Automatische Honigernte: Vor- und Nachteile im Überblick

Die automatische Honigernte, insbesondere durch Systeme wie das Flow Hive, hat in der Imkerwelt eine lebhafte Debatte ausgelöst. Dieses System verspricht eine einfachere und bienenfreundlichere Honigernte, birgt jedoch auch Kontroversen und Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile der automatischen Honigernte und berücksichtigt dabei verschiedene Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Bienenwohl, Honigqualität und Praktikabilität.

Funktionsweise des Flow Hive Systems

Das Flow Hive-System basiert auf Kunststoff-Honigwaben, die in der Mitte geteilt sind. Sind diese Waben von den Bienen mit Honig gefüllt und verdeckelt, können die Hälften der Waben mit einem Hebel von außen gegeneinander verschoben werden. Dadurch entstehen im Inneren Kanäle, durch die der Honig nach unten fließt und über einen Schlauch abgeleitet wird, ohne dass die Bienen dabei wesentlich gestört werden.

Vorteile der automatischen Honigernte

Einfache Honigernte auf Knopfdruck

Einer der Hauptvorteile des Flow Hive ist die einfache Honigernte. Imker können den Honig "auf Knopfdruck" ernten, ohne die Bienenbeute öffnen oder die Waben entnehmen zu müssen. Dies reduziert den Arbeitsaufwand erheblich und macht die Honigernte auch für Anfänger zugänglicher.

Weniger Störung der Bienen

Das Flow Hive-System verspricht eine schonendere Honigernte, da die Bienen während des Prozesses weniger gestört werden. Dies kann dazu beitragen, Stress für die Bienen zu reduzieren und das Risiko von Stichen für den Imker zu verringern.

Schnelle Honigernte und Abfüllung

Mit dem Flow Hive können Imker Honig schnell ernten und abfüllen. Ein voller Rahmen kann bis zu drei Kilogramm Honig enthalten, und mit mehreren Schläuchen können alle Rahmen gleichzeitig geerntet werden. Der gesamte Prozess dauert etwa 20 Minuten.

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Klarer Honig ohne Sieben

Der Honig, der aus dem Flow Hive-Rahmen gewonnen wird, ist in der Regel sehr klar. Oftmals ist es nicht notwendig, den Honig zu sieben. Es reicht aus, ihn einen Tag ruhen zu lassen, damit kleine Schmutzpartikel aufsteigen können. Die oberste Schicht kann dann entfernt werden, um reinen Honig zu erhalten.

Späte Kristallisation

Einige Imker berichten, dass der Honig aus dem Flow Hive langsamer kristallisiert. Dies könnte an der geringen Menge an Staub und anderen Partikeln liegen, die als Kristallisationskeime dienen könnten.

Flexibilität bei der Ernte

Mit dem Flow Hive können einzelne Rahmen geerntet werden, sobald sie voll sind. Es ist nicht notwendig, zu warten, bis alle Rahmen befüllt sind.

Nachteile und Kritik an der automatischen Honigernte

Verwendung von Kunststoff im Bienenstock

Ein Hauptkritikpunkt am Flow Hive ist die Verwendung von Kunststoff im Bienenstock. Kritiker argumentieren, dass Kunststoff im Bienenstock nichts zu suchen hat, da Bienenwachs von Natur aus antibakterielle Eigenschaften besitzt, die Kunststoff fehlen.

Vereinfachte Darstellung der Bienenhaltung

Das Flow Hive-System wird oft dafür kritisiert, die Bienenhaltung als zu einfach darzustellen. Dies könnte dazu führen, dass sich Menschen für die Bienenhaltung interessieren, ohne sich ausreichend um die Bedürfnisse der Bienen zu kümmern.

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Kosten

Das Flow Hive-System ist relativ teuer in der Anschaffung. Dies kann ein Hindernis für Imker sein, insbesondere für Anfänger.

Anfängliche Akzeptanzprobleme

Neue Flow Hives werden von den Bienen nicht immer sofort angenommen. Es kann einige Tage dauern, bis die Bienen den Honigraum annehmen. Ein Tipp ist, die Waben mit etwas Honig zu bestreichen, um die Akzeptanz zu beschleunigen.

Probleme bei der Handhabung

Bei der Verwendung des Flow Hives können Probleme auftreten, wie z. B. das Überlaufen von Honig, wenn die Rahmen zu schnell geöffnet werden. Es ist wichtig, langsam vorzugehen und sicherzustellen, dass der Honig über das Drainagerohr ablaufen kann.

Bedenken hinsichtlich der Honigqualität

Einige Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich der Honigqualität, da der Honig nicht mehr durch den natürlichen Wabenbau der Bienen entsteht. Es wird befürchtet, dass der Honig weniger Naturstoffe und Aromen enthält.

Anfälligkeit für Schädlinge

Das Flow Hive kann anfälliger für Schädlinge wie Wachsmotten sein. Es ist wichtig, die Bienenbeute regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung zu ergreifen.

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Auswirkungen auf die Kommunikation der Bienen

Es gibt Bedenken, dass die massiven Kunststoffwaben die Kommunikation der Bienen beeinträchtigen könnten. Bienen nutzen feinste Schwingungen in den Waben zur Kommunikation, die durch Kunststoff möglicherweise nicht so gut übertragen werden.

Eignung für bestimmte Honigsorten

Das Flow Hive ist möglicherweise nicht für alle Honigsorten geeignet. Honigsorten, die schnell kristallisieren, wie z. B. Raps-, Heidekraut- oder Melezitosehonig, können die Kanäle verstopfen und den Abfluss behindern.

Wassergehalt des Honigs

Es besteht die Gefahr, dass der Honig aus dem Flow Hive einen zu hohen Wassergehalt hat, insbesondere wenn die Bienen den Honig noch nicht vollständig reduziert haben. Ein zu hoher Wassergehalt kann die Haltbarkeit des Honigs beeinträchtigen und das Risiko von Fermentation erhöhen.

Reinigung

Nach der Honigernte müssen die Bienen die Zellen von Verdeckelungswachs und Honigresten reinigen, was einige Tage dauern kann.

Bedenken hinsichtlich des Tierschutzes

Einige Kritiker argumentieren, dass das Flow Hive die Bienenhaltung zu einer rein auf den Honigertrag ausgerichteten Praxis reduziert und die natürlichen Bedürfnisse der Bienen vernachlässigt.

Alternativen zur automatischen Honigernte

Für Imker, die nach Alternativen zur automatischen Honigernte suchen, gibt es verschiedene Optionen:

Konventionelle Honigschleudern

Konventionelle Honigschleudern sind eine bewährte Methode zur Honigernte. Es gibt verschiedene Arten von Honigschleudern, darunter Radialschleudern, Tangentialschleudern und Selbstwendeschleudern.

Radialschleudern

Bei Radialschleudern werden die Waben wie Speichen eines Rades angeordnet. Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Zellen geschleudert. Radialschleudern eignen sich für große Rähmchen- und Völkeranzahlen.

Tangentialschleudern

Bei Tangentialschleudern ist eine Wabenseite zur Innenseite des Schleuderkessels gewandt. Für eine komplette Entleerung müssen die Waben gewendet werden. Tangentialschleudern eignen sich für viele Rähmchengrößen und erzeugen wenig Wabenbruch.

Selbstwendeschleudern

Selbstwendeschleudern sind eine Kombination aus Tangential- und Radialschleudern. Die Rähmchen werden in Wabentaschen platziert, die in der Schleuder automatisch um 180° gewendet werden. Selbstwendeschleudern sind ideal für Berufsimkereien mit größeren Völkerzahlen.

Honigstampfer

Für kleinere Mengen Honig kann ein Honigstampfer verwendet werden. Dabei wird der Honig in Hobbocks verwahrt und täglich auf- und abgestampft, bis er eine cremige Konsistenz erreicht.

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