Karel Gott: Ein Stückchen Zucker mehr – Hintergründe, Bedeutung und Vermächtnis einer goldenen Stimme

Karel Gott war ein Weltstar: Schlagersänger, Entertainer und Komponist, hat weit über seine Heimat Tschechien hinaus Erfolge gefeiert, und das über Jahrzehnte hinweg. Sich und seine Gefühle ausdrücken zu können, das war dem gebürtigen Pilsener schon früh ein Bedürfnis. Seit seiner Kindheit wollte er Maler werden, doch die Kunstakademie erteilte ihm eine Absage. Anders das Prager Musikkonservatorium. Hier erhielt er, nachdem er eine Lehre zum Elektriker gemacht hatte, eine klassische Musikausbildung, lernte Operngesang und Liedinterpretation.

Doch wenn der Unterricht aus war, hielt ihn nichts: Er spielte in Prager Cafés und Tanzhäusern, jazzte, sang poppige Schlager - bis ihn einer seiner Professoren dabei hörte. Es dauerte dennoch nicht lang, und Karel nahm seine erste Schallplatte auf; tschechische Komponisten schrieben ihm zudem einen Song auf den Leib, der 1963 zu einem ersten landesweiten Radiohit werden sollte. Das TIME Magazine schrieb begeistert: „Sinatra des Ostens“ und verpasste Karel Gott damit einen seiner oft verwendeten Spitznamen. In die deutschen Charts brachte ihn 1968, nachdem er bereits ein mehrmonatiges Gastspiel in Las Vegas absolviert hatte, das Wehmutsstück Weißt Du wohin, die deutsche Fassung des Filmsongs aus Dr. Schiwago.

Nach einem TV-Auftritt mit eben diesem Lied beim Europapokalfinale 1968 in Rotterdam kannte plötzlich ganz (West-)Deutschland den jungen Tenor aus der Tschechoslowakei. Auch in der DDR wurde Karel Gott gefeiert und trat mehrmals als Hauptact in der wichtigsten Unterhaltungssendung des Landes, Ein Kessel Buntes, auf, auch wenn er hier das reisesehnsüchtige Stück Einmal um die ganze Welt nicht singen durfte - ebenso wenig übrigens wie in seinem Heimatland. „Sein Ruhm durchlöcherte den Eisernen Vorhang“, schrieb kürzlich ein Musikexperte des Südwestrundfunks. Karel Gott selbst sah sich, zumindest bis zu den Wendejahren, „zwischen zwei Welten“, ein Gefühl, das seiner 2014 erschienenen Autobiografie den Titel gab.

Die Seele, die sein Professor einst noch in seinen Darbietungen vermisste, hatte er seinem Gesang längst eingehaucht: Nicht umsonst wählte ihn das tschechische Publikum ganze 42 Mal zum „Lieblingssänger des Jahres“. Neben dem charakteristischen Gesang waren es sein Charme und seine Professionalität, die ihm die große Karriere ermöglichten. „Ein Gentleman“ sei er, schwärmte DJ Ötzi, mit dem Karel Gott im späten Verlauf seiner Karriere einen Song aufnahm. Als Karel Gott 2019 im Alter von 80 Jahren stirbt, liegt eine über 60 Jahre dauernde Weltkarriere mit geschätzt 50 Millionen verkauften Tonträgern hinter ihm.

Infografik: Meilensteine von Karels Lebensweg

Aufstieg, Stil und internationale Anerkennung

Die Stadt Pilsen lässt Trauerbeflaggung hissen, seine Wahlheimatstadt Prag ordnet einen Staatstrauertag samt Messe im Veitsdom an. Ein Jahr darauf verleiht Tschechiens Präsident Miloš Zeman Karel Gott posthum die höchste staatliche Auszeichnung, den Weißen Löwen. Weitere Lieder wie „Lady Carneval“, „Einmal um die ganze Welt“, „Schicksalsmelodie“ (aus dem Film „Love Story“) oder „Die Biene Maja“ bescherten der „Goldenen Stimme aus Prag“, wie der Künstler auch genannt wird, mehr als 50 Silberne, Goldene, Platin- und Diamant-Schallplatten. Seine Lieder wurden u.a. zu internationalen Hits, die ihn in vielen Ländern bekannt machten.

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Karel Gott trat das erste Mal 1958 in Tanzcaf´w in Prag auf. 1963 erschien seine erste Single, die tschechische Version von „Moon River“. Bereits 1967 trat er in Cannes und Las Vegas auf. 1968 vertrat er Österreich beim Grand Prix Eurovision mit dem Lied „Tausend Fenster“ und belegte damit den 13. Platz. Aufnahme in die „Signs of Fame“ des Fernweh-Parks - ein Zeichen seiner weltweiten Anerkennung. Viele Aufnahmen von Stars landeten dort, wenn Terminpläne es zuließen; oft wurden Ehrungen backstage oder am Set durchgeführt.

Seine internationale Karriere führte ihn durch Europa, die USA, Japan, Kanada und Australien. Er trat in der Carnegie Hall in New York, im Kremlin-Palast in Moskau, in der Hamburger Musikhalle und in Las Vegas auf. Die Verbindung zu seinem Publikum sah Gott als eine Art Magnetismus, eine gegenseitige Anziehungskraft, die schwer zu beschreiben sei. Diese Magie seiner Lieder bleibt bis heute spürbar, auch wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Weltkarte mit Stationen Karels Tourneen

Legendäre Songs und Kollaborationen

Zu seinen bekanntesten Titeln zählen „Lady Carneval“, „Einmal um die ganze Welt“, „Babicka“, „Weißt du wohin“ sowie die Melodien zu „Biene Maja“ - ein Lied, das er 1976 gemeinsam mit Karel Svoboda im Hamburger Tonstudio aufnahm und später zu einem Kernbestandteil seines Repertoires machte. Die Melodien zu den meisten seiner Schlager komponierte Karel Svoboda, die Texte schrieben u. a. Michael Kunze, Bernd Meinunger, Filip Albrecht, Kurt Feltz sowie Fred Weyrich. 2008 nahm Gott mit dem Rapper Bushido das Lied „Für immer jung“ auf, das in Deutschland großen Erfolg hatte. Zugleich gab es tschechische Versionen wie „Být stále mlád“ (Navždy mlád).

In seiner Diskografie finden sich rund 150 Alben; er arbeitete mit Musikverlagen aus Europa, den Vereinigten Staaten und Japan zusammen. Seine Konzerte führten ihn in fast alle Großstädte der Welt. Der tschechische Präsident Milos Zeman nannte den Tod Gotts eine „ungeheuer traurige Nachricht“ und würdigte ihn als echten Künstler, der sein Leben anderen geschenkt habe. Ebenso betonte der Regierungschef Andrej Babiš seinen Beitrag zur tschechischen Kultur und zur Verbreitung tschechischer Musik im Ausland.

Besondere Kapitel aus dem Leben

Schon in jungen Jahren sang Gott in Pragner Tanzcafés, während er tagsüber eine Lehre als Elektriker absolvierte. Die erste Studioaufnahme erfolgte 1963, die ersten großen Erfolge kamen in den späten 1960er-Jahren mit Liedern wie „Weißt Du wohin?“ und dem Durchbruch in Deutschland. In den 1970er-Jahren festigte er seinen Ruf als „Goldene Stimme aus Prag“. Seine Kollaboration mit Helena Vondráčková, das Duett „Je krásné lásku dát“ sowie die Zusammenarbeit mit Darinka prägten diese Periode. Spätere Jahre brachten weitere Erfolge, Duette und Projekte, die seinen Status als einer der größten tschechischen Künstler zementierten.

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Foto: Karel Gott bei einer Live-Performance

Spätere Jahre, Vermächtnis und Würdigung

Nach einer langen Karriere, die über viele Kontinente reichte, erlag Karel Gott am 1. Oktober 2019 in Prag seinem Krebsleiden. Die Beisetzung fand unter großer Anteilnahme statt; in Tschechien wurde ein Staatstrauertag abgehalten. Das Vermächtnis des Künstlers lebt in seinen Liedern weiter, die Generationen über Generationen begleiten. Im Jahr 2019 erschien eine umfassende Retrospektive unter dem Titel Danke Karel!, die eine Best Of-CD, Duette, Raritäten und eine hochwertige 5er Box mit seltenen LPs umfasst. Diese Publikationen setzen ein dauerhaftes Denkmal für eine Legende des europäischen Showgeschäfts.

Karel Gott bleibt stilbildend: Seine Vielseitigkeit - von Jazz über Pop bis zu Opern- und Filmmusik - sowie seine Bühnenpräsenz machten ihn zu einem Brückenbauer zwischen Ost und West. Seine Worte über das Publikum, die Sängerkarriere als eine Art Magnetismus zu sehen, treffen die Faszination, die seine Fans auch heute noch empfinden: Ein Künstler, der Grenzen überwand und Musik als universelle Sprache nutzte.

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