Ist Geschirrglasur giftig? Detaillierte Analyse der Risiken und Empfehlungen

Keramikgeschirr wird häufig mit Glasuren versehen, die die Oberfläche verschönern und schützen. Doch farbige Glasuren können Schwermetalle wie Blei oder Cadmium enthalten, die beim Kontakt mit Nahrungsmitteln aus der Keramik herausgelöst werden können. Die Frage, ob Geschirrglasur giftig ist, betrifft daher nicht nur das Design, sondern vor allem die Gesundheit der Verbraucher.

Schwermetalle in Keramikglasuren: Blei und Cadmium

Verbindungen aus Cadmium und Blei finden sich in Glasuren, die für Farbe, Glanz und Brillanz des Geschirrs sorgen. Bleioxid ist ein Flussmittel, das Transparenz und Schmelzbarkeit erhöht, während Cadmiumverbindungen für rote und gelbe Farben und Kobaltoxid für blau genutzt werden. Beim Kontakt mit Lebensmitteln, insbesondere bei sauren Speisen, können diese Schwermetalle in Speisen und Getränke übergehen und so in den menschlichen Körper gelangen.

  • Cadmium und seine Verbindungen sind als krebserregend eingestuft.
  • Blei ist ein starkes Umweltgift, das sich im Organismus anreichert und zu irreversiblen Nervenschäden führen kann.
  • Kobalt kann ebenfalls gesundheitlich bedenklich sein.
Schwermetallübergang aus glasiertem Keramikgeschirr

Faktoren, die die Freisetzung von Schwermetallen beeinflussen

Welche Mengen an Schwermetallen aus der Keramik in das Lebensmittel übergehen, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Chemische Zusammensetzung und Qualität der Glasur
  • Brenntemperatur der Keramik
  • Art des Dekorauftrags (auf oder unter der Glasur)
  • Art des Lebensmittels (z. B. saure Lebensmittel)
  • Dauer des Kontakts zwischen Lebensmittel und Geschirr

Durch hohe Brenntemperaturen sind Porzellan und Steinzeug meist unbedenklicher in Bezug auf die Freisetzung von Schwermetallen, es sei denn, ein Dekor auf der Glasur enthält Schwermetalle.

Beispiel Brenntemperatur und Glasurart

Keramikart Brenntemperatur Glasurgebrauch Risiko Schwermetallfreisetzung
Porzellan Oberhalb 1320°C Weniger Farbglasuren Niedrig
Steinzeug 1100-1300°C Gelegentlich Glasuren erforderlich Gering
Steingut 900-1150°C Glasur notwendig Höher
Gesundheitsrisiken durch Schwermetalle in Keramikgeschirr

Gesundheitliche Risiken durch Schwermetallaufnahme

Die Aufnahme von Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Kobalt kann zu akuten und chronischen Gesundheitsschäden führen.

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  • Eine erhöhte Bleibelastung kann insbesondere bei Kindern irreversible Nervenschäden und Störungen der Hirnfunktionen verursachen.
  • Cadmium kann sich über die Nahrungskette im Körper anreichern und in Leber und Niere konzentrieren. Cadmiumvergiftungen äußern sich zunächst in Form von Durchfall und Erbrechen und können zu Leber- und Herzschädigungen sowie Nieren- und Kreislaufversagen führen.
  • Blei verdrängt Mineralstoffe wie Calcium und reichert sich in Knochen, Leber und Nieren an.

Selbst die Einhaltung der geltenden Regelungen garantiert nicht immer, dass Schwermetallmengen aus der Keramik an Lebensmittel abgegeben werden, die als sicher gelten. „Durch extreme Bleiaufnahmen über Lebensmittel, die längere Zeit in bleilässigen Keramikgefäßen aufbewahrt wurden, können auch heute nicht völlig ausgeschlossen werden“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Grenzwerte und rechtliche Grundlagen

Die Grenzwerte für die Freisetzung von Blei und Cadmium regelt die europäische (Keramik-)Richtlinie (84/500/EWG), die derzeit überarbeitet wird. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Absenkung der gesetzlichen Höchstmengen für Blei und Cadmium.

Das BfR hat duldbare flächenbezogene Freisetzungsmengen für Blei und Cadmium abgeleitet, die deutlich unter den aktuellen gesetzlichen Grenzwerten liegen - bis zu 70fach (Cadmium) bzw. 400fach (Blei).

Element Aktueller Grenzwert (mg/dm²) BfR-Empfehlung (mg/dm²)
Blei 0,8 0,01
Cadmium 0,07 Deutlich niedriger

Die Prüfbedingungen aus der Richtlinie von 1984 entsprechen nach Ansicht des BfR kaum der tatsächlichen Nutzung von Keramikgeschirr, da zum Beispiel der Effekt von Kurzzeitkontakt, Erhitzung, Mikrowellennutzung und jahrelangem Gebrauch nicht berücksichtigt wird.

Wie erkennt man ungiftiges Keramikgeschirr?

Die wichtigste Methode zur Feststellung, ob Keramikgeschirr giftig ist, besteht darin, Material, Aussehen, Beschichtung und Geruch zu beobachten und zu prüfen, ob es bei hohen Temperaturen gebrannt wurde. Bei ungiftigem Keramikgeschirr werden in der Regel hochwertige Naturmaterialien wie Kaolin und Feldspat verwendet, die bei hohen Temperaturen gebrannt werden und mit einer Schicht aus blei- und cadmiumfreier Glasur in Lebensmittelqualität versehen sind.

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  • Die Oberfläche sollte glatt, zart und gleichmäßig sein.
  • Hochwertiges Keramikgeschirr verfügt in der Regel über eine Schicht aus anorganischer Glasur, die Glanz, Glätte, Verschleißfestigkeit und Schutzleistung erhöht.
  • Defekte wie ungleichmäßige Farbe, fließende Glasur oder erschwerte Reinigung können Hinweise auf schlechte Qualität oder Schwermetallbelastung sein.
Checkliste für ungiftige Keramikgeschirre

Tipps beim Kauf und zur Nutzung von Keramikgeschirr

Schon beim Kauf und bei der Nutzung des Keramikgeschirrs können Sie folgende Empfehlungen beachten:

  1. Fragen Sie beim Kauf nach einer Konformitätserklärung, die der Handel bereithalten muss. Sie bescheinigt die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen.
  2. Schwermetalle lösen sich besonders bei sauren Lebensmitteln. Verwenden Sie glasierte oder dekorierte Keramik nicht für saure Speisen, wenn keine Zusicherung über schwermetallfreie Glasuren vorliegt.
  3. Lagern Sie in glasiertem Keramikgeschirr Lebensmittel nicht über längere Zeit, besonders nicht in bunt glasiertem Geschirr.
  4. Seien Sie vorsichtig bei bunten Keramikschalen oder -Krügen als Mitbringsel aus Urlaubsländern; sie sollten besser nur zur Dekoration dienen.
  5. Mit Goldlack oder Kleber wieder zusammengesetzte Keramikscherben sind nur dann für Lebensmittelkontakt geeignet, wenn der Kleber lebensmittelecht ist.
  6. Porzellan und Steinzeug sind grundsätzlich für die Spülmaschine und Mikrowelle geeignet, sofern kein empfindlicher Dekor vorhanden ist.
Kaufberatung für Keramikgeschirr

Prüfung der Schwermetalllöslichkeit - Verantwortung der Keramiker

Jeder Keramiker, der Geschirr an Dritte zugänglich macht, muss die Schwermetalllöslichkeit anhand eines gebrannten Probeobjektes in einem akkreditierten Labor bestimmen lassen. Unterschiedliche Länder und Bestimmungszwecke führen zu verschiedenen Richtwerten und weiteren Prüfungen (z. B. Zink-, Antimon-, Bariumlässigkeit). Einhaltung der Grenzwerte ermöglicht die Ausstellung einer Konformitätserklärung und das Aufbringen des EU-Geschirr-Logos.

Besondere Risiken: Souvenirs, Bio-Geschirre und Silikonartikel

Keramik-Souvenirs und Flohmarktware

Bemaltes Souvenir-Keramikgeschirr oder gebrauchte Ware unbekannter Herkunft sind riskant. Das BLV rät dringend davon ab, diese für Essen oder Trinken zu verwenden. Flohmarktkäufe oder gebrauchte Ware unbekannter Herkunft sind ebenfalls riskant.

Bambusgeschirr und ähnliche Produkte

Bambusgeschirr besteht aus Kunststoff mit gemahlenem Bambus als Füllstoff. Oft wird dafür Melaminharz verwendet - ein Kunststoff auf Basis von Formaldehyd und Melamin. Produkte mit anderen pflanzlichen Füllstoffen wie z.B. aus der Mais- oder Reispflanze sind vergleichbar. Bambusmehl und ähnliche pflanzliche Füllstoffe sind nicht als Ausgangsstoffe für Lebensmittelkontakt zugelassen. Solche Produkte dürfen daher nicht verkauft werden - ausgenommen ist reines Bambusgeschirr ohne Kunststoffanteil.

Silikon-Küchenartikel

Silikon wird häufig für Backformen, Teigschaber, Backmatten oder Trichter verwendet: es ist hitzebeständig, elastisch und einfach zu reinigen. Bei sachgemäßer Anwendung besteht keine Gesundheitsgefährdung. Die Eignung für Lebensmittel muss auf der Verpackung erkennbar sein.

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Sichere Alternativen zu Keramikgeschirr mit giftigen Glasuren

Aktuelle Entwicklungen und Empfehlungen

Aktuelle Daten der Überwachungsbehörden zeigen, dass hohe Mengen von Schwermetallen in Lebensmittel übergehen können. Das BfR empfiehlt daher, deutlich niedrigere Grenzwerte einzuführen und auch Prüfbedingungen zu aktualisieren, die reale Nutzungsbedingungen berücksichtigen. Kinder nehmen täglich aus anderen Quellen Cadmium auf und erreichen dadurch sehr schnell die duldbare wöchentliche Aufnahmemenge. Jede zusätzliche Aufnahme - etwa über Keramikgeschirr - sollte vermieden werden.

  • BfR empfiehlt eine Senkung der Grenzwerte für Blei und Cadmium.
  • Produkte des täglichen Bedarfs wie Geschirr sollten nicht zur Schwermetallaufnahme beitragen.
  • Bei der Bewertung der Elementlässigkeit von Keramikwaren sollen deutlich niedrigere Freisetzungsmengen herangezogen werden.
  • Auch Kobalt sollte zukünftig reguliert werden.
Prüfung und Zertifizierung von Keramikgeschirr

Unsere Empfehlungen für Verbraucher

  • Beim Kauf nach einer Konformitätserklärung fragen.
  • Glasierte Keramik nur für neutrale oder leicht basische Lebensmittel verwenden.
  • Lebensmittel nicht lange in buntem Keramikgeschirr lagern.
  • Buntes Keramikgeschirr aus Urlaub oder Flohmarkt besser nur zur Dekoration verwenden.
  • Kinder und empfindliche Personen besonders schützen.

Keramik, die für Lebensmittel vorgesehen ist, darf wie alle Küchenutensilien keine Stoffe an Lebensmittel abgeben, die die Gesundheit gefährden können oder die Lebensmittel im Geruch oder geschmacklich beeinträchtigen. Das regelt die Bedarfsgegenständeverordnung. Fragen Sie beim Kauf stets nach den Konformitätsunterlagen!

Checkliste sicherer Umgang mit Keramikgeschirr

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