Was sind keine „Schokolade“-Akkorde in der Musiktheorie? Präzise Einordnung von Stufen, Funktionen und Fehlbegriffen

Der Begriff „Schokolade-Akkorde“ existiert in der etablierten Musiktheorie nicht. Gemeint sind in der Regel Akkorde, die „süß“, „angenehm“ oder besonders „gefällig“ klingen - häufig Tonika-nahe Klänge ohne ausgeprägte Spannung. Um Missverständnisse zu vermeiden, ordnet dieser Artikel die gängigen Funktionen präzise ein und zeigt, welche Akkorde keine „Schokolade“-Akkorde im umgangssprachlichen Sinn sind: nämlich die mit deutlicher Spannungswirkung innerhalb einer Kadenz.

Die Stufenlehre oder auch Stufentheorie ermöglicht uns harmonische Zusammenhänge in (den meisten) Liedern zu erkennen und zu beschreiben. Als Grundlage der Stufenlehre fungiert die Durtonleiter. Da Musik aber nicht nur in C-Dur stattfindet, macht es durchaus Sinn, wenn du dir bewusst machst welche Akkorde in anderen Tonarten die Haupt- und Nebenstufen bilden.

Infografik: Durtonleiter, Stufen I-VII mit Funktionsgruppen Tonika, Subdominante, Dominante

Tonika-nahe Klänge: Was umgangssprachlich „schokoladig“ wirkt

Tonika-Akkorde (T, Tp, Tg): Sie vermitteln wenig bis keine Spannung, sondern sind eher Ruhepunkte. Sie sind unser musikalisches „zu Hause“. C-Dur bildet die Tonika (T). Sie ist sozusagen unser harmonisches „zu Hause“. Sie besitzt keine harmonische Spannung, sondern verkörpert den Zielpunkt/Ruhepunkt einer harmonischen Kadenz (Akkordverbindung). A-Moll bildet die Tonika-Parallele (Tp). Die dritte Stufe wird also eher als Tonika-Gegenklang (Tg) bezeichnet.

Wenn man die Parallelen mit ihren dazugehörigen Hauptstufen betrachtet, sieht man, dass immer zwei von drei Tönen des Akkordes übereinstimmen. Deshalb haben die Akkorde einen sehr ähnlichen Klang und Effekt innerhalb des harmonischen Gerüsts. Der Klang der unmittelbar mit den Bezeichnungen verbunden ist, wird natürlich nur dann deutlich, wenn die Tonart klar etabliert ist.

Warum diese Akkorde als „keine Spannung“ wahrgenommen werden

Erst wenn C-Dur als tonales Zentrum und Tonika in deinem Ohr ist lassen sich diese Klangeigenschaften erfassen. Du kannst damit anfangen die C-Dur-Tonleiter und ein paar einfache Kadenzen in C-Dur (z.B. I-IV-V-I, also C - F - G - C) zu spielen, um C-Dur als tonales Zentrum zu etablieren.

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Video: Hörtraining Tonika, Tonika-Parallele und Tonika-Gegenklang in C-Dur

Kadenz- und Spannungsakkorde: Was keine „Schokolade“-Akkorde sind

Kadenz-Akkorde (S, D, Sp): Sie sind Teil von Kadenzen und haben ein mehr oder weniger starkes Auflösungsbedürfnis. Die siebte Stufe gehört vom Klang her in diese Gruppe, da sie ein Ersatz für die Dominante bildet. G-Dur bildet die Dominante (D). Sie ist der harmonische Gegenpol zu der Tonika. F-Dur bildet die Subdominante (S). Sie ist weder kompletter Ruhepol, noch hohe harmonische Spannung. Sie bildet sozusagen die dritte harmonische Farbe der Hauptstufen.

G-Dur bildet die Dominante (D). Sie ist der harmonische Gegenpol zu der Tonika. Bildlich gesprochen will sie „nach Hause“. Das liegt zum einen an der Terz (in diesem Fall H), die in C-Dur den Leitton bildet, der sich hin zu C auflösen will. Zum anderen ist die Grundtonbewegung von G zu C ein Quintfall, was ebenso typisch ist für eine harmonische „Spannung-Entspannung“ Beziehung.

Dominante verschärfen: Warum G7 sicher keine „Schokolade“ ist

Um die Spannung der Dominante noch zu verschärfen, wird der Dreiklang oft durch die kleine Septime (F) ergänzt und so zu einem Vierklang (G7) erweitert. Innerhalb des Vierklangs entsteht so eine verminderte Quinte zwischen Terz und Septime, die ein hohes Auflösungsbedürfnis zu Grundton und Terz der Tonika besitzt. Die 7. Stufe (H-Vermindert, oder in amerikanischer Schreibweise B-Vermindert) fällt ein bisschen heraus aus dem Dur/Moll-System der Stufenlehre. Sie wird im Allgemeinen eher vernachlässigt, ist im Prinzip aber ein verkürzter Dominant-Sept-Akkord (Dominant-Sept-Akkord ohne Grundton). Also in unserem Fall ein G7 ohne den Grundton G.

Schema: Leittonspannung H-C, verminderte Quinte im G7 (H-F) und Auflösung nach C-E

Haupt- und Nebenstufen präzise zuordnen

Die Durakkorde (also C, F und G) bilden die Hauptstufen der Stufenlehre. In der Klassik, oder auch in der Popmusik, werden diese Hauptstufen in allen verschiedenen Kombinationen verwendet. Nur die Kombination von D zu S finden wir nicht, da die Dominante ein dringendes Auflösungsbedürfnis zu der Tonika hat.

Die Mollakkorde (also Dm, Em und Am) bilden die Nebenstufen der Stufenlehre. Sie sind die Parallelen zu den Hauptstufen jeweils eine Terz darüber: A-Moll bildet die Tonika-Parallele (Tp). E-Moll bildet die Dominant-Parallele (Dp). D-Moll bildet die Subdominant-Paralle (Sp). Die dritte Stufe hat sich nicht wirklich als Dominant-Parallele (Dp) durchgesetzt, da sie zwar zwei Töne mit der Dominante gemeinsam hat (G und H), dies aber auch auf die Tonika zutrifft (E und G). So ist die harmonische Spannung, die der Akkord für einen Dominant-Klang benötigt nicht gegeben. Die dritte Stufe wird also eher als Tonika-Gegenklang (Tg) bezeichnet.

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Funktionsgruppen im Überblick

Funktion Stufe in C-Dur Beispielakkord Klangwirkung
Tonika (T) I C Ruhepunkt, „zu Hause“
Subdominante (S) IV F moderate Spannung
Dominante (D) V G, G7 starke Spannung, Auflösung zu C
Tonika-Parallele (Tp) VI Am tonikaverwandter Ruheklang
Subdominant-Parallele (Sp) II Dm kadenzfähig, mildere Spannung
Dominant-Parallele (Dp) III Em häufig als Tonika-Gegenklang (Tg) gehört
Leittonakkord VII Dominant-Ersatz, starkes Auflösungsbedürfnis

Praxis: So hörst du Unterschiede zwischen „süß“ und „spannend“

Am Klavier: Die C-Dur-Tonleiter eignet sich ideal zum Üben der Stufenfunktionen. Spiele nacheinander die Hauptstufen (C - F - G) und Nebenstufen (Dm - Em - Am), um zu hören, wie Spannung und Entspannung wirken. Starte mit einfachen Kadenzen wie I-IV-V-I oder II-V-I (z. B. Dm - G - C) Achte auf die Wirkung der Dominante (G oder G7) und ihre Auflösung zur Tonika (C) Nutze den richtigen Fingersatz, um flüssig zu spielen Höre bewusst auf Klangfarben - besonders, wenn du Vierklänge.

Foto: Klaviergriffbilder C, F, G, Dm, Em, Am mit Pfeilen für Funktionswege

Auf der Gitarre: Auch auf dem Griffbrett kannst du die Stufenlehre hervorragend üben - mithilfe von Akkord-Patterns und dem CAGED-System. Spiele Hauptstufen: C (offen), F (Barré am 1. Bund), G (offen) Übe Nebenstufen: Dm, Em, Am (alle offen möglich) Erstelle einfache Akkordfolgen wie C - Am - F - G - C (I-VI-IV-V-I) Höre genau hin, wie sich Spannung aufbaut.

Konkrete Antworten: Welche Akkorde sind keine „Schokolade“-Akkorde?

  • Dominante und Dominant-Septakkord: G und G7 besitzen ein starkes Auflösungsbedürfnis - keine „süße“ Ruhe, sondern gezielte Spannung.
  • Leittonakkord H°: Ein verkürzter Dominant-Sept-Akkord ohne Grundton - deutlich spannungsvoll, kein Ruheklang.
  • Subdominante F: Weder kompletter Ruhepol, noch hohe harmonische Spannung - aber klarer Wegbereiter der Kadenz, daher nicht „süß“ im Tonika-Sinn.
  • Subdominant-Parallele Dm: Kadenzfähig mit spürbarer Zielrichtung - mehr Bewegung als die Tonika-Familie.

Demgegenüber stehen „schokoladige“ Ruheklänge der Tonika-Familie: C (T), Am (Tp) und häufig Em als Tonika-Gegenklang (Tg), sofern die Tonart eindeutig etabliert ist.

Demonstration: Kadenz I-IV-V-I und II-V-I, Vergleich von Ruhe- und Spannungswirkung

Eigenes Hören schärfen: Kontext ist alles

Der Klang der unmittelbar mit den Bezeichnungen verbunden ist, wird natürlich nur dann deutlich, wenn die Tonart klar etabliert ist. Ob du den ersten Akkord auf deiner Gitarre anschlagen oder dein Lieblingsstück am Klavier fließend spielen willst - mit music2me lernst du dein Instrument in deinem eigenen Tempo.

Alle Beispiele sind hier der Einfachheit halber in C-Dur. So setzt du die Stufentheorie auf Klavier und Gitarre um Theorie ist wichtig - aber erst durch das eigene Spiel wird der Klang der Stufen wirklich greifbar.

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Grafik: Funktionsverläufe T-S-D-T in C-Dur und Pfeile für Spannung/Entspannung

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