Extrabreit — „Hart wie Marmelade”: Hintergrund und Hintergründe

Extrabreit sind eine deutsche Band aus Hagen. Sie wurde 1978 von Stefan „Kleinkrieg” Klein (Gitarre) und Gerhard „Käpt'n Horn” Sperling (Schlagzeug) gegründet. Zu Klein und Sperling stießen recht bald der Sänger Horst-Werner Wiegand und der Bassist Ralf Denz. Zu dem Bandnamen wurde Klein von einem Stift der Marke Edding inspiriert.

Extrabreit erspielten sich schnell ein gutes Standing in ihrer Heimatstadt. Der Comiczeichner Kai Schlasse löste Wiegand ab, als der kurz vor einem Auftritt die Band verließ. 1980 erschien zunächst die Single „Hart wie Marmelade” und später dann das Album „Ihre größten Erfolge”. Das Album enthielt bereits ihren größen Hit „Hurra, Hurra, die Schule brennt”, der aber zunächst nur als B-Seite von „Flieger, grüß mir die Sonne” ausgekoppelt wurde.

Bandfoto Extrabreit live in den frühen 80ern

Entstehung der Single „Hart wie Marmelade”

Januar 1980 / Nacht: Die Band ist unterwegs auf der A7 Richtung Süden. Zwischen Marshall-Verstärkern und Schlagzeugkisten hat man im geliehenen Transporter der RAMBLERS zwei alte Matratzen ausgelegt und es sich mit einigen Wolldecken, Bier, Chips und Rauchwaren gemütlich gemacht. Man redet wenig, selbst der eloquente HORN wirkt ungewohnt einsilbig. Das Ziel der Reise ist das "Tonstudio Hiltpoltstein" im tiefsten Franken, für die ruhrgebietsgeprägten BREITEN eher ein Land voller Kuhhirten und dunkler folkloristischer Rituale.

Dort soll auf Vermittlung und unter Mitwirkung von Masuch, der unter seinem RAMBLERS-Pseudonym "Christian Schneider" nun auch als Produzent fungiert, die Recording-Session für die erste Single stattfinden. Zwei Titel inkl. "Hartwig wollte 'Hart wie Marmelade', das ihm in der Demoversion gut gefallen hatte und als B-Seite '1,36', einen Song von Horst-Werner Wiegand mit einem Text, der gewissermassen in der Welt der Zwerge spielt", sagt Havaii heute. "Auch die Plattenfirma hatte sich auf 'Marmelade' festgelegt, eingängig war das Ding ja.

Den Text hatte ich schon vor längerem mal als Persiflage auf Popstarkultur und -dekadenz geschrieben, war mir aber gar nicht so sicher damit. Es wird aber 'Hart wie Marmelade', allerdings nicht ohne dass der 'harmlose Text' (Havaii) noch einer Zensur von Seiten der Plattenfirma unterzogen wurde. Havaii: 'Dass wir uns damals darauf eingelassen haben, zeugt doch von einer gewissen Unsicherheit. Aber was sollten wir machen? Wir waren mittendrin, das erste Mal in einem richtigen Aufnahmestudio - sollten wir das alles abbrechen?'

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Musikalische Entwicklung und Erfolge

Das zweite Album „Welch ein Land! Das dritte Album „Rückkehr der phantastischen 5!” war 1982 ebenfalls erfolgreich und enhielt mit dem Song „Duo Infernal” - einem Duett mit der Schlagersängerin Marianne Rosenberg - einen weiteren Single-Hit. Danach verzettelte sich die Band zwischen Punk-Wurzeln und kommerzieller Verwertbarkeit. Es erschienen einige englischsprachige Alben, die sich allerdings weit schlechter verkauften als erwartet.

Extrabreit werden ja immer wieder in die reine NDW Zeit Anfang der 80er gezählt, wenn man sich aber näher mit der Gruppe beschäftigt entdeckt man relativ schnell, dass sie sowohl vorher als auch danach sehr viel an Musik gemacht haben. Ihren größten Erfolg den wohl jeder hier kennt, "Hurra,hurra die Schule brennt", wurde zum Beispiel weit früher veröffentlicht, verkaufte sich aber zum Start der NDW erst so richtig gut. Fluch und Segen eines Trends.

Cover der Single „Hart wie Marmelade” / „Flieger, grüß mir die Sonne”

Biografische Elemente und das Buch „Hart wie Marmelade”

Dies ist die Biographie von Kai Havaii, seines Zeichen Sänger der legendären Band "EXTRABREIT". In der Biographie schildert Kai Havaii natürlich auch den Werdegang der Band, vom ersten Treffen mit Gitarrist und Mitbegründer Stefan Kleinkrieg, erste Konzerte, die in Tzaziki Schlachten endeten und Schlagzeuger, die besoffen während des Konzertes in ihr Drumkit zusammenbrachen. Die üblichen Anfangsschwierigkeiten wie Plattenlabel und Aufnahmesessions, die ersten kleinen Erfolge bis zu den Glanzzeiten in den 80er Jahren.

Es werden eine ganze Reihe von netten kleinen Anekdoten vom Stapel gelassen, z.B. mit Nena, die ebenfalls wie Extrabreit aus Hagen kommt, oder das erste Treffen in einer Wiener Szene Disko mit Falco. Aber das Business kennt auch andere Seiten, und so erzählt der Autor die Aufs und Abs, die die Band bis heute miterlebt hat.

Nahezu parallel läuft auch sein privates Leben fast völlig aus dem Ruder. Der angesprochene Drogen Konsum hat schon fast Weltstar Ausmaße, denn der Kick von Saufen, Hasch oder Kokain war ihm dann irgendwann zu wenig. Im Verlauf dieser Drogenkarriere landet der Autor auch im Knast und versucht, sich von der Drogen zu lösen. Wäre dies nicht schon schlimm genug, gesellen sich auch noch persönliche Tragödien dazu, und irgendwann wird auch mal die Kohle knapp.

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Interview mit Kai Havaii über das Buch "Hart wie Marmelade"

Stil und Kritik am Buch

Nahezu schonungslos nimmt ein Kai Havaii mit auf diese Reise, auf denen er alle seinen Ups and Downs offenbart. Damit kann man auch während des Lesens sich auf der einen Seite totlachen, auf der anderen Seite aber auch schonmal schlucken, wenn er von den negativen Seiten berichtet. Das Buch liest sich richtig schnell und zügig durch, ich hab es jetzt in wenigen Tagen eingesaugt. Ich finds richtig klasse, lediglich die letzten Jahre wurden meiner Meinung nach nicht ausführlich genug geschildert.

Die letzten Kapitel lassen den Einstieg beinahe wieder glaubhaft erscheinen. Der autobiografische Roman "Hart wie Marmelade" von Kai "Havaii" Schlasse beginnt 1991, als er sich mit 34 Jahren als Heroinjunkie "sabbernd in einer Gefängniszelle" wiederfindet. Gegen Ende des Buches erreicht der Rocker aus dem westfälischen Hagen wieder dieses Jahr: "Mit plötzlicher Brutalität trat mir das ganze, abges"

Leider sind Anfang und Ende durch über zweihundert Seiten getrennt, in denen sich der Extrabreit-Sänger ziemlich unreflektiert von einer Drogengeschichte ("ein Crescendo aller Sinne") zur nächsten ("ein Feuerwerk der guten Laune") hangelt und von Schlingeleien aus seinem WG- und Bandleben berichtet. Von Groupies ("Die Mädels kamen mal hier, mal da zu liegen") bis zu verwüsteten Hotelzimmern ("In der Teenie-Presse waren wir also die Hooligans vom Dienst") ist alles vertreten.

Schon der Titel des Buches sollte Warnung genug sein: "Hart wie Marmelade. Ein Rock'n'roll-Roman aus der Provinz" - das verspricht zaunpfahlwinkend Witze, Widersprüche und schräge Vergleiche. Vor allem die letztere Kategorie wird ausgiebig bedient. Das strapaziert sehr bald die Nerven des Lesers, vor allem wenn ihm die arktische Coolness des Autors entgegenschlägt: "Die vereinzelten Infektionen mit Tripper waren dagegen eine ziemlich harmlose Sache."

Warum sich der Autor in seinem Buch über die Physiognomie oberfränkischer Wirtshausbesucher lustig macht und sich sogar zu Inzuchtfantasien hinreißen lässt, bleibt rätselhaft. Ebenso wenig erschließt sich, warum er etwa den kindischen Diebstahl angebrochener Zigarettenschachteln aus dem Wohnzimmer eines Pensionsbesitzers nicht lieber verschweigt. Die Qualität des Buches reicht da leider nicht heran.

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Anekdoten und Erinnerungen aus dem Tourleben

Im Verlauf der Schilderungen findet sich eine Fülle von Anekdoten: von nächtlichen Fahrten, Aufnahmesessions in abgelegenen Studios, Begegnungen mit anderen Künstlern bis hin zu Exzessen in Tourbussen und Hotelzimmern. Immerhin passt das zur Pubertätshymne "Hurra, Hurra die Schule brennt", zusammen mit "Flieger, grüß' mir die Sonne" einer der größten Hits von Extrabreit, die zweifellos deutsche Musikgeschichte geschrieben haben. Auch "Hart wie Marmelade" zählt zu den besseren Songs der Gruppe.

Tourbus-Atmosphäre: Matratzen und Wolldecken im Transporter

Widersprüchliche Wahrnehmungen

Extrabreit machte in der Folge vorwiegend durch den Drogenentzug Schlasses auf sich aufmerksam. Schon der Titel des Buches sollte Warnung genug sein: das verspricht zaunpfahlwinkend Witze, Widersprüche und schräge Vergleiche. Die üblichen Anfangsschwierigkeiten wie Plattenlabel und Aufnahmesessions, die ersten kleinen Erfolge bis zu den Glanzzeiten in den 80er Jahren - all das gehört zur Geschichte.

Jahr / Phase Wichtiges Ereignis
1978 Gründung durch Stefan Klein und Gerhard Sperling
1980 Single „Hart wie Marmelade” und Album „Ihre größten Erfolge”
1982 Album „Rückkehr der phantastischen 5!” und Duett mit Marianne Rosenberg
späte 80er Englischsprachige Alben mit geringeren Verkäufen
1991 Biografischer Beginn von Kai Havaii: Gefängnis und Drogenkrise

Wer sich als Kind der 80er bezeichnet und mit dem Namen Extrabreit was anfangen kann, dem sei diese Biographie wärmstens empfohlen. Immerhin passen Bandgeschichte, Songklassiker und die persönliche Erzählung des Sängers zu einem sehr persönlichen Bild einer deutschen Rockband, die zwischen Punk, NDW und kommerziellen Ambitionen ihren Weg suchte.

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