Hauswurz mit Honig: Wirkung und Anwendung
Die Hauswurz ist ein echter Alleskönner. Sie ist eine Pflanze, die eher unscheinbar daherkommt und oft übersehen wird - die Hauswurz. Sie ist ausgesprochen genügsam und hält es selbst dort, wo nicht einmal mehr Unkraut wächst, aus. Ihr lateinischer Name Sempervivum - immerlebend - könnte also nicht passender sein.
Vorkommen, Botanik und Standort
In freier Natur wächst Hauswurz vor allem in den europäischen Gebirgen, häufig in Felsspalten. Die echte Hauswurz (Sempervivum) findet man ursprünglich im Gebirge. Sie mag gerne karge Felsspalten und ist absolut genügsam. In der Natur kommen Hauswurze in gebirgigen Regionen in Europa und Kleinasien vor. Heimisch sind sie in den Pyrenäen, Alpen und den Karpaten.
Die Rosette entsteht aus einer sehr verkürzten Sprossachse. Sie kann grün oder auch rot sein. Die Blätter sind dick und fleischig. Dadurch verringert die Pflanze die Verdunstung von Feuchtigkeit. So übersteht sie auch lange trockene oder heiße Phasen. Die Rosette bildet etwa einen Durchmesser von 10 cm. Aus der Rosette entspringt ein Blütenstängel. Nach einigen Jahren wachsen etwa zwischen Mai und August aus der Blattrosette lange Blütenstände, die je nach Art zwischen 3 und 60 Zentimeter lang werden können.
Die Hauswurz entwickelt einen Blütenstängel. Die Blüten können weiß sein, cremefarben, gelb, rosa oder rot. Die Blütezeit reicht von Ende März bis Ende August. Sowohl die Blütenfarbe als auch die Blühzeit ist sortenabhängig.
Hauswurz ist durch ihre dicken Blätter sehr robust gegenüber Trockenzeiten. Sie ist also die ideale Bepflanzung für Gründächer, Steintröge oder Steingärten. Hauswurz eignet sich als Bepflanzung für Steingärten, als Dachbegrünung, auf Trockenmauern und zur Bepflanzung von Hängen in sonnigen Lagen. Ein geeigneter Standort im heimischen Garten ist deshalb ein sonniger Standort auf kargem Untergrund. Auf keinen Fall sollte Staunässe entstehen können, damit kommt Hauswurz nicht zurecht.
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Artenvielfalt, Kultur und Gestaltung
Die Gewöhnliche Hauswurz ist eine von rund 60 Arten der Gattung Sempervivum, die zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) gehören. Botanisch anerkannt sind etwa 60 Arten mit mehr als 5.000 Sorten. Viel größer als die Anzahl der Arten sind die Zuchtformen, davon existieren rund 5000. Es gibt zahlreiche Arten und mehrere Tausend Sorten des Dickblattgewächses. Sie unterscheiden sich in Größe, Farbe und Wuchsform.
Im Garten beliebt sind außer Sempervivum tectorum folgende Arten: Spinnweb-Hauswurz, Berg-Hauswurz, Fransen-Hauswurz, Wulfen-Hauswurz, Großblütige Hauswurz, Kalk-Hauswurz, Dolomiten-Hauswurz und Serpentin-Hauswurz. Für medizinische Anwendungen sollten Sie auf Sempervivum tectorum zurückgreifen: Die anderen im Garten populären Arten wirken zwar vermutlich ähnlich, sind aber pharmakologisch kaum erforscht.
Hauswurz wird heute besonders zur Dachbegrünung genutzt. Sie eignet sich ideal zum Bepflanzen von Mauern, Pflastersteinen und Steingärten. Durch ihre Genügsamkeit eignen sich Hauswurzen zur dekorativen Bepflanzung. Sie können die Dickblattgewächse in Tontöpfen ebenso ansiedeln wie auf Keramiktellern, sogar in alten Holzschuhen. Wichtig ist nur, dass das Wasser gut ablaufen kann. Gepflanzt in eine Schale oder ein anderes Gefäß, sieht Hauswurz beispielsweise auf Balkon und Terrasse sehr dekorativ aus und benötigt so gut wie keine Pflege.
Pflanzen, Substrat und Pflege
Wenn du Pflanzgefäße für Hauswurz nutzt, brauchst du viele Abzugslöcher. Wichtig ist, dass das Pflanzgefäß ausreichend Abzugslöcher hat, damit keine Staunässe entsteht. Als unterste Lage ist eine Drainageschicht beispielsweise aus Blähton empfehlenswert. Als Substrat kann beispielsweise Kakteenerde verwendet werden. Zunächst füllst du eine Drainage aus Blähton oder Kies ein. Damit die Abzugslöcher nicht verschlämmen, deckst du den Kies oder Blähton mit einem Vlies ab.
Pflanzerde für Kübelpflanzen genügt der Hauswurz. Dazu gibst du etwa ein Drittel Sand, Split, Kies oder Lava. Etwas reifer Kompost sorgt für eine intensivere Blattfärbung. Zu viel davon lässt die Hauswurz allerdings mastig werden und sie blüht nicht mehr so gut. Achte nur beim Gießen darauf, dass kein Wasser in die Rosetten kommt.
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Vermehrung und natürliche Ausbreitung
Dachwurz vermehrt sich durch Tochterableger, die ab Sommer als kleine Minirosetten zwischen und unterhalb der Blätter erscheinen. Sie sitzen an Stielen und werden die erste Zeit noch von der Mutterpflanze ernährt, bis sie eine geeignete Stelle zum Wurzeln gefunden haben. Dort bilden sie dann eine neue Pflanze. Der Stiel wird nicht mehr gebraucht und vertrocknet. Auf diese Weise erobert die Pflanze ihr Reich und verdrängt dabei Gräser und andere unerwünschte Begleitkräuter. Eine Aussaat ist zwar langwieriger, dafür sind die daraus entstehenden Pflanzen abwechslungsreicher in Form und Farbe.
Inhaltsstoffe der Hauswurz
Zu den Inhaltsstoffen gehören Gerb- und Schleimstoffe, Apfelsäure, Tannin, Vitamin C und Harz. Hauswurz enthält Tannine (Gerbstoffe), Bitter- und Schleimstoffe, Ameisen- und Apfelsäure, Vitamin C, Kalium, Harz und Flavonol-Glykoside wie Kaempferol-3-O-rhamnosyl-glucosid-7-O-rhamnosid. Eine Studie von 2012 identifizierte zehn Flavonol-Glycoside und sechzehn Phenolsäuren.
Die in der Hauswurz enthaltenen Inhaltsstoffe hemmen Entzündungen, erfrischen, kühlen und senken Fieber. Der Saft aus der Hauswurz zieht Gewebe zusammen, weicht die Haut auf, löst Krämpfe und beschleunigt die Wundheilung. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken antioxidativ, sowie gegen Viren, Bakterien und Pilze. Sie machen Eiweiße für Bakterien unerreichbar, indem sie Hautzellen verschließen. Durch diese Verdichtung kann die Haut sich regenerieren. Das undurchlässige Gewebe erschwert den Eingang für mögliche weitere Krankheitserreger. Damit werden Wunden vor Infektionen geschützt. Gerbstoffe desinfizieren also Wunden, lindern auch Blutergüsse und bauen eine Hautbarriere gegen Keime auf. Indem sie Gewebe zusammenziehen, reduzieren sie Blutungen.
Wissenschaftliche Studien
Eine Studie (2003) hielt fest: Komponenten der Hauswurz zeigen deutliche antioxidative Effekte. Wesentlich sind Inhaltsstoffe im Saft wie Kaempferol und Kaempferol-3-Glucosid. Auch die enthaltene Apfelsäure zeigte im Versuch deutliche Wirkungen gegen Oxidationsprozesse in den Zellen. Eine Studie (2015) untersuchte traditionelle Anwendungen der Hauswurz in der Volksmedizin Südserbiens. Die höchste Evidenz wird für Effekte gegen Ohrenschmerzen angegeben, die durch mikrobielle Entzündungen verursacht werden. Die Wissenschaftler:innen wiesen an medizinisch wirksamen Substanzen besonders Flavonol-Glykoside nach, und darunter als Hauptstoff Kaempferol-3-O-rhamnosyl-glycoside-7-O-rhamoside. Unter den organischen Säuren war Apfelsäure dominant. Der Saft zeigte, der Studie zufolge, versprechende Aktivität gegenüber Mikroben, die Ohrenentzündungen verursachen.
Anwendungen: äußerlich, innerlich, Salben und Hausmittel
Sempervivum ist nicht nur ausgesprochen dekorativ, die Pflanze hat auch eine breit gefächerte Heilwirkung. Als Salbe kann sie bei Schwellungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand und Insektenstichen eingesetzt werden. Als Mittel gegen Fieber, sowie auch kühlend und heilend für schlimme Brandwunden, preise ich besonders ihren reichlich klaren Saft.
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Werden Blätter mit der Schnittkante auf die Haut gelegt, hat dies eine kühlende Wirkung. Ein traditionelles Hausmittel gegen Hühneraugen, Warzen, Insektenstiche, Sonnenbrand (Verbrennungen ersten Grades) und Hautwunden ist einfach zuzubereiten: Frische Blätter der Hauswurz werden zerkleinert und mit einem Tuch eine halbe Stunde auf die betroffene Stelle gedrückt.
Bei Entzündungen im Ohr werden frische Blätter der Hauswurz ausgedrückt und der Saft wird direkt auf die betroffene Stelle geträufelt. Als Öl lässt sich auch Hauswurz-Öl ansetzen: Dafür füllen Sie ein Glas mit Hauswurz-Blättern und Olivenöl. Sie verschließen das Glas und lagern es rund 14 Tage an einem dunklen Ort.
Hauswurz-Salbe selber machen (klassisches Rezept)
Hauswurz-Blätter klein schneiden und in je 100 Milliliter Jojoba- und Olivenöl 20 Minuten leicht köcheln lassen. Das Öl anschließend durch ein Sieb gießen, erneut erhitzen und Kakaobutter- und Bienenwachspellets darin auflösen. Die Konsistenz kann durch den Anteil an Kakaobutter und Bienenwachs variiert werden - je mehr man verwendet, desto fester wird die Salbe nach dem Abkühlen. Für einen angenehmen Duft sorgen einige Tropfen Lavendelöl.
Traditionell wurde die Hauswurz Salbe in den Alpenregionen mit Schweinefett zubereitet, da dies einfach verfügbar war. Außerdem kann dies sehr gut von unserer Haut aufgenommen werden. Daher spricht nichts gegen so eine Zubereitung. Allerdings ist es heutzutage nicht mehr so gebräuchlich und ich bereite meine Salben eher mit guten pflanzlichen Ölen zu.
Weitere Anwendungen: Tonic, Saft, Badeextrakt und Honig-Mazerat
Für ein frisches Gesichtstonic aus Hauswurz mixt du zwei Handvoll Blätter der Pflanze mit ein wenig stillem Mineralwasser, siebst die Mixtur ab, und füllst sie in eine Flasche. Wofür kannst du das Gesichtstonic verwenden? Zum Beispiel wirst du lästigen braunen Gesichtsflecken oder juckenden Hautstellen damit Herr, in dem du die betroffenen Hautregionen mehrmals täglich betupfst. Aber Achtung! Frischer Hauswurzsaft überlebt im Kühlschrank maximal drei Tage.
Bei Sonnenbrand kann der Hauswurzsaft hervorragende Erste Hilfe leisten. Dafür vermischst du den Brei aus den zerquetschen Blättern mit Joghurt, stellst den Mix kurz in den Kühlschrank oder Tiefkühler, und trägst dann die kühle Mixtur sanft auf die Haut auf. Mindestens 20 Minuten ziehen lassen oder einfach so lange bis es angenehm kühlt.
Der Saft aus der Hauswurz lindert Juckreiz bei allergischen Reaktionen wie z.B. Augen- oder Hautjucken. Auch Insektenstiche werden erfolgreich damit behandelt. Man bricht ein Blatt von der Pflanze und quetscht den Saft direkt auf die betreffende Stelle. Es tritt sofort ein kühlender Effekt ein.
Ein historisches Rezept mit Honig: Ca. 75 g frisch abgepflückte Blätter der Dach-Hauswurz zerkleinern und in 1 Liter Obstessig 8 Tage lang ansetzen. Danach abseihen und die Blätter zusätzlich auspressen. Die Flüssigkeit leicht anwärmen und noch 2 bis 3 Esslöffel voll Honig beigeben. Diese Menge abfüllen, kühl stellen und für 4 Bäder als Zusatz verwenden. Ein solches Bad wird ungefähr 20 Minuten lang durchgeführt. Das kann bei Hautflechten angebracht sein oder zum Pflegen von Narben, die sich verhärtet haben. Dach-Hauswurz hat eine erweichende Wirkung.
Innere Anwendungen und Teezubereitung
Hauswurz wird in der Volksmedizin auch innerlich genutzt. Hierzu kochen Sie einen Tee, wobei als Faustregel gilt: Rund zehn Gramm frische Blätter in ein Liter kochendes Wasser geben, alles etwa zehn Minuten ziehen lassen. Es wird empfohlen jeweils eine kleine Tasse Tee im Abstand von zwei Stunden zu trinken. Dies gilt als Mittel gegen Durchfall, was plausibel ist, da das Zusammenziehen weniger Flüssigkeit in das Darmlumen lässt.
Bei Entzündungen in Mund und Rachen können Sie den Tee auch stärker konzentrieren und dann lauwarm gurgeln. Gegen Fieber ist in Südosteuropa eine Anwendung mit Hauswurz-Wasser bekannt. Hier schneiden Sie zwei Blätter an und geben diese in einen Liter kaltes oder lauwarmes Wasser.
Sicherheits- und rechtlicher Hinweis
Hauswurz wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt, ohne dass schwere Nebenwirkungen beziehungsweise Vergiftungen bekannt sind. Für sie gilt indessen das gleiche wie für alle Pflanzen, die reich an Gerbstoffen sind: Wenn eine Überempfindlichkeit gegen Tannine besteht, sollte auf eine Anwendung verzichtet werden. Auch wenn die Hauswurz eine vielseitige und in der Regel gut verträgliche Heilpflanze ist, solltest Du sie nicht bei offenen oder stark entzündeten Wunden anwenden. In seltenen Fällen können Menschen allergisch auf Pflanzen aus der Familie der Crassulaceae reagieren. Falls Du Hautreizungen oder eine allergische Reaktion bemerkst, solltest Du die Anwendung sofort stoppen.
Unsere Empfehlungen basieren rein auf Erfahrungswerten und sollen keinesfalls dazu auffordern, sich selbst zu behandeln, eine ärztliche Behandlung oder Medikation abzubrechen oder sogar zu ersetzen. Wir sind weder Mediziner:innen, Heilpraktiker:innen, noch Kosmetiker:innen. Wir weisen daher aus rechtlichen Gründen darauf hin, dass die auf unserem Blog getroffenen Aussagen über die Wirkungsweisen der einzelnen Zutaten, Kräuter und Rohstoffe sowie der aufgeführten Rezepte und Anwendungshinweise nur zu Zeitvertreib und Information dienen sollen.
Kulturelles und historisches
Nicht umsonst war diese ausdauernde Pflanze Jahrhunderte lang ein Symbol für ewiges Leben. Die mittelalterliche Heilkundige Hildegard von Bingen hielt Hauswurz für ein Aphrodisiakum mit Wirkung bei Mann und Frau. Im Mittelalter empfahl Hildegard von Bingen Männern sogar, die Blätter der Hauswurz zu essen, um die Liebeslust zu steigern. Auch Pfarrer Kneipp empfahl die Hauswurz als Heilpflanze.
Die Hauswurz galt zudem als Symbol der Unsterblichkeit, da sie auch unter schwierigsten Bedingungen überlebt und immer wieder austreibt. Zu den mystischen Zuschreibungen gehörte die Vorstellung, dass Hauswurz auf dem Dach den Blitzschlag und Hausbrände abhalte. Daher stammen Volksnamen wie Donnerwurz oder Jupiterbart. Bereits Karl der Große empfahl, sie als Blitzschutz auf die Hausdächer zu setzen.
Praktische Tipps zum Sammeln und Kaufen
Wenn Du sie selbst sammeln möchtest, ist der Sommer die beste Zeit dafür, da die Pflanzen dann am kräftigsten sind. Allerdings sollte man auf eine Wildsammlung verzichten, da sie schon rar geworden ist und in manchen Gebieten auch unter Naturschutz steht. Aber die gute Nachricht ist, sie ist einfach in Gärtnereien zu erwerben und lässt sich problemlos im eigenen Garten oder am Balkon oder sogar am Fensterbänkchen ziehen.
Für medizinische Anwendungen sollten Sie auf Sempervivum tectorum zurückgreifen. Die anderen im Garten populären Arten wirken zwar vermutlich ähnlich, sind aber pharmakologisch kaum erforscht.
| Gegenstand | Anwendung |
|---|---|
| Frischer Saft | Sonnenbrand, Insektenstiche, Ohrentzündung (traditionell), kühlt, entzündungshemmend |
| Salbe / Öl | Schwellungen, leichte Verbrennungen, Wundheilung, Narbenpflege |
| Tee | Durchfall, Magenbeschwerden, Gurgeln gegen Mund-/Rachenentzündung |
| Badezusatz (mit Honig) | Hautflechten, verhärtete Narben, erweichende Pflege |
Die Hauswurz ist eine faszinierende Pflanze mit einer langen Tradition in der Heilkunde. Sie ist einfach anzuwenden, vielseitig einsetzbar und wächst sogar auf kargen Böden. Ob Du sie gegen Sonnenbrand, kleine Wunden oder Hautreizungen einsetzt - die Hauswurz sollte in keiner natürlichen Hausapotheke fehlen.
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