Kakao, Öko‑Test‑Ergebnisse und ihre Bedeutung für Verbraucher

An kalten Tagen ist heißer Kakao nicht nur für Kinder eine willkommene Abwechslung zu Kaffee oder Tee. Wir wollten herausfinden, ob auch fertige Kakaopulvermischungen lecker und vor allem, ob sie bedenkenlos zu genießen sind.

Was wurde getestet und wie

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat in einer neuen Untersuchung verschiedene kakaohaltige Getränkepulver getestet. Das Ergebnis: Nur ein Hersteller schließt mit Bestnote ab. Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat in einer neuen Studie 13 kakaohaltige Getränkepulver getestet - unter anderem von Kaba, Nestlé, Aldi, Rewe und Lidl. Die Ergebnisse veröffentlichte das Magazin auf seiner Homepage. Für unseren Test haben wir 15 kakaohaltige Getränkepulver eingekauft, darunter sechs Bioprodukte. Dabei haben wir Packungen ausgewählt, die sich mit ihrer Produktaufmachung gezielt an Kinder richten.

In umfangreichen Laborprüfungen ließen wir den Zucker- und Fettgehalt, Methylxanthine (Theobromin, Coffein) und den Kakaopulveranteil bestimmen, außerdem wurden Cadmium und Mineralöl analysiert. Auch die Belastung mit Keimen wie Enterobacteriaceen, E.coli, Salmonellen und Schimmel wurde gemessen. Darüber hinaus bestimmte das Labor mithilfe eines standardisierten Löffels ein Löffelgewicht, anhand dessen sich die Portionsgröße berechnen ließ, wenn der Hersteller selbst hierzu keine Angaben auf der Verpackung machte.

Mittels eines umfangreichen Fragebogens zur Corporate Social Responsibility (CSR) haben wir die Hersteller um Auskunft zur Transparenz entlang ihrer Lieferkette, zu vorliegenden Zertifizierungen, zu existenzsichernden Einkommen, der Zahlung von Mindestpreisen und Prämien sowie der Möglichkeit der Vorfinanzierung für die Kooperativen gebeten. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob und wie sie sicherstellen und kontrollieren, dass grundlegende Menschenrechte in ihrer Lieferkette eingehalten und verbotene Formen der Kinderarbeit verhindert werden.

Worauf Öko‑Test besonders geachtet hat

Das Augenmerk der Verbraucherschützer:innen lag nicht nur auf den Inhaltsstoffen und möglichen Schadstoffen, sondern auch auf der Herkunft der Hauptzutat, dem Kakao. Die Hersteller sollten ihre Lieferkette belegen sowie Auskunft zu Zertifizierungen und der Zahlung von Mindestpreisen, existenzsichernden Löhnen und Prämien geben. Das Testergebnis Kakaoanbau und Transparenz beruht auf einer maximalen Punktzahl von 30 Punkten.

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Das Gesamturteil beruht zu je 50 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Kakaoanbau und Transparenz. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnisse Inhaltsstoffe. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von Öko‑Test festgesetzt wurden.

Hauptprobleme: Zucker, Mineralölbestandteile (MOSH/POSH) und Cadmium

Bekannt ist, dass kakaohaltige Getränkepulver für Kinder sehr viel Zucker enthalten. Wie viel Zucker und wie viel Kakao die Produkte wirklich enthalten, wollte Öko‑Test jetzt herausfinden. Das erschreckende Ergebnis: Nur ein Pulver schnitt den Test mit "sehr gut" ab und wird demnach von Öko‑Test empfohlen. Immerhin sieben weitere Produkte bekamen das Attribut "gut". Alle weiteren Kakaopulver landeten im grauen Mittelfeld.

Die Hauptzutat aller Produkte ist nicht etwa Kakao, sondern Zucker - und das mal wieder in einer Produktgruppe, deren Marketing sich vornehmlich an Kinder richtet. In neun der 15 Pulver ist der Zuckeranteil nach Einschätzung von Öko‑Test „erhöht“ oder sogar „stark erhöht“. In jedem Glas stecken umgerechnet siebeneinhalb Stück Würfelzucker. Ganz genau 19,1 Gramm Zucker. Zwei Teelöffel Pulver auf ein Glas Milch sind für Kinder unter sechs Jahren schon mehr als genug.

In vier Produkten stecken „erhöhte“ oder „stark erhöhte“ Gehalte der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH. MOSH haben im Tierversuch Organe geschädigt. Die Rückstände können etwa durch die Verpackung auf die Lebensmittel übergehen. Die Rückstände können etwa durch die Verpackung auf die Lebensmittel übergehen, aber auch bereits in der Produktion - wenn die Kakaobohnen oder der Zucker mit Schmierölen in Kontakt kommen. Oft sind auch die Jutesäcke, mit denen Kakaobohnen nach der Ernte transportiert werden, mit speziellen Ölen behandelt.

Man findet in Kakao regelmäßig Cadmium, das Schwermetall ist krebserregend und nierenschädigend. Insgesamt sind fünf Kakaopulver damit belastet. Cadmium: Nehmen wir Cadmium auf, reichert es sich in den Organen an und kann diese schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt höchstens 0,3 Milligramm Kadmium pro Kilogramm Schokolade.

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Weitere Schadstoffe und mikrobiologische Risiken

Dann ist auch Ochratoxin A, ein Schimmelpilzgift, immer wieder zu finden. In einigen Produkten wurde Ochratoxin A nachgewiesen. In größeren Mengen könnte das Schimmelpilzgift die Nieren schädigen oder das Immunsystem angreifen. Im Tierversuch wirkt es krebserzeugend. Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es noch nicht. Aber es gilt: je weniger desto besser.

In keinem der Produkte wurden Pestizide nachgewiesen. Auch Cadmium, Mineralölrückstände und Schimmelpilzgifte wurden, wenn überhaupt, nur in Spuren gefunden. Das von uns beauftragte Labor hat in einigen Kakaopulvern die bedenklichen Mineralölbestandteile MOSH nachgewiesen.

Sensorik, Kakaogehalt und Verarbeitungsprozesse

Auch Geruch und Geschmack müssen stimmen. Die sensorische Beurteilung zeigt, ob die Getränkepulver halten, was sie versprechen: typischen Kakaogeschmack nämlich. Um das beste Kakaopulver ausfindig zu machen, ist ein Blick auf den Kakaogehalt und die Nährwerte entscheidend. Daran erkennen Sie, ob es sich um hochwertigen Rohkakao handelt, der nur wenige Zusatzstoffe hat, oder ob das Kakaopulver als fertige Trinkschokolade geeignet ist.

Im Prinzip ist Kakao gesund, vor allem fürs Herz. Wie genau sich Kakao auf die Gesundheit auswirkt, erforscht die Ernährungswissenschaftlerin Professor Sabine Ellinger am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften in Bonn. Für Kakaopulvermischungen und Trinkschokoladen gilt das leider nicht, denn sie enthalten überwiegend Zucker. Aber auch handelsübliches, echtes Kakaopulver ist häufig hochverarbeitet. Um den bitteren Geschmack abzumildern und eine bessere Löslichkeit zu erzielen, wird Kakao alkalisiert, also mit Säureregulatoren bearbeitet.

Bewertungen im Test: Gewinner, Verlierer, Auffälligkeiten

Das erschreckende Ergebnis: Nur ein Kakao im Test ist mit „sehr gut“ empfehlenswert. Immerhin sieben Kakaos schneiden mit „gut“ ab, die anderen Kakaopulver liegen irgendwo im Mittelfeld. Erstaunlicher ist vor allem, dass mit Nestlé Nesquik ein bekanntes Markenprodukt auf dem letzten Platz landete. Der Grund sind stark erhöhte Gehalte an Mineralölbestandteilen (MOSH/POSH) und zu viel Zucker.

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Vier der sechs Kakaopulvermischungen fielen bei ihnen durch: Choceur (mit 23% Kakao), Kaba (mit 18% Kakao), Nesquik (mit 23% Kakao) und Caotona Original. Besser schnitten die beiden Trinkschokoladen mit höherem Kakaoanteil ab: Sarotti Trinkschokolade (mit 32% Kakao) und Starbucks Signature Chocolate (mit 42% Kakao). Im Test: 25 Kakaogetränkepulver. Nur neun sind gut. Das insgesamt beste ist Goody Cao von Lidl. Testurteil: gut, Note 1,8.

Die Stiftung Warentest hat 25 Kakaogetränkepulver untersucht. Ergebnis: Der fertige Kakao ist oft extrem süß und hat zu viele Kalorien. Zuckeranteil: bis zu 81 Prozent. Ein gehäufter Teelöffel Pulver entspricht im Schnitt einem Stück Würfelzucker. Zuckerreduzierte Pulver wie Nesquik zuckerreduziert sind übrigens nicht besser. Sie enthalten zwar weniger Haushaltszucker, dafür aber das Kohlenhydratgemisch Maltodextrin. Das schmeckt nicht so süß, hat aber ebenso viel Kalorien wie weißer Zucker.

Soziale und ökologische Aspekte der Lieferkette

Kakao wird in Ländern des Globalen Südens angebaut. Das macht die Lieferkette besonders anfällig für problematische Anbaubedingungen und Menschenrechtsverletzungen. Kakao hat einen langen Transportweg aus Afrika oder der Karibik hinter sich, bis er als Getränkepulver in unseren Supermarktregalen steht.

Die Realität zeigt, dass die Kontrollmechanismen häufig scheitern. Oft beriefen sich die Hersteller darauf, dass die Zertifizierungsstandards Kinderarbeit ausschließen. Echte Belege blieben aus. Ob Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Ghana, Kamerun, der Elfenbeinküste und anderen afrikanischen Ländern oder der dominikanischen Republik stattfindet, können die Hersteller zumindest nicht nachweislich ausschließen.

Zertifikate von Fairtrade und Rainforest Alliance sind zwar inzwischen Mindeststandard der Kakaopulver im Test. Die Lieferkette für die von uns getestete Charge haben uns die wenigsten Hersteller vollumfänglich belegt. Lediglich zwei Mal erhielten wir Nachweise bis zu den Kleinbauern, anhand derer wir die Lieferkette lückenlos nachvollziehen konnten. Fairtrade und Rainforest Alliance schreiben zwar, dass ihre Standards die Abholzung von Regenwald ausschließen, doch lange haperte es an funktionierenden Kontrollmechanismen.

Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Punkt in Sachen faire Arbeitsbedingungen ist, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter angemessen bezahlt werden. In der Theorie ist das gut und besser geregelt als bei Rainforest Alliance, die zwar auch eine geringe Prämie, aber keinen Mindestpreis vorsieht. Existenzsichernde Löhne garantiert kein Siegel. 347 Dollar beträgt die monatliche Lücke zwischen dem tatsächlichen Einkommen (196 Dollar) eines Kakaobauern in der Elfenbeinküste und dem existenzsichernden Einkommen von 543 Dollar.

Die meisten Bio-Anbieter konnten beide Umweltbelastungen ausschließen. Bei den konventionellen Herstellern sind die Pestizide nur „teilweise“ verboten. Giftige Pestizide belasten die Gesundheit der Kakaobauern und die Umwelt. Doch von den 338 Substanzen decken sowohl Fairtrade als auch Rainforest Alliance gerade einmal weniger als die Hälfte ab.

Praktische Hinweise für Verbraucher

Fertiges Kakaopulver sollte aus gesundheitlicher Sicht nur selten auf deinem oder dem Frühstückstisch von Kindern stehen. Der Zuckergehalt ist in den von Öko‑Test untersuchten Marken fast überall zu hoch. Am besten kaufst du fairen puren Kakao und mischst in deine heiße Schokolade nur so viel Zucker, wie du möchtest. Tipp: Halte deshalb Ausschau nach dem Fairtrade‑Siegel, noch besser nach den Zeichen von GEPA fair+ oder Rapunzel Hand in Hand.

Wir finden auch: Nesquik und Co. Häschen, Äffchen und anderes putziges Getier auf der Verpackung sprechen aber eine andere Sprache. Dass gezuckerte Getränke aus Sicht der WHO grundsätzlich gar nicht für Kinder beworben werden sollten, ignorieren alle Hersteller beim Verpackungsdesign gekonnt. Die Anbieter übertreiben bei Komposition und Dosierung. Die Werbung mit Vitaminen und Mineralstoffzusätzen suggeriert ein gesundes Nahrungsmittel, obwohl Getränkepulver vor allem Zuckerwaren sind.

Infografik: Typische Problemfelder bei Kakaopulver (Zucker, MOSH, Cadmium, Lieferkette)

Kurzcheck beim Kauf

  • Auf den Kakaogehalt achten: Mehr Kakao, weniger Zucker spricht für ein Schokoladenpulver statt eines Getränkepulvers.
  • Etiketten lesen: Zuckermenge pro Portion beachten; WHO‑Richtwert nicht überschreiten.
  • Siegel prüfen: Fairtrade, GEPA fair+, Bio liefern Hinweise auf bessere soziale und ökologische Standards.
  • Verpackung und Preis: Sehr billige Pulver können höhere MOSH‑Risiken oder fragwürdige Lieferketten verbergen.
  • Selber mischen: Reiner Bio‑Kakao + gewünschte Süße ist oft die beste Lösung.
Erklärvideo: MOSH/POSH und warum sie in Lebensmitteln vorkommen können

Methodische Details (Auszug)

Mineralölbestandteile: nach DIN EN 16995:2017 mod.; Messung mittels LC‑GC/FID. Zuckergehalt: Bestimmung Gesamtzucker nach Luff‑Schoorl (titrimetrisches Verfahren). Fettgehalt: Gravimetrisches Verfahren nach Säureaufschluss. Methylxanthine Theobromin/Coffein: HPLC. Cadmium: Aufschluss nach DIN EN 13805:2014. Messung mit ICP‑MS nach DIN EN 15763:2010. Gesamtkeimzahl, Enterobacteriaceen, Escherichia coli, Schimmelpilze und Salmonellen wurden nach jeweils einschlägigen Normen bestimmt.

Problem Bedeutung Häufigkeit im Test
Zucker Übermäßiger Konsum erhöht Kalorienzufuhr, gesundheitliche Risiken bei Kindern 9/15 Produkte erhöht oder stark erhöht
MOSH/POSH (Mineralölbestandteile) Reichern sich in Leber/Fettgewebe an; Tierversuche zeigten Organschäden 7/15 Produkte mit Nachweis
Cadmium Schwermetall, nierenschädigend, krebserregend 5/15 Produkte mit Nachweis
Ochratoxin A Schimmelpilzgift, nieren- und immunsystemschädigend Einige Produkte nachgewiesen

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Hinweis: Öko‑Test veröffentlichte die Testergebnisse erstmalig in der Ausgabe 05/2023. Haben sich zwischenzeitlich Änderungen bei den Produkten oder gesetzlichen Grenzwerten ergeben, ließen die Verbraucherschützer:innen eine neue Laboranalyse durchführen.

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