Herkunft und Etymologie des Wortes Honig

Das deutsche Wort Honig ist ein faszinierendes Beispiel für die Entwicklung und Wanderung von Begriffen im indogermanischen Sprachraum, verbunden mit der jeweils kulturellen und handwerklichen Geschichte des Honigs als Produkt. Diese ausführliche Darstellung beleuchtet die Herkunft und Etymologie des Wortes „Honig“, seine sprachlichen Beziehungen und Bedeutungswandel sowie die charakteristischen Merkmale und Besonderheiten des Produkts selbst.

Honigwabe und goldgelber Honig - Symbolik und Farbe

Historische Entwicklung und Etymologie

Die Bezeichnung geht über mittelhochdeutsch honec beziehungsweise honig und althochdeutsch honag auf germanisch *hunanga- „Honig“ zurück. Das deutsche Wort Honig stammt aus dem indogermanischen *kn̥h₂ónks 'goldfarben', wie viele germanische als auch indogermanische Parallelen. Die germanischen Sprachen kennen das Wort alle, zum Beispiel englisch honey, niederländisch honing, niederdeutsch Honnig, schwedisch honung, dänisch honning, schweizerdeutsch Hung und luxemburgisch Hunneg.

Das Genus des Wortes schwankt im Deutschen lange Zeit. Die ersten maskulinen Formen sind im Frühneuhochdeutschen bezeugt, vollständig verschwindet das Neutrum aber erst im späten 18. Jahrhundert (Pfeifer 1993: 554). Ahd. honag n., mhd. honec, honic n., frnhd. honig, hönig n./m., änhd. Honig n./m., nhd. Honig m. geht mit as. honeg, huneg, haneg stm., afries. hunig m., ae. hunig n. u.a. auf germ. *χunaǥa- zurück. Dagegen könnten aisl. hunang mit den modernen skandinavischen Entsprechungen, z.B. norw. huning < ein urgerm. *χunanǥa- voraussetzen.

Für die weitere etymologische Verknüpfung hat man altindisch kanaka- "Gold", kāñcana- "golden", griech. dor. κνακός [knakós], ion. κνηκός [knêkós] "gelblich, fahlgrau", griech. κνῆκος [knếkos] f. "Saflor, Färberdistel, Carthamus tinctorius", lat. canicae f.Pl. "eine minderwertige Kleieart", apreuss. cucan "braun" beigezogen. Die germanische Form beruht zusammen mit griech. knakos „gelblich“ und altind. kañcaná „Gold“ auf der indogermanischen Wurzel *knəko- „goldfarben“. Der Honig ist also dann nach der Farbe benannt.

Indogermanische Sprachfamilie und Verbreitung des Honig-Wortes

Gegen diese Verknüpfung sind auch Einwände erhoben worden, die sich allerdings beseitigen lassen. So hat Kluge/Seebold (2011: 242) Bedenken, ob sich die unterschiedlichen Bedeutungen der Fortsetzer tatsächlich zusammenbringen lassen. Aber die Farbe des Honigs ist durchaus ein salientes Merkmal, wie vergleichende Bildungen wie honiggelb und honigbraun (beide schon frühneuhochdeutsch bezeugt) zeigen; und so kann der Bezeichnung durchaus ein Farbadjektiv zugrunde liegen.

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Alternative Wurzeln in anderen Sprachen

In anderen indogermanischen Sprachen finden sich die Entsprechungen zweier anderer Wurzeln. Die eine zeigt sich in Sanskrit मधु madhu für „Honig, Met“, litauisch medus = „Honig“ und tocharisch mit = „Honig“; auch viele slawische Sprachen haben das Wort „med“ für Honig. Hierauf geht wahrscheinlich auch die deutsche Bezeichnung Met für Honigwein zurück. Aus der tocharischen Form „mit“ leitet sich wahrscheinlich chinesisch 蜜 mì (mittelchinesisch mjit) ab. In der lateinischen Sprache steht mel für Honig, wovon auch die Wörter in den modernen romanischen Sprachen stammen.

Sprache Wort Wurzel/Herkunft
DeutschHonig*hunanga- / *knəko-
EnglischHoneygerm. *hunang
Russischмёд (miód)*medhu
Sanskritmadhu*medhu
Lateinmelidg. *meldh-
Chinesisch蜜 (mì)aus Toch. „mit“

Fragen könnte man sich allerdings, warum im Germanischen das Erbwort idg. *médhu- verdrängt wurde. Es ist aber möglich, dass dieses Wort schon früh die Bedeutung "Met, Honigwein" hatte (zur Bedeutung vgl. NIL 2008:536), so dass für den Honig eine neue Bezeichnung benötigt wurde.

Bedeutung und Symbolik von Honig

Schon in der Steinzeit nutzte der Mensch Honig als Nahrungsmittel, wie es 9000 Jahre alte steinzeitliche Höhlenmalereien mit „Honigjägern“ zeigen. Der den wild lebenden Bienenvölkern abgenommene Honig wurde auch als Köder bei der Bärenjagd eingesetzt. Bei Ausgrabungen von Pharaonengräbern in Ägypten wurde Honig als Grabbeigabe gefunden. Um 3000 v. Chr. galt im Alten Ägypten Honig als „Speise der Götter“ und als Quelle der Unsterblichkeit: Ein Topf Honig hatte einen Wert vergleichbar dem eines Esels.

Im Koran wird die Heilwirkung des Honigs beschrieben. In der 16. Sura gilt er als Zeichen des Segens. Nach Augustinus ist der Honig ein Bild für die Zärtlichkeit Gottes und seine Güte.

Traditionen und Symbolkraft von Honig in antiken Kulturen

Wortbildungen und Redewendungen

  • Honiggelb, honigbraun: Beide Farbadjektive sind schon frühneuhochdeutsch bezeugt und verdeutlichen die Grundbedeutung der Farbe im Etymon.
  • Die Zusammensetzung Honigmond ist ein älterer Ausdruck für „Flitterwochen“ und wurde über das Französische aus englisch honeymoon entlehnt.
  • Beispiele im übertragenen Sinn: „sie lächelt, redet süß wie Honig“ (= schmeichlerisch); „jmdm. Honig um den Bart schmieren“ (= schmeicheln); „etwas ist Honig aufs Brot“ (= sehr angenehm sein).

Herstellung, Eigenschaften und Vielfalt von Honig

Bienen zu einer dickflüssigen, goldgelben Masse umgewandelter Nektar der Blüten: Die Entstehung von Honig besteht aus der Honigbereitung und der anschließenden Honigreifung. Wichtigster Ausgangsstoff für die Honigbereitung ist Nektar - ein zuckerhaltiger Saft, den Blütenpflanzen aus ihren Nektarien ausscheiden. Als weitere wesentliche Quelle kommt in einigen, hauptsächlich gemäßigten Klimaregionen der Erde Honigtau hinzu.

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Diese Ausgangsstoffe werden von bestimmten Arbeiterbienen gesammelt, welche die Zuckersäfte mit ihrem Rüssel aufnehmen und in der Honigblase (Trophallaxis) zwischenlagern. Schon bei der Aufnahme werden dem Saft spaltende Enzyme aus den Futtersaftdrüsen hinzugesetzt. Die zugesetzten Enzyme sind Glucosidasen und Amylasen. Amylasen spalten langkettige Kohlenhydrate wie das Polysaccharid Stärke in kurzkettige Kohlenhydrate.

Schema: Von der Blüte zum Honig - Bienentechnologie

Wenn die Sammelbienen wieder im Bienenstock ankommen, geben sie den unfertigen Honig an Stockbienen weiter, die ihn im Laufe der Zeit mehrfach transportieren und bearbeiten. Der Wassergehalt wird schrittweise von ursprünglich etwa 70 % auf unter 20 % reduziert, indem die Masse in dünnen Schichten verteilt und durch Flügelschläge belüftet wird. Nach der Reifung wird der fertige Honig in Lagerzellen über dem Brutnest eingelagert und mit einer luftundurchlässigen Wachsschicht (dem sogenannten „Verdeckeln“) verschlossen.

Sorten und Besonderheiten

  • Blütenhonig: Entsteht überwiegend aus Blütennektar. Die meisten Blütenhonige kristallisieren nach ein bis sechs Wochen.
  • Heidehonig: Eine Besonderheit stellt die Gewinnung wegen seiner geleeartigen Konsistenz dar. Er wird traditionell gepresst.
  • Lindenhonig, Rapshonig, Akazienhonig (Robinienhonig), Buchweizenhonig, Kastanienhonig u. a. lassen sich nach botanischer Herkunft und Geschmack unterscheiden.
  • Sortenhonig ist kein standardisiertes Produkt. Geschmack, Farbe und Konsistenz hängen von Trachtpflanzen, Region, Wetter, Erntezeitpunkt und Verarbeitung ab.

Honige verschiedener botanischer Herkunft unterscheiden sich nicht nur in Geschmack, Geruch und Farbe voneinander. Oft wird das Aroma eines Honigs durch den Nektar einer Massentracht dominiert, wobei sogenannte „Beitrachten“ dem Honig die besondere Geschmacksnote verleihen. Ist der Honig mit einer botanischen Herkunftsangabe versehen, so muss der Honig überwiegend, das heißt zu mehr als 50 %, aus der beschriebenen Quelle entstammen.

Zusammensetzung und physikalische Eigenschaften

Honig ist eine dickflüssige bis feste, teilweise auch kristallisierte Substanz, die hauptsächlich aus den Zuckerarten Fructose (Fruchtzucker, 27 bis 44 %) und Glucose (Traubenzucker, 22 bis 41 %) sowie Wasser (15 bis 21 %, Heidehonig bis 23 %) besteht. Die Fructose überwiegt meist gegenüber der Glucose, im Durchschnitt sind etwa 38 % Fructose und 30 % Glucose enthalten.

Daneben enthält Honig in geringen Mengen Saccharose, Maltose, Melezitose und weitere Di- und Oligosaccharide, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe und Pollen. Die Dichte des Honigs beträgt etwa 1,4 kg/l, abhängig vom Wassergehalt. Die relativ lange Haltbarkeit der meisten Honige beruht auf ihrem hohen Zucker- und dem geringen Wassergehalt, die verhindern, dass sich Bakterien und andere Mikroorganismen (z. B. Hefen) vermehren können.

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Kristallisation von Honig und Farbvielfalt

Die Farbe eines Honigs kann zwischen weiß bis hellgelb, gelb, beigefarben, braun und grünschwarz variieren. Die Konsistenz von Honig reicht von dünnflüssig über cremig bis fest. Für die Neigung zum Kristallisieren ist vor allem das Fructose-Glucose-Verhältnis verantwortlich. Ist dieses etwa 1 : 1, so erfolgt die Kristallisation innerhalb weniger Tage. Bei den Honigtauhonigen, etwa dem Tannenhonig, ist das Verhältnis etwa 1,6 : 1. Dieser Honig bleibt über Monate oder sogar Jahre flüssig.

Regulierung und Ursprungsangabe

Die jüngste Änderung der Honigverordnung hat viele Fragen zur Ursprungsangabe ausgelöst. Die wichtigste Nachricht: Wer ausschließlich eigenen Honig abfüllt und bisher korrekt gekennzeichnet hat, muss nichts ändern. Auf jedem Honigglas muss das Ursprungsland angegeben sein. Bei Mischungen aus mehreren Ländern müssen alle Herkünfte mit Prozentanteilen aufgeführt werden.

Wie für andere Pflichtangaben gelten auch für die Ursprungsangabe die allgemeinen Regeln zur Lesbarkeit. Eine bloße Adressangabe oder Flagge reicht nicht aus. Als Ursprungsland gilt das Land, in dem die Bienenvölker stehen. Wird Honig in einem anderen Land verarbeitet als dem, in dem ihn die Bienen produziert haben, rechtfertigt dies keine Änderung der Ursprungsbezeichnung.

Metaphern, Kultur und Alltagsbedeutung

Honig hat in der Sprache nicht nur eine kulinarisch-handwerkliche, sondern auch eine metaphorische Komponente: "Jemandem Honig ums Maul schmieren" bedeutet schmeicheln. Auch in der Literatur und im Volksmund werden Redewendungen verwendet, etwa „Sie redet süß wie Honig“. Der Begriff Honig wurde zur Metapher für Süße, Angenehmes und Gunst.

Honig in Kultur und Redewendungen

Zusammengefasste Merkmale und Nutzen

  • Honig ist ein naturbelassenes Bienenprodukt, das nicht erhitzt oder gestreckt werden darf (nach EU-Definition).
  • Seine Zusammensetzung macht ihn lange haltbar; er war das wichtigste Süßungsmittel vor Erfindung des Zuckers.
  • Ob Honig vegan ist, ist umstritten: Da Honig von Bienen hergestellt wird, gilt er für die meisten Veganer nicht als vegan.
  • Die Farbe des Honigs unterstreicht seinen etymologischen Bezug zur indogermanischen Wurzel „goldfarben“.
  • Der Begriff und das Produkt Honig sind seit Jahrtausenden tief in Kultur, Sprache und Wirtschaft verankert.
Honigherstellung: Vom Nektar zum Genuss - ein Imkereifilm
Vielfalt an Honigsorten und deren Eigenschaften

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