Gesunder Kakao-Ersatz: Carob, ChoViva & weitere Alternativen

Schokolade lieben wir alle, aber nicht immer passt echter Kakao zu Ernährung, Klima oder Verträglichkeit. Es gibt verschiedene Alternativen zu Kakao - von traditionellem Carob-Pulver bis zu modernen, kakaofreien Herstellungsverfahren mit Sonnenblumenkernen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, was Carob ist, welche Nährstoffe er liefert, wie er sich kulinarisch einsetzen lässt, welche neuen kakaofreien Produkte es gibt und worauf man beim nachhaltigen Schokogenuss achten sollte.

Was ist Carob (Johannisbrot)?

Es gibt sie wirklich. Die gesunde, vegane Alternative zu Schokolade. Das geheimnisvolle, braune Pulver wird aus den getrockneten Früchten des Johannisbrotbaumes gewonnen. Carob-Früchte wachsen am Johannisbrotbaum, der auch Karubenbaum oder Karobbaum genannt wird. Das Fruchtfleisch der Carob-Früchte ist erst weich und wunderbar süß, später wird es hart. Die geerntete Frucht kann frisch oder getrocknet gegessen werden. Ein Teil wird auch zu Pulver gemahlen. Dazu wird die Frucht gereinigt, aufgebrochen und zerkleinert. Das bekannteste Produkt bei uns ist momentan wohl noch das Johanisbrotkernmehl. Aber auch das braune Carob-Pulver wird immer beliebter.

Carob Früchte am Johannisbrotbaum

Geschmack, Eigenschaften und Nährstoffe von Carob

Carob-Pulver ähnelt in Farbe, Konsistenz und Verwendbarkeit Kakaopulver, ist aber süßer und dabei viel weniger bitter. Carob-Pulver ist absolut vegan. Fast wie Kakao - Carob-Pulver ist aber viel gesünder, kalorienärmer und enthält keine anregenden Stoffe. Im Gegensatz zu Kakao enthält Carob kein Koffeein oder Theobromin. Carob enthält so gut wie kein Fett oder Natrium, versorgt dich dafür aber mit einer ganzen Reihe an Ballaststoffen. Zusammen mit dem natürlich enthaltenen Zucker liefern sie relativ wenig Kalorien. Ungefähr 255 Kalorien pro 100 g. Dazu kommen Beta-Carotin und wertvolle Mineralstoffe wie Calium und Eisen.

Kulinarische Verwendung von Carob

Es enthält jede Menge Nährstoffe und wenn man weiß, wie man es am besten verwendet, lassen sich damit viele leckere Sachen zubereiten. Du kannst aber auch eine gute Nougatcreme oder heiße Schokolade mit Carob-Pulver machen. Carobpulver kann in einer Vielzahl von Rezepten eingesetzt werden, darunter Backwaren, Desserts, Smoothies und heiße Getränke. Wir haben am Ende des Beitrags ein tolles Rezept für leckere Brownies für euch.

Carob Pulver in Schüssel

Ein einfaches Brownie-Rezept mit Carob

Zutaten: 2 EL Carob Pulver, 2 Eier, 6 EL Zucker, Vanillezucker, 125 g Butter. Ca. Butter über Wasser schmelzen und zum Teig dazugeben. Teig in eine Kastenform oder auf ein Blech gießen und bei ca. Brownies aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

Lesen Sie auch: Apfelstrudel ohne Zuckerzusatz

Kakao: Nährstoffe, Problematik und Tipps

Kakao ist eine gute Quelle für Magnesium, Kalium, Eisen, Zink, Kupfer sowie einige Vitamine. Kakao ist besonders reich an antioxidativen Flavanolen, die die freien Radikale im Körper bekämpfen und unsere Körperzellen somit vor Schäden und frühzeitiger Alterung schützen. Außerdem zählt Kakao zu einer der größten pflanzlichen Magnesiumquellen für Muskel- und Knochenaufbau, Gehirnleistung und Stoffwechsel. Auch der hohe Calciumgehalt in Kakao macht diesen zu einem gesunden Superfood. Neben Calcium steckt auch jede Menge Eisen in rohem Kakao. Flavonoide: Kakao ist reich an Flavonoiden, insbesondere Flavanolen wie Epicatechin und Catechin. Diese Antioxidantien tragen dazu bei, die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems zu verbessern, indem sie den Blutdruck senken, die Durchblutung fördern und die Gefäßfunktion unterstützen.

Der Inhaltsstoff Theobromin wird zudem mit einem Anti-Aging-Effekt verknüpft. Theobromin ist ein Alkaloid, das strukturell mit Koffein verwandt ist, aber mildere stimulierende Effekte hat. Kakao enthält auch Koffein, wenn auch in geringeren Mengen als Kaffee oder Tee. Koffein wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem, erhöht die Wachsamkeit und kann die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Phenylethylamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn freigesetzt wird und eine Rolle bei der Regulation der Stimmung und des Gefühls von Freude und Wohlbefinden spielt. Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure, die im Körper in Serotonin und Melatonin umgewandelt wird. Diese Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Schlaf und Stimmung.

Warum nach Alternativen zum Kakao gesucht wird

Die Welt hat aktuell mit einer schweren Kakaokrise zu kämpfen, die durch explodierende Preise gekennzeichnet ist. Wir merken es alle an der Supermarktkasse: Schokolade wird immer teurer. Hintergrund sind die Auswirkungen der Klimakrise auf den Kakaoanbau. Extremwetterereignisse und Krankheiten vernichten ganze Ernten. Im Mittelpunkt dieser Situation stehen die verheerenden Auswirkungen der schwarzen Schotenkrankheit. Diese Pilzkrankheit verwüstet Kakaoplantagen auf der ganzen Welt und führt zu erheblichen Ernteeinbußen. Einer der Gründe für diese Kakaokrise ist unter anderem El-Nino. Diese extremen Wetterbedingungen schwächen die Kakaobäume und machen sie anfälliger für Krankheiten.

Cadmium ist ein Schwermetall, das natürlicherweise in Böden vorkommt und von Kakaopflanzen während des Wachstums aufgenommen werden kann. Der Cadmiumgehalt in Kakao ist zu einem wichtigen Thema geworden, da hohe Konzentrationen dieses Metalls gesundheitsschädlich sein können. Hohe Cadmiumkonzentrationen im Körper können zu Nieren- und Knochenschäden führen und werden mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

Moderne kakaofreie Alternativen: ChoViva & Co.

Was also, wenn man Schokolade ohne Kakao herstellen könnte? Tatsächlich gibt es bereits erste Unternehmen, die alternative Zutaten verwenden. Die Marke ChoViva, die vom Münchener Start Up Planet A Foods hergestellt wird, nutzt heimische Sonnenblumenkerne. Diese werden fermentiert und anschließend geröstet - ähnlich wie die Kakaobohnen. Anschließend werden die Kerne gemahlen, mit pflanzlichen Fetten, Zucker und gegebenfalls Milchpulver vermischt und über mehrere Stufen weiter vermahlen, conchiert und gewalzt, bis die Konsistenz normaler Schokolade ähnelt.

Lesen Sie auch: Dattelsirup: Vor- und Nachteile

ChoViva ist die weltweit erste Schokoladenalternative ganz ohne Kakaobohnen - und ein echtes WOW für alle Schokoladenfans. Statt Kakao aus den Tropen stecken gemahlene Sonnenblumenkerne drin, die in Europa gedeihen. So entsteht ein überraschend schokoladiges Geschmackserlebnis, das jeden Bissen zu einem besonderen Moment macht. ChoViva wird aus 100% natürlichen Zutaten hergestellt: Mindestens 20 % gemahlene Sonnenblumenkerne, pflanzliche Fette, Zucker, wahlweise Milchpulver oder Sonnenblumenkernmehl (vegane Version).

ChoViva Riegel und Sonnenblumenkerne

Herstellungsprinzip von ChoViva

  1. Alles beginnt mit ausgesuchten natürlichen Grundzutaten: Sonnenblumenkerne, Zucker und pflanzliche Fette.
  2. Zunächst werden die Sonnenblumenkerne ähnlich dem Fermentationsprinzip alter Bierbrau-Tradition veredelt und im Anschluss schonend geröstet.
  3. Im nächsten Schritt werden diese Bestandteile zu einem Konzentrat verarbeitet; so entwickelt sich der typisch schokoladige Charakter, der an Kakaopulver erinnert.
  4. Das ChoViva-Konzentrat wird mit ausgesuchten, natürlichen Zutaten in zwei Stufen gemahlen. Diese Grundmasse wird so lange conchiert und gewalzt, bis der zart-feine ChoViva-Schmelz entsteht.

Wie schmecken kakaofreie Produkte und wo gibt es sie?

Der Geschmack variiert je nach den verwendeten Zutaten. Einige Produkte punkten mit einem milden, cremigen Geschmack. Andere Schokoladen sind aufgrund der Verwendung von Nüssen oder anderen Geschmackszutaten eher intensiv. Süß sind sie aber alle und Schokoladenliebhaber:innen kommen sicher auf ihren Geschmack. Produkte mit Schokolade von ChoViva gibt es mittlerweile in mehreren Supermärkten, unter anderem bei Rewe, Penny und Kaufland. Dabei findet man nicht mehr nur Schokolade, sondern eine riesige Vielfalt an Produkten wie Kekse, Nussecken oder Dominosteine.

Nachhaltigkeit: Chancen und Grenzen der Alternativen

So köstlich eine Schokoladentafel aus echtem Kakao auch ist, der Weg zum Endprodukt ist geprägt von ökologischen und sozialen Problemen. Der Anbau von Kakao ist weltweit einer der größten Entwaldungstreiber. Naturzerstörung, hoher Pestizideinsatz, damit verbundener Verlust der Artenvielfalt oder Wasserverschmutzungen, die Liste der Auswirkungen auf die Umwelt ist lang. Auch soziale Aspekte wie niedrige Löhne, Ausbeutung und Kinderarbeit sind ein großes Problem. So gesehen bietet die Schokolade aus dem Labor eine ökologische Alternative. Kein Pestizideinsatz, keine Entwaldung und statt Kakaobohnen zur Röstung und Weiterverarbeitung einmal um die halbe Welt zu transportieren, hat man durch Zutaten wie Sonnenblumenkerne oder Hafer kurze Transportwege.

Klar ist aber auch - für die Kleinbäuerinnen und -bauern vor Ort ist dies keine Lösung. Sie brauchen faire und existenzsichernde Preise und Unterstützung, um ihre Anbausysteme nachhaltiger und damit resilienter gegen die Klimakrise zu machen. Und das gelingt nur durch eine nachhaltige Transformation des Kakaosektors.

Was darf überhaupt Schokolade heißen?

Wussten Sie, dass Schokolade ohne Kakao gar nicht Schokolade heißen darf? Welche Produkte Schokolade genannt werden dürfen, regelt die Definition der EU. Gemäß dieser muss Schokolade mindestens 35 Prozent Kakaoanteil enthalten (Kakaomasse und/oder Kakaobutter). Für jede Art von Schokolade, wie zum Beispiel dunkle Schokolade, Milchschokolade oder weiße Schokolade, werden nochmal unterschiedliche Anforderungen an den Kakaogehalt festgelegt.

Lesen Sie auch: Honig oder Marmelade – Welche Wahl ist besser für Ihre Gesundheit?

Praktische Tipps für nachhaltigen und bewussten Schokogenuss

  • Nachhaltigkeitssiegel - die Mischung macht's: Bei Siegeln am besten auf den Kauf von Bio-Schokolade in Kombination mit anderen Siegeln wie Fairtrade und Rainforest Alliance achten.
  • Wertschöpfung vor Ort fördern: Achten Sie beim Kauf von Schokolade auf Initiativen, bei denen der Großteil der Wertschöpfung vor Ort stattfindet, das heißt, die Schokolade wird in den Anbauländern selbst hergestellt, zum Beispiel Fairafric in Ghana oder Paccari in Ecuador.
  • Genießen Sie Schokolade in Maßen und schätzen Sie sie wert: Schokolade ist ein besonderes Luxusgut.
  • Informieren Sie sich und teilen Sie Ihr Wissen: Fragen Sie bei Ihrem Lieblingsschokoladenhersteller nach, ob die Schokolade fair ist. Fairhandelsorganisationen wie zum Beispiel GEPA gehen über die Fairtrade-Standards hinaus.
Herstellungsprozess von kakaofreier Schokolade (Fermentation & Röstung)

Rezeptideen ohne oder mit wenig Zucker

Diese einfache und wunderbar cremige Trinkschokolade ist im Nu selbstgemacht. Der gesunde Schoko-Drink kommt ohne Industriezucker & Milch aus und ist damit auch vegan und laktosefrei. Mandeln sorgen für die üppige Textur, roher Kakao für den Schokogeschmack und Hafermilch für den zarten Schaum. Mandeln sind eine hervorragende Quelle für gesunde Fette, Eiweiß und Ballaststoffe, sowie reich an Magnesium, Vitamin E und weiteren Mikronährstoffen. Mandelmus sorgt in unserer heißen Schokolade für die cremige, üppige Textur.

▢ 2 EL Mandelmus (alternativ ganze Mandeln) ▢ 400 ml Barista Haferdrink (alternativ Mandel- oder Nussdrink) ▢ 3 EL Kakaopulver (ungezuckert) OPTIONAL ▢ 1 Prise Zimt, Kardamom, Chili etc. Das Mandelmus mit dem Haferdrink, dem Kakao (und den Gewürzen) in einen Hochleistungsmixer geben und zu einem sämigen Drink mixen. Die Mischung einem Topf behutsam erhitzen und mit einem Schneebesen schlagen, dass sie schaumig wird. Ggf. mit Honig oder dem Süßungsmittel eurer Wahl abschmecken. Auf zwei Tassen verteilen.

Fazit (ohne Schlussüberschrift)

Carob stellt eine altbewährte, natürliche Option dar: süßer, koffeinfrei, ballaststoffreich und vielseitig einsetzbar. Moderne kakaofreie Produkte wie ChoViva zeigen, dass technische Innovationen Schokoladengenuss klimaschonender und unabhängiger machen können. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile: Carob punktet mit Natürlichkeit und einfacher Verarbeitung, ChoViva mit Skalierbarkeit und kurzen Lieferketten. Gleichzeitig bleiben echter Kakao und seine Aromen für viele Konsument:innen unverzichtbar. Eine nachhaltige Transformation des Sektors, informierte Kaufentscheidungen und ein bewusster Genuss sind wichtige Wege, um die Süßwarenwelt zukunftsfähig zu gestalten.

tags: #gesunder #kakao #ersatz #alternativen

Populäre Artikel: