Industrieller Zucker: Arten, Namen und Auswirkungen
Zucker ist ein allgegenwärtiger Bestandteil unserer Ernährung, der jedoch oft unter verschiedenen Namen und in versteckten Formen in industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorkommt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Zucker, ihre Bezeichnungen und die potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Die Vielfalt der Zuckerarten und ihre Namen
Zucker ist nicht gleich Zucker. Es gibt eine Vielzahl von Zuckerarten, die sich in ihrer chemischen Struktur, ihren Eigenschaften und ihrer Verwendung in Lebensmitteln unterscheiden.
Saccharose: Der Haushaltszucker
Saccharose, auch bekannt als Haushaltszucker, Kristallzucker, Rohrzucker oder Rübenzucker, ist ein Disaccharid, das aus gleichen Teilen Glukose und Fruktose besteht. Er ist der am häufigsten verwendete Zucker in Haushalten und der Lebensmittelindustrie. Andere Bezeichnungen für Saccharose sind Weißzucker, Raffinade, Raffinadezucker, brauner Zucker und Sukrose.
Glukose und Fruktose: Einfachzucker mit unterschiedlichen Eigenschaften
Glukose, auch Dextrose genannt, und Fruktose sind Monosaccharide, d.h. Einfachzucker. Glukose ist ein wichtiger Energielieferant für den Körper, insbesondere für Gehirn und Muskeln. Fruktose hingegen hat eine höhere Süßkraft als Glukose und wird oft in der Lebensmittelindustrie verwendet, um Produkte zu süßen.
Glukose-Fruktose-Sirup und Invertzucker: Industriell hergestellte Gemische
Glukose-Fruktose-Sirup und Invertzucker sind industriell hergestellte Gemische aus Glukose und Fruktose. Sie werden oft in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, da sie kostengünstiger sind als Saccharose. Es gibt keine Verpflichtung für die Hersteller, die variablen Anteile an Glukose und Fruktose zu deklarieren, was Unsicherheit schafft, zumal ein Übermaß an Fruktose mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken wie Fettleber, Gicht und Diabetes in Verbindung gebracht wird.
Lesen Sie auch: Fanta Lemon Zucker: Was Sie wissen sollten
Weitere Zuckerarten und ihre Bezeichnungen
Neben den genannten Zuckerarten gibt es noch viele weitere, die in Lebensmitteln verwendet werden. Dazu gehören:
- Laktose: Milchzucker, ein Disaccharid aus Glukose und Galaktose
- Maltose: Malzzucker, ein Disaccharid aus zwei Glukosemolekülen
- Glukosesirup: Ein Sirup, der hauptsächlich aus Glukose besteht
- Fruktosesirup: Ein Sirup, der hauptsächlich aus Fruktose besteht
- Dextrine und Maltodextrine: Abbauprodukte von Stärke, die als Füllstoffe und Verdickungsmittel verwendet werden
- Honig: Ein natürliches Süßungsmittel, das hauptsächlich aus Fruktose und Glukose besteht
- Ahornsirup: Ein Sirup, der aus dem Saft des Ahornbaums gewonnen wird
- Agavendicksaft: Ein Sirup, der aus der Agavenpflanze gewonnen wird und einen hohen Fruktosegehalt aufweist
- Melasse: Ein Sirup, der bei der Zuckerherstellung als Nebenprodukt entsteht
Die Lebensmittelhersteller haben also das Recht auf ihrer Seite, wenn sie für Zucker verschiedene Bezeichnungen wählen. Kreative Rezepturgestaltung wertet der Verordnungsgeber nicht als Irreführung. Der Verbraucher muss eben lernen, die Zutatenlisten zu entschlüsseln.
Die Kennzeichnung von Zucker in Lebensmitteln
Die Lebensmittel-Informationsverordnung der Europäischen Union schreibt vor, dass auf verpackten Lebensmitteln eine Zutatenliste angegeben werden muss. Die Zutaten werden in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgeführt. Das bedeutet, dass die Zutat, die an erster Stelle steht, den größten Gewichtsanteil im Produkt hat.
Seit 2016 ist in der EU auch eine Nährwertkennzeichnung vorgeschrieben, die die sogenannten "Big Seven" enthält: Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. In der Nährwerttabelle wird der Zuckergehalt pro 100 g oder 100 ml angegeben.
Es ist wichtig zu beachten, dass in der Nährwerttabelle alle im Produkt enthaltenen Mono- und Disaccharide als "Zucker" bezeichnet und zusammengefasst berechnet werden. In der Zutatenliste werden dagegen alle Zuckerarten einzeln aufgeführt.
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit von zuckerfreiem Chocomel
Hersteller sind nicht verpflichtet, die verwendete Menge der einzelnen Zuckerarten anzugeben. Eine Orientierung kann jedoch die Platzierung der oben genannten Begriffe im Zutatenverzeichnis sein. Stehen sie dort weit vorn, deutet das auf einen hohen Zuckergehalt des Lebensmittels hin.
Die Auswirkungen von Zucker auf die Gesundheit
Ein übermäßiger Zuckerkonsum kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dazu gehören:
- Karies: Zucker ist ein Hauptverursacher von Zahnkaries, da er einen idealen Nährboden für Bakterien im Mund bietet, die Säuren produzieren und den Zahnschmelz angreifen.
- Übergewicht und Adipositas: Zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel tragen zu einem Kalorienüberschuss bei, ohne den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Dies führt zur Gewichtszunahme und kann langfristig zu Adipositas führen.
- Typ-2-Diabetes: Ein hoher Zuckerkonsum kann das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen, da er zu einer Insulinresistenz führen kann.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Studien haben gezeigt, dass ein hoher Zuckerkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.
- Fettleber: Ein Übermaß an Fruktose kann in der Leber zu Fettsäuren verstoffwechselt werden, was zu einer Fettleber führen kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 10 % der täglichen Kalorien in Form von Zucker zu konsumieren. Das entspricht bei 2000 kcal pro Tag ungefähr 50 Gramm Industriezucker pro Tag. Zucker aus Obst und Milchprodukten ohne Zuckerzusatz sind von dieser Empfehlung ausgenommen.
Strategien zur Reduzierung des Zuckerkonsums
Um den Zuckerkonsum zu reduzieren, können folgende Strategien hilfreich sein:
- Zutatenlisten und Nährwerttabellen lesen: Achten Sie beim Kauf von Lebensmitteln auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle, um den Zuckergehalt zu überprüfen.
- Versteckte Zuckerquellen vermeiden: Seien Sie sich bewusst, dass Zucker sich oft hinter verschiedenen Bezeichnungen versteckt, wie z.B. Glukosesirup, Fruktosesirup, Maltodextrin oder Invertzucker.
- Ungesüßte Alternativen wählen: Wählen Sie ungesüßte Varianten von Lebensmitteln wie Joghurt, Müsli oder Getränken.
- Zuckerhaltige Getränke reduzieren: Reduzieren Sie den Konsum von zuckerhaltigen Getränken wie Limonaden, Säften und Energy-Drinks.
- Selber kochen und backen: Kochen und backen Sie selbst, um die Kontrolle über die Zutaten und den Zuckergehalt zu haben.
- Natürliche Süßungsmittel verwenden: Verwenden Sie natürliche Süßungsmittel wie Honig, Ahornsirup oder Stevia in Maßen.
- Sich Zeit nehmen, um sich an weniger Süße zu gewöhnen: Reduzieren Sie Ihren Zuckerkonsum schrittweise, um sich an weniger Süße zu gewöhnen.
Irrtümer rund um Zucker
Es gibt viele Irrtümer rund um Zucker, die zu Verwirrung führen können. Hier sind einige der häufigsten Irrtümer:
Lesen Sie auch: Osterhasen-Kekse ohne Zucker
- Brauner Zucker ist gesünder als weißer Zucker: Brauner Zucker ist nicht unbedingt gesünder als weißer Zucker. Er enthält zwar mehr Mineralstoffe, aber der Unterschied ist gering.
- Fruchtzucker ist gesünder als Haushaltszucker: Fruchtzucker ist nicht unbedingt gesünder als Haushaltszucker. In großen Mengen kann er die Leber schädigen und zu einer Fettleber führen.
- "Zuckerfrei" bedeutet, dass ein Produkt keinen Zucker enthält: "Zuckerfrei" bedeutet nur, dass ein Produkt weniger als 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter enthält. Es kann trotzdem andere Zuckerarten enthalten.
- Zucker ist der Hauptgrund für Übergewicht: Zucker ist nicht der einzige Grund für Übergewicht. Auch Fett und eine insgesamt unausgewogene Ernährung können zu Übergewicht führen.
- Zucker raubt dem Körper Kalzium: Es ist ein Mythos, dass Zucker dem Körper Kalzium raubt und damit die Knochen "weichmacht".
tags: #industrieller #zucker #arten #namen


