Glasur für Ton: Herstellung und Anwendung im Detail

Unbehandelte, ganz natürliche Töpferware ist schön. Aber häufig ist beim Töpfern doch die Farbe erst das Salz in der Suppe. Gerade für Einsteiger lohnt sich ein gezielter Blick auf Glasurtypen wie Botz Glasuren. Die Glasur ist ein wichtiges Gestaltungselement, das die Oberfläche schützt, wasserdicht macht und dekorative Effekte hervorbringt.

Keramische Glasur - Oberflächenbeispiel

Was ist eine Glasur?

Eine Glasur ist eine glasartige, meist farbige Schicht, die nach dem Brand auf der Keramik entsteht. Während des Brennens bildet das enthaltene Siliziumoxid Glas, wodurch eine glasartige Schicht entsteht. Sie schützt die Oberfläche, macht sie wasserdicht und sorgt für eine ansprechende Optik, indem sie der Oberfläche einen bestimmten Farbton, Muster oder Glanz verleiht.

Funktion und Bedeutung der Glasur

  • Schutz vor Wasser und Verschmutzung
  • Gestaltung dekorativer Effekte wie Farben und Muster
  • Erhöhung der Haltbarkeit der Töpferware
Glasurauftrag in der Keramik - Beispielvideo

Herstellungsarten und Glasurtypen

Beim Glasieren spielen viele Faktoren eine Rolle, z.B. die Brenntemperatur, die Beschaffenheit des Tons und die Kombination der Farben. Wer Keramik selbst herstellt oder bemalt, stellt sich früher oder später die Frage: Welche Glasur passt zu welchem Ton? Denn nicht jede Glasur funktioniert auf jedem Ton gleich gut - chemisch wie optisch.

Flüssigglasur

Flüssigglasuren sind bereits fertig angemischt und man kann sofort loslegen. Sie lassen sich sehr leicht verarbeiten, indem man sie entweder zwei bis drei Mal mit dem Pinsel aufträgt oder verdünnt über das Stück gießt. Die Farben tropfen nicht, sehen immer ziemlich exakt aus wie auf der Farbkarte und haben eine etwas zu hohe Temperatur bei meinem letzten Hochbrand problemlos weggesteckt. Flüssigglasuren, die bei der gleichen Temperatur gebrannt werden, können miteinander vermischt und übereinander aufgetragen werden, um verschiedene Muster und Farbtöne zu erzielen.

Auftragen von Flüssigglasur

  1. Glasur auf die rohgebrannte, trockene und staubfreie Töpferarbeit mit einem breiten, weichen Borstenpinsel auftragen.
  2. Die Glasur möglichst gleichmäßig und eher dünn auftragen.
  3. Nach dem Trocknen weitere Schichten quer zum darunterliegenden Auftrag aufbringen.
  4. Für Färbungen und Muster kann Klebeband verwendet und verschiedene Glasuren kombiniert werden.

Pulverglasur

Pulverglasur ist in der Regel günstiger als Flüssigglasur, enthält dafür aber auch kein Stellmittel und kein Haftmittel. Sie wird mit Wasser angerührt und durch ein Sieb gegeben, um Klümpchen auszuschließen. Besonders bei vielen oder großen Stücken ist Pulverglasur praktisch, da man sie in großer Menge anrühren und über die geschrühte Ware schütten kann. Die Farbe kann bei Pulverglasuren unterschiedlich ausfallen, weshalb Experimente und genaue Dokumentation wichtig sind.

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Auftragen von Pulverglasur

  • Tauchverfahren: Die Töpferarbeit wird in die flüssige Glasur getaucht.
  • Ausgeschwenkt: Flüssige Glasur wird in das Gefäß gegeben, herumgeschwenkt und wieder ausgegossen.
  • Spritzen: Glasur kann mit einer Spritzpistole in einer Spritzkabine aufgetragen werden.
  • Pinselauftrag: Nach Mischung und Siebung kann Pulverglasur auch mit Pinsel verwendet werden.
Glasurarten - Vergleich von Flüssig- und Pulverglasur
Typ Vorteile Nachteile Typische Anwendung
Flüssigglasur Schnelle Verarbeitung, gleichmäßiger Auftrag, kombinierbar Teurer, begrenzte Menge Kleine bis mittlere Stücke, Farbexperimente
Pulverglasur Günstiger, große Mengen mischbar Nachmischen nötig, Farbe nicht immer exakt Großflächige Töpferwaren, Serienproduktion

Techniken des Glasierens: Schritt für Schritt

Um eine Schüssel oder andere, eher großflächige Töpferwaren gleichmäßig mit Farbe zu überziehen, werden sie in aller Regel glasiert. Die Glasur wird am einfachsten aufgetragen, indem man sie über das Werkstück gießt. Dabei muss man die Glasur zuerst nach Anleitung anrühren und sie durch ein Sieb geben, um Klümpchen zu vermeiden. Im Idealfall bleibt ein gleichmäßiger Glasurüberzug zurück.

Verwendung von Spritzkabinen und Besonderheiten

Profis verwenden für einen noch gleichmäßigeren Farbauftrag eine Spritzkabine, in der die Glasur mit einer Spritzpistole aufgetragen wird. Dann kann sich innen eine Luftblase bilden, so dass nicht überall Farbe ankommt - besonders zu beachten beim Gießen in Gefäße.

Das Einbrandverfahren und Kombination mit Ton

Klassischerweise werden Töpferwaren glasiert, nachdem sie den Rohbrand unbeschadet überstanden haben und von sämtlichen Fett- und Staubresten befreit sind. Als Alternative gibt es das sogenannte Einbrandverfahren, bei dem der Rohbrand ausgelassen und die Arbeit direkt glasiert wird, wenn sie durchgetrocknet ist. Wichtig ist, dass die Ware eine ausreichend hohe Trockenbruchfestigkeit besitzt und nicht beschädigt wird, wenn sie beim Glasieren erneut aufquillt.

Welche Glasur passt zu welchem Ton?

Der Schlüssel liegt in der Brenntemperatur und der chemischen Zusammensetzung. Steinzeugton braucht andere Glasuren als Irdenware. Empfohlene Matt- und Effektglasuren (z.B. transparente Glasur) eignen sich für verschiedene Tonarten. Die Kombination aus Ton und Glasur macht Keramik einzigartig. Bei der Auswahl sollte auf die Herstellerangaben zu Brenntemperatur und Anwendungshinweisen geachtet werden. Naturfarben und Türkis in allen Variationen sind besonders beliebt.

Keramikton und Glasur - Farbabstimmung

Herstellung eigener Glasuren

Do it yourself. Glasuren selber machen - wie geht das? Wieviel Arbeit ist das? Muss ich dafür ein Chemie-Genie sein? Im Ernst, den Aufwand sehe ich ähnlich wie beim Aufziehen eines Gemüsegartens. Beim Glasuren entwickeln ist ein gewisses Maß "Fleißarbeit" nötig. Hauptaufgabe bei der Entwicklung einer Glasur ist die Auswahl geeigneter Rohstoffe und die Feinabstimmung der Gewichtsanteile.

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Rezepturen und Rohstoffe

  • Quarzmehl (SiO2) und Kaolin (Al2O3*2SiO2) sind wichtige Grundstoffe
  • Flussmittel senken den Schmelzpunkt (z.B. Lithium, Talkum)
  • Glasurenrezepte aus Büchern oder Internet auswählen
  • 100-Gramm-Proben einwiegen und brennen - Ergebnisse genau dokumentieren
Rohstoff Funktion im Schmelzprozess Beispiel
Quarzmehl Bildet Glas SiO2
Kaolin Stabilisierung, Viskosität Al2O3*2SiO2
Flussmittel Schmelzpunkt senken Talkum, Lithium

Wichtige Hinweise für das Glasieren

  • Glasuren nicht mit lufttrocknendem Ton verwenden - alternative Versiegelung mit Acrylfarben oder Klarlack möglich
  • Experimente schriftlich festhalten - Dokumentation für Wiederholung von gelungenen Ergebnissen enorm wichtig
  • Musterplatten zum Testen nutzen
  • Im oberen Temperaturbereich nicht zu schnell brennen, damit die Tonmasse ausgasen kann, bevor die Glasur schmilzt
Glasurrezept mit Musterplatten

Kreativität und Praxis: Beispiele und Tipps

Beim letzten Brand habe ich angefangen, die Glasuren fotografisch zu dokumentieren. Am Anfang habe ich es mir immer nur in einem Buch notiert, konnte hinterher dann aber oft die Glasur nicht mehr zuordnen. Es ist super wichtig, Experimente schriftlich festzuhalten! Die Teile wurden fast alle (bis auf eine Ausnahme) bei 1240 Grad gebrannt. Hier ist die Glasur ein wenig gelaufen, aber das gefällt mir super gut, weil es diese gerade Form etwas auflockert. Genutzt wurden Glasuren von Botz wie “Sonnenfeuer” (unten) und “Morgentau” (oben). Morgentau ist meine Lieblingsglasur.

Alles Liebe, seid kreativ! Do it yourself.

Keramikprojekte mit verschiedenen Glasuren

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