Honigexport weltweit: Eine statistische Analyse
Bienen sind nicht nur Honiglieferanten, sondern vor allem unersetzliche Bestäuber für viele Pflanzen in der Landwirtschaft sowie im Obst- und Gartenbau. Die Imkerei und Bienenzucht haben in den vergangenen Jahrzehnten weltweit deutlich zugenommen. Die folgende Analyse beleuchtet die Honigproduktion und den Honigexport weltweit, wobei Statistiken und Fakten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden.
Weltweite Bienenzucht und Honigproduktion
Die FAO schätzte die Gesamtzahl der gehaltenen Bienenvölker für das Jahr 2023 auf rund 102,1 Millionen. In Europa gab es im Jahr 1990 laut Schätzungen der FAO 22,5 Millionen Bienenvölker. Bis zur Jahrtausendwende sank ihre Zahl, erholte sich aber wieder. Für 2023 wird die Zahl der Bienenvölker in Europa auf rund 25,4 Millionen geschätzt.
Weltweit wurden 2023 laut FAO-Schätzung rund 1,9 Millionen Tonnen Honig erzeugt. China war der größte Produzent mit 472.200 Tonnen, gefolgt von der Türkei mit 114.900 Tonnen. Äthiopien kam laut FAO auf eine Jahresproduktion von rund 84.600 Tonnen. Die Produktionsstatistiken basieren auf den neuesten verfügbaren Daten aus 2023.
Die größten Honigproduzenten im Überblick
Eine Rangliste der größten Honigproduzenten bietet Einblicke in die globale Honigproduktion:
- China: Mit 463.000 Tonnen ist China der unangefochtene Spitzenreiter. Die Vielfalt der chinesischen Landschaften bietet ideale Bedingungen für die Bienenzucht und bringt eine Vielfalt an Honigsorten hervor, darunter der beliebte Rapshonig.
- Türkei: Die Türkei produziert 114.000 Tonnen Honig und ist bekannt für ihre reiche Imkertradition. Die geografische Lage zwischen Europa und Asien führt zu einer großen Biodiversität. Türkischer Honig ist oft mit Aromen von Wildblumen durchsetzt, wie Pinienhonig, Kastanienhonig und Thymianhonig.
- Äthiopien: Äthiopien ist der größte Honigproduzent Afrikas mit 84.000 Tonnen. Die vielfältigen Landschaften schaffen ideale Bedingungen für die Bienenzucht. Beliebte Honigsorten sind Waldhonig und Wildblumenhonig.
- Iran: Der Iran produziert 80.000 Tonnen Honig und zeichnet sich durch seine vielfältigen klimatischen Regionen aus, die zu einer breiten Palette von Honigsorten führen, darunter Akazienhonig, Wildblumenhonig und Pinienhonig.
- Argentinien: Argentinien produziert 73.000 Tonnen Honig und ist einer der weltweit größten Honigexporteure. Beliebte Honigsorten sind Kleehonig, Eukalyptushonig und Orangenblütenhonig.
- Indien: Indien produziert 70.000 Tonnen Honig mit einer reichen Flora und Fauna. Bekannte Honigsorten sind Litschihonig und Rapshonig.
- Russland: Russland produziert 64.000 Tonnen Honig mit riesigen Waldgebieten und Blumenwiesen. Beliebte Honigsorten sind Lindenhonig und Buchweizenhonig.
- Brasilien: Brasilien produziert ebenfalls 64.000 Tonnen Honig und ist bekannt für seinen tropischen Blütenhonig, der aus der reichen Biodiversität des Landes stammt. Dazu zählen Eukalyptus-Honig, Orangenhonig und Akazienhonig.
- USA: Die USA produzieren 62.000 Tonnen Honig. Die Größe der USA und die unterschiedlichen Klimazonen führen zu einer beeindruckenden Vielfalt an Honigsorten, darunter Kleehonig, Orangenhonig, Wildblumenhonig und Tupelo-Honig.
Honigproduktion und -verbrauch in Deutschland
Laut aktueller Erhebung wurden im Jahr 2024 deutschlandweit etwas über eine Million Bienenvölker gehalten - ein Anstieg um ein Prozent zum Vorjahr. Der Rekordertrag aus dem Jahr 2023 mit 35,1 Kilogramm je Volk konnte aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse nicht erreicht werden. Regenwetter hält die Bienen im Stock und verhindert die Nektarsammlung. Die Honigerzeugung in Deutschland insgesamt belief sich 2024 auf rund 31.800 Tonnen.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail
Nach vorläufigen Angaben importierte Deutschland 2024 rund 72.600 Tonnen Honig und exportierte 19.300 Tonnen. Die mengenmäßig wichtigsten Herkunftsländer für Honig waren die Ukraine (22 Prozent), Argentinien (14 Prozent), Rumänien (7 Prozent) und Mexiko (7 Prozent). Der Honigverbrauch in Deutschland lag 2024 laut vorläufigen Zahlen bei 85.100 Tonnen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1.019 Gramm entspricht. Jeder Deutsche verzehrt statistisch gesehen mehr als ein Kilo Honig pro Jahr.
In Deutschland pflegen etwa 140.000 Imker ungefähr eine Million Bienenvölker - mit bis zu 50.000 Tieren pro Volk mit einer Jahresproduktion von 20.000 Tonnen Honig. 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs werden importiert. Hauptberuflich arbeiten davon jedoch nur etwa 2.000 bis 3.000 Imker.
Import und Export in der Europäischen Union
Im Jahr 2021 importierte Deutschland rund 78.500 Tonnen Honig. Der größte Anteil des importierten Honigs kommt aus der Ukraine. In der EU liegt die Nachfrage nach Honig bei rund 400.000 Tonnen Honig im Jahr, und die Hälfte des Honigs importieren wir jährlich aus nicht EU-Ländern, um den Bedarf zu decken. Die Bezeichnung auf dem Honigglas „Honig aus EU- und nicht EU-Ländern“ bedeutet letztendlich, dass der Honig nicht aus Deutschland kommt. Die Produktionskosten bei den europäischen Imkern sind zudem deutlich höher als im Ausland, was sich auch am durchschnittlichen Import- und Exportpreis in der EU zeigt.
Qualitätsprobleme und Fälschungen
China ist mit einer Jahresproduktion von fast 500.000 Tonnen der mit deutlichem Abstand größte Honigerzeuger weltweit. 150.000 Tonnen des chinesischen Honigs sind für den Export bestimmt. Die extrem hohen Produktionsmengen in China legen den Verdacht auf illegale Praktiken nahe. Dazu zählt unzulässiges Strecken des Honigs mit Sirup ebenso wie die Ernte von noch unreifem Honig mit bis zu 30 Prozent Wassergehalt. Zu früh geerntetem Honig fehlen die natürlichen Enzyme, die die Bienen während der Honigtrocknung dem Nektar normalerweise zufügen. Zu hoher Wassergehalt, fehlende Enzyme und die oft langen Transportwege in China führen zu Hefebildung, sodass der Honig zu gären beginnt. Diese Gärung wird in den dortigen Honigfabriken unterbrochen, indem der Honig maschinell auf ein zulässiges Maß getrocknet wird und Hefen sowie andere Verunreinigungen durch ultrafeine Filterung entfernt werden.
Herausforderungen und Schutzmaßnahmen
Nach wie vor ist die Varroamilbe weltweit der bedeutendste Parasit der Westlichen Honigbiene. Für einen besseren Schutz von Bienen stellt die EU-Kommission einen "neuen Deal für Bestäuber" im Rahmen des Green Deals zur Ergänzung des EU-Naturschutzpakets vor, eine Initiative die Ziele für 2030 umfasst.
Lesen Sie auch: Herstellungsprozess von Blaue Biene Honig detailliert erklärt
Historische Bedeutung und Konsum
Honig ist seit Jahrtausenden begehrt und gehört zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit. Der älteste Nachweis von Honigverzehr wurde durch Wandmalereien in Spanien erbracht, die mindestens 8000 Jahre alt sind. Auch im alten Ägypten wurde Honig nachweislich als frühes Süßungsmittel für Kuchen und Kekse benutzt. Viele weitere antike Völker wie die Chinesen oder Maya kannten diesen goldenen Nektar bereits sehr lange Zeit. Die Zentralafrikanische Republik ist der überraschend fleißigste Konsument von Honig gemessen pro Kopf und Jahr, gefolgt von Neuseeland und Slowenien:
- Zentralafrika: 3,5 kg pro Jahr und Person
- Neuseeland: 2,0 kg
- Slowenien: 1,6 kg
Lesen Sie auch: Natürliches Heilmittel bei Erkältung
tags: #Honig #Export #weltweit #Statistik


