Lebkuchen: Ursprung, Geschichte und Namensgebung des weihnachtlichen Gebäcks
Lebkuchen gehören für viele Menschen zur Weihnachtszeit einfach dazu, ähnlich wie Spekulatius, Glühwein oder Kinderpunsch. Obwohl die duftenden Gebäckstücke meist schon ab Ende August oder Anfang September in den Supermärkten erhältlich sind, erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Ob braune Lebkuchen oder Oblatenlebkuchen, das Weihnachtsgebäck wird seit dem Mittelalter in Städten wie Nürnberg oder Aachen hergestellt. Doch woher stammen diese Leckereien eigentlich und warum tragen sie den Namen "Lebkuchen"?
Die Ursprünge des Lebkuchens
Die Geschichte des Lebkuchens beginnt nicht in Deutschland. Überlieferungen von honiggesüßten Kuchen finden sich bereits in der Antike. Schon die alten Ägypter und Römer kannten eine frühe Form dieser beliebten Süßspeise. Im alten Ägypten galten die süßen Fladen sogar als Mittel zur Dämonenabwehr und wurden als Opfergabe und Grabbeigabe verwendet.
Die Entwicklung des Lebkuchens im Mittelalter
Lebkuchen, wie wir ihn heute kennen, entstand erstmals im 12. Jahrhundert in Belgien. Zu dieser Zeit wurde der einfache Honigkuchen mit Nüssen, Mandeln, Gewürzen und Heilkräutern verfeinert. Eigene Zünfte, also Vereinigungen von Handwerksmeistern oder Kaufleuten, übernahmen die Herstellung dieser Süßigkeiten. Im Mittelalter gelangten die Gebäckstücke dann auch nach Deutschland. In Klöstern wurde während der Fastenzeit unter anderem "Pfefferkuchen" gegessen, eine Art gewürzter Lebkuchen. Dieses Gebäck galt als gesund, heilend, verdauungsfördernd und appetitanregend.
Lebkuchen-Zentren in Deutschland
Erst im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Lebküchnerei zu einem echten Gewerbe, und es entstanden bedeutende Lebkuchen-Zentren in deutschen Städten wie Nürnberg, Aachen und Braunschweig. Diese Städte sind bis heute für ihre Lebkuchen bekannt. Die Bezeichnung "Nürnberger Lebkuchen" ist inzwischen eine geschützte geografische Angabe. Nur Lebkuchen, die im Stadtgebiet Nürnberg hergestellt werden, dürfen diesen Namen tragen. Lebkuchen aus dem Nürnberger Umland werden häufig als "Lebkuchen Nürnberger Art" bezeichnet.
Die Namensgebung des Lebkuchens
Die Herkunft des Namens "Lebkuchen" ist nicht eindeutig geklärt. Sprachwissenschaftler vermuten jedoch, dass er vom lateinischen Wort "libum" abgeleitet ist.
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Historische Ereignisse rund um den Nürnberger Lebkuchen
Ein Nürnberger Lebküchner in der Schmidgassen wurde im Jahr 1395 urkundlich erwähnt. Ein besonders denkwürdiges Ereignis für die Nürnberger Lebküchner war das Jahr 1487, als Kaiser Friedrich III., der zu dieser Zeit einen Reichstag in Nürnberg abhielt, sämtliche Nürnberger Kinder, "so schon zu gehen vermögen…", zu einer großen Bewirtung auf die Kaiserburg einlud. Fast 4000 Kinder wurden damals mit einem Lebkuchen beschenkt, der das Bildnis des Kaisers trug.
Die Lebküchnerei als Handwerk
Vom eigentlichen Handwerk der Lebküchnerei wird offiziell erst im 17. Jahrhundert gesprochen. Seit 1441 kontrollierte in Nürnberg eine Gewürzschau die Qualität der angelieferten Gewürze durch vereidigte Prüfer.
Niedergang und Wiederaufstieg der Nürnberger Lebkuchenindustrie
Der Dreißigjährige Krieg brachte einen schweren Niedergang für die Nürnberger Lebküchner, da sie keine Gewürze mehr erhielten. Durch die jahrelange, zweimalige Belagerung Nürnbergs (durch Tilly und Wallenstein) war die Stadt von der Außenwelt nahezu abgeschnitten. Die Gewerbefreiheit im Jahr 1867 brachte dann eine glückliche Wende, auch wenn der Übergang von der handwerklichen zur industriellen Herstellung nicht von heute auf morgen erfolgte.
Krisenzeiten in den Weltkriegen
Die beiden Weltkriege brachten jedoch noch einmal harte Schläge für die Nürnberger Lebkuchenindustrie. Im Ersten Weltkrieg herrschte eine unvorstellbare Rohstoffknappheit. Im Dezember 1916 wurde das Backen feiner Lebkuchensorten als Luxus untersagt. Den Zweiten Weltkrieg überstand praktisch keine der Nürnberger Lebkuchenfabriken ohne Schaden.
Tradition und Fernhandel
Die Nürnberger Lebküchner backten seit jeher nicht nur für den Bedarf der Nürnberger Einwohner, sondern auch für den Fernhandel. Auf den alten Handelsstraßen gelangten Nürnberger Lebkuchen "in alle Land" und verbreiteten so den guten Ruf dieses Nürnberger Erzeugnisses.
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