Lebkuchen-Schmidt: Geschichte und Standorte in Detmold

Lebkuchen-Schmidt ist eines der bekanntesten und traditionsreichsten Familienunternehmen Deutschlands, das den legendären Nürnberger Lebkuchen weltweit vertreibt. Wie kaum ein anderes Unternehmen repräsentiert Lebkuchen-Schmidt die Symbiose aus Handwerkskunst, Innovation und familiärer Unternehmensführung. Diese ausführliche Darstellung beleuchtet die wechselhafte Geschichte, die Produktionsentwicklung und die Standorte - insbesondere in Detmold - und zeigt die Bedeutung dieses Unternehmens für die Lebkuchentradition.

Historische Lebkuchenproduktion in Nürnberg

Die Geschichte von Lebkuchen-Schmidt: Von der Gründung bis zur Gegenwart

Die Ursprünge: Nürnberger Lebkuchen und die Familie Schmidt

Urkundlich nachgewiesen ist ein Nürnberger Lebküchner bereits im Jahr 1395, eine eigene "geschworene" Lebküchnerzunft genehmigte der Rat der Stadt aber erst 1643. In Klosterküchen wurden während der Fastenzeit schon vor 600 Jahren die sättigenden "Pfefferkuchen" gegessen - wobei Pfeffer damals der Oberbegriff für alle Gewürze aus dem Morgenland war. Ein besonders denkwürdiger Tag für die Nürnberger Lebküchner war im Jahre 1487, als Kaiser Friedrich III alle Nürnberger Kinder zu einer großen Bewirtung auf der Kaiserburg einlud und ihnen Lebkuchen mit dem Bildnis des Kaisers schenkte.

Der damals noch urwalddichte Reichswald rund um Nürnberg, auch "Des Deutschen Reiches Bienengarten" genannt, lieferte einen überaus hochwertigen Honig und damit einen erheblichen Standortvorteil. Auf den alten Handelsstraßen gingen Nürnberger Lebkuchen "in alle Land" und mit ihnen der gute Ruf dieses Nürnberger Erzeugnisses.

Die Entstehung des Unternehmens Lebkuchen-Schmidt

Im Jahr 1926 bietet Franz Schmidt aus Thüringen seinem in Nürnberg lebenden Bruder Emil Otto Schmidt einen Eisenbahnwaggon voller Lebkuchen an. Dieser verpackte die Lebkuchen zu kleinen Sortimenten und bot sie per Zeitungsannonce zum Kauf an. Das funktionierte so gut, dass er sich schnell auf dieses Geschäft konzentrierte: 1927 war die Geburtsstunde des Unternehmens, das somit auch eines der ersten Versandhäuser Europas war.

In einer kleinen Backstube in einem Hinterhaus in Nürnberg, Voltastraße 91, wurden auf einer Fläche von 50 Quadratmetern die Lebkuchen von 10 Arbeitskräften hergestellt und zu Sortimenten zusammengestellt. Trotz des stolzen Preises von 5,90 Goldmark pro Karton waren die Sortimente schnell abverkauft, sodass Schmidt bei der Nürnberger Lebkuchen- und Zuckerwarenfabrik "Zucker-Bär" nachkaufen musste.

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Anfänge der Lebkuchen-Versandgeschichte

Krisen und Neuanfang

Unter den Nationalsozialisten musste E. Otto Schmidt aus dem Unternehmen ausscheiden, der Firmenname wurde in Julmond geändert. Während des Zweiten Weltkriegs kam die Lebkuchenproduktion fast vollständig zum Erliegen. Nachdem das Firmengebäude 1943 durch Bombentreffer schwer beschädigt wurde, musste die Produktion eingestellt werden. Nach Kriegsende setzten die Alliierten zunächst einen Treuhänder ein, erst nach etlichen Schwierigkeiten konnte Firmengründer Schmidt seinen Betrieb 1948 wieder übernehmen.

Der Wiederaufbau erfolgte zügig: 1949 erfolgte der Ausbau der zerstörten Gebäude und 1950 arbeiteten bereits wieder 300 Beschäftigte bei Lebkuchen-Schmidt. Im Jahr 1955 wurde das heutige Werksgelände in Nürnberg Langwasser gekauft.

Wirtschaftswunder und Expansion

Während der Wirtschaftswunderzeit herrschte Personalmangel und so ließ Unternehmer E. Otto Schmidt Arbeitskräfte mit Werksbussen aus der Fränkischen Schweiz und der Oberpfalz holen. Bereits 1956 deckte man den Personalbedarf durch Mitarbeiter ab, die mit Bussen aus der Nürnberger Umgebung abgeholt wurden. Während der Saison 1959 zählte die Belegschaft 600 Personen, die 500.000 Lebkuchenpakete produzierten.

In den folgenden Jahrzehnten expandierte das Unternehmen kontinuierlich. Das "Schmidt-Sortiment der 50er Jahre" wurde international bekannt. Die Produktion stieg auf bis zu drei Millionen Lebkuchen täglich in der Hauptsaison.

Lebkuchen-Schmidt Fabrikgelände

Die Ära Henriette Schmidt-Burkhardt

Drei Jahrzehnte lang leitete Henriette Schmidt-Burkhardt das Unternehmen. Nach dem Tod ihres Ehemannes Rudolf Schmidt-Burkhardt 1980 und dem Tod ihres Schwagers 1983 musste sie ins kalte Wasser springen und die Geschäftsleitung übernehmen. Mit viel Ehrgeiz hat sie dem Unternehmen weiter zum Erfolg verholfen. Mit dem Kauf der traditionsreichen Handelsmarke Wicklein im Jahr 1988 schuf sie ein zweites Standbein für das Unternehmen. Sie setzte weiterhin auf Expansion und übernahm die in Schieflage geratene Traditionsfirma Wicklein sowie weitere Marken.

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Henriette Schmidt-Burkhardt hat Aufkauf vorgebeugt: "Da ich keine Kinder habe, die den Fortbestand des Betriebs sichern könnten, habe ich eine Stiftung ins Leben gerufen. Sie wird dafür sorgen, dass nach meinem Ableben das Familienunternehmen nahtlos weiter geführt wird." Die gemeinnützige "Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung" ist seit 2014 Hauptgesellschafterin des Unternehmens.

Interview mit Henriette Schmidt-Burkhardt über Lebkuchen-Tradition

Lebkuchen-Schmidt heute: Produktion, Innovation und Nachhaltigkeit

Produktionsstätten und Modernisierung

Lebkuchen-Schmidt ist heute der größte Lebkuchenhersteller Nürnbergs und einer der letzten beiden Familienunternehmen der Branche. Die Kapazitätsgrenzen wurden durch stetige Investitionen überschritten, weshalb das Unternehmen immer wieder neue Produktionsflächen und modernste Backstraßen einrichten musste. In den 1980er Jahren baute die Firma Schmidt in der Zollhausstraße 50 Meter lange Backstraßen ein. Zu Spitzenzeiten werden bei Lebkuchen-Schmidt etwa drei Millionen Lebkuchen täglich hergestellt.

Diese Liebe zu Lebkuchen verlangt jedoch einer vollautomatisierten Produktion absolute Höchstleistungen ab: Im 3-Schicht-Betrieb werden so rund um die 60 Tonnen Rohstoffe verarbeitet und bis zu 3 Mio. Lebkuchen täglich produziert. In der Hochsaison werden aus Nürnberg täglich rund sieben Millionen Lebkuchen in alle Welt geschickt.

Automatisierte Produktion bei Lebkuchen-Schmidt
Jahr Mitarbeiter Lebkuchenproduktion (Stück/Tag) Standorte
1932 200 30 Pakete/Tag Nürnberg, Voltastraße
1959 600 500.000 Pakete/Saison Zollhausstraße
Heute 1000 (Saison) 3 Mio./Tag Nürnberg, weltweit

Sortiment und Qualitätsanspruch

  • Das Sortiment umfasst rund 150 Sorten Gebäck, darunter klassische Elisenlebkuchen, Honigkuchen und Printen.
  • Basiszutaten sind Hasel- und Walnüsse, Mandeln, Honig, Mehl, Zucker, Eier, Orangeat, Zitronat, Marzipan und Gewürze. "Anderes kommt nicht in den Teig", sagt Henriette Schmidt-Burkhardt. Künstliche Konservierungsmittel werden konsequent ausgeschlossen.
  • Lebkuchen-Schmidt bietet auch preislich günstigen Lebkuchen-Bruch an - Ware mit kleinen Makeln, aber gleichem Geschmack.
  • Neben Lebkuchen werden Feinkostwaren wie Grillspezialitäten, Weine und Liköre angeboten, ergänzt durch ein Gebäcksortiment für Diabetiker.

Logistik und Nachhaltigkeit

Mit Unterstützung von Swisslog plant Schmidt, seine Logistik an einem einzigen Standort zu bündeln und somit zu revolutionieren. Das neue Distributionszentrum in Nürnberg ist so konzipiert, dass es den besonderen logistischen Anforderungen des stark saisonalen Geschäfts gerecht wird. Das Projekt wird mit Produkten aus dem vielseitigen Portfolio von Swisslog realisiert, darunter Vectura, ProMove, AutoStore und SynQ WMS. Das neue Distributionszentrum wird mehrere Lager an einem zentralen Standort zusammenlegen, die Abhängigkeit von saisonalen Arbeitskräften verringern, zu kürzeren Lieferzeiten führen und künftiges Wachstum im E-Commerce ermöglichen.

* GoGreen Plus ist ein Service, der die Dekarbonisierungsmaßnahmen innerhalb des Logistiknetzwerks von Deutsche Post und DHL unterstützt. Durch den Einsatz alternativer Kraftstoffe und Technologien reduziert Deutsche Post und DHL den Verbrauch fossiler Kraftstoffe im Transportmodus und in Gebäuden, die für die GoGreen Plus-Sendungen genutzt werden.

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Distributionszentrum von Lebkuchen-Schmidt

Lebkuchen-Schmidt in Detmold: Standorte und Bedeutung

Detmold als Verkaufs- und Distributionsregion

Im Kontext der bundesweiten Expansion eröffnete Lebkuchen-Schmidt rund 70 Saisongeschäfte, die während der Vorweihnachtszeit betrieben werden und mit frischer Ware beliefert werden. Standorte wie Detmold profitieren von der Direktbelieferung des Unternehmens - sei es durch eigene Verkaufskioske, Saisongeschäfte oder regionale Vertriebspartner. Auch der Verkauf von Lebkuchen-Bruch findet in Detmold regen Anklang. Bestellt werden kann natürlich auch über das Internet.

Die Schmidt-Markenartikel werden weiterhin über den Versandweg und eigene Läden an den Kunden gebracht. In der Hauptsaison, die für die Handelsware Mitte August, für den Versand Ende Oktober beginnt, verarbeiten bis zu 1000 Arbeiter täglich rund 80 Tonnen Rohstoffe zu drei Millionen Lebkuchen.

Lebkuchen Schmidt Verkaufsstand in Detmold

Tradition auf dem Markt

Ein beliebtes Fotomotiv ist das "Hexenhaus" von Lebkuchen-Schmidt auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, direkt neben dem Schönen Brunnen. Aber auch ganzjährig ist die Firma auf dem Hauptmarkt präsent. In Detmold gelingt es, diese Nürnberger Tradition weiterzugeben, indem lebendige Verkaufsstände die Lebkuchensorten anbieten.

Familienunternehmen, soziale Verantwortung und Zukunft

Die gemeinnützige "Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung" bewahrt Haltung, Ideale und Werte des Firmengründers Emil Otto Schmidt und seiner Nachkommen. Dadurch gewährleistet sie die Eigenständigkeit des Betriebs sowie die Sicherung der Arbeitsplätze auch für künftige Generationen. Leidenschaft für die Erzeugnisse, Verlässlichkeit im geschäftlichen Handeln und ein respektvoller Umgang mit Mensch und Natur sind unternehmerische Prinzipien. Charakter als Familien-Unternehmen, hohe soziale, ethische und gesellschaftliche Verantwortung prägen Lebkuchen-Schmidt. Die Gründerfamilie ist inzwischen in vierter Generation vertreten.

Einblick in die Arbeitsweise und Familienkultur bei Lebkuchen-Schmidt

Fazit: Lebkuchen-Schmidt als Genuss-Botschafter

Lebkuchen-Schmidt ist der weltweit größte Lebkuchen-Versender und der letzte konzernunabhängige industrielle Produzent der Branche. Ein Unternehmen, das 1926 aus dem Nichts entstand und heute als Genuss-Botschafter Nürnbergs und Deutschlands gilt. Besonders Standorte wie Detmold sorgen dafür, dass diese Tradition deutschlandweit lebendig bleibt und jeder Zugang zu den Spezialitäten hat.

Lebkuchen-Verpackungen, Versand und Präsentation

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