Verkauf an den Landgrafen von Hessen führte. Ab 1525 stand die Stadt unter der Herrschaft der Markgrafen von Ansbach und wurde somit zum ‚Brückenkopf' der Protestanten gegen die Interessen des katholischen Würzburger Fürstbischofs. Den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) überstand die Stadt ohne nennenswerte Zerstörungen. Nach dem Aussterben der Ansbacher Markgrafenlinie fiel Mainbernheim 1792 an Preußen. Nach der Säkularisation kam Mainbernheim vorerst 1806 nach Bayern, um nach einer kurzen Phase der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810-14) endgültig Bayern zugeschlagen zu werden. In den Jahren von 1862 bis 1875 hatte Mainbernheim vorübergehend auf eigenen Wunsch den Status einer Landgemeinde.

Im Vergleich zu anderen Städten in ähnlicher Lage war die Industrialisierung in Mainbernheim gering. Die Lebkuchenfirma Bären-Schmidt war das einzige Unternehmen, das als Großbetrieb bezeichnet werden konnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstörten mehrere Großbrände Teile der Innenstadt.

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Anselm Caliz und seine Verbindung zu Lebkuchen Schmidt

Ein Name, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, ist Anselm Caliz. Er wurde am 9. Oktober 1882 in Segnacco (Provinz Udine) geboren und kam bereits als 9-Jähriger nach Deutschland. Nach verschiedenen Stationen fand er 1929 eine Anstellung im Baugeschäft von Benz & Schardt in Kitzingen. Ab 1937 war er als Betriebsmaurer bei der Lebkuchenfabrik Gebrüder Schmidt in Mainbernheim tätig.

Caliz' Lebensweg war von Herausforderungen geprägt. Nach dem Kriegseintritt Italiens wurde seine Familie 1915 nach Peißenberg „zivilinterniert“ und musste ihr Haus aufgeben. Nach Kriegsende sollte die Familie nach Italien abgeschoben werden, was jedoch durch die Hilfe des Sulzfelder Landtagsabgeordneten Hans Hartmann verhindert wurde. Caliz' Geschichte ist ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen Ausländer in Deutschland zu kämpfen hatten, aber auch für die Möglichkeit der Integration und des Erfolgs.

Bären-Schmidt: Aufstieg und Fall eines Traditionsunternehmens

Die Lebkuchenfabrik der Gebrüder Schmidt wurde 1863 gegründet und gehörte seit 1971 zum Haribo-Konzern. Über viele Jahre produzierte das Unternehmen Lebkuchen und Zuckerwaren. Im Jahr 2009 wurde die Backwarensparte verkauft, wodurch bereits damals etwa 60 Arbeitsplätze verloren gingen. Danach wurden ausschließlich Gummibärchen produziert.

Am 28. Februar wurde die Gummibärchen-Produktion bei Haribo in Mainbernheim eingestellt. Am 1. März war alles anders - die Firma Bären-Schmidt existierte nicht mehr. 93 Mitarbeiter hatten am 28. Februar ihren letzten Produktionstag. Der angegliederte Fabrikverkauf endete ebenfalls am 28. Das kleinste Werk im Haribo-Konzern war damit Geschichte. Nach mehr als 150 Jahren wurde die Produktion in Mainbernheim beendet. Die Abwicklung selbst zog sich noch länger hin; offiziell schloss das Werk zum 30. September.

Als Grund für die Aufgabe des Standorts gab die Firmenleitung Ende des vergangenen Jahres an, dass die Infrastruktur nicht mehr auf dem technischen Stand sei, den eine moderne Herstellung der Produkte erfordere. Den Mitarbeitern wurden zwar Jobs in anderen Werken angeboten, was aber von der Belegschaft als „blanker Hohn“ aufgefasst wurde. Die meisten Beschäftigten sind im Landkreis Kitzingen verwurzelt.

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Die Auswirkungen der Werksschließung

Die Werksschließung hatte weitreichende Folgen für die Stadt Mainbernheim und ihre Einwohner. Neben dem finanziellen und existenziellen Verlust für die Belegschaft war die Werksschließung auch ein emotionales Ereignis. Viele Mainbernheimer verbanden mit Bären-Schmidt ein Stück Kindheitsgeschichte. Generationen wurden durch das Traditionsunternehmen geprägt.

Für den Mainbernheimer Bürgermeister Peter Kraus hatte die Aufgabe des Standorts handfeste Folgen. Er verlor den größten Gewerbesteuerzahler in der Stadt und etwa 30 Mainbernheimer Bürger verloren ihre Arbeitsplätze. Auch der Bekanntheitsgrad des Städtchens sank.

Kraus blickte jedoch nach vorn: Er wollte Haribo beim Verkauf des Werkgeländes unterstützen, um möglichst bald wieder einen Arbeitgeber für die Stadt an Land zu ziehen. Auch einen Gewerbepark konnte er sich vorstellen. Zudem beschäftigte ihn die Frage, was mit der alten Unternehmer-Villa, den sechs Doppelhaushälften und dem Pförtnerhäuschen auf dem Firmengelände sowie einem Sechs-Familienhaus in der Stadt geschehen sollte.

Das historische Erbe bewahren

Trotz des Verlusts von Bären-Schmidt bleibt das historische Erbe Mainbernheims erhalten. Ein Beispiel dafür ist das Patrizierhaus in der Herrnstraße 23, das dendrochronologisch auf das Jahr 1486 datiert wurde. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellte für die Dachinstandsetzung 40.000 Euro zur Verfügung. Das Gebäude ist nicht nur architektonisch bedeutsam, sondern erzählt auch die Geschichte der Lebküchnerei Schmidt, die in diesem Haus ihren Ursprung hatte.

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