Englischer Pudding mit Fleisch: Geschichte, traditionelle Rezepte und Varianten

Der englische Pudding mit Fleisch ist ein faszinierendes und vielfältiges Kapitel der britischen Küche. Von herzhaften, fleischgefüllten Puddings wie Steak and Kidney Pudding über raffinierte Beilagen wie Yorkshire Pudding bis hin zu Klassikern wie dem Christmas Pudding bietet England eine ganze Bandbreite regionaler und saisonaler Spezialitäten, deren Wurzeln oft bis ins Mittelalter zurückreichen.

Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Geschichte und Entwicklung von englischen Puddings mit Fleisch, beleuchtet die wichtigsten Rezepte und erläutert deren zubereitungstechnische Besonderheiten. Entdecken Sie, warum der Begriff "Pudding" in England weit über eine süße Nachspeise hinausgeht, und lassen Sie sich von bewährten und kreativen Rezepten für den heimischen Herd inspirieren.

Historische Illustration: Englische Fleischpuddings im Wandel der Zeit

Die Ursprünge der englischen Fleischpuddings

Die britische Küche ist berühmt für ihre "puddings" - meist im Wasserbad zubereitete süße Köstlichkeiten, die mit einem Pudding aus der Tüte so gar nichts gemein haben (der heißt drüben "custard"). Doch gerade bei herzhaften Varianten zeigt sich die kulinarische Kreativität Englands besonders eindrucksvoll. Der Begriff "Pudding" wird in England großzügig gebraucht und bezeichnet auch Aufläufe und anderes, zum Beispiel:

  • Yorkshire Pudding - eher ein gebackener Teig als Dessert
  • Pease Pudding - ein in Nordengland beliebtes Erbsen-Püree
  • Black Pudding - Blutwurst
  • White Pudding - Wurst mit Hafermehl
  • Red Pudding - eine in Schottland verbreitete Haggis-Variante

Sogar das Nationalgericht Haggis - Lammfleisch und Innereien, im Schafmagen gegart - zählt im weitesten Sinne zu den Puddings, denn das Wort kommt vom französischen "boudin", was so viel wie "Wurst" bedeutet.

Infografik: Die wichtigsten englischen Puddings und ihre Zutaten

Geschichte der Puddings mit Fleisch: Vom „Plum Pottage“ zum Familienklassiker

Die Wurzeln des Christmas Puddings liegen bei einem Gericht namens „Plum pottage“. Das bestand aus zerkleinertem Rindfleisch oder Hammel, Zwiebeln und getrockneten Früchten. Angedickt wurde es mit Brotkrumen und verfeinert mit Gewürzen und Wein. Die Konsistenz war dickflüssig. Auch war der Plum pottage keine Nachspeise, sondern der erste Gang einer Mahlzeit.

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Im 16. Jahrhundert wurden Rosinen hinzugefügt, das Fleisch wurde weggelassen und durch Fett ersetzt. So kam das Gericht zu seinem heutigen Namen. Der „Plumpudding“ wurde zu einem Festmahl. In den britischen Häusern stand er an Allerheiligen, Weihnachten und Neujahr auf dem Tisch. Die heutige Version des Christmas Pudding ist erst im 19. Jahrhundert entstanden.

Klassische herzhafte Puddings: Übersicht und Kurzbeschreibung

  • Steak and Kidney Pudding: Echte Kochpuddinge, deren Füllung von einem Teig umhüllt und dann im Wasserbad gekocht wird, sind zum Beispiel Steak and Kidney Pudding mit Rind und Nierchen.
  • Norfolk Plough Pudding: Mit Speck und Hackfleisch oder Wurstbrät - er wird traditionell im Januar serviert zum Auftakt der „Pflügesaison“.
  • Berkshire Bacon Pudding: Mit Speck und Salbei.
  • Derby Savoury Pudding: Mit Hafermehl, Zwiebel und Salbei.
Schema: Zubereitung eines traditionellen Steak and Kidney Puddings
Zubereitung: Englischer Fleischpudding im Wasserbad

Yorkshire Pudding: Englands berühmte Backbeilage

Herzstück des typischen englischen Sonntagsbratens bleibt jedoch der Yorkshire Pudding. Englands kulinarisches Sonntagsritual beinhaltet Geflügel, Schweine- oder Rindfleisch, findet als gemeinsamen Nenner jedoch immer den Backofen. Dort gart sowohl im Pub als auch zu Hause jeden Sonntag aufs Neue der "Sunday Roast", ein aromatischer, saftiger Braten mit klarer Beilagenliste. Erbsen und Kartoffeln gehören ebenso dazu wie "Gravy", die braune Soße - und Yorkshire Pudding.

Der Yorkshire Pudding ist weder flüssig noch mit "Black Pudding", dem britischen Äquivalent zur Blutwurst, verwandt. Stattdessen hast du eine Art Blätterteigpastete vor dir. Die Zutaten für den Teig folgen grundsätzlich derselben Anleitung: Salz, Mehl, Milch, Eier und Fett brauchst du immer. In England wird häufig Rindernierenfett verwendet, während du für moderne Rezepte Sonnenblumenöl nutzen kannst. Zum Würzen verwendest du Pfeffer sowie Muskat.

Yorkshire Puddings goldbraun gebacken als klassische Beilage

In England wandert Yorkshire Pudding häufig gemeinsam mit dem Sunday Roast in den Ofen. Dort gart er unter dem Fleisch und bekommt so in schöner Regelmäßigkeit den einen oder anderen Tropfen Bratensaft ab, was das Aroma des Gebäcks intensiviert. Ebenfalls essenziell für traditionell englischen Yorkshire Pudding ist die Mulde in der Mitte des Gebäcks, die du auf dem Teller mit Soße füllen kannst.

Mit Konfitüre oder Zuckersirup (Golden Syrup) wird Yorkshire-Pudding auch als Nachspeise serviert. Yorkshire Pudding bietet eine tolle Alternative zu üblichen deutschen Beilagen und kann je nach Jahreszeit oder Hauptgericht variiert werden. Da die Puddings Mulden bilden, können sie ideal als kleine, essbare Schälchen für Gemüsebeilagen benutzt werden. Ein weiterer Klassiker der britischen Hausmannskost ist übrigens der Cheese Pudding aus Weißbrot und Käse.

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Rezept: Klassischer Yorkshire Pudding

Zutat Menge
Eier 2
Mehl 70 g
Milch 100 ml
Salz 1 Prise
Öl (z. B. Sonnenblumenöl) nach Bedarf
Pfeffer, Muskat nach Geschmack

Eier gut verquirlen. Das Mehl gründlich unterrühren. Zum Schluss die Milch dazu gießen, salzen und alles gut verrühren. Den Teig mindestens 15 Minuten ruhen lassen, gerne auch länger - 24 Stunden stehen lassen ist kein Problem. Den Backofen auf 220°C vorheizen. In eine Muffinform in jede Mulde ca. einen Teelöffel oder 0,5 cm Öl geben und die Mulde ganz auspinseln. Die Form in den Ofen stellen und heiß werden lassen.

Die Muffinform aus dem Ofen nehmen, wenn sie richtig heiß ist. Den Teig rasch in das heiße Öl geben, sodass die Förmchen etwa zur Hälfte gefüllt sind. Dann die Form zügig wieder in den Ofen stellen. Etwa 15-20 Minuten bei 220° backen und dabei den Ofen nicht öffnen, damit die Puddings nicht zusammenfallen. Sie müssen kross und golden sein, deshalb sofort servieren.

Yorkshire Pudding zum Roastbeef: Englische Tradition erleben

Das Roastbeef auf der Unterseite von Fett und Sehnen befreien, die obere Fettschicht vorsichtig einschneiden. Das Fleisch rundum mit Senf einreiben, salzen und pfeffern. Das Fleisch auf den Rost legen, in die Fettpfanne etwas Wasser geben. Nach 15 Minuten auf 90 Grad zurückdrehen und das Bratenthermometer ins Fleisch stecken. Das Fleisch aus dem Ofen nehmen und an einem warmen Ort für mindestens 20 Minuten ruhen lassen.

Die Kombination aus zartem Roastbeef, Yorkshire Pudding und kräftigem Gravy macht das Sonntagsessen in England unvergesslich. Yorkshire Puddings haben ein goldenes Äußeres, das jeden Feinschmecker in die Knie zwingen kann. Ihr ansprechender goldener Farbton wird durch eine bauschige Textur ergänzt, die die Sinne beim Hineinbeißen erfreut. Der Kontrast zwischen dem knusprigen Äußeren und dem fluffigen Inneren ist das, was sie wirklich ausmacht.

Yorkshire Pudding und Roastbeef mit Bratengemüse und Gravy

Kochpudding: Steak and Kidney Pudding und regionale Varianten

Echte Kochpuddinge, deren Füllung von einem Teig umhüllt und dann im Wasserbad gekocht wird, sind zum Beispiel Steak and Kidney Pudding mit Rind und Nierchen. Dabei wird ein Suet-Teig - traditionell mit Rindernierenfett (Suet) - ausgerollt, in eine Puddingform gegeben, mit der Fleischfüllung bedeckt und dann mehrere Stunden im Wasserbad gegart. Dazu passen traditionell grobes Gemüse und eine gehaltvolle Bratensauce.

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Weitere herzhafte Puddings und Varianten

  • Cheese Pudding aus Weißbrot und Käse schmeckt super, dient der Resteverwertung und ist, mit einem Salat serviert, ein Hauptgericht für vier Personen.
  • Bread and Butter Pudding ohne Zucker, eine Art armer Ritter, eignet sich perfekt als deftiges Resteessen.

Die Auswahl reicht von aromatischen Kräutern wie Rosmarin, Thymian oder Salbei bis hin zu wärmeren Gewürzen wie Knoblauchpulver, Paprika oder Cayennepfeffer. Wenn du es etwas schmackhafter magst, kannst du auch geriebenen Käse wie Cheddar, Parmesan oder Gruyère hinzufügen. Variation: Den rohen Teig mit Gemüsebrühe, Chili und Speckwürfeln würzen oder mit Spinat füllen.

Herzhafter Cheese Pudding als Hauptgericht-Variante

Tipp: Christmas Pudding und seine Wurzeln

Christmas Pudding ist eine gekochte bzw. gedämpfte, kuchenähnliche Nachspeise und enthält Trockenobst und Nüsse. Der Christmas Pudding war bereits im 15. Jahrhundert in England bekannt und wurde als Plumpudding bezeichnet. In dieser Zeit war er kein festliches Gericht, sondern eher etwas Alltägliches, das noch Fleisch enthielt. Heute ist er ein beeindruckendes Highlight jeder britischen Festtagstafel.

Nährwerte und Serviervorschläge

Gericht Kalorien pro Portion Fett (g) Eiweiß (g) Kohlenhydrate (g)
Yorkshire Pudding 119 8 4 8

Yorkshire Puddings passen hervorragend zu kräftigen Fleischgerichten wie Roastbeef und Bratensauce oder auch als kleine essbare Schälchen für Gemüsebeilagen und Saucen.

Am beliebtesten ist es, die Puddings zusammen mit rindfleischähnlichem Roastbeef zu servieren. Mit zarten Rindfleischscheiben, gebratenem Gemüse und einem großzügigen Spritzer Bratensoße dürfen die Yorkshire Puddings im Rampenlicht stehen.

Kulinarische Reise: Britische Puddings von Süß bis Pikant

Britische Küche zum Nachkochen

Willst du noch mehr Rezepte aus der britischen Küche probieren? Dann probiere Toad in the Hole und die Shepherd's Pie. Neben dem klassischen Sunday Roast verwandelt auch Fish & Chips oder Cornish Pasty jeden Tag in ein britisches Geschmackserlebnis. Yorkshire Puddings sind ein fester Bestandteil der britischen Küche und gehören seit Jahren auf den Familientisch.

Sowohl Erwachsene als auch Kinder versammeln sich gerne zum Sonntagsbraten, bei dem diese goldbraunen Leckerbissen oft auf den Tisch kommen.

Setup für einen traditionellen englischen Sunday Roast mit Pudding und Gemüse

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