Honig gegen Husten bei Kindern: Wirksamkeit und Sicherheit

Honig als Hustenmittel ist beliebt. Honig könnte Kindern mit akutem Husten helfen: Die Hustenattacken werden vielleicht etwas seltener, schwächer und weniger belastend. Auch der Schlaf von Kindern könnte sich verbessern. Aber wirkt er auch?

Was sagen die Studien zur Wirksamkeit?

Für diesen Faktencheck haben wir nur nach sogenannten randomisiert-kontrollierten Studien gesucht. Diese Art von Studien ist nämlich die einzig verlässliche Art zu klären, ob Honig tatsächlich gegen Husten hilft. Dazu wird eine möglichst große Anzahl erkälteter Kinder per Los in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhält zur Hustenlinderung Honig, die andere nicht. Oder noch besser: einen Sirup, der in Geschmack und Aussehen Honig zum Verwechseln ähnlich ist, ein sogenanntes Placebo.

Es scheint zumindest etwas Wahres dran zu sein. Honig kann möglicherweise dafür sorgen, dass Hustenanfälle etwas weniger schwer und seltener sind. Zu diesem Schluss kommen insgesamt 4 Studien, in denen erkältete Kinder Honig oder - zum Vergleich - ein honig-ähnlicher Sirup (Placebo) beziehungsweise einfach keinen Honig bekamen. Insgesamt bekamen in den Studien knapp 600 erkältete Kinder zwischen 1 und 16 Jahren Honig, keinen Honig oder ein Placebo gegen ihren Husten.

Bei unserer Literaturrecherche fanden wir eine systematische Übersichtsarbeit, die die Ergebnisse solcher Studien zusammenfasst. Weil die Übersichtsarbeit aber nur Studien berücksichtigt, die bis Anfang 2018 veröffentlicht wurden, haben wir auch nach neueren Arbeiten gesucht, und eine gefunden. Die Autoren schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass Honig die Hustensymptome wohl stärker lindert als Diphenhydramin, Salbutamol, Placebo oder keinerlei Behandlung.

Unter Verwendung einer 7-Punkte-Likert-Skala reduziert Honig wahrscheinlich besser die Häufigkeit von Husten als keine Behandlung oder Placebo. Honig könnte eine ähnliche Wirkung wie Dextromethorphan bei der Verringerung der Häufigkeit von Husten haben. Honig ist wahrscheinlich wirksamer bei der Hustenlinderung und bei der Reduzierung der Auswirkungen von Husten auf den nächtlichen Schlaf der Kinder als keine Behandlung. Honig reduziert die Dauer des Hustens wahrscheinlich besser als Placebo und Salbutamol.

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Die Zeit, bis der Husten ganz abgeklungen ist, dürfte sich durch Honig dagegen nicht merkbar verkürzen lassen: Mit Honig husteten die Kinder durchschnittlich viereinhalb Tage. Unser Vertrauen in diese Einschätzung ist gering, denn die Ergebnisse sind widersprüchlich und wenig eindeutig. Alle fünf Studien sind von hoher Qualität und damit ziemlich aussagekräftig. Die Kinder erhielten Honig nur für kurze Zeit, und zwar einmalig bis maximal 5 Tage. Außerdem waren die Ergebnisse zum Teil widersprüchlich: Manchmal war die Häufigkeit des Hustens durch den Honig verringert, die Stärke jedoch nicht. Ein anderes Mal war es umgekehrt.

Vergleich mit anderen Mitteln

Um die Wirksamkeit von Honig bei Kindern mit akutem Husten zu bewerten, haben Wissenschaftler in einem kürzlich veröffentlichten Cochrane Review randomisierte kontrollierte Studien berücksichtigt, welche die Anwendung von Honig mit dem zentral wirksamen Antitussivum Dextromethorphan, dem H1-Antihistaminikum Diphenhydramin, dem Broncholytikum Salbutamol, dem Enzymgemisch Bromelain, Placebo oder keiner Behandlung verglichen. In den Studien waren Kinder im Alter von einem bis 18 Jahren eingeschlossen.

Ausgewertet wurden sechs Studien mit insgesamt 899 Kindern. Demnach kann mit Honig die Häufigkeit der Hustenanfälle ähnlich gut reduziert werden wie mit Dextromethorphan. Im Vergleich zu Diphenhydramin, Placebo oder keiner Behandlung erwies sich Honig in dieser Hinsicht sogar als besser wirksam. Wird Honig für bis zu drei Tage gegeben, kann im Vergleich zu Placebo oder Salbutamol eine stärkere Besserung der Symptome erreicht werden. Zudem wird der Husten durch Honig schneller gelindert. Bei Anwendung über drei Tage hinaus verbessert Honig im Vergleich zu Salbutamol oder Placebo die Hustensymptome und den Schlaf von Eltern und Kindern nicht stärker.

US-amerikanische Wissenschaftler fanden sogar heraus, dass Honig dem Wirkstoff Dextromethorphan deutlich überlegen ist. Für die Studie wurden 105 hustende Kinder und Jugendliche in der Nacht beobachtet. Sie bekamen entweder Honig, ein Hustenmittel oder keine Behandlung. Die Eltern berichteten, dass nach der Einnahme von Honig weniger Hustenattacken auftraten und ihr Nachwuchs besser schlafen konnte. Präparate mit Dextromethorphan erwiesen sich als weniger wirksam.

Wirkstoffe und mögliche Wirkmechanismen

Honig beinhaltet Stoffe, die gegen Bakterien und Viren wirken. Honig eignet sich aufgrund seiner besonderen Inhaltsstoffe zur Linderung von Husten bei Kindern. Er schmeckt gut, beruhigt die Schleimhäute und lindert insbesondere den Hustenreiz, der für kleine Kinder besonders quälend ist. Neben seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in der Küche, eignet sich Honig auch für den Einsatz in der Medizin. Denn neben Kohlenhydraten enthält er auch kleineren Verbindungen, über die er antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle, antiparasitäre und immunsuppressive Effekte vermittelt.

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Analytisch betrachtet besteht Honig zu 80 Prozent aus Fructose und Glucose. Die restlichen 20 Prozent sind Wasser. Zudem lassen sich rund 120 verschiedene Stoffe nachweisen, darunter unterschiedliche organische Säuren wie Äpfel-, Glucon- oder Zitronensäure, Aminosäuren, einige Enzyme, Mineralstoffe wie Calcium, Eisen und Kalium sowie Spuren der Vitamine B1, B2 und C. Nicht zuletzt enthält Honig bioaktive Substanzen, zum Beispiel Flavonoide. Diese antioxidativen Substanzen fangen im Körper freie Radikale ab und beugen so Zellschäden vor. Einige Flavonoide wirken zudem entzündungshemmend gegen Bakterien und Viren.

Als weitere antibakteriell und entzündungshemmend wirkende Inhaltsstoffe enthält Honig Hydroxybenzoate sowie Wasserstoffperoxid. In der Summe bezeichnen Experten diese als Inhibine, das heißt so viel wie hemmende Stoffe. Wasserstoffperoxid entsteht ständig in kleinen Mengen aus dem enthaltenen Zucker und dem Enzym Glucose-Oxidase, das die Bienen ihrer Beute während des Sammelns zusetzen. Antibakteriell wirkt Honig auch durch seinen hohen Zuckergehalt. Neben den beschriebenen antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften wirkt Honig vermutlich auch direkt hustenstillend. Kurzfristig wird auch die Reizung der Hustenrezeptoren reduziert, da diese von dem enthaltenen Zuckersirup „eingehüllt“ werden.

Ganz besonders wirksam gegen Keime scheint Manuka-Honig zu sein. Er stammt überwiegend aus Blütenpollen der neuseeländischen Manuka-Pflanze, die zu den Teebaumgewächsen zählt. Forscher wiesen in Manuka-Honig eine besonders hohe Konzentration an Methylglyoxal nach, das bereits in relativ geringen Konzentrationen das Wachstum von Bakterien hemmt. Während handelsüblicher Honig nur rund 3 bis 5 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm enthält, überraschte der Manuka-Honig mit Werten von 300 bis über 700 Milligramm pro Kilogramm.

Infografik: Inhaltsstoffe von Honig und ihre Wirkungen (Flavonoide, Wasserstoffperoxid, Zucker)

Sicherheit: Wer darf Honig bekommen - und wer nicht?

Vor ihrem ersten Geburtstag dürfen Säuglinge vorsichtshalber noch keinen Honig bekommen, denn es besteht die Gefahr, dass über die Biene Sporen des Botulismus-Erregers (Clostridium botulinum) in den Honig gelangen. In der unausgereiften Darmflora der Säuglinge können die Sporen zu Keimen heranwachsen und sich vermehren, Gifte produzieren und zu lebensbedrohlichen Muskel­lähmungen mit Atemstillstand führen. Nur Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen, da er Bakterien enthalten kann, die im Darm des Säuglings schwere Gifte ausscheiden, die zu Muskel- und Atemlähmung führen können (sogenannter Säuglingsbotulismus). Um die Bakterien zu vernichten, genügt es nicht, den Honig zu erhitzen.

In den Studien, an denen Kinder zwischen 1 und 16 Jahre teilnahmen, hatten mit Honig etwas mehr Kindern Bauchweh, Übelkeit und Erbrechen. Ernste unerwünschte Nebenwirkungen gab es in den Studien aber nicht. Zu den unerwünschten Ereignissen gehörten Nervosität, Schlaflosigkeit und Hyperaktivität bei einigen Kindern, Probleme beim Einschlafen, Unruhe und Überdrehtheit. Beim Vergleich von Honig mit Placebo klagten einige Kinder in der Honig-Gruppe über gastrointestinale Symptome.

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Für Kinder unter sechs Jahren sind Hustenmittel aufgrund möglicher Nebenwirkungen ohnehin nicht empfehlenswert. Wenn Babys oder kleine Kinder von Husten geschüttelt werden, leiden die Eltern richtig mit. Zum Glück steckt meist nur eine Erkältung dahinter. Deshalb lässt sich mit Hausmitteln und Hustensaft gut dagegen angehen. Wenn der Husten jedoch nicht besser wird, muss das Kind zur Ärztin oder zum Arzt. Gleiches gilt bei Alarmsymptomen wie Nasenflügelatmen oder Bluthusten.

Praktische Anwendung: Wie und wann Honig gegeben werden kann

Die Kinder erhielten Honig nur für kurze Zeit, und zwar einmalig bis maximal 5 Tage. Die Eltern der untersuchten Kinder sollten einschätzen, ob und wie stark sich der Husten bei ihren Kindern verbesserte. Dieser Skala zufolge war beispielsweise an Tag 3 die Häufigkeit der Hustenattacken mit Honig um durchschnittlich 1,13 Punkte (entspricht 16 Prozent) besser als mit Placebo. Eine deutliche, wenn auch eher bescheidene Verbesserung.

Heiße Milch mit Honig ist der Klassiker unter den Hausmitteln und schmeckt den meisten Kindern gut. Der Honig sollte heißen Getränken aber erst nach dem Abkühlen auf etwa 40 Grad Celsius zugegeben werden. Bei höheren Temperaturen besteht die Gefahr, dass die hitzelabilen Stoffe ihre Wirksamkeit einbüßen. Sitzt der Husten richtig fest, erleichtern mit Honig gesüßte Kräutertees aus Spitzwegerich, Huflattich und Thymian das Abhusten. Eine kleine Menge Honig kann der kleine Patient auch direkt lutschen. Dabei sollen die Säuren des Honigs direkt im Mund schon antibiotisch wirken und Reizhusten beruhigen.

Eine Anwendung aus der Naturheilkunde ist mit Honig gesüßter Rettichsaft, der ebenfalls antibiotisch wirkende sekundäre Pflanzenstoffe enthält. Dazu wird in einen ausgehöhlten Rettich Honig gefüllt und einige Stunden stehen gelassen. Danach geben die Eltern dem kleinen Patienten den gebildeten Saft löffelweise. Zwiebelsud mit Honig hilft ebenfalls, den Husten zu lösen.

Bild: Teetasse mit Honiglöffel und Kräutern (Thymian, Spitzwegerich)

Qualität von Honig

Entscheidend für die Qualität eines Honigs ist seine schonende Behandlung von der Schleuderung bis zur Abfüllung. Dabei sollte eine Temperatur von 40 °C nicht überschritten werden, um die wirksamen Inhaltsstoffe zu schonen. Der Deutsche Imkerbund und die deutschen Anbauverbände des ökologischen Landbaus schreiben dies in ihren Richtlinien vor. Verbraucher erkennen nicht wärmegeschädigten Honig an der grünen Banderole des Imkerbundes sowie den Siegeln der deutschen Bioverbände wie Bioland, Naturland, Demeter und andere.

Honig ist als Bestandteil der Hausapotheke etwas in Vergessenheit geraten. Dabei schätzen Naturheilkundler die wohltuende Wirkung der natürlichen Süße schon seit der Antike. Mittlerweile kann die Wissenschaft auch nachweisen, wie und warum Honig hilft. Das zeigt sich daran, dass eine spezielle Honigverordnung genau regelt, welches Produkt sich Honig nennen darf und welche Qualitätskriterien das Bienenprodukt erfüllen muss. Anders als bei anderen Lebensmitteln dürfen dem Naturprodukt weder Farb- noch Aromastoffe oder Konservierungsmittel zugesetzt werden.

Wann sollten Eltern ärztliche Hilfe suchen?

Wenn der Husten nicht besser wird, muss das Kind zur Ärztin oder zum Arzt. Gleiches gilt bei Alarmsymptomen wie Nasenflügelatmen oder Bluthusten. Bei sehr ausgeprägtem Husten drohen Atemnot und Sauerstoffmangel. Dazu kommt es aber nur, wenn ernsthafte Erkrankungen die Ursache sind oder eine harmlose Erkältung einen schweren Verlauf nimmt. Tritt bei einem kleinen Kind der Husten plötzlich und unvermittelt auf, kann es sein, dass es etwas versehentlich eingeatmet hat, das die Atmung behindert, wie z.B. eine Erdnuss. Bei akuter Luftnot müssen Eltern den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Hinweis: In der kalten Jahreszeit häufen sich die Atemwegsinfekte bei Kindern. „Wenn der Husten mehr als zwei Wochen andauert oder wenn Fieber oder Kurzatmigkeit hinzukommt, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Kinder- und Jugendarzt“, rät Dr. Niehaus.

Erklärungsvideo: Wie Honig bei Husten wirkt und Sicherheitshinweise für Kinder

Tabelle: Kurzüberblick zu Evidenz, Wirkung und Sicherheit

Aspekt Kurzfassung
Wirksamkeit Honig reduziert Hustenhäufigkeit und kann Schlafqualität verbessern; Effekte meist moderat
Vergleich zu Medikamenten Ähnlich wirksam wie Dextromethorphan, besser als Placebo, Diphenhydramin oder Salbutamol in einigen Studien
Dauer der Anwendung Meist kurz (einmalig bis 3-5 Tage); längere Anwendung zeigte keinen klaren Vorteil
Sicherheit Gut verträglich bei Kindern über 1 Jahr; kein Honig für Säuglinge unter 12 Monaten wegen Botulismus-Gefahr
Nebenwirkungen Gelegentliche gastrointestinale Beschwerden, Unruhe oder Schlafprobleme bei wenigen Kindern

Praxis-Tipps für Eltern

  • Geben Sie Säuglingen unter einem Jahr keinen Honig.
  • Honig erst in lauwarme Getränke (ca. 40 °C) geben, um hitzeempfindliche Inhaltsstoffe zu erhalten.
  • Bei anhaltendem oder schwerem Husten sowie bei Alarmsymptomen ärztliche Hilfe suchen.
  • Honig kann als kurzfristige, symptomatische Maßnahme eingesetzt werden; er ersetzt jedoch nicht die ärztliche Abklärung bei Warnzeichen.

Insgesamt kann Honig bei akutem Husten bei Kindern kurzfristig Linderung bringen und die nächtliche Belastung verringern, das Vertrauen in die Ergebnisse ist jedoch eingeschränkt, da Studien unterschiedlich ausfallen und meist nur kurze Beobachtungszeiträume abdecken. Bei Kindern unter einem Jahr ist Honig aufgrund der Gefahr des Säuglingsbotulismus kontraindiziert.

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