Ist Zucker laktosefrei? – Was Sie über Laktose, laktosefreie Produkte und Zucker wissen müssen

Laktose, oder auch Milchzucker, ist ein natürlicher Bestandteil der Milch. Laktose (Milchzucker) ist ein Disaccharid, d. h. es ist aufgebaut aus zwei Zuckerbausteinen (Galaktose und Glucose (Traubenzucker)).

Der Milchzucker Laktose wird mit Hilfe des Enzyms Laktase (Beta-Galaktosidase) in seine Bausteine Glucose und Galactose gespalten. Während der Verdauung zerlegt das Enzym Laktase den Milchzucker in seine Bestandteile. Das Enzym Laktase wird bei den Betroffenen in zu geringer Menge produziert oder ist weniger wirksam.

Warum laktosefreie Milchprodukte oft süßer schmecken

Die Laktase spaltet die Laktose in zwei Zuckerarten, Galaktose und Glukose, auf, erklärt Torsten Sach vom Milchindustrie-Verband. Da diese Zuckerarten eine höhere Süßkraft haben, schmeckt die laktosefreie Milch süßer als herkömmliche Milch. In laktosefreier Milch schwimmen also statt des Zweifachzuckers Laktose zwei Einfachzucker herum. In laktosefreier Milch ist also eigentlich nichts anderes drin als in normaler Milch, nur dass die Laktose bereits gespalten wurde. Die Gesamtmenge ändert sich nicht. Auf den Packungen steht deshalb, wie bei normaler Milch: „Kohlenhydrate, davon Zucker 4,8 g“.

Grafik: Vergleich Laktose vs. Glukose/Galaktose (Süßkraft)

Wie entsteht laktosefreie Milch - zwei gängige Verfahren

Es gibt zwei Methoden, um den Milchzucker zu entfernen oder umzuwandeln. Entweder wird die Laktose mithilfe eines Enzyms gespalten oder durch eine spezielle Filtration fast vollständig entfernt. Im ersten Fall wird der Milch das Enzym Laktase zugesetzt. Die Laktase spaltet die Laktose in zwei Zuckerarten, Galaktose und Glukose, auf. Für gewöhnlich wird nach der Zugabe von Laktase diese durch die Erhitzung der Milch deaktiviert - wodurch sie gleichzeitig ultrahocherhitzt oder pasteurisiert wird.

Anders ist es beim zweiten Verfahren: Hier wird die Laktose per Ultrafiltration fast komplett entzogen. Es wird aber immer noch etwas Laktose drin gelassen, sonst schmeckt diese Milch bitter, sagt Torsten Sach. Darauf wird noch einmal Laktase gegeben, damit die Milch wieder eine gewisse Süße bekommt. Rechtlich gesehen darf diese Milch dann nur laktosefreie Milch, nicht aber Mager-, fettarme oder Vollmilch heißen.

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Verbraucher merken im Ergebnis keinen Unterschied zwischen diesen beiden Verfahren. Das erkennt nur derjenige, der tagtäglich so etwas abschmeckt, sagt Sach. Der Vorteil bei der Ultrafiltration liegt für Hersteller darin, dass sie die entzogene Laktose als Rohstoff haben. Diese kann etwa an Pharmaunternehmen als Füllmittel für Tabletten weiterverkauft werden.

Erklärungsvideo: Herstellung laktosefreier Milch (Enzymspaltung vs. Ultrafiltration)

Ist „laktosefrei“ gesetzlich geregelt?

Für den Begriff "laktosefrei" gibt es keine gesetzliche Regelung, die für alle Lebensmittel gilt. Bisher gab es gesetzliche Regelungen nur für Käse oder Erzeugnisse aus Käse und Milcherzeugnisse wie Joghurt oder Dickmilch. Mit der neuen Milchproduktqualitätsverordnung (MilchPQV), genauer dem § 58, ist das jetzt für alle Milchprodukte geregelt. Wenn mit Laktosefreiheit geworben wird, ist ein Laktosegehalt von unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm vorgeschrieben. Außerdem müssen die Produkte entsprechend gekennzeichnet sein.

Bei anderen Lebensmitteln, wie Wurstwaren, Schokolade oder Zwieback, die als laktosefrei beworben werden, orientieren sich die Hersteller in der Regel an diesem Wert. Die LGL untersucht immer wieder unterschiedlichste Lebensmittel, die mit Hinweis "laktosefrei" beworben werden. Dabei wird geprüft, ob die Erzeugnisse tatsächlich weniger als die genannte Grenzkonzentration an Laktose enthalten. Im Regelfall halten die untersuchten Produkte diese Anforderung auch ein, dahingehende Beanstandungen sind die Ausnahme.

Welche Lebensmittel enthalten Laktose und welche sind von Natur aus arm?

In Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch liegt sie in einer Menge von knapp 5 g/100 g (%) vor. Etwas mehr, nämlich 6 bis 7 % Laktose, sind in Human- und Stutenmilch enthalten. Viele aus Milch hergestellte Produkte weisen ebenfalls größere Konzentrationen an Laktose auf; dies gilt vor allem für Erzeugnisse wie Milchpulver, Joghurt, Quark und Buttermilch. Bei einigen Milchprodukten ist der Milchzuckergehalt herstellungsbedingt schon deutlich niedriger; dazu zählen z. B. Butter und Mozzarella.

Butter hat einen Laktosegehalt von unter einem Prozent und wird in der Regel nur in geringen Mengen verzehrt. Die meisten Käsesorten, vor allem Hart- und Schnittkäse wie Emmentaler, Bergkäse, Parmesan oder Gouda, enthalten durch den Herstellungsprozess nur noch Spuren von Milchzucker. Extrahartkäse und Hartkäse verträgst du problemlos, weil sie keinen Milchzucker enthalten. Dieser geht beim Käsen zu einem großen Teil in die Molke über.

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Sauermilchprodukte wie Joghurt enthalten 3 bis 4 Gramm Laktose pro 100 Gramm. Die enthaltenen Milchsäurebakterien spalten den Milchzucker jedoch teilweise auf. Probiotische Milchprodukte enthalten spezielle Milchsäurebakterien, die die Magenpassage überleben. Sie können sich im Dickdarm ansiedeln und dadurch die Darmflora zusätzlich positiv beeinflussen. Bei herkömmlichem Naturjoghurt liegt der Zuckergehalt etwa zwischen 3,7 und 6 Gramm pro 100 Gramm.

Kann Zucker (Glukose) laktosefrei sein?

Laktose ist ein Zweifachzucker; Glukose (Traubenzucker) und Galaktose sind Einfachzucker. Wenn Laktose durch Laktase gespalten wurde, entsteht Glukose und Galaktose, die per Definition laktosefrei sind, denn Laktose selbst ist nicht mehr vorhanden. In laktosefreien Produkten sind also häufig Glukose und Galaktose statt Laktose enthalten. Die enthaltenen Zuckerarten - Laktose sowie die Einfachzucker Glukose und Galaktose - werden nicht vollständig zu Milchsäure abgebaut. Der Gesamtzuckergehalt muss in der Nährwerttabelle stehen.

Wer braucht laktosefreie Produkte - und wer nicht?

Einer Laktoseintoleranz sollten Sie auf jeden Fall fachärztlich diagnostizieren lassen. Bei etwa jedem 6. Bundesbürger reicht die von ihm produzierte Menge an Laktase nicht aus, um die Laktose vollständig zu spalten. Sie gelangt dann als Ganzes in den Dickdarm, da sie so nicht über die Dünndarmwand aufgenommen und weiter verstoffwechselt werden kann. Im Dickdarm dient die Laktose verschiedenen Bakterien, die sich dort naturgemäß aufhalten, als Nahrung, die sie z. B. zu Kohlendioxid und anderen Gasen abbauen. Die Folge davon sind Erscheinungen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall. Man spricht dann von einer Laktoseintoleranz, was einer Unverträglichkeit entspricht und nicht mit einer Allergie verwechselt werden darf.

Wer keine Laktoseintoleranz hat, für den bieten laktosefreie Produkte keinen Mehrwert. Und selbst bei einer Unverträglichkeit muss nicht jede:r Betroffene gleich alles mit dem Label "laktosefrei" kaufen. Je nach Empfindlichkeitsgrad vertragen viele Betroffene geringe Laktosemengen und somit auch bestimmte herkömmliche Milchprodukte. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertragen die meisten Betroffenen einer Milchzuckerunverträglichkeit durchaus 12 Gramm Laktose auf einmal. Das entspricht etwa 250 Millilitern Milch, also ungefähr einem Glas.

Praktische Hinweise: Kennzeichnung, Zutatenliste und Hilfsmittel

Grundsätzlich müssen in Deutschland alle Zutaten eines Lebensmittels auf der Verpackung stehen. Seit dem Jahr 2005 gelten strengere gesetzliche Regelungen, denn alle verpackten Lebensmittel die Laktose enthalten, müssen gekennzeichnet sein. Die Lücke: Wenn in einem Lebensmittel jedoch irgendein Milchprodukt aufgeführt ist, muss Laktose nicht mehr gesondert ausgewiesen werden. Bei allen anderen Lebensmitteln bleibt den Patienten der Blick in die Zutatenliste der verpackten Lebensmittel nicht erspart. Dabei müssen auch auf Begriffe wie "Molke" oder "Süßmolkenpulver" aber auch "Laktose" oder "Milchzucker" geachtet werden.

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Falls dann doch Lebensmittel gegessen werden, die nicht verträglich sind, kann es äußerst hilfreich sein, die Doppelherz Mini-Tabletten, die Laktase enthalten, immer dabei zu haben. Ideal für unterwegs: Doppelherz Lactase 4.500 enthält das Enzym Laktase und unterstützt Ihren Körper so dabei, laktosehaltige Speisen und Getränke wieder besser verdauen zu können.

Infografik Zutatenliste: Begriffe, auf die Laktoseintolerante achten sollten

Tabelle: Laktosegehalt ausgewählter Milchprodukte (typische Werte)

Produkt Typischer Laktosegehalt
Frische Kuhmilch ca. 4,8-5 g/100 ml
Herkömmlicher Naturjoghurt ca. 3-5 g/100 g
Hartkäse (gereift) Spuren bis nahezu 0 g
Butter unter 1 g/100 g
Molkenprodukte, Milchpulver relativ hoch
Laktosefreie Produkte (Deklaration) < 0,1 g/100 g

Fazit für den Alltag

Laktosefreie Milchprodukte enthalten nur noch einen kleinen Rest Laktose und werden daher von Menschen mit einer Laktoseintoleranz meist gut vertragen. Da Menschen mit Laktoseintoleranz ganz unterschiedliche Mengen Laktose vertragen, müssen Betroffene selbst testen, welches normale Milchprodukt sie noch vertragen und wann die teureren, laktosefreien Produkte sinnvoll sind. Für Verbraucherinnen und Verbraucher gilt bei beiden Herstellungsverfahren: Laktosefreie Milch lässt sich beim Kochen oder Backen genauso verwenden wie normale Kuhmilch. Da der enthaltene Restzucker aus der Milch stammt und nicht zugefügt wird, steht er nicht in der Zutatenliste. Der Zuckergehalt muss aber in der Nährwerttabelle stehen.

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