Giftige Pflanzen für Honigbienen und Honigqualität: Einfluss, Risiken und Schutz
Honig gilt oft als "Natur pur" und gesundes Lebensmittel. Doch nicht jeder Honig ist so unbedenklich, wie allgemein angenommen wird. Die Bienen vertragen einige Mitbringsel aus den besuchten Blüten wesentlich besser als der Mensch, der ihnen den Vorrat klaut. Giftstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide haben die nektarproduzierenden Blühpflanzen aus dem Boden aufgenommen. Mancher Nektar enthält Toxine, die halluzinogen wirken oder in hohen Dosen tödlich sind.
Ungesund wird aber auch jeder normale Honig, wenn man ihn unsachgemäß lagert oder erhitzt. Die Gefahr einer akuten Vergiftung mit giftigen Honigsorten ist meist eher gering. Wesentlich häufiger steht eine Akkumulation toxischer Substanzen zu befürchten.
Giftige Pflanzen und enthaltene Toxine
Grayanatoxine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die einige Heidekrautgewächse (Ericaceae) zum Schutz vor Fressfeinden bilden. Rhododendron spec., Pieris spec., Andromeda spec., Kalmia spec. und Agarista spec. Sie finden sich in allen Pflanzenteilen, sogar in Pollen und Nektar, mit denen sie in den Bienenstock gelangen. Berühmt ist der Pontische Honig („mad honey“), der neurotoxisch wirken kann. In geringen Dosen sind Grayanatoxine halluzinogen, in größeren Mengen kommt es durch die Aktivierung von Natriumkanälen zum Vagotonus. Überdosiert führt Grayanatoxin-haltiger Honig regelmäßig zu Todesfällen, vor allem nachdem er immer häufiger online verkauft wird.
Eine LSD-ähnliche Wirkung hat D-Lysergsäureamid (LSA, Ergin), Isolysergsäureamid und Lysergol, die im Nektar der „grünen Schlange“ vorkommen. So nannten die Azteken die Ololiuqui-Ranke (Turbinia corymbosa). Todesfälle aufgrund einer akuten Intoxikation mit Mutterkornalkaloiden aus Honig sind bislang nicht bekannt.
- Tropanalkaloide wie Atropin und Scopalamin in Nachtschattengewächsen (solanaceae), darunter Stechapfel (Datura stramonium), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und Tollkirsche (Atropa belladonna).
- Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Borretschgewächsen (Boraginaceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae, vor allem Crotalaria spec.), und Korbblütlern (Asteraceae).
- Das Diterpen-Alkaloid Aconitin führt zu Atemstillstand und Herzversagen. Es findet sich in allen Pflanzenteilen der giftigsten Pflanze Europas, dem Eisenhut (Aconitum napellus), auch in seinem Nektar und Pollen.
- Tutin ist ein Toxin, das seinen Namen vom neuseeländischen Tutu-Strauch erhalten hat. Hier ist es nicht der Nektar, der das Gift in den Honig bringt, sondern Honigtau.
Jakobskreuzkraut und Pyrrolizidinalkaloide
Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker ausgebreitet. Die Pflanze enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA), welche die Leber schädigen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Das Gift wurde auch in Honig nachgewiesen. Für Bienen ist das Jakobskreuzkraut eher uninteressant, doch bei fehlenden Alternativen sammeln sie auch auf diesen Pflanzen. Landwirte und Imker sollten das Jakobskreuzkraut auf Weiden und in der Nähe von Bienenständen bekämpfen und den Sommerhonig vor dessen Blüte ernten.
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| Pflanze | Toxin | Wirkung auf Mensch | Wirkung auf Biene |
|---|---|---|---|
| Rhododendron | Grayanatoxin | Halluzinogen, neurotoxisch, tödlich | meist weniger toxisch |
| Jakobskreuzkraut | Pyrrolizidinalkaloide | Leberschädigend | unbedenklich bis schwach toxisch |
| Eisenhut | Aconitin | Atemstillstand, Tod | giftig für Bienen |
| Tutu-Strauch | Tutin | Vergiftung | giftig für Bienen |
Schwermetalle und Pestizide im Honig
Verschiedentlich berichtet man von Kontaminationen des Honigs mit Schwermetallen wie Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass alle untersuchten Metalle mit Ausnahme von Aluminium, Blei und Cadmium im Honig in geringerer Konzentration auftauchen als im Körper der Bienen. Demzufolge wirken die Tiere wie ein Biofilter, der die toxischen Schwermetalle aus dem Nektar entfernt und das Bienenprodukt vor einer Kontamination schützt. Eine besonders gute Nachricht ist das nicht, denn sie zeigt, dass sich diese Metalle in Organismen akkumulieren. Sie dürften sicherlich mit zum Bienensterben beitragen.
Stiftung Warentest fand in jedem dritten untersuchten Honig Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Derlei Rückstände sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel und zudem nur die Spitze eines Eisberges sonstiger Pestizide. Eine aktuelle indische Untersuchung von Dr. Thimmegowda und seinem Team zeigte, dass auf dem Chitinpanzer und im Körper der Riesenhonigbiene Apis dorsata große Mengen von Schwermetallen und anderen Schadstoffen gefunden werden, was zu Beeinträchtigungen des Immunsystems, des Blutes und gesamten Stoffwechsels führt und so die Überlebensfähigkeit der Bienen stark beeinflusst.
Pestizide in angeblich bienenfreundlichen Pflanzen
Tests des BUND und Recherchen des NDR zeigen: In als „bienenfreundlich“ beworbenen Pflanzen wurden Pestizide gefunden - oft mehrere pro Pflanze. Im Jahr 2021 waren 32 von 35 Proben belastet, 2022 waren es 42 von 44 Proben, im Jahr 2025 waren 82 von 85 Proben mit Pestizidrückständen belastet. Viele der gefundenen Wirkstoffe sind in der EU verboten. Das Gift bleibt in der Pflanze, oft wochenlang. Wenn Bienen Nektar und Pollen sammeln, nehmen sie die Rückstände direkt auf.
Viele Pflanzen stammen aus Anzuchtbetrieben, in denen gegen Pilze, Läuse und Milben gespritzt wird. Besonders gefährlich sind Mischungen aus Insektiziden und Fungiziden. Sie können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken und so auch kleine Mengen hochgiftig machen. Die Folge für die Insekten: Orientierungslosigkeit, schwache Brut, langsames Sterben ganzer Kolonien.
Bienen und das Erkennen von Giftpflanzen
Imker wissen schon seit Langem, dass Honigbienen manche natürliche Pflanzengifte erkennen können. Jetzt haben Wissenschaftler gemeinsam mit dem Honigbienenlabor an der Universität Newcastle erstmals bewiesen, dass Serotonin eine Rolle dabei spielt, wie Honigbienen Nektar mit Giften darin meiden lernen. Wenn Bienen versehentlich Nektar einer giftigen Blume essen, meiden sie infolgedessen deren Geruch. Die Bienen können Merkmale wie Farbe oder Duft mit Eignung als Nahrungsquelle assoziieren und lernen durch Geschmack oder Erfahrung, den giftigen Nektar zu meiden.
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Allerdings bleibt den Bienen manchmal nichts anderes übrig, als "giftigen Nektar" zu sammeln, wenn es in der Umgebung kaum Alternativen gibt, z.B. in großen Monokulturen. In Zeiten ohnehin schon geschwächter und unter Stress stehender Bienenvölker kann dies entscheidend für deren Überleben sein.
Honigqualität - Faktoren, Kontamination und Kontrollmaßnahmen
5-Hydroxymethylfurfural (5-HMF)
5-Hydroxymethylfurfural (5-HMF) findet man in neuem Honig nur in winzigen Mengen, und ein geringer Gehalt gilt als Frische- und Qualitätsmerkmal. Mit zunehmender Lagerdauer oder bei zu starker Erwärmung zerfällt Fructose unter Dehydratisierung zu 5-HMF. Je nach pH-Wert, Wassergehalt, Calcium- und Magnesiumkonzentration sowie Lagerungsbedingungen nimmt der HMF-Gehalt jährlich um 2-3 mg zu. 5-HMF findet sich auch in Trockenpflaumen und Karamell, der als Basis von Zuckerkulör unter der Bezeichnung E 150d vielen Lebensmitteln Farbe verleiht. Unmittelbar toxisch ist Honig mit 5-HMF also nicht, aber erhitzte und überlagerte Chargen sollte man sicherheitshalber vermeiden.
Bakterielle Belastung: Clostridien und Risiken für Säuglinge
Honig ist ein Naturprodukt und somit unsteril. Bakterien wie Clostridien sind überall in der Natur verbreitet und können in seltenen Fällen in den Honig gelangen. Was für Erwachsene in der Regel unproblematisch ist, wird bei Säuglingen zum Gesundheitsrisiko. In ihrem empfindlichen Verdauungstrakt vermehrt sich Clostridium botulinum schlagartig und setzt Botulinumtoxin frei, besser bekannt als Botox. In seltenen Fällen besteht sogar Lebensgefahr.
Maßnahmen zum Schutz der Honigbienen und der Honigqualität
Die Bestimmungen des Deutschen Imkerbundes sind wesentlich strenger als vergleichbare Richtlinien im Ausland, sodass man mit seinen typischen Honiggläsern qualitativ deutlich besser fährt. Etliche Hersteller lassen ihre Produkte von Laboren lebensmittelchemisch auf Schadstoffe untersuchen. Entsprechende Hinweise findet man auf dem Etikett.
- Stellen Sie Bienen nicht an Flächen mit viel Jakobskreuzkraut auf.
- Ernten Sie Sommerhonig vor Beginn der Blüte des Jakobskreuzkrauts.
- Verzichten Sie während der Blütezeit des Jakobskreuzkrauts auf das Sammeln von Pollen.
- Wechseln Sie zwischen verschiedenen Honigsorten.
- Achten Sie beim Kauf von Pflanzen auf Bio-Zertifikate wie Bioland, Naturland oder Demeter und fragen Sie nach Herkunft und Pestizideinsätzen.
Einen umfassenden Schutz vor Schadstoffen bietet Honig von deutschen Erwerbsimkern. Die professionelle Herangehensweise von Erwerbsimkern sorgt dafür, dass Bienen artgerecht gehalten werden und der Honig aus Regionen stammt, die sorgfältig ausgewählt und regelmäßig kontrolliert werden. Zusätzlich unterliegt dieser Honig zahlreichen behördlichen Analysen, die seine Qualität und Reinheit sicherstellen.
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Literatur und weiterführende Quellen
- Broscaru L, Dobre C, Rösick F, Halilovic A, Gulba D. Mad Honey Disease. Eur J Case Rep Intern Med. 2018 Jan 31;5(1):000742. doi: 10.12890/2017_000742.
- Daugherty CG. Toxic honey and the march up-country. J Med Biogr. 2005 May;13(2):104-7.
- Dżugan M, Wesołowska M, Zaguła G, Kaczmarski M, Czernicka M, Puchalski C. Honeybees as a biological barrier for contamination of honey by environmental toxic metals. Environ Monit Assess. 2018 Jan 27;190(2):101.
- Fallico B, Arena E, Zappala M. Degradation of 5-hydroxymethylfurfural in honey. J Food Sci. 2008 Nov;73(9):C625-31.
- Islam MN, Khalil MI, Islam MA, Gan SH. Toxic compounds in honey. J Appl Toxicol. 2014 Jul;34(7):733-42.
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