Ketogene Ernährung: Zucker erlaubt? Ein umfassender Überblick
Die ketogene Ernährung ist eine Ernährungsform, die sich durch einen extrem niedrigen Kohlenhydratanteil und einen hohen Fettanteil auszeichnet. Sie verspricht schnellen Abnehmerfolg und soll auch bei verschiedenen Erkrankungen helfen. Doch was bedeutet das für den Zuckerkonsum? Ist Zucker in einer ketogenen Ernährung erlaubt? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der ketogenen Ernährung, insbesondere im Hinblick auf Zucker und alternative Süßungsmittel.
Einführung in die ketogene Ernährung
Die ketogene Ernährung ist eine spezielle Form der Low-Carb-Diät, bei der der Körper in einen Zustand der Ketose versetzt wird. Dies geschieht durch eine drastische Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr, wodurch der Körper gezwungen wird, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Im Vergleich zu einer klassischen Ernährung, bei der etwa 55 % der Energie aus Kohlenhydraten, 30 % aus Fett und 15 % aus Eiweiß gewonnen werden, besteht eine ketogene Diät typischerweise aus etwa 70-90 % Fett, 6-8 % Eiweiß und nur etwa 4 % Kohlenhydraten.
Dieser extreme Verzicht auf Kohlenhydrate zwingt den Körper, zunächst die Glykogenspeicher in Leber und Muskeln aufzubrauchen. Sind diese erschöpft, beginnt der Körper, Fettsäuren in der Leber zu Ketonkörpern abzubauen, die dann als Energiequelle dienen. Dieser Stoffwechselzustand wird als Ketose bezeichnet.
Prinzip der Ketose
Die Ketose ist ein metabolischer Zustand, der eintritt, wenn der Körper beginnt, Fett anstelle von Glukose als Hauptbrennstoff zu verwenden. Dies geschieht, wenn die Kohlenhydratzufuhr stark reduziert wird. Der Körper verbraucht zuerst freie Glukose im Blut, anschließend Glykogen in Leber und Muskeln und danach erst die Fettdepots. In der Leber werden Fettsäuren zu Ketonkörpern abgebaut, die als Energiequelle für Gehirn, Muskeln und andere Organe dienen.
Ketogene Ernährung im Detail
Makronährstoffverteilung
Bei einer klassischen ketogenen Diät beträgt das Verhältnis der energieliefernden Nährstoffe 4:1. Das bedeutet, es entfallen vier Gewichtseinheiten Fett auf eine Gewichtseinheit Kohlenhydrate und Proteine. Auch ein Verhältnis von 3:1 ist möglich. Um in Ketose zu gelangen, sollte man maximal 30-50 Gramm Kohlenhydrate pro Tag aufnehmen. Ein halbes Brötchen liefert bereits circa 18 Gramm Kohlenhydrate.
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Geeignete Lebensmittel
Ketogene Lebensmittel sind solche, die der Ketose nicht im Wege stehen. Dazu gehören:
- Grünes Blattgemüse (Spinat, Salat)
- Blumenkohl, Zucchini, Brokkoli
- Avocado und Oliven
- Zuckerarmes Obst (Blaubeeren, Himbeeren)
- Walnüsse und Mandeln
- Fisch, Fleisch, Eier, Tofu und Tempeh
- Joghurt, Quark und Käse mit hohem Fettgehalt
- Butter sowie Kokos- und Olivenöl
Zu vermeidende Lebensmittel
Um die Ketose zu erreichen, müssen bestimmte Lebensmittel vermieden werden:
- Zucker und zuckerhaltige Produkte
- Getreideprodukte (Brot, Nudeln, Reis)
- Hülsenfrüchte
- Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Mais)
- Süßes Obst (Bananen, Weintrauben)
- Verarbeitete Lebensmittel mit hohem Kohlenhydratanteil
Zucker und ketogene Ernährung
Ist Zucker erlaubt?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Zucker ist in einer ketogenen Ernährung nicht erlaubt. Da die ketogene Ernährung darauf abzielt, den Körper in einen Zustand der Ketose zu versetzen, ist es wichtig, die Kohlenhydratzufuhr so gering wie möglich zu halten. Zucker ist eine Kohlenhydratquelle, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lässt und die Ketose unterbrechen kann.
Auswirkungen von Zucker auf die Ketose
Der Konsum von Zucker führt zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Um diesen wieder zu senken, schüttet der Körper Insulin aus. Eine kohlenhydratreiche Ernährung und häufiges Snacken sorgen für einen ständigen Anstieg des Blutzuckerspiegels, was die Insulinsensitivität beeinträchtigen und zu einer Insulinresistenz führen kann. In der Ketose wird Fett verbrannt, und eine hohe Zuckerzufuhr würde diesen Prozess stoppen.
Natürliche Zuckerquellen
Auch natürliche Zuckerquellen wie Honig, Ahornsirup oder Fruchtsäfte sind in der ketogenen Ernährung nicht erlaubt. Diese enthalten ebenfalls eine hohe Konzentration an Kohlenhydraten und können den Blutzuckerspiegel stark beeinflussen. Obst spielt wegen der enthaltenen Fruktose eher eine untergeordnete Rolle in der ketogenen Ernährung.
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Alternative Süßungsmittel in der ketogenen Ernährung
Da Zucker in der ketogenen Ernährung tabu ist, stellt sich die Frage nach geeigneten Alternativen. Es gibt verschiedene Süßungsmittel, die in einer ketogenen Ernährung verwendet werden können, ohne die Ketose zu beeinträchtigen.
Empfohlene Süßungsmittel
Einige der besten Süßungsmittel für eine ketogene Ernährung sind:
Erythrit: Erythrit ist eine natürliche Zuckeralternative, die kalorienfrei ist, keine verwertbaren Kohlenhydrate enthält und keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Es wird durch Fermentation von Traubenzucker gewonnen und ist ideal für eine ketogene Ernährung geeignet. Erythrit hat einen glykämischen Index von 0 und ist auch bei Fruktoseintoleranz und für Diabetiker geeignet.
Stevia: Stevia wird aus den Blättern der südamerikanischen Stevia Rebaudiana Pflanze gewonnen. Es ist ein natürlicher Süßstoff, dessen Süßkraft bis zu 300-mal höher ist als die von Haushaltszucker. Stevia ist kalorienfrei, hat einen glykämischen Index von 0 und keine verwertbaren Kohlenhydrate.
Erythrit-Stevia-Mix: Die Kombination von Erythrit und Stevia gleicht die jeweiligen Nachgeschmäcker aus und ergibt ein Süßungsmittel, das Zucker sehr ähnlich schmeckt. Die Süßkraft dieser Kombi ist 1:1 wie Zucker.
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Allulose: Allulose ist ein echter Zucker, aber ohne Kalorien und ohne verwertbare Kohlenhydrate. Der natürliche Süßstoff wird aus der Zuckerrübe gewonnen und hat einen geringen glykämischen Index. Allulose ist keto-freundlich, für eine Lower-Carb-Ernährung und auch für Diabetiker geeignet.
Monk Fruit: Monk Fruit (Mönchsfrucht) ist ein Kürbisgewächs, das ausschließlich im südlichen China vorkommt. Die Luo-Han-Guo-Frucht ist extrem süß, mit einer Süßkraft 200-300 Mal höher als Zucker. Monk Fruit hat 0 Kalorien, keine verwertbaren Kohlenhydrate, einen glykämischen Index von 0 und keinen Einfluss auf den Blutzucker.
Süßungsmittel mit Einschränkungen
Einige Süßungsmittel sollten in der ketogenen Ernährung nur in Maßen verwendet werden:
Xylit: Xylit (Birkenzucker) hat die gleiche Süßkraft wie Zucker, wird aber Insulin-unabhängig verstoffwechselt und lässt den Blutzuckerspiegel nur leicht ansteigen. Der glykämische Index liegt bei sieben, was Xylit noch geeignet für Diabetiker macht. Allerdings müssen die Kohlenhydrate aus Xylit mit etwa 25% - 60% angerechnet werden, da sie teilweise vom Körper verstoffwechselt werden.
Yacon-Sirup: Yacon-Sirup wird aus der Wurzel der Yacon-Pflanze gewonnen und enthält große Mengen Fructooligosacchariden, eine besondere Zuckerart, die unverdaulich ist. Der glykämische Index von Yacon-Sirup beträgt 1. Allerdings sollte man mit dem Sirup nicht kochen, da die Fructooligosacchariden hitzeempfindlich sind.
Zu vermeidende Süßungsmittel
Einige Süßungsmittel sind für die ketogene Ernährung nicht geeignet:
Sucralose: Sucralose ist ein künstlicher Süßstoff, der zwar kalorienfrei ist und den Blutzuckerspiegel stabil lässt, aber bei übermäßigem Verzehr eine negative Wirkung auf die Darmflora haben kann.
Maltit: Maltit (Maltitol) hat ca. 70% der Kalorien von Zucker und beeinflusst den Blutzuckerspiegel. Bis zu 70% der Kohlenhydrate aus Maltit werden vom Körper aufgenommen, was es für Diabetiker ungeeignet macht.
Sorbit: Sorbit (Sorbitol oder Glucitol) liefert zwar weniger Kalorien als Zucker, hat aber nur etwa die Hälfte an Süßkraft, weswegen man viel mehr davon braucht, um die gleiche Süße zu erreichen.
Isomalt: Isomalt ist ein weiterer Zuckeralkohol, der in der Natur vorkommt. Auch wenn Isomalt zuckerfrei ist, hat es immer noch die Hälfte der Kalorien von Zucker.
Aspartam: Aspartam ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff, der zwar den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst, aber oft als gesundheitsschädlich bezeichnet wird und im Verdacht steht, Übergewicht zu fördern und Darmflora-Veränderungen auszulösen.
Vorteile der ketogenen Ernährung
Die ketogene Ernährung hat mehrere potenzielle Vorteile:
- Gesteigerte Fettverbrennung: In der Ketose wird Fett verbrannt, was die ketogene Ernährung ideal zum Abnehmen macht.
- Stabiler Blutzucker und gesteigerte Insulinsensitivität: Die Keto-Diät vermeidet Blutzuckerspitzen, was die Insulinsensitivität verbessert und einer Insulinresistenz vorbeugt.
- Kein Heißhunger und längere Sättigung: Ein stabiler Blutzuckerspiegel und die fettreiche Ernährung sorgen für eine hohe Sättigung und vermeiden Heißhunger.
- Mehr Energie und Fokus: Ketone können die Blut-Hirn-Schranke überwinden, was zu einer schnellen und konstanten Energieversorgung für das Gehirn beiträgt.
- Längere Ausdauer bei intensiver Belastung: Der Körper kann seine Fettreserven anzapfen, was besonders bei langer intensiver Ausdauerbelastung von Vorteil ist.
- Therapeutischer Einsatz bei Epilepsie: Die ketogene Diät wird seit 1921 zur Behandlung von bestimmten Formen der Epilepsie bei Kindern eingesetzt.
- Potenzielle Vorteile bei anderen Erkrankungen: Es gibt Hinweise darauf, dass die ketogene Ernährung auch bei seltenen Stoffwechselerkrankungen und möglicherweise bei neurologischen Erkrankungen, Herzkrankheiten oder Krebs positive Auswirkungen haben kann.
Risiken und Nebenwirkungen der ketogenen Ernährung
Trotz der potenziellen Vorteile birgt die ketogene Ernährung auch Risiken und Nebenwirkungen:
- Muskelabbau: Der Körper kann Proteine aus den Muskeln als Energiequelle nutzen.
- Leistungsschwäche und Müdigkeit: Bei Sportlern kann es zu allgemeiner Leistungsschwäche, Müdigkeit und schlechter Regeneration kommen.
- Nährstoffmangel: Der Verzicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen kann zu Defiziten bei der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen führen.
- Erhöhtes Krankheitsrisiko: Eine einseitige, unausgewogene Ernährung kann auf Dauer das Krankheitsrisiko erhöhen.
- Essstörungen: Bei unsachgemäßer Durchführung kann es zu Essstörungen kommen.
- Keto-Grippe: Die Umstellung vom Kohlenhydrat- in den ketogenen Stoffwechsel kann mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Heißhunger oder Konzentrationsproblemen einhergehen.
- Mundgeruch: Der bei der ketogenen Diät oftmals unangenehme Mundgeruch ist ein Anzeichen für die Bildung von Ketonkörpern, insbesondere Aceton.
- Verstopfung: Durch die veränderte Lebensmittelauswahl kann es zu Verstopfungen kommen.
- Nierensteine: Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann die Bildung von Nierensteinen begünstigen.
- Ketoazidose: Bei Diabetikern kann es zu einer gefährlichen Ketoazidose kommen, wenn ein schwerer Insulinmangel eintritt.
Praktische Tipps für die ketogene Ernährung
- Viel Wasser trinken: Am besten Mineralwasser, das reich an Elektrolyten ist.
- Entspannen und viel schlafen: Stress kann die Keton-Produktion beeinträchtigen.
- Langsam mit dem Training beginnen: Leichte Bewegung an der frischen Luft ist ideal für die Umstellungsphase.
- Vorratsschrank ausmisten: Alle Lebensmittel, die in Versuchung bringen, sollten verbannt werden.
- Gemüse essen: Ballaststoffe sind wichtig für die Verdauung.
- Hochwertige Fette wählen: Natürliche Fette wie Kokosöl, Olivenöl, Butter und Nüsse sind besser als raffinierte Pflanzenöle und Margarine.
- Kreativ kochen: Die Umstellung ist der ideale Zeitpunkt, etwas Neues auszuprobieren.
- Ärztliche Beratung: Die ketogene Ernährung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
Fazit
Die ketogene Ernährung ist eine anspruchsvolle Ernährungsform, die einen extremen Verzicht auf Kohlenhydrate erfordert. Zucker ist in dieser Diät nicht erlaubt, da er den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lässt und die Ketose unterbrechen kann. Es gibt jedoch verschiedene alternative Süßungsmittel, die in Maßen verwendet werden können, ohne die Ketose zu beeinträchtigen. Die ketogene Ernährung kann einige Vorteile bieten, birgt aber auch Risiken und Nebenwirkungen. Daher sollte sie nur unter ärztlicher Aufsicht und mit sorgfältiger Planung durchgeführt werden. Es ist wichtig, sich umfassend über die ketogene Ernährung zu informieren und die individuellen Bedürfnisse und gesundheitlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen, bevor man mit dieser Diät beginnt.
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