Honigproduktion in Paris: Bienenhaltung in der Stadt

Pariser Honig? Honig aus einer der am dichtesten bebauten Städte Europas? Das mag etwas bizarr erscheinen, ist es aber ganz und gar nicht. Der Pariser Honig gilt sogar als besondere Delikatesse.

Mit «Miel Béton» oder «Miel de Paris» sind die goldgelben Töpfe beschriftet, die in der ganzen Stadt verteilt zum Verkauf angeboten und dank rund 900 Bienenstöcken gewonnen werden. Sie befinden sich etwa auf dem Dach der Opéra Garnier, oder auf den Dächern des Musée d’Orsay, des Grand Palais und des Luxusrestaurants La Tour d’Argent. Dort fliesst der Pariser Blütenhonig auch in das Gebäck des Küchenchefs.

Bienenvölker auf dem Dach der Opéra Garnier

Geschichte und Entwicklung der urbanen Imkerei in Paris

Die Geschichte der Pariser Stadthonig-Produktion reicht weit zurück. Bereits 1856 entstand der rucher-école im Jardin du Luxembourg als Imkerschule. 1980 wurden Bienenstöcke sogar auf dem Dach der Opéra Garnier installiert. Die ersten Bienenstöcke auf dem Dach der Opéra Garnier wurden 1982 aufgestellt. Der Boom des Pariser Honigs begann 2009, als Marc Perret Bienenstöcke auf der Mairie des 4. Arrondissements, der École Militaire und in Bercy platzierte. Seitdem schmücken sich nicht nur Parks, sondern auch viele öffentliche Bauwerke damit.

Der Plan Abeilles (Bienenplan), den Pénélope Komitès initiierte, hat zum Ziel, Paris zur „Hauptstadt der Bienen“ zu machen. Zu seinem Maßnahmenpaket für die Jahre 2016 bis 2020 gehörte die Installation von mehr als 700 Bienenstöcken in der Stadt sowie die Reduzierung von Pestiziden auf Grünflächen. Die Loi Labbé untersagt seit 2017 bereits die Pestizidnutzung in öffentlichen Bereichen.

Vereine, Imker und Gemeinschaftsprojekte

Leidenschaftlich für die städtische Bienenzucht setzen sich auch die drei Vereine Abeille Francilienne, Rue des Abeilles und CityBzz ein. Sie sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Rolle der Bienen mit Schulungen und Veranstaltungen - in Schulen, Vereinen, Gebietskörperschaften, unter Freunden, in Familien und bei Firmenevents. Gemeinsam feiern sie im Herbst ein Honigfest.

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2019 entstand im Rahmen des Budget participatif die Miellerie collective in der Rue des Vignoles - eine gemeinschaftliche Imkerei mit geteiltem Equipment. Die Boutique des Pariser Rathauses (rue de Rivoli) gibt es Pariser Honig mit genauen Herkunftsbezeichnungen; also natürlich auch Opernhonig, Marais-Honig oder sogar Champs-Élysée-Honig…. Eine schmackhafte und ökologische Alternative zu den gängigen Paris-Souvenirs….

Die Miellerie collective in der Rue des Vignoles

Standortfaktoren: Warum Honig in Paris gedeiht

Die Stadtbienen profitieren von einem ökologischen Wandel. Seit 2007 verzichtet Paris in seinen Parks auf Pestizide (zéro phyto). Das Ergebnis überzeugt: Die Île-de-France produzierte 2016 beeindruckende 342 Tonnen Honig - mehr als viele ländliche Regionen. Der Grund liegt in den 500.000 Bäumen von Paris, die ganzjährig blühende Vielfalt und das im Vergleich zum Umland mildere Stadtklima. Die Stadtbienen ernten einen aromatischen, vielfältigen Honig.

Im Frühling schmeckt er nach den Blüten der Akazien und Kastanienbäume, im Sommer nach Linde und dem Bienenbaum Euodia, im Herbst nach Schnurbaum (Sophora japonica) und Sumach. Im 96 Seiten dicken Bändchen Ma Ruche en Ville* gibt Nicolas Géant seine Erfahrungen weiter. Um 20 Prozent sei allein die Nachfrage im letzten Jahr gestiegen, erzählt Nicolas.

Produzenten und Marken

Miel béton nennt Rémy Vanbremeersch seinen cremigen Brotaufstrich, den er aus seinen Pariser Bienenstöcken im 10., 12., 19. und 20. Arrondissement erntet, Beton-Honig. Mit «Miel de Paris» sind goldgelbe Töpfe beschriftet, die in der ganzen Stadt verteilt zum Verkauf angeboten werden. Audric de Campeau mit seinem Le Miel de Paris auf der Monnaie de Paris, Nicolas Géant mit Bienenstöcken auf dem Grand Palais, der Tour d’Argent und der Kathedrale Notre-Dame de Paris sind nur einige der Produzenten.

Jean-Jacques Schakmundès arbeitete erst als Übersetzer, dann als Regisseur von Filmen wie An 01 und Model Couple, ehe er seine Passion zum Beruf machte. Zwei Jahrzehnte lang wirkte er als Stadtimker im Kellermann-Park des 13. Arrondissements. Neben Honig gehören auch Pollen und Bienenwachs zum Sortiment der beiden Imker, die insgesamt 40 Bienenstöcke in Paris und der Île-de-France stehen haben.

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Honiggläser mit Herkunftsbezeichnungen: Opernhonig, Marais-Honig, Champs-Élysée-Honig

Qualität, Geschmack und kulturelle Bedeutung

„Als wahres Symbol für die florale Vielfalt der Stadt bietet der Honig von Paris Hédène mit seinen charakteristischen Pflanzenaromen ein einzigartiges Geschmackserlebnis. Der ikonische Nektar, der Honig von Paris, zeichnet sich durch seine leuchtende Farbe, seine Cremigkeit und seine Frische am Gaumen aus.

Tausend feine Nuancen besitzt dieser Stadtsaft. Der Geschmack der Auspuffrohre bleibe ihm jedoch fern, meint einer dieser Pariser Dach-Bienenzüchter, Audric de Campeau. «Da die Bienen den reinen Nektar sofort sammeln, kann sich die Luftverschmutzung nicht festsetzen.»

Die Luxusparfumindustrie bangt um ihre kostbaren Rohstoffe. Wenn die Bienen eines Tages zur Bestäubung von Jasmin-, Rosen- oder Orangenblüten ausbleiben, könnten die für gute Parfums notwendigen ätherischen Öle nicht mehr gewonnen werden. «Die Wahrung der Biodiversität ist für uns von grösster Wichtigkeit und der Schutz der Biene die Priorität des Jahres», sagt Sandrine Sommer. Sie ist bei Guerlain für die nachhaltige Entwicklung verantwortlich.

Parfumeur Guerlain würde ohne Bienen sein Markenzeichen verlieren. Dem Haus geht es jedoch nicht nur um die unentbehrlichen Rohstoffe, die weltweit eingesammelt werden: Die Biene ist seit 1853 sein Wahrzeichen, als Kaiserin Eugénie im Geschäft an den Champs-Élysées ein neues Eau de Cologne bestellt hatte. Der Flakon dieses vom Firmengründer Pierre-François-Pascal Guerlain entworfenen «Eau de Cologne Impériale» wurde mit 69 goldenen Bienen geziert - dem Emblem des Kaiserreichs. Auch Guerlains Pflegelinie Abeille royale machte ohne Bienen keinen Sinn mehr. Deshalb kämpft das Haus an der Seite des Observatoire Français d’Apidologie.

Symbolische Biene auf dem Guerlain-Flakon (historisches Motiv)

Stadt vs. Land: Probleme, Risiken und Perspektiven

Die Lage ist dramatisch: Seit 1995 hat sich die französische Honigproduktion um die Hälfte vermindert. Heute übersteigt der Honigkonsum der Franzosen mit 40'000 Tonnen pro Jahr bei weitem die einheimische Produktion (15'000 Tonnen). Der letzte Winter war besonders hart; 8 von 10 Bienenstöcken haben in gewissen Regionen nicht überlebt, in der Bretagne gingen 20'000 Bienenstöcke verloren. Bei einigen Imkern haben nur zwanzig Prozent der Bienen überlebt. Ihre Honigernte war gleich null.

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Die Ursachen für das Wegsterben der Bienen sind bekannt. Parasiten, vor allem die Varroamilbe, aber auch Luftverschmutzung, Reduktion der angepflanzten Flächen, Klimaveränderung oder elektromagnetische Strahlen werden in Studien genannt. Der grösste Feind der Bienen aber scheinen die Pestizide zu sein. Diese Substanzen greifen das Nervensystem an und verwirren oder lähmen die herumsummenden Insekten so sehr, dass sie ihren Stock nicht mehr finden und kläglich verenden.

Jüngst hat eine im Rheintal durchgeführte Studie das Sterberisiko durch Pestizide untermauert. Diese stehen nun für Frankreich im Kampf gegen das Bienensterben im Vordergrund, weshalb das Land drei Arten von Pestiziden ab September verboten hat.

Solche Probleme kennen die in Paris angesiedelten Apis mellifera nicht. Auf den Dächern der Seinestadt gedeiht die westliche Honigbiene je länger desto besser. Wahrscheinlich, weil der Einsatz von Pestiziden in Paris seit mehreren Jahren verboten ist. Dass er im letzten Winter keine toten Bienen zu beklagen hatte, weist Audric de Campeau darauf zurück, dass er keine Pestizide verwendet. «Und weil ich mich rund um die Uhr um die Bienen kümmere.»

Konkurrenz und Sättigung

Doch Wissenschaftler warnen auch: Paris nähert sich der Sättigung. Die Ökologin Léa Lugassy zeigte bereits 2016, dass zu viele Bienenstöcke den wilden Bestäubern Konkurrenz machen. Die Lösung? Mehr Blüten pflanzen. Keine neuen Stöcke in Paris intra muros, sondern in der ersten und zweiten Couronne.

Städtische Blumen- und Baumarten, die Bienen Nahrung bieten

Statistiken, Zahlen und Praxis vor Ort

An den Bienenstöcken herrscht reger Betrieb. Offizielle Statistiken über die Zahl der Bienenstöcke in Paris liegen nicht vor. Die Schätzungen variieren stark und reichen bis an die 2000 Stück. Schätzungsweise 2.000 Bienenstöcke summen heute in der Stadt, bewohnt von mehr als zwei Millionen Bienen.

Aspekt Angaben aus dem Text
Pariser Bienenstöcke (Schätzung) bis zu 2.000
Produzierte Honigmenge Île-de-France (2016) 342 Tonnen
Französischer Honigkonsum 40.000 Tonnen/Jahr
Einheimische Produktion Frankreich 15.000 Tonnen/Jahr
Anzahl Bäume in Paris (ungefähr) 500.000

Praxisbeispiele aus Paris und Banlieue

Wie in Saint-Denis nördlich von Paris hat Olivier Darné, Bildhauer und Imker, im Zuge seines Projektes Banque de Miel auch auf dem Dach der mairie Bienenkörbe aufgestellt. Jahr für Jahr heimste sein urbaner Honig beim Concours Régional Agricole Medaillen ein - ein Kaleidoskop aus mehr als 250 verschiedenen Pollen, gesammelt in Fensterkästen, Parks und zwischen Straßenbäumen der Banlieue.

Die Liebe zum Honig hat längst auch die Banlieue erobert. Doch Vanbremeersch und Petit sind nicht allein. Die urbane Imkerei boomt in Paris seit den 2000er-Jahren. Was als ökologisches Experiment begann, ist heute Teil des grünen Stadtumbaus. Apiculture urbaine erobert Dächer, Rathäuser und sogar Ministerien.

Imkerei auf dem Dach des Finanzministeriums in Bercy

Bildung, Sensibilisierung und Zukunftsperspektiven

Mit dem Projekt «Bee School» bildet der Kosmetikkonzern bis 2020 weltweit sein Personal zu «Botschaftern der Biene und der Pflanzenvielfalt» aus, die anschliessend in den Schulen unterrichten. Pariser Imker und Vereine geben Schulungen und Veranstaltungen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Der rucher-école und Ausbildungsangebote bestehen weiterhin: Dieser monumentale Bienenstock konnte etwa 20 Bienenvölker aufnehmen und zeigte eine große Anzahl von Bienenstockmodellen und Imkereiinstrumenten. Die Zerstörung der Baumschule im Jahr 1866 infolge der Stadtplanungsarbeiten von Baron Haussmann führte zum vorübergehenden Verschwinden des Bienenstocks, der 1872 an seinem heutigen Standort wiedererrichtet wurde. Seitdem wird dort unter der Leitung des Zentralvereins für Bienenzucht eine stetig wachsende Zahl von Interessenten in modernen Imkereitechniken ausgebildet.

Dokumentation: Urbane Imkerei in Paris - Stadt, Honig, Zukunft

Die Stadt und ihre Akteure stehen vor der Aufgabe, die Balance zwischen urbaner Imkerei und dem Schutz wilder Bestäuber zu halten: Mehr Blüten pflanzen, Bienen fördern, aber zugleich Überbevölkerung an Bienenvölkern in sensiblen innerstädtischen Bereichen vermeiden.

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