Ist Laktase ein Zucker?
Manche Menschen bekommen Verdauungsprobleme, wenn sie Milch oder milchzuckerhaltige Produkte zu sich genommen haben. Sie vertragen nur wenig Milchzucker (Laktose), weil ihr Darm größere Mengen nicht verarbeiten kann. Das wird Laktoseintoleranz genannt.
Laktose ist aus zwei Zuckern aufgebaut: Glukose und Galaktose. Milchzucker (Lactose oder Laktose) verleiht der Säugetiermilch Energie und milde Süße. Säuglinge sind perfekt dafür ausgerüstet, Milchzucker als Energiequelle für ihren Körper zu nutzen, indem sie das Disaccharid Lactose in seine Bausteine Galactose und Glucose aufspalten. Die Laktose übernimmt wichtige Aufgaben im Körper. 9 min merken gemerkt Artikel druckenMilchzucker kommt vorwiegend in Milch und Milchprodukten vor und wird auch in verarbeiteten Lebensmitteln verwendet. | Bild: anatoliycherkas / AdobeStock
Was ist Laktase wirklich?
Was ist das Laktase Enzym eigentlich? Laktase ist ein Protein, das Milchzucker in seine Bestandteile Glucose und Galaktose spaltet. Proteine mit der Fähigkeit andere Stoffe zu verändern, nennt man Enzyme. Menschen, die laktoseintolerant sind, können Milchzucker nicht verdauen. Laktase ist also ein Eiweiß mit der besonderen Fähigkeit den Milchzucker Laktose zu spalten.
Für viele von uns ist Laktase eine Selbstverständlichkeit, da unser Körper sie in ausreichender Menge produziert. Laktase ist ein Verdauungsenzym, das im Dünndarm produziert wird und eine entscheidende Rolle bei der Verdauung von Milchzucker (Laktose) spielt. Laktase kommt an vielen Orten der Welt vor und braucht ganz verschiedene Umgebungen, um zu arbeiten. Sie kommen in verschiedenen Organismen vor, wie z. B. in Bakterien, Hefen, Schimmelpilzen und Pflanzen.
Ist Laktase ein Zucker?
Kurz und bündig: Nein - Laktase ist kein Zucker. Laktase ist ein Enzym, also ein Protein, das die Verbindung zwischen zwei Zuckern (Glukose und Galaktose) aufbricht. Der Name dieser Gruppe stammt aus dem Altgriechischen und meint so viel wie „in Hefe“. Man kennzeichnet Enzyme mit der Endung -ase. Lakt-ase, darin kommt das Lateinische lact vor, das so viel wie Milch heißt. Enzyme können also verwandeln: Sie können etwas zerteilen, zusammenbauen oder etwas hinzufügen, etwas wegnehmen.
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Warum entsteht Laktoseintoleranz?
Bei einer Laktoseintoleranz stellt der Körper zu wenig Laktase her. Ohne dieses Enzym kann Milchzucker nicht richtig verdaut werden. Eine Laktoseintoleranz ist meist erblich bedingt, kann aber auch durch andere Erkrankungen entstehen. Bei manchen Menschen stört eine Darmerkrankung die Produktion von Laktase. Dies nennt man erworbenen oder sekundären Laktasemangel.
Bei manchen Menschen produziert der Körper dann nicht mehr genug Laktase, um den über Lebensmittel aufgenommenen Milchzucker zu spalten. Sie vertragen milchzuckerhaltige Produkte deshalb schlechter als andere. Dies wird als vererbter oder primärer Laktasemangel bezeichnet. Ein Lactasemangel kann jedoch auch sekundär auftreten, das heißt im Zusammenhang oder als Folge einer entzündlichen oder bakteriellen Darmerkrankung.
Was passiert, wenn Laktase fehlt?
Wenn Laktose den Dünndarm erreicht, spaltet das Enzym Laktase sie auf. Erst dann kann der Milchzucker in Form seiner Spaltprodukte Glukose und Galaktose durch die Dünndarmwand aufgenommen werden. Wenn genug Laktase im Dünndarm zur Verfügung steht, gelangen höchstens kleine Mengen Milchzucker in den Dickdarm (Kolon).
Erreichen größere Mengen Laktose den Dickdarm, wird sie dort von Bakterien zersetzt und umgewandelt. Diese sogenannte Vergärung erzeugt Gase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan oder Wasserstoff sowie andere Abfallstoffe wie Flüssigkeit und Fettsäuren. Durch den so genannten „osmotischen Effekt“ wird Wasser aus den Zellen in den Darm verlagert. Die Betroffenen quälen sich mit Übelkeit, Völlegefühl, leichten bis starken Blähungen, Bauchschmerzen oder gar -krämpfen, im schlimmsten Fall mit schweren Durchfällen.
Wer ist betroffen und wie häufig ist das?
Die Evolution ist „schuld“: Ein Großteil der asiatischen und afrikanischen Bevölkerung produziert aufgrund einer Genmutation nach dem Säuglingsalter keine Laktase mehr und verträgt somit keine Milchprodukte. 65 bis 95 Prozent der Afrikaner, Ostasiaten und Südamerikaner, viele Südeuropäer, aber auch circa 15 Prozent der hiesigen Bevölkerung haben als Erwachsene einen genetisch bedingten Lactasemangel. Im mitteleuropäischen Kulturkreis vertragen rund 85 Prozent der Menschen Milchzucker, und fast jeder Mensch verzehrt täglich Milcherzeugnisse.
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Symptome und Einflussfaktoren
Wie stark die Beschwerden sind, hängt neben der Menge an verfügbarer Laktase auch von anderen Faktoren ab: Manche Menschen produzieren etwa kaum Laktase, haben aber einen schnell arbeitenden Dickdarm. Dann führen größere Mengen Milchzucker kaum zu Beschwerden. Denn Laktose verursacht umso eher Probleme, je länger sie im Dickdarm verbleibt. Möglicherweise spielt auch eine Rolle, welche und wie viele Bakterien im Dickdarm leben (Darmflora).
Die Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst ebenfalls, wie lange der Milchzucker im Magen oder im Dünndarm verbleibt. So können Nahrungsmittel mit einem hohen Fettanteil die Verdauung verlangsamen. Dadurch hat der Dünndarm mehr Zeit, ausreichend Laktase zu produzieren, um den Milchzucker abzubauen. Die Verträglichkeit hängt auch von der Konsistenz und den Begleitstoffen ab: Flüssigkeiten fordern den Darm stärker heraus als feste Substanzen, die eine längere Verweildauer im Magen-Darm-Trakt haben.
Diagnose: Welche Tests gibt es?
Es ist nicht einfach, die Ursache für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sicher zu diagnostizieren. Wer eine Laktoseintoleranz vermutet, sollte zunächst einige Tage konsequent auf lactosehaltige Produkte verzichten und sich genau beobachten. Beim Arzt lässt sich eine Laktoseintoleranz relativ sicher mithilfe eines Atemtests diagnostizieren: Nach Trinken einer Milchzuckerlösung wird der Wasserstoffgehalt der Atemluft gemessen.
Atemtest: Bei einem Atemtest wird gemessen, wie viel Wasserstoff die ausgeatmete Luft enthält - und zwar vor und nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung. Der Milchzucker, der bei einer Laktoseintoleranz in den Dickdarm gelangt, wird dort von Bakterien zersetzt. Dabei produzieren sie Wasserstoff, der über die Darmwand ins Blut gelangt und über die Lunge ausgeatmet wird. Daher ist bei einer Laktoseintoleranz der Wasserstoffgehalt der Atemluft in der Regel erhöht. Für den Test trinkt man eine Milchzuckerlösung auf nüchternen Magen. Danach wird alle 15 bis 30 Minuten der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen. Insgesamt dauert der Atemtest mindestens 2 bis 3 Stunden. Das Testergebnis kann durch Rauchen, Kaugummikauen, schlechte Mundhygiene und andere Faktoren verfälscht werden.
Laktose-Toleranz-Test: Bei diesem Test wird der Zuckerspiegel im Blut vor und mehrmals nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung bestimmt. Steigt der Blutzuckerspiegel nicht nennenswert an, weist das auf eine Laktose-Unverträglichkeit hin: Bei einem Laktasemangel wird die Laktose nicht gespalten. Daher entstehen auch keine Zuckerbestandteile, die der Körper in das Blut aufnehmen kann. Die Lösung wird ebenfalls auf nüchternen Magen getrunken. In den folgenden zwei Stunden wird der Blutzuckerspiegel regelmäßig gemessen.
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Diät- oder Auslassungstest: Für diesen Test verzichtet man für etwa vier Wochen auf alle Nahrungsmittel und Getränke, die Milchzucker enthalten. Bessern sich die Beschwerden, kann das ein erster Hinweis auf eine Laktoseintoleranz sein. Begleitend wird in einem Ernährungstagebuch festgehalten, was man gegessen hat und ob Beschwerden aufgetreten sind. Nach den vier Wochen schließt sich ein sogenannter Belastungstest an. Dabei wird geprüft, ob die Beschwerden nach dem Trinken einer milchzuckerhaltigen Flüssigkeit erneut auftreten.
Therapie und praktische Tipps
Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich. Die Therapie besteht darin, den Milchzuckeranteil in der Ernährung auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Welche Laktosemengen beschwerdefrei toleriert werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Es bedarf der persönlichen Erfahrung der Betroffenen.
Bei Laktoseintoleranz sollte die Ernährung umgestellt werden. Das betrifft vor allem Fertigprodukte, in denen oft versteckte Laktose enthalten ist. Obwohl Sauermilchprodukte (Joghurt, Dickmilch, Kefir etc.) recht große Mengen an Laktose enthalten, werden sie häufig gut vertragen. Ähnliches gilt für die Verträglichkeit vieler Käsesorten, da die Laktose bei der Käseherstellung durch Fermentation weitgehend abgebaut wird. Es ist für die Ernährungspraxis von Bedeutung, wenn Sauermilch- und Käseprodukte verzehrt werden können, da hierdurch zumindest ein Teil des Calciumbedarfs gedeckt wird.
Grundsätzlich müssen in Deutschland alle Zutaten eines Lebensmittels auf der Verpackung stehen. Seit dem Jahr 2005 gelten strengere gesetzliche Regelungen, denn alle verpackten Lebensmittel die Laktose enthalten, müssen gekennzeichnet sein. Die Lücke: Wenn in einem Lebensmittel jedoch irgendein Milchprodukt aufgeführt ist, muss Laktose nicht mehr gesondert ausgewiesen werden.
| Lebensmittelgruppe | Häufiger Laktosegehalt | Verträglichkeit bei Intoleranz |
|---|---|---|
| Frischmilch, Sahne | hoch (2-7 %) | oft problematisch |
| Joghurt, Kefir | mittel | häufig gut verträglich |
| Hartkäse | sehr gering | meist verträglich (oft natur‑laktosefrei) |
| Verarbeitete Lebensmittel | variabel (als Zusatzstoff) | Achten auf Zutatenliste |
Laktase als Hilfsmittel: Laktase-Tabletten und laktosefreie Produkte
In Apotheken erhältliche Laktasepräparate (Tabletten bzw. Tropfen) können von laktoseintoleranten Personen vor einer Mahlzeit eingenommen werden oder unter die Speise oder das Getränk gemischt werden. Diese Enzymtabletten eignen sich sehr gut für unterwegs. Die Laktase, die in laktosefreien Milchprodukten verwendet wird, stammt meist aus Bakterien oder Hefen. Laktase Enzym kommt auch in Lebensmitteln natürlich vor.
Der vollständige Verzicht auf Milchprodukte ist für Laktose-Intolerante oft gar nicht so einfach. Gerade bei Einladungen oder im Restaurant ist die milchfreie Diät schwer durchzuhalten. Laktase-Tabletten enthalten das Enzym Laktase, das im Dünndarm dafür zuständig ist, den Milchzucker (Laktose) in seine Bestandteile Glukose und Galaktose zu spalten. Diese einfachen Zuckerarten können problemlos vom Körper verdaut werden.
Einen Laktase-Mangel durch die Zufuhr des Enzyms zu beheben - das klingt erst einmal logisch. Doch wirkt die zugesetzte Laktase tatsächlich genauso gut wie das körpereigene Enzym? Wahrscheinlich helfen die Laktase-Tabletten zumindest dabei, die Symptome etwas zu mildern. Da in keiner Studie Nebenwirkungen beobachtet wurden, schadet es außerdem nicht, die Tabletten oder Kapseln einfach auszuprobieren. Übrigens: Bis zu 12 Gramm Laktose vertragen die meisten Betroffenen problemlos (zum Vergleich: ein Glas Milch enthält etwa 15 Gramm Laktose).
Die Nr. Welche Laktase-Tablette gewählt werden sollte, hängt daher vom Anwendungsfall ab. Tabletten mit kleineren Dosierungen, wie unsere Laktase 4.500 Direkt oder Laktase 7.000 Direkt eignen sich gut für den Genuss zwischendurch. Die Laktase wirkt sofort und kann problemlos mehrmals am Tag eingenommen werden. Besonders praktisch für den spontanen Genuss sind Kautabletten. Wer sich über mehrere Stunden keine Sorgen über den Verzehr von milchzuckerhaltigen Lebensmitteln machen möchte, kann am besten auf eine Laktase-Tablette mit hoher Dosierung und Depot-Wirkung zurückgreifen.
Herstellung laktosefreier Milch und Industrienutzung von Laktose
Das gängigste Verfahren, um aus normaler Kuhmilch laktosefreie Milch herzustellen, ist, die Milch mit Laktase zu behandeln. Damit wird dem Körper die Spaltung des Milchzuckers abgenommen. Bei der Spaltung entstehen die beiden Einfachzucker Galaktose und Glukose. Diese haben aber eine höhere Süßkraft als Laktose. Deshalb schmeckt laktosefreie Milch süßlicher als normale Milch.
Milchzucker wird in der Lebensmittelindustrie vielfach eingesetzt: Die wasserbindenden Eigenschaften der Lactose geben einem Lebensmittel mehr Festigkeit und eine bessere Textur, ohne dass sich der Geschmack wesentlich ändert. Das ist besonders erwünscht bei fettreduzierten Fleisch- und Wurstwaren, aber auch bei verschiedenen Tiefkühlgerichten und Margarinezubereitungen. In Backwaren und Gewürzmischungen eignet sich Lactose als Aromaträger, in Schokolade und Süßwaren (Lakritze, Fruchtgummi) als Geschmacksverstärker. Außerdem verhindert Milchzucker das unerwünschte Auskristallisieren von Zuckerlösungen. Beim Erhitzen führt Milchzucker zu einer appetitlichen Braunfärbung. Beim Erhitzen sollte man wissen, dass in laktosefreien Produkten die Milch zudem erhitzt wurde und die Laktase damit zerstört ist.
Praktische Hinweise für Betroffene
- Wer Verdacht auf Laktoseintoleranz hat, sollte ein Ernährungstagebuch führen und bei Bedarf einen Auslassversuch durchführen.
- Beim Arzt lassen sich Atem- und Bluttests zur weiteren Abklärung nutzen.
- Bei Verzicht auf Milchprodukte auf die Calciumversorgung achten (Hartkäse, grünes Gemüse, calciumreiche Wässer, ggf. Supplemente).
- Auf Zutatenlisten verpackter Lebensmittel achten: viele Begriffe weisen auf Milch oder Laktose hin (z. B. Milch, Milchprodukt, Molke, Laktose, Milchpulver).
- Laktasepräparate können als kurzfristige Hilfe dienen, ihre Wirkung ist jedoch individuell unterschiedlich.
Wichtig zu wissen
Die Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker ist klar von der Milcheiweißallergie abzugrenzen. Eine korrekte Diagnose sowie Therapieempfehlungen durch den Arzt sind unerlässlich. Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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