Traditionelle Kärntner Kuchenrezepte: Der Kärntner Reindling und seine Geschichte
Jede Region hat ihre typische Süßspeise und der Reindling (auch Reinling genannt) ist das süße Kärntner Kulturgut schlechthin. Im Süden von Österreich gehört dieser Germteig-Kuchen zu den wichtigsten kulinarischen Institutionen und das hat einen guten Grund - denn der Reindling ist einfach köstlich. Der Kärntner Reindling ist ein saftiger Kuchen aus Germteig (Hefeteig), gefüllt mit Zucker, Zimt, Rosinen und Nüssen und zu einer Schnecke eingerollt, in einer Form (meist Gugelhupfform) gebacken.
Der Kärntner Reindling ist für seine saftige Nussfüllung bekannt. In Kärnten wird der Reindling zu Ostern mit Osterschinken, Eiern, Kren, Hauswürstel oder Rindszunge serviert. Zu Ostern wird der Kärntner Rein(d)ling mit Schinken und Kren gegessen, unterm Jahr gibt es Butter und Marmelade dazu. Der Kuchen begleitet die Kärntner durchs Jahr: Es gibt den Goten- und den Wanderreinling, den Hochzeits-, den Oster- und den Weihnachtsreinling.
Die traditionsreiche Zubereitung des Kärntner Reindlings
Zutaten und Vorbereitung
- Mehl (meist Weizenmehl, Typ 550 bewährt sich besonders)
- Frische Hefe oder Trockenhefe
- Butter (niemals durch Margarine oder Backfett ersetzen - echter Buttergeschmack!)
- Milch (ungerahmt und etwas fetter, eventuell ein Schuss Obers macht den Teig feiner)
- Eier und Eidotter
- Zucker (feiner Kristallzucker oder Staubzucker)
- Rum - zum Marinieren der Rosinen
- Salz, Vanillezucker, Zitronenabrieb
- Für die Füllung: Butter, Zucker, Zimt, Rosinen und Nüsse (traditionell oft geriebener Apfel)
| Zutat | Menge |
|---|---|
| Mehl | 500 g |
| Hefe | 20 g Frischhefe |
| Butter | 70 g (+ ggf. mehr für Füllung und Form) |
| Milch | 250 ml, lauwarm |
| Ei(er) | 1 Ei + 2 Eigelb |
| Zucker (fein) | 70 g (+ ggf. mehr für die Füllung) |
| Salz | 0.5 TL |
| Zitronenabrieb, Vanillezucker | nach Geschmack |
| Rosinen | 100 g (in Rum eingelegt) |
| Nüsse, Zimt | nach Belieben |
Begonnen wird mit den Rosinen. Diese waschen, trockentupfen und in eine kleine Schüssel geben. Rum darüber gießen, bis sie gerade so bedeckt sind. Beiseite stellen und einige Stunden marinieren.
Herstellung des "Dampfl" (Vorteig)
In Österreich wird für einen Hefeteig / Germteig zuerst ein sogenanntes „Dampfl“ hergestellt. Die ersten 125 ml Milch anwärmen (nicht kochen!). Einen Esslöffel Zucker und den zerböckelten Hefewürfel zur Milch geben und etwa 10-15 Minuten an einem warmen Ort ruhen lassen. Das Mehl in die Schüssel einer Küchenmaschine mit Knethaken geben und eine Mulde hineindrücken. Wenn die Hefe beginnt, ihre Aufgabe zu erfüllen und Blasen wirft, das "Dampfl" in die Mehlkuhle gießen und die Küchenmaschine einschalten.
Mit Weizenmehl bestauben. Zerlassene Butter, Eidotter, restliche Milch, Feinkristallzucker, Salz, Vanillezucker und Zitronenschale beigeben und mit dem Weizenmehl zu einem glatten Teig abschlagen (am besten in einer Küchenmaschine mit Knethaken). Danach die Schüssel mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort 30-120 Minuten gehen lassen.
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Teig ausrollen und füllen
Den Teig zusammenschlagen und zu einem rechteckigen, fingerdicken Fleck ausrollen. Mit einem Nudelwalker (Nudelholz) auswalken. Für die Fülle Zimt und Feinkristallzucker vermischen. Die Walnüsse mit einer kleinen Küchenmaschine fein hacken. Etwas Milch, zerlassene Butter, Zucker, Zimt und 4 Esslöffel Rum (aus der Rosinenschüssel) einarbeiten, bis eine streichfähige Masse entstanden ist. Den Teig mit flüssiger Butter bestreichen, Zimt, Zucker und Rosinen darüber streuen bzw. die Nussmasse darauf verteilen. Fest einrollen und in eine gefettete, mit Zucker ausgestreute Gugelhupfform oder „Reine“ (Backform) rund legen.
Backen und Servieren
Noch einmal ca. 15-60 Min an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich der Teig sichtbar vergrößert hat. Den Ofen auf 170-180°C Ober-/Unterhitze (oder 160°C Umluft) vorheizen. Den Reindling zuerst 10 Minuten bei geöffneter Backofentür (Holzlöffel quer einlegen) backen, dann weitere ca. 40-60 Minuten bei geschlossener Tür fertigbacken.
Wichtig: Nach dem Backen sofort stürzen, sonst klebt der Reindling in der Form und verliert die typische Form und Zuckerkruste!
Füllungsvarianten und Tipps
- Typische Füllungen bestehen aus Zucker, Zimt, Rosinen und gehackten Nüssen. Manche Varianten enthalten auch etwas Butter oder Honig, um die Füllung besonders saftig zu machen.
- Man kann Reinling auch ohne Rosinen backen, stattdessen mehr Nüsse oder getrocknete Früchte verwenden.
- Für eine karamellisierte Zuckerkruste die Form gut mit Butter einfetten und mit Gelb- oder Braunzucker ausstreuen.
Serviervorschläge und Brauchtum
Traditionell gehört der Reinling zur Osterjause und wird gemeinsam mit Schinken und Kren serviert. In Kärnten gibt es ihn aber auch zu Hochzeiten, Festtagen oder als süße Jause mit Butter und Marmelade. Besonders zu Ostern nimmt der Reindling einen wichtigen Platz am Festtagstisch ein.
Haltbarkeit und Aufbewahrung
Ein selbst gemachter Reinling hält sich gut verpackt circa zwei bis drei Tage. Damit er nicht austrocknet, bewahrt man ihn am besten in einer gut verschlossenen Dose, Frischhaltefolie oder unter einer Kuchenglocke auf. Er lässt sich problemlos einfrieren - dafür am besten in Scheiben schneiden und luftdicht verpacken.
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Regionale Besonderheiten und Hintergrund
Der Kärntner Reindling ist eng mit der Kultur und Geschichte Kärntens verbunden. Kärnten ist das südlichste Bundesland Österreichs und grenzt an Slowenien. Wegen dieser engen Nachbarschaft gibt es in dieser Region auch Berührungspunkte zwischen der österreichischen und der slowenischen Küche: Der Kärntner Reindling beispielsweise, ein Napfkuchen mit Nussfüllung, ist in beiden Ländern bekannt und beliebt. In Südkärnten, wie auch im Gailtal, wird der Reindling „Pogača“ genannt, und in manchen Tälern auch „Pohača“. Der Reindling wird zwar traditionell in Tonformen gebacken, die stark an einen Gugelhupf erinnern und früher mit christlichen Symbolen verziert wurden.
Andere traditionelle Kärntner Kuchen und Mehlspeisen
- Haselnusskuchen
- Villacher Torte: Sie besteht aus mehreren köstlichen Schichten aus Mürbteig, Biskuit und Schokocreme.
- Zuckerreinkerl
- Zwetschkensturz: In der Zwetschkensaison ein absolutes Highlight
- Kärntner Mandelring
- Besoffener Kapuziner - ideal, wenn altbackene Kipferln übrig bleiben
Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Kärntner Reindling
- Wann wird Kärntner Rein(d)ling gegessen? Traditionell zu Ostern, aber auch zu Hochzeiten, Festtagen oder als Jause.
- Wie lange hält sich Kärntner Reinling? Gut verpackt, zwei bis drei Tage - einfrieren ist möglich.
- Kann man Reinling ohne Rosinen backen? Ja, ersatzweise können Nüsse oder getrocknete Früchte verwendet werden.
Tipps für den perfekten Kärntner Reindling
- Hefe immer mit Zucker vermengen und in lauwarmer Flüssigkeit aktivieren.
- Nie zu große Hitze verwenden - Hefe mag es warm, aber nicht heiß!
- Den Teig ausreichend lange ruhen lassen, am besten 1-2 Stunden abgedeckt.
- Niemals Butter durch Margarine ersetzen.
- Zum Schutz gegen Austrocknung und für ein besonders zartes Ergebnis nach der Hälfte der Backzeit eine Tasse heißes Wasser ins Backrohr stellen.
- Direkt nach dem Backen aus der Form stürzen und auf einem Gitter bei Zimmertemperatur auskühlen lassen.
Mit diesen traditionellen Rezepten und Informationen gelingt Ihnen ein echter Kärntner Reindling - das Aushängeschild der Kärntner Kaffeetafel, geliebt zu Ostern genauso wie zum Sonntagskaffee.
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