Rezept: Hagebutten-Schlehen-Marmelade – Wildfrüchte aus der Hecke köstlich konservieren
Hagebutten und Schlehen sind seit Jahrhunderten wertvolle Begleiter in unseren Hecken und an Waldrändern. Ihre Fruchtreife steht für einen kulinarischen Herbst, der mit intensiven Aromen, viel Vitamin C und einer ordentlichen Portion Nostalgie lockt. Marmelade aus Hagebutten und Schlehen ist ein Klassiker der Wildobstküche - und lässt sich mit einfachen Mitteln und etwas Zeit selbst herstellen. Wer Lust auf originelle Geschmackserlebnisse und regionale, nährstoffreiche Rezepte hat, wird dieses ausführliche Rezept samt vieler Tipps zur Sammlung und Verarbeitung der Wildfrüchte lieben.
Die Besonderheiten von Hagebutten und Schlehen
Hagebutte - Vitamin-C-Königin der Hecken
Die Hagebutte, Frucht der Wildrose (Rosa canina und Verwandte), gehört zu den beliebtesten Wildfrüchten. Ihre roten Früchte sind wahre Vitamin-C-Spender und wurden schon früher als „Winterapotheke“ geschätzt. Mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin C, Mineralstoffen und Antioxidantien gilt sie als klassisches Stärkungsmittel in der kalten Jahreszeit. Ein weiterer toller Inhaltsstoff der Hagebutte ist Lycopin - ein Antioxidans, das wir unter anderem von Tomaten kennen. Hagebutten sind außerdem reich an Magnesium, Calcium, Kalium und enthalten von Natur aus viel Pektin, was sie ideal zur Marmeladenherstellung macht.
Gesammelt wird ab Herbst, bevorzugt nach den ersten Frösten, da die Beeren dann weicher und aromatischer sind. Am besten wählt man Rosenarten für den Garten auch gleich nach Form, Farbe und Geschmack der zu erwartenden Hagebutten aus. Aber auch wild wachsende Früchte aus naturnahen Flächen sind geeignet. Beim Sammeln sollte ein Teil immer für Tiere übrigbleiben und idealerweise an nicht belasteten Standorten gesammelt werden.
Schlehe - Herbe Frucht für den besonderen Geschmack
Die Schlehe (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn genannt, zählt zu den ältesten heimischen Wildfrüchten. Ihre tiefblauen, bereiften Beeren hängen im Herbst in dichten Büscheln an dornigen Sträuchern entlang von Hängen und Wegrändern - ein unübersehbares Zeichen des Herbsts. Roh schmecken sie sehr herb und zusammenziehend, bedingt durch viele Gerbstoffe, doch nach den ersten Frösten oder einer Nacht im Gefrierfach werden die Früchte aromatisch-säuerlich und milder.
Ihr hoher Gehalt an Gerbstoffen und Vitaminen macht die Schlehe auch in der Volksheilkunde beliebt; sie kann den Stoffwechsel anregen und gilt als kräftigend nach Erkältungen.
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Richtiger Sammelzeitpunkt und Tipps
- Hagebutten sollte man ernten, wenn sie schon etwas weich sind und sich leicht vom Stiel lösen, aber noch nicht matschig sind. Viele Wildfrüchte werden nach dem ersten Frost milder. Schlehen sollten nach den ersten Frösten oder nach einer Nacht im Gefrierfach verarbeitet werden - dann sind sie weniger bitter und das Aroma entfaltet sich am besten.
- Nur vollreife, unversehrte Früchte sammeln. Am besten werden keine Früchte in der Nähe vielbefahrener Straßen oder von gedüngten Flächen geerntet.
- Früchte für Marmelade auf einen Schwung sammeln, da Schlehen und Hagebutten zusammen ein eigenes, harmonisches Aroma entwickeln.
Rezept für Hagebutten-Schlehen-Marmelade
Zutaten
- 1 kg reife Hagebutten
- 800-1000 g reife Schlehen (optional auch weniger, da sehr aromatisch)
- 1 Liter Apfelsaft (alternativ ca. 600-700 ml Wasser)
- 500 g Gelierzucker 1:2 (bei Verwendung von 1 kg Hagebutten entsprechend wiegen und anpassen)
- Saft einer halben Zitrone
- Optional: Etwas Orangensaft, Vanilleschote oder Gewürze nach Geschmack
Nährwerte: (Pro Portion, ca. 30 g Marmelade)
| Nährwert | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ca. 45-50 kcal |
| Vitamin C | über 20 mg |
| Kohlenhydrate | 12 g |
| Fett | 0 g |
| Eiweiß | unter 1 g |
Zubereitungsschritte im Detail
- Vorbereitung:
Gläser und Deckel säubern und sterilisieren. Die Hagebutten und Schlehen "verlesen", also von Stängeln befreien (nur waschen, wenn nötig). Stiele und Blütenansätze abschneiden, Früchte ggf. grob hacken - das erleichtert das spätere Pürieren. - Weichkochen:
Hagebutten und Schlehen zusammen mit der Hälfte des Apfelsafts (oder Wasser) bei mittlerer Hitze 50-60 Minuten im großen Topf weichkochen, bis die Früchte zerfallen und aufplatzen. (Schlehen platzen oft schon nach kurzer Zeit.) - Passieren:
Die heiße Masse kurz abkühlen lassen und durch ein feines Sieb oder die Flotte Lotte drehen, sodass Kerne und Schalen zurückbleiben. Die Reste erneut mit dem restlichen Saft vermengen und nochmals durchpassieren, um so viel Fruchtmark wie möglich zu gewinnen. - Mus abmessen:
Das gewonnene Mus abwiegen und mit Gelierzucker im Verhältnis 2:1 (zwei Teile Mus, ein Teil Zucker) gründlich vermischen. - Aromatisieren und Vorkochen:
Nun Zitronensaft und nach Geschmack etwas Orangensaft zugeben; für ein besonderes Aroma kann eine Vanilleschote mitgekocht werden. - Marmelade einkochen:
Alles zusammen unter ständigem Rühren zum Kochen bringen und 3-5 Minuten sprudelnd kochen lassen, bis die Gelierprobe gelingt (ein Löffel Marmelade auf einem Teller auskühlen lassen - wenn die Masse fest wird, ist sie fertig). - Abfüllen:
Die heiße Marmelade sofort in ausgekochte, sterile Gläser füllen, Gläser luftdicht verschließen und etwa zehn Minuten auf den Kopf stellen.
Tipps und Verwendung
- Wenn zu viele Schlehen verwendet werden, kann die Marmelade sehr sauer werden. Das Verhältnis von Hagebutte zu Schlehe sollte auf einen harmonischen, nicht dominierenden Schlehengeschmack abgestimmt werden.
- Durch die Flotte Lotte (Passiersieb) werden die störenden Härchen und Kernchen aus der Hagebutte entfernt.
- Die Marmelade passt pur aufs Frühstücksbrot, als Füllung in Krapfen/„Hiffenmark“, aber auch als fruchtige Soße zu Naturjoghurt, Wildgerichten, Käse oder als Zutat für Süßspeisen.
- Nicht benötigte Schlehenkerne kann man im Backofen trocknen und sie als Füllung für Wärmekissen verwenden - ähnlich wie Kirschkernkissen.
- Wird weniger Zucker verwendet, die Marmelade nach dem Öffnen im Kühlschrank lagern und zügig aufbrauchen.
- Hagebuttenmarmelade aus Wildfrüchten lässt sich ideal mit Äpfeln, Birnen oder Bananen verfeinern. Aber auch Vogelbeeren, Weißdorn und Holunder können als Geschmackskomponente beigegeben werden - bei Vogelbeeren genügt eine kleine Menge, da ihr Aroma sehr intensiv ist.
Varianten und Hinweise zur Konservierung
- Das Mus kann so auch als Grundlage für Fruchtleder dienen: Dazu das Mus ca. 3-5 mm dick auf ein mit Backpapier belegtes Blech streichen und bei ca. 50°C mehrere Stunden im Ofen trocknen, bis es lederartig abziehbar ist - ein gesunder Snack für unterwegs.
- Für Feinschmecker kann die Marmelade mit etwas Zimt, Nelke oder Vanille abgeschmeckt werden.
- Ungeöffnete, luftdicht verschlossene Gläser halten sich an einem kühlen und dunklen Ort mindestens zwölf Monate.
Kleine Warenkunde und Hausmittel
- Alle Hagebuttenarten sind essbar, unterscheiden sich aber im Geschmack.
- Hagebutten und Schlehen enthalten ein Vielfaches an Vitamin C verglichen mit Zitrusfrüchten. Sie sind beliebte Hausmittel - möglichst frisch ernten und nur schonend erhitzen, da Vitamin C hitzeempfindlich ist.
- Traditionell werden die Wildfrüchte nach altem Wissen gesammelt, möglichst nicht alle Früchte entnehmen, damit Vögel und andere Tiere im Winter ebenfalls eine Nahrung finden.
Mit diesem Rezept gelingen sowohl Einsteiger als auch erfahrene Wildobst-Sammler eine fruchtig-säuerliche Marmelade, die durch ihre Vielseitigkeit und gesunde Inhaltsstoffe punktet. Der natürliche Vitamin-C-Schub für den Winter, das besondere Aroma und die Erfahrung des eigenen Sammelns machen die Hagebutten-Schlehen-Marmelade zu einem wahren Highlight in jeder Vorratskammer.
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