Feodora Schokolade Herstellung: Eine traditionsreiche Geschichte

Feodora, ein Name, der für edle Schokolade steht, hat seine Wurzeln in einer faszinierenden Geschichte, die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Marke ist nicht nur für ihre hochwertigen Produkte bekannt, sondern auch für ihre enge Verbindung zu einer Prinzessin und die Bewahrung einer langen Tradition der Schokoladenherstellung.

Der Ursprung des Namens Feodora

Der Name "Feodora" ehrt Prinzessin Feodora, die jüngste Schwester von Kaiserin Auguste Victoria. Um 1910 suchte der Chocoladenfabrikant Hermann Meyer nach einem passenden, klangvollen Namen für seine besonders feine Rezeptur. Durch die Freundschaft Feodoras mit der Familie des Pfarrers von Bornstedt, deren Frau Meyers Schwester war, kam es zu einer persönlichen Begegnung zwischen der Prinzessin und dem Chocoladenhersteller. Nach Feodoras frühem Tod erlaubte Kaiser Wilhelm II. dem Unternehmen, das Familienwappen und ihre Unterschrift zu nutzen, unter der Bedingung, dass die Kaiserin Einfluss auf die Verpackung nahm. So wurde Feodora zu einer der bekanntesten deutschen Marken für hochwertige Schokolade.

Von der Zuckersiederei zur Schokoladenfabrik

Die Geschichte von Feodora beginnt im Jahr 1826, als Friedrich Theodor Meyer in Tangermünde an der Elbe ein Zuckersiedereigeschäft gründete. Diese Zuckersiederei entwickelte sich erfolgreich und avancierte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer der größten Europas. Unter dem Namen „Zuckerraffinerie Tangermünde“ bekannt, wurde die Fabrik im Jahr 1903 um eine Schokoladenfabrik erweitert.

Die Schokoladen wurden ab 1910 unter dem Namen „Feodora“ vertrieben. Der Name Feodora stammte von Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1874-1910). Sie war die jüngste Schwester der Kaiserin Auguste Victoria - der Frau von Kaiser Wilhelm II. - und stellte ihren guten Namen anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung zur Verfügung, auf der auch Schokolade und Pralinen aus Tangermünde angeboten werden sollten. Seitdem trägt die Schokolade den Namen und das Wappen der Prinzessin.

Blütezeit und Enteignung

Im Jahr 1938 beschäftigte die Schokoladenfabrik bereits rund 900 Mitarbeiter, während die Zuckerraffinerie etwa 3000 Mitarbeiter zählte und eine dazugehörige Marmeladenfabrik in Tangermünde weitere 400 bis 600 Mitarbeiter beschäftigte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Enteignung des Betriebes.

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Neuanfang in Hamburg und Bremen

Nachdem ab 1949 wieder Edelkakao importiert werden konnte, begann man in Hamburg mit der erneuten Produktion von Produkten unter der Marke Feodora. Später wurde Feodora Teil von Hachez, und Produktion und Firmensitz wurden nach Bremen verlegt. Bis heute befindet sich die Produktion in Bremen. Der heutige Name der Firma lautet Feodora Chocolade GmbH & CO. KG. Auch in den Zucker- und Schokoladenfabriken in Tangermünde wurde weiter produziert, bis die Firmen 1992 Konkurs gingen.

Produkte und Qualität

Zu den Produkten von Feodora gehören neben massiven und gefüllten Tafeln vor allem Pralinen und Saisonartikel. Bis heute findet der gesamte Produktionsprozess von der Kakaobohne bis zum fertigen Produkt im Hause Feodora statt.

Feodora bietet eine beachtliche Anzahl an dunklen Schokoladensorten zwischen 55 und 85 % Kakaoanteil, die in den Serien „Tradition“ und „Grand’Or“ angeboten werden. Die „Feodora Tradition Hochfeine Vollmilch“ ist eine Milchschokolade mit 37 % Kakaoanteil und in vielen Supermärkten Deutschlands erhältlich. In ihrer High-End-Serie „Grand’Or“ bietet die Hachez-Tochter Feodora ausschließlich stark kakaohaltige Schokoladen an - 50 % für Milchschokolade, 75 und 85 % für dunkle Schokolade.

Turbulenzen und Veränderungen

Nachdem die dänische Toms-Gruppe 2012 den Hanseatische Chocoladen Kontor mit den Marken Hachez und Feodora übernommen hatte, sollte alles so bleiben wie es war und die 400 Arbeitsplätze beim 1890 gegründeten Schokoladenhersteller, sowie die Produktion in Bremen erhalten bleiben. Zunächst begann man 2014 damit, 20 Prozent der Arbeitsplätze abzubauen, bevor man 2018 mit der Verlegung der Schokoladenproduktion nach Polen begann. 2020 wurde die Produktion in Bremen schließlich komplett eingestellt. Es blieb nur noch der Vertrieb in Bremen, der sich um den Verkauf der Hachez und Feodora Schokoladen, sowie um die dänische Marke Anthon Berg kümmern sollte.

An den anhaltend hohen Verlusten, die das Hanseatische Chocoladen Kontor verbucht, konnten alle Umstrukturierungen nichts ändern. Die Verluste der vergangenen 10 Jahre seit der Übernahme sollen sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen, so die Toms-Gruppe. Daher erfolgte jetzt die endgültige Schließung in Bremen. Alle rund 60 Angestellten verlieren ihren Arbeitsplatz.

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Firmenkunden und das Private Label Geschäft sollen direkt aus Dänemark betreut werden. Die Marken Hachez, Feodora und Anthon Berg sollen künftig über einen Distributor in Deutschland vertrieben werden. Zudem würde an einem umfangreichen Relaunch der Marke Hachez und neuen Produkten gearbeitet.

Das Erbe von "Zucker-Meyer"

Der Name „Zucker-Meyer“ ist jedem Tangermünder ein Begriff. Meyer ist der Name dieser Industriefamilie mit Ursprung in Tangermünde, die unter anderem die Schokolade Feodora herstellte. Theodor Friedrich Meyer, genannt Theodor, wurde am 3. November 1796 geboren und wuchs als jüngstes von elf Kindern im Herzen von Tangermünde auf.

Tangermünde im Dezember 1825: Theodor Meyer plante, in seinem Fachwerkhaus in der Kirchstraße 69 eine Zuckersiederei zu errichten. Der Bauantrag lag beim Magistrat. Auch der Bürgermeister hatte sich angekündigt, um die Räumlichkeiten zu begutachten. In der Siederei würde Meyer über offenem Feuer hantieren und stark heizen. Das birgt hohe Gefahren eines Brandes. Darüber hinaus grenzte Meyers Haus direkt an das Rathaus.

Im Frühjahr 1826 richteten Meyer und sein Geschäftspartner Adolph Oderich im hinteren Teil des Hauses die Produktion ein. Sie bauten eine Trockenstube und rüsteten die Siedestube mit Brandmauern und Rauchabzügen aus. Im Juni lief die Zuckerproduktion. Im ersten Geschäftsjahr produzierte die Siederei in der Kirchstraße 69 insgesamt 2.000 Zentner weißen Zucker, 300 Zentner Kandis und 600 Zentner Sirup.

Als die Räume der Kirchstraße 69 zu eng wurden, erwarb Theodor Meyer 1832 die ehemalige Brauerei in der Kirchstraße 32. Vier Jahre später richtete er dort eine neue Zuckersiederei mit geräumigem Wohnhaus ein. Am 2. Oktober 1839 ertönte um 11 Uhr in der Nacht plötzlich die Sturmglocke in Tangermünde. Ein Nachbar der Siederei wurde aus dem Schlaf gerissen. Die Zuckersiederei mit 1.500 Zentner fertigem Zucker stand in Flammen. Erst am nächsten Tag waren die Flammen gelöscht. Bereits sechs Tage nach dem Inferno beantragte Meyer beim Magistrat der Stadt den Wiederaufbau an derselben Stelle.

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Ab September 1849 verarbeitete die neue Dampfsiederei parallel Kolonial- und Rübenzucker. 1860 produzierte die Siederei 8.600 Zentner Zucker im Wert von 126.000 Talern. In dieser Zeit spezialisierte sich Meyer auf Kandis, für den die höchsten Preise gezahlt wurden.

Am 7. Juni 1865 verkündete der 69-jährige Theodor Meyer, dass er sein Zucker-Siederei-Geschäft seinen Söhnen Friedrich Theodor und Hugo übergeben habe, welche dasselbe unter gleicher Firma fortführen werden.

Friedrich und Hugo erweiterten ihre Zuckersiederei, kauften 1869 ein weiteres benachbartes Gebäude in der Kirchstraße dazu und verdoppelten 1870 die Anzahl der Beschäftigten auf 40 Arbeiter. Um weiter wachsen zu können, musste der Standort dringend verlegt werden. Friedrich und Hugo Meyer ergriffen noch im selben Jahr die Chance und kauften die am Elbufer befindliche stillgelegte Kartoffelstärkefabrik des holländischen Großunternehmers Wilhelm Albert Scholten ab.

Am Himmelfahrtstag 1881 brach ein verheerendes Feuer aus. Ein Gebäude brannte vollständig ab. Doch jede Krise ist zugleich Chance für einen Neubeginn und so wird nach Verlagerung der Produktion in das intakte Gebäude darüber hinaus ein kleines Gaswerk errichtet. In sämtlichen Gebäuden wird die Ölbeleuchtung durch Gaslampen ersetzt, was wiederum weniger Feuergefahr birgt.

Feodora heute

Die Schokoladenmarke Feodora ist bei den meisten für ihre Pralinenkreationen zu erschwinglichen Preisen bekannt. Jahrelang gehörte Feodora zu Hachez, doch im Jahr 2000 kauften zwei Manager der ursprünglichen Zuckerraffinerie, die als Zertus GmbH überlebte, Feodora wieder zurück.

Die Stadt Bremen verliert damit ein großes Stück ihrer Schokoladentradition und weitere 60 Arbeitsplätze. Dafür soll auf dem ehemaligen Hachez-Gelände an der Westerstraße ein innovatives, nachhaltiges und urbanes Viertel entstehen. Die Weiterentwicklung und Umgestaltung des 1,1 Hektar großen Geländes erfolgt durch die Bremer Weser-Wohnbau. Ein Teil der historischen Gebäude, darunter auch der Kern der alten Fabrik, soll erhalten bleiben.

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