Honig ohne Schadstoffe erkennen und kaufen
Honig - ein reines Naturprodukt? Nicht immer. Zwar darf in der Theorie in Honig nichts rein außer Honig, doch die Praxis sieht anders aus.
Welche Probleme zeigen Tests?
Im Test: vor allem Bio-Blütenhonige, einige davon sind konkrete Sortenhonige wie Akazienhonig oder Rapshonig. Nicht nur das: Wir haben Zuckersirup gefunden, Pestizidrückstände und genveränderte Pollen. Aber auch viele Honige, in denen wirklich nichts anderes drin ist als Honig.
Dreck? Genau. Alles Mögliche haben wir erwartet, als wir die Honiggläser in die Speziallabore schickten. Nur das nicht: Der Langnese Flotte Biene Bio-Blütenhonig enthalte "starke Verunreinigungen", schreibt das Labor. Dass im Honig Pflanzenfasern und Bienenhaare drin sind, ist normal. Unser Labor fand im Produkt von Langnese aber Mengen an Schmutz, die das gewöhnliche Maß deutlich übersteigen. Doch aus unserer Sicht ist völlig unklar, an welcher Stelle in der Produktion der Dreck in den Honig gelangt.
Zuckersirup ist günstiger als Honig und wird deshalb oft verwendet, um Honig zu strecken. Erlaubt ist das nicht - aber Zucker im Honig ist auch schwer nachzuweisen, weil Honig zu großen Teilen aus Zucker besteht. Die Labore entwickeln ständig neue Analysemethoden, um den Fälschern auf die Spur zu kommen. Und die Fälscher finden neue Tricks, diese zu umgehen.
Wir haben alle Produkte im Test auf Fremdzucker prüfen lassen, weil Honig zu den meistgefälschten Lebensmitteln überhaupt gehört. Honig ist teuer, Zuckersirup ist billig. Genau den hat das beauftragte Labor aber in zwei Honigen gefunden. Ein Bio-Honig und ein "echtes" deutsches Qualitätsprodukt mit Zuckersirup? Ärgerlich.
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Rückstände: Pestizide, PA und gentechnisch veränderte Pollen
Einmal hat das von uns beauftragte Labor Pollen mehrerer gentechnisch veränderter Pflanzen, darunter Soja, analysiert. Verbraucherinnen und Verbraucher, die genveränderte Bestandteile meiden möchten, haben ohne Laboranalysen keine Chance. Spritzgifte fanden sich ebenfalls in einem Produkt. Letztere gehören zur Gruppe der Neonicotinoide, die das Nervensystem der Bienen schädigen und ihren Orientierungssinn stören können. Thiacloprid steht laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen und ist als "vermutlich krebserregend" eingestuft.
In keinem der 16 Bio-Honige haben wir Pestizide auch nur in Spuren gefunden. Das ist erfreulich, denn: ein Bio-Imker kann seiner Biene nicht vorschreiben, nur ungespritzte Blüten anzufliegen. Zum Beispiel sollen sie ihre Bienenstöcke so aufstellen, dass eine Distanz von drei Kilometern zu konventionell bewirtschafteten Feldern und Industriebetrieben besteht. Im eng besiedelten Deutschland und Europa eine Herausforderung.
Bei sechs Honigsorten fand Öko-Test die natürlichen Pflanzengifte Pyrrolizidinalkaloide (PA) in erhöhten Mengen, darunter sind auch zwei Bio-Honige. Öko-Test interpretierte erhöhte HMF-Werte als Mangel in der Naturbelassenheit, da HMF auf längere Erwärmung oder schlechte Lagerung hindeutet.
Authentizität: Moderne DNA-Analyse als Prüfverfahren
Die moderne DNA-Analyse kommt ins Spiel. Authentischer Honig besitzt ein DNA-Profil, das sich zweifelsfrei von verändertem oder gestrecktem Honig unterscheidet. Es handelt sich dabei um ein wissenschaftlich fundiertes, überprüfbares Verfahren. Zunächst wird die DNA der eingereichten Honigprobe isoliert. Diese enthält eine Mischung an DNA von verschiedenen Lebewesen. Die im Honig gefundenen Codes der DNA werden gelesen und mit weltweit verfügbaren, riesigen DNA-Sequenzdatenbanken verglichen. Dort findet sich die Information welcher Code zu welcher Art gehört.
So wird bestimmt, von welchen Pflanzen und Tieren, Bakterien, Pilzen, Viren und dergleichen DNA-Spuren im Honig enthalten sind. Daraus entsteht ein DNA-Profil, das eindeutig für echten Honig spricht - oder mehr oder weniger stark davon abweicht. Viele Faktoren werden dabei berücksichtigt, etwa die Gesamtmenge der DNA, welche und wie viele Arten gefunden bzw. nicht gefunden wurden und in welchem Verhältnis sie zueinanderstehen.
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Die Test-Methode ist neu und noch nicht offiziell akkreditiert. Experten halten es so aber für möglich, Fälschungen aufzuspüren, bei denen herkömmliche Tests nicht anschlagen. Die gängigen Verfahren untersuchen die DNA nämlich nicht. Für mich ist besonders überzeugend, wenn zwei Labore zu dem gleichen Ergebnis kommen. Zwei Labore, die viel Erfahrung haben. Dann würde ich dem Ergebnis tatsächlich sehr stark trauen, so ein unabhängiger Experte.
Was zeigen aktuelle Untersuchungen (Auszüge aus Testergebnissen)?
Öko-Test hat 19 Honige untersucht, bevorzugt Bio-Blütenhonige, aber auch konventionelle Produkte. Das Ergebnis: Insgesamt schnitten acht Bio-Honige „sehr gut“ ab. Über die Hälfte der getesteten Produkte schnitten mit der Note "gut" oder besser ab. Dennoch fielen einzelne Produkte deutlich durch.
| Produkt | Preis pro 500 g | Herkunft | Hinweise auf Fremdzucker / Rückstände | Testergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Imkerei Högler Rapshonig | 7,59 € | Deutschland | Sirupmarker; keine Kontaminanten | mangelhaft (Inhaltsstoffe und Sensorik) |
| Zentrale Handelsgesellschaft Blütenhonig | 2,99 € | Ukraine, Rumänien, Vietnam | gentechnisch veränderte Pflanzen-DNA | ausreichend |
| Friedrich Göbber Raps | 8,31 € | Ungarn, Rumänien | 2 Pestizide erhöht (Acetamiprid, Thiacloprid) | ungenügend |
| Alnatura Akazienhonig (Bio) | 8,99 € | Rumänien | keine Hinweise auf Fremdzucker | sehr gut |
| Langnese Flotte Biene Bio-Blütenhonig | 6,58 € | nicht einheitlich | "starke Verunreinigungen" (Dreck) | mangelhaft |
Die Analyseergebnisse zeigen leider, dass der Großteil dieser Honigproben nicht als Honige einzustufen ist, so ein Laborleiter. Heimische Imker können die hohe Nachfrage nach dem süßen Nahrungsmittel bei Weitem nicht decken. So wird nach immer neuen Herstellungsverfahren und Lieferwegen gesucht.
Antworten der Händler und Reaktionen
Die Händler weisen den Vorwurf, ihr Honig sei nicht echt, strikt zurück. Rewe betont: "Gemeinsam mit unseren Lieferanten befassen wir uns kontinuierlich mit der Authentizität unserer Honige und haben ein breites Spektrum an qualitätssichernden Maßnahmen etabliert, die die Reinheit des Blütenhonigs gewährleisten." Aldi, Edeka und Lidl verweisen auf eigene Prüfungen und externe Institute, die unauffällige Ergebnisse geliefert hätten. Die Politik nimmt die Ergebnisse der DNA-Untersuchung ernst; das Bundeslandwirtschaftsministerium steht in direktem Kontakt mit dem Labor in Estland.
Praktische Tipps: Wie erkenne und kaufe ich schadstoffarmen, authentischen Honig?
- Kaufe regionalen Imkerhonig: Kauft von regionalen Imkern. Guten, regionalen Imkerhonig gibt es im Supermarkt! Wenn auf dem Etikett nur ein Land als Ursprungsland und eine Imkerei als Erzeuger angegeben sind, stammt der Honig aus zuverlässigen, regionalen Quellen.
- Achte auf Gütesiegel: Wenn Sie sicherstellen wollen, dass der Honig nicht aus verschiedenen Honigsorten zusammengemischt wurde und alle natürlichen Inhaltsstoffe noch enthalten sind, achten Sie auf das Siegel "Echter Deutscher Honig".
- Bio-Siegel ist kein Allheilmittel: In keinem der 16 Bio-Honige haben wir Pestizide auch nur in Spuren gefunden - erfreulich. Dennoch können auch Bio-Honige belastet sein, denn Bienen fliegen weit und Bio-Standortvorgaben sind in dicht besiedelten Regionen schwer einzuhalten.
- Kontrolliere Etiketten genau: Begriffe wie "Landhonig" oder "Imkerhonig" können irreführend sein; oft verbergen sich Mischungen aus EU- und Nicht-EU-Honigen dahinter. Nur ein klarer Herkunftshinweis und die Nennung der Imkerei geben mehr Sicherheit.
- Preis ist kein Qualitätsmerkmal: Ein hoher Preis ist kein sicheres Indiz für besonders guten Honig. Auch günstige Produkte können in Geschmack und Qualität überzeugen.
- Vermeide ungeklärte Massenware: Industriell hergestellte Honige sind oft gemischt und wärmebehandelt; naturbelassenen Honig erkennen Sie an niedrigen HMF-Werten und hoher Invertase-Aktivität.
- Frage nach Analysen: Bei Zweifeln lohnt die Nachfrage beim Händler oder Hersteller nach Authentizitäts- und Schadstoffanalysen.
Ist teurer Honig besser?
Die Stiftung Warentest hat gezeigt: Teurer Honig ist nicht automatisch besser. Im Test von 24 Blütenhonigen schnitten über die Hälfte der getesteten Produkte mit der Note "gut" ab. Und das Erstaunliche daran: Einige der besten Honige waren nicht etwa aus teuren Manufakturen, sondern stammten von Discountern und waren deutlich günstiger. Deshalb: Weder Preis noch Herkunft verraten allein etwas über die Qualität.
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Welche Honigsorte bietet die beste Qualität?
Welche Variante am besten schmeckt, ist eine persönliche Präferenz - probieren Sie am besten mehrere Sorten aus. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Blütenhonig und Waldhonig. Akazienhonig zählt zu den beliebtesten Sorten unter den Blütenhonigen.
Was bleibt zu tun?
Die moderne DNA-Analyse und weiterentwickelte Labormethoden können helfen, Fälschungen aufzudecken. Verbraucherschutz, Politik und Handel sind gefordert, Transparenz zu schaffen. Bis dahin bleibt der beste Rat: Regional kaufen, Etiketten prüfen, auf anerkannte Siegel achten und bei Unsicherheiten direkt beim Imker oder Händler nachfragen.
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