Gesundheitliche Wirkungen und Eigenschaften von Galactose
Galactose, auch Galaktose geschrieben und häufig als D-Galactose bezeichnet, ist ein natürlich vorkommendes Monosaccharid (Einfachzucker) und wird auch als Schleimzucker bezeichnet. Sie ist ein Kohlenhydrat und zählt zur Gruppe der Einfachzucker, auch Monosaccharide genannt, zu der unter anderem auch Glucose gehört. Wenn einfach nur Galactose gesagt oder geschrieben wird, ist damit immer die D-Galactose gemeint.
Biochemische Grundlagen und Vorkommen
Galactose ist ein einfaches Zuckermolekül, das in der Natur häufig in Verbindung mit anderen Zuckern wie Glucose vorkommt. Sie ist Bestandteil von Lactose, dem Hauptzucker in Milch, und kommt in vielen Lebensmitteln vor. Galactose liegt überwiegend als gebundener Zucker in Laktose vor, die vor allem in Milch und Milchprodukten wie Joghurt, Käse und Sahne enthalten ist. Daneben ist D-Galactose auch Bestandteil von Oligo- und Polysacchariden und kommt daher in bestimmten Hülsenfrüchten, wie Soja und Sojaprodukten, sowie in geringen Mengen in Früchten, wie Heidelbeeren, Ananas und Honigmelonen, vor.
Unser Körper produziert täglich etwa ein bis zwei Gramm D-Galactose. Der Körper kann Galactose selbst herstellen, auch wenn über die Ernährung keine Galactose zugeführt wird. Das ist wichtig, weil Galactose ein Baustein vieler Zellstrukturen ist und deshalb ständig in kleinen Mengen benötigt wird. Galactose wird im Dünndarm sehr schnell aufgenommen. Dafür nutzt der Körper einen speziellen Transportmechanismus, der auf Natrium angewiesen ist und Energie verbraucht. Dass Galactose gemeinsam mit Glucose über denselben Transportweg aufgenommen wird, erklärt auch die seltene Glucose-Galactose-Malabsorption.
Aufnahme, Transport und Stoffwechsel
Nach Aufnahme gelangt Galactose insulinunabhängig in die Zellen. Galactose kann ohne Insulin direkt in die Zellen transportiert werden. Nach der Aufnahme aus der Nahrung gelangt sie über den SGLT1-Transporter vom Darm in die Blutbahn. Über die Pfortader wird D-Galactose dann in die Leber transportiert, wo sie über den GLUT2-Transporter in die Leberzellen gelangt. In der Leber wird ein Teil der D-Galactose über den Leloir-Stoffwechselweg zu Glukose umgewandelt, welche dann zur Energiebereitstellung genutzt wird. Nur ein geringer Anteil der entstandenen Glukose gelangt ins Blut, wodurch der Blutzuckerspiegel nur minimal ansteigt.
Ohne Nahrungszufuhr findet sich praktisch keine freie Galactose im Blut. Galactose wird erst dann von den Zellen aufgenommen, wenn der Galactosespiegel im Blut einen bestimmten Pegel erreicht hat. Galactose stellt eine natürliche Energiequelle mit einem niedrigen glykämischen Index (GI=20) bereit, die unserem Gehirn dabei Unterstützung bieten kann, die Konzentration und Gedächtnisleistung zu verbessern.
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Physiologische Funktionen und Baustoffeigenschaften
Galactose dient - nach ihrer Umwandlung in Glucose - als Energiequelle für nahezu alle Körperzellen. Eine zentrale Rolle spielt Galactose bei der Bildung von Lactose (Milchzucker) in der Brustdrüse. Galactose wirkt somit nicht nur als Energielieferant, sondern ist auch ein Baustein für zahlreiche Zell- und Gewebestrukturen. So ist der Zucker beispielsweise Bestandteil der Zellmembranen oder auch der sog. Cerebroside - Bestandteile der Nervenzellen und der weißen Substanz des Gehirns.
Sie wird in Schleimhäuten, Zellmembranen, Nervenzellen und der weißen Gehirnsubstanz eingebaut und trägt so zu den normalen Körperfunktionen bei. Galactose ist nicht nur ein Energielieferant, sondern auch ein wichtiger Baustein für verschiedene Körperfunktionen. Es ist Bestandteil von Glykoproteinen, die eine wichtige Rolle bei der Zellkommunikation spielen.
Gesundheitliche Vorteile: Energieversorgung, Gehirn und Stoffwechsel
Aufgrund ihres niedrigen glykämischen Index (23) erhöht D-Galactose kaum den Blutzuckerspiegel. Die insulinunabhängige Verarbeitung von D-Galactose zu Energie ist besonders für Menschen mit Insulinresistenz vorteilhaft. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen nur noch schlecht auf Insulin. Dadurch kann Glucose nicht mehr richtig in die Zellen gelangen und dort als Energie genutzt werden. D-Galactose umgeht dieses Problem.
Die insulinunabhängige Verstoffwechselung von D-Galactose wird als Entlastung der Bauchspeicheldrüse gesehen. Bei einem sehr hohen Zuckerkonsum wird die Bauchspeicheldrüse stark beansprucht; durch die insulinunabhängige Verstoffwechselung von D-Galactose wird die Bauchspeicheldrüse geschont.
Da D-Galactose ein essenzieller Bestandteil der Nervenzellen und der weißen Gehirnsubstanz ist, wird ihr eine unterstützende Funktion bei der Gehirnleistung und Konzentrationsfähigkeit nachgesagt. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unseres Gehirns. Es wird angenommen, dass sie zu einer normalen kognitiven Funktion sowie zu einer gesunden Gedächtnisleistung beiträgt. Daher ist die D-Galactose umgangssprachlich auch als „Hirnzucker“ bekannt.
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Galactose versorgt die Zellen (auch im Gehirn) mit Energie, aber nur dann, wenn sie auch in der empfohlenen Menge aufgenommen wird. Der Galactose-Blutspiegel muss also eine bestimmte Konzentration erreichen. Galactose ist also ein schneller Energiespender und wird daher auch gerne bei Leistungstiefs als Muntermacher oder auch im Sport verwendet.
Therapeutische Einsatzgebiete und Forschung
Die Verwendung von Galactose in der Diabetes-Therapie hat sich bereits über einen langen Zeitraum hinweg bewährt. Schon in den 1930er Jahren kam der sogenannte Hirnzucker von Ärzten der Berliner Charité als Zuckerersatz für Diabetiker zum Einsatz. Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme von D-Galactose eine positive Wirkung bei Diabetes haben kann und das Monosaccharid als alternative Energiequelle zu Glukose für Diabetiker dienen kann. Bei einer Diabetes-Erkrankung wird nicht mehr ausreichend Glukose zur Zelle gebracht, was einen Hungerzustand hervorruft. Da Galactose nicht auf Insulin angewiesen ist, kann der Einfachzucker diesen Zustand beheben.
Blutzucker- und neurodegenerative Erkrankungen: Hier könnte der Einsatz von D-Galactose ein bedeutender Therapieansatz sein, da sie eine insulinunabhängige Energieversorgung des Gehirns gewährleistet und somit der schwindenden Gedächtnisleistung entgegenwirken kann. In einem Tierexperiment konnten durch die Zugabe von D-Galactose in das Trinkwasser das Energiedefizit der Zellen behoben und die kognitiven Leistungen der Tiere erheblich verbessert werden.
Der renommierte Biochemiker Prof. Dr. Werner Reutter untersuchte die Effekte von Galaktose bei Demenz und setzte sich für weitere klinische Studien ein. In Zusammenarbeit mit Pharmakologen belegte er, dass Tiere, deren Insulinrezeptoren im Gehirn chemisch blockiert sind und die über Trinkwasser Galaktose erhielten, ihr Erinnerungsvermögen nicht verloren. Vergleichstiere ohne Galactosezufuhr hingegen fanden den Weg zu ihrem Futternapf nicht mehr.
Krebstherapie: Verschiedene Studien haben darauf hingewiesen, dass D-Galactose eine Rolle bei der Tumorprogression mancher Krebsarten spielen könnte. Hierzu wurden Versuche durchgeführt, in denen man Glucose als Nährmedium der Krebszellen durch D-Galactose ersetzte. Anschließend konnte man beobachten, dass die Vermehrung der Krebszellen stoppte. Dieses Gebiet muss jedoch noch eingehender erforscht werden.
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Weitere positive Effekte: Zahngesundheit, Schlaf und Darm
Zahngesundheit: Im Vergleich zu Haushaltszucker kann D-Galaktose die Säurebildung und das Wachstum bestimmter Bakterien im Mund hemmen. Forscher haben in einer Studie belegen können, dass Galactose die Bildung von Biofilm durch kariesauslösende Bakterien (Streptococcus mutans) reduzieren kann. Galactose hat die Eigenschaft, sich an den Rezeptoren des sog. Zahnoberhäutchens (Pellikels) anzuheften und so zu verhindern, dass sich dort schädliche Bakterien anheften.
Verbesserung der Schlafqualität: Durch die Reduzierung der Blutzuckerschwankungen werden auch die nächtlichen Schwankungen des Insulinspiegels reduziert, was sich positiv auf unsere Schlafqualität auswirken kann.
Darmgesundheit: Es gibt Hinweise darauf, dass D-Galactose die Darmgesundheit fördern kann. Sehr große Mengen Galactose können abführend wirken, weil der Körper überschüssige Galactose nicht vollständig aufnehmen kann. Die nicht resorbierte Galactose verbleibt dann im Darm und zieht Wasser an - ähnlich wie andere Zuckeralkohole oder schlecht verdauliche Zucker.
Sicherheitsaspekte, Nebenwirkungen und genetische Störungen
Galactosämien sind seltene, angeborene Störungen des Galactosestoffwechsels. Sie entstehen durch Veränderungen in den Genen für drei Enzyme, die am Abbau der Galactose beteiligt sind: GALK, GALT, GALE. Die Galaktosämie ist ein seltener Gendefekt, der etwa 1 von 40.000 Säuglingen betrifft. Betroffenen Menschen fehlt ein Enzym, das zum Abbau der Galactose erforderlich ist. Die Galactose reichert sich daher im Blut an und erreicht dort eine zu hohe Konzentration. Die Galaktosämie ist angeboren und nicht heilbar. Menschen mit einer Galaktosämie müssen ihr Leben lang strikt auf ihre Ernährung achten und Lebensmittel mit Galactose vermeiden.
Bei einer anderen seltenen Form fehlt das Enzym Galactokinase. Dadurch steigt die Galactosekonzentration im Blut, und ein Teil wird über den Urin ausgeschieden. Das ist die häufigste und schwerste Form der Erkrankung. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein.
Galactose kann insbesondere dann Nebenwirkungen haben, wenn man sie regelmäßig in hohen Dosen einnehmen würde. Dann kann sie unter anderem zu Durchfall führen. Dazu wird den bedauernswerten Tieren wochenlang täglich Galactose injiziert; die Galactose verursacht sodann Funktionsstörungen der Mitochondrien, oxidativen Stress und Entzündungen und führt zu einer verstärkten Apoptose. Diese Wirkung soll jedoch nur einsetzen, wenn Galactose injiziert wird oder wenn man dauerhaft täglich zu viel Galactose zu sich nimmt (mehr als 50 g täglich).
Anwendung, Dosierung und praktische Hinweise
Die Tagesdosis beträgt 3-mal täglich 1 TL Galactose, was 9 bis 12 g entspricht. Eine wirksame Dosis von 10 g pro Tag ist allerdings nur schwer über unsere übliche Ernährung zu erreichen, weshalb eine Substitution in bestimmten Lebenssituationen durchaus empfehlenswert sein kann. D-Galactose Pulver ist eine beliebte Form, in der dieser besondere Zucker als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird. Es ist in der Regel hochrein und frei von Zusatzstoffen. Entsprechende Nahrungsergänzungsmittel sollten etwa eineinhalb Stunden vor einer Mahlzeit oder danach eingenommen werden. Zu diesen Zeitpunkten befindet sich der Insulin-Spiegel in einer Art Ruhezustand und Galactose Pulver kann seine Wirkung am besten entfalten.
Galactose schmeckt nur schwach süß. Wenn Sie es süßer mögen, geben Sie Goviosid hinzu, einen Zuckerersatz aus Erythrit und Stevia, der null Kalorien hat und genauso süßt wie Haushaltszucker. Galactose ist nicht gut hitzeverträglich und sollte daher nicht zum Kochen und Backen verwendet werden.
Es ist ratsam, vor der Einnahme einen Arzt zu konsultieren, besonders wenn man unter chronischen Erkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt. Zur Einnahme in der Schwangerschaft liegen noch keine Studien vor, so dass wir Galactose in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht regelmäßig nehmen würden. Bei gesunden Kindern gibt es keinen Grund für die Einnahme von Galactose. Wenn Ihr Kind aber Diabetes hat, kann es in kleinen Mengen Galactose erhalten, wenn damit Getränke gesüßt werden sollen.
Lebensmittel mit Galactosegehalt
Die nachfolgende Tabelle ermöglicht einen Überblick der Galactose-Gehalte in verschiedenen Lebensmitteln.
| Lebensmittel | Galactose-Gehalt (mg/100 g) |
|---|---|
| Rohmilch (Kuh) | 8,3 |
| Vollmilch (Kuh), mind. 3,5 % Fett | 9,5 |
| Sterilmilch (Kuh) | 18,0 |
| Cheddar, 50 % Fett i. Tr. | 55,0 |
| Sahnejoghurt | 800 |
| Joghurt, mind. 3,5 % Fett | 1.150 |
| Bitterschokolade | 56 |
| Buttermilch | 52,6 |
| Papaya | 28 |
| Tomaten | 23 |
| Milch | 23 |
| Sojasoße | 21 |
| Wassermelone | 15 |
| Datteln | 11,5 |
| Bananen | 9,2 |
Wer sollte Galactose meiden oder vorsichtig einsetzen?
Nicht geeignet ist Galactose für Veganer (abhängig von der Herstellungsquelle) und Menschen mit angeborener Galactosämie. Menschen mit Lactoseintoleranz reagieren auf Lactose mit Beschwerden, nicht aber auf Galactose. Obwohl reine D-Galactose ein Destillat aus Molke ist, sollten die verschwindend geringen Restmengen von Lactose (<0,5-1%) keine Probleme für lactoseintolerante Anwender verursachen.
Forschungsperspektiven und offene Fragen
Die Forschung zeigt vielversprechende Ansätze: Tierversuche belegten Schutz vor kognitiven Defiziten durch orale Galactosegabe, und experimentelle Befunde legen nahe, dass Galactose in speziellen Kontexten therapeutisch genutzt werden könnte. Klinische Studien am Menschen gibt es zu dieser Thematik derzeit leider noch keine. Dieses Gebiet muss noch eingehender erforscht werden, insbesondere die Langzeitwirkung, optimale Dosierungen und mögliche Interaktionen mit anderen Therapien.
Erkenntnisse aus der Neurobiochemie u. a. von Dr. Kurt Mosetter zeigen, dass zahlreiche scheinbar unterschiedliche Erkrankungen gemeinsame Ursachen haben. Dabei spielen der Insulinstoffwechsel und die Insulinresistenz eine tragende Rolle für das Verständnis von Frühveränderungen in ganz verschiedenen Organen. Galactose kann vom Körper insulin-unabhängig aufgenommen werden. Sie kann den zellulären Versorgungsengpass und die Insulinresistenz über einen Umgehungsweg nutzen und fördert so Aufmerksamkeitsprozesse und Kognitionsleistungen.
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