Honig lässt sich nicht schleudern: Ursachen und Lösungen
Wenn sich Honig nur schwer oder gar nicht aus den Waben schleudern lässt, ist dies für viele Imker eine frustrierende Erfahrung. Besonders für Einsteiger kann das unerwartete Problem für Unsicherheit sorgen. In diesem ausführlichen Ratgeber werden die wichtigsten Ursachen beleuchtet und zahlreiche, bewährte Lösungswege mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen aufgezeigt.
Typische Ursachen: Warum lässt sich Honig manchmal nicht schleudern?
Die Gründe, warum Honig nicht aus den Waben fließt, sind vielfältig. Die häufigsten Ursachen sind:
- Zu niedrige Temperaturen beim Schleudern: Der Honig ist zu kalt und deshalb zähflüssig oder fest.
- Honig ist bereits kristallisiert: Kristallisierter oder starker Melezitosehonig (“Zementhonig”) wird in den Waben steinhart.
- Zu hoher Wassergehalt oder Unreife: Der Honig hat zu viel Wasser, tropft schlecht und ist oft noch nicht reif.
- Wabentyp und Bienenweide: Raps- oder Frühtrachthonige kristallisieren besonders schnell, bei Waldhonigen (z.B. Melezitose) ist der Anteil unverdaulicher Dreifachzucker entscheidend.
- Falscher Erntezeitpunkt: Je nach Tracht, Region und Wetter kann zu spätes oder zu frühes Schleudern problematisch sein.
Temperatur und Viskosität - ein häufiger Fehler
Hallo Dackelhasser, der Honig ist zu kalt. Daher fließt er nicht aus den Waben. Nur so viel Honig ernten, wie man am gleichen Tag - also sofort - auch schleudern kann. Das geht am besten mit einer der beiden Methoden: Arbeit mit Bienenflucht an einem warmen Tag gegen Abend. Dann ist der Honig von der Sonne noch schön warm und fließt gut. Oder: Am besten an einem trachtfreien Tag die Bienen abfegen und die bienenfreien Waben direkt zur Schleuder und ausschleudern.
Kristallisation und Zementhonig: Das Extrembeispiel
Kristallisierter Honig kann nicht geschleudert werden. Ist er kristallisiert? Wenn ja, muss man ihn nach Trachtende umtragen lassen. Melezitose ist ein Dreifachzucker, der von Läusen ausgeschieden werden kann und so im Waldhonig vorkommt. Ist der Melezitose-Anteil im Honig hoch, kristallisiert er schnell und wird teilweise schon in den Waben so hart, dass Imker ihn nicht mehr schleudern können. Der Honig ist allerdings auch ungesund für die Bienen, man darf die Völker also keinesfalls auf Melezitose überwintern lassen.
Wer eine Honigwabe gegen die Sonne hält, sieht normal auch in Honigzellen den Zellboden, der aussieht wie ein Mercedes-Stern. Bei Zementhonig ist das nicht so: Hier ist der Honig so trüb, dass man den Zellboden nicht mehr erkennt. Der Melezitosehonig hat zudem eine Konsistenz wie Gelee und ist sandig, wenn man mit dem Finger durch die Wabe kratzt.
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Bei Melezitose kann es auch zu Zunahmen von über acht Kilogramm pro Tag kommen. Hohe Zunahmen: Wenn die Tageszunahmen im Juli über drei Kilogramm liegen, ist das verdächtig.
Zu hoher Wassergehalt: Ein unterschätztes Problem
Bei kälteren Temperaturen wird der Honig zähflüssiger und lässt sich schlechter schleudern. Das ist der Klassiker. Honig mit über 20% Wassergehalt gärt innerhalb weniger Wochen. Die Bienen verdeckeln den Honig erst, wenn er ausreichend trocken ist. Wenn zu viele offene Zellen auf den Waben sind, schleudere ich einfach bei langsamer Geschwindigkeit die Waben einmal vor dem Entdeckeln und einmal nach dem Entdeckeln.
Bestimmung des Reifegrads und Erntezeitpunkt
Der richtige Zeitpunkt fürs Schleudern
Der optimale Erntezeitpunkt liegt zwischen Mitte Juni und Ende August, je nach Region und Trachtverhältnissen. Aber viel wichtiger als der Kalender ist der Reifegrad deines Honigs. Bienen verdeckeln die Waben mit einem dünnen Wachsdeckel, sobald der Wassergehalt unter etwa 18% gefallen ist. Die Faustregel lautet: Mindestens zwei Drittel der Wabenfläche sollten verdeckelt sein, bevor du schleuderst.
| Prüfmethode | Beschreibung |
|---|---|
| Verdeckelungsgrad | Mindestens 2/3 der Wabenfläche verdeckelt; nicht sicher nach Massentrachten (z. B. Raps) |
| Spritzprobe | Wabe waagerecht halten, bei Druck darf aus offenen Zellen kein Honig spritzen |
| Wassergehaltsmessung | Mit Refraktometer, Wert sollte unter 18% liegen (optimal 17-17,5%) |
Der Honig sollte im geschlossenen, möglichst dichten Gefäß kühl und trocken gelagert werden.
Probleme bei Frühtracht und Massentracht
Ist der Rapsanteil sehr hoch, kann der Honig bereits in den Waben kristallisieren und geht dann bei der Schleuderung nicht mehr vollständig aus den Waben. Auch Rapshonig ist dafür bekannt, extrem fest zu werden und nicht ausgeschleudert werden zu können.
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Blütenhonig beispielsweise kristallisiert sehr schnell, Waldhonig sehr spät.
Lösungen - Was tun, wenn der Honig nicht schleudert?
1. Wabenerwärmung: Optimale Schleudertemperatur herstellen
Die Voraussetzung, damit der Honig gut aus den Zellen fließt, ist, dass er noch leicht flüssig ist. Die Waben müssen temperiert sein, wenn sie in die Schleuder gestellt werden. Idealtemperatur liegt bei 25-30°C - bei kälteren Temperaturen wird der Honig zähflüssiger und lässt sich schlechter schleudern.
Am einfachsten: Die Honigwaben schonend in einem temperierten Raum (nicht über 35°C!) auf 25-30°C erwärmen.
2. Zeitliches Vorgehen - Schnelle Verarbeitung nach der Ernte
Die entnommenen Waben solltest du zügig verarbeiten - maximal 24 Stunden lagern, sonst beginnt bereits die Kristallisation in den Zellen.
3. Für kristallisierten oder Melezitose-Honig
Bedeutet: Betroffene Waben können als Winterfutter im Volk belassen werden oder man versucht, dass die Bienen diesen Honig nochmal umtragen. Hierzu werden diese Waben locker (ca. 6 Stück pro Zarge) in eine Leerzarge über die Folie gehängt. Waben wässern: Die Bienen brauchen viel Wasser, um den harten Honig zu lösen. Ins Volk einhängen: Nun hängt man die Waben zurück in starke Völker.
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Ist der Honig umgetragen, kann man ihn - wie immer - schleudern. Er ist in den Waben nun flüssig wie klassischer Waldhonig. Ist der Honig sulzig und noch nicht ganz hart, kann man ihn mit solch einer Nadelwalze bearbeiten und schleudern.
Waben pressen: Hier schneidet man die Waben aus den Rähmchen (geht besonders gut, wenn sie nicht gedrahtet sind), zerkleinert sie und presst sie aus. Ausschmelzen: Eine weitere Möglichkeit ist es, die Melezitose-Waben in einem Deckelwachsschmelzer auszuschmelzen. Hier kann es aber sein, dass der Honig später Wärmeschäden hat.
4. Zu feuchter Honig?
Lösung: Wenn du es früh bemerkst (innerhalb der ersten Woche), kannst du den Honig nochmal vorsichtig auf maximal 40°C erwärmen und in einem warmen, trockenen Raum offen stehen lassen, bis etwas Feuchtigkeit verdunstet ist.
Der Honig aus der Schleuderung vor dem Entdeckeln hat typischer Weise 20% Wassergehalt und wird als Backhonig verwendet. Im Übrigen ist auch dieser Honig bisher noch nie gärig geworden. Bis Weihnachten hält er jedenfalls (Lebkuchen).
5. Wenn gar nichts mehr hilft: Alternative Ernteverfahren
Nun habe ich damit begonnen, mit einem Messer die Waben auszukratzen und der Honig fließt ganz langsam durch das Sieb. Wird wahrscheinlich bis morgen dauern, aber das ist wohl meine einzige Chance auf eigenen Honig.
Wabenpressen und Spezialgeräte
Hierfür gibt es eigene Pressen, mit denen man auch Olivenöl oder Apfelsaft pressen kann. Mit Walze stippen: Hier kann man den Honig mit einer Nadelwalze, die auch Heideimker verwenden, anstippen und dann schleudern.
Wichtige Tipps zur Honigernte und -verarbeitung
- 48 Stunden vor dem Schleudern: Stelle sicher, dass dein Schleuderraum sauber und trocken ist.
- Temperiere Waben bei Bedarf vor (25-30°C).
- Verwende ein sauberes Entdeckelungsgeschirr mit Auffangsieb.
- Arbeite zügig - nach max. 24 Std. sollten Waben verarbeitet sein.
- Verteile beim Schleudern das Gewicht gleichmäßig.
- Honig immer in saubere, trockene Gläser abfüllen und bei 10-18°C, dunkel und trocken lagern.
- Honig ist hygroskopisch, kontrolliere die Luftfeuchtigkeit (unter 60% rel. Luftfeuchtigkeit).
Sonderfall: Industrielle vs. Imker-Honige
Ein kleiner Vergleich: Die meisten Honige im Supermarkt sind goldgelb klar, von einer Kristallisation oder Phasentrennung keine Spur. Ganz im Gegensatz zu deinem Imkerhonig, der schnell kristallisiert. Der Grund: Industrieller Honig wird sehr fein gefiltert, so dass keine Pollen mehr enthalten sind, an denen sich Kristalle ansetzen könnten. Der “normale” Honigweg: Honig enthält zwei hauptsächliche Zuckerformen: Fruchtzucker und Traubenzucker. Dabei entscheidet der Traubenzuckeranteil darüber, wie schnell ein Honig kristallisiert. Je mehr Traubenzucker enthalten ist, umso schneller wird er fest. Das kann soweit gehen, dass sich innerhalb kürzester Zeit eine steinharte Masse bildet, die so nicht nutzbar ist.
Häufige Fragen und Fehleranalyse
- Kann man Honig unter 20°C schleudern? Grundsätzlich ja, aber der Honig ist dann zäher und läuft schlechter aus den Waben. Unter 20°C wird es schwierig.
- Was tun mit kristallisiertem Honig? Wieder vorsichtig erwärmen (<40°C) bzw. von Bienen umtragen lassen.
- Wie erkenne ich unreifen Honig? Nicht verdeckelte, offene Zellen und hoher Wassergehalt (>18%).
- Wie gefährlich ist Melezitose für Bienen? Sehr! Nicht als Winterfutter belassen.
Tabelle: Honigprobleme und Sofortmaßnahmen
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Honig fließt nicht aus Wabe | Zu kalt, zu zäh, zu spät/zu früh geerntet | Waben vor Schleudern aufwärmen (25-30°C) |
| Honig kristallisiert in der Wabe | Viel Traubenzucker, Raps, Melezitose | Rasche Verarbeitung, ggf. Umtragen lassen oder auspressen |
| Honig zu feucht | Unreif, Tracht, Wetter | Erntetermin verschieben, gezielt nachtrocknen |
| Gärung im Glas | Zuviel Wasser (>18-20%) | Chargen dokumentieren, lagerkühl, Problemehonig erhitzen und Wasser verdunsten lassen |
Der richtige Umgang mit Fehlern
Mein wichtigster Tipp zum Schluss: Hab keine Angst vor Fehlern. Jeder Imker hat mal Waben zerbrochen, zu früh geerntet oder eine Sauerei in der Schleuderküche veranstaltet. Aus jedem dieser Fehler lernst du für die nächste Saison.
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