Was bedeutet „jemanden einen an der Waffel haben“? Herkunft und Bedeutung der Redewendung

„Einen an der Waffel haben“ ist eine umgangssprachliche Redewendung im Deutschen, die bedeutet, dass jemand „nicht ganz bei Trost ist“ oder „nicht richtig tickt“. Doch was hat diese seltsame Wendung mit der Waffel, dem beliebten süßen Gebäck, zu tun? Überraschenderweise handelt es sich bei der Herkunft der Redewendung um etwas ganz anderes als das bekannte flache Feingebäck.

Die wahre Herkunft der Redewendung

Die Redewendung geht ursprünglich nicht auf die Waffel als Gebäck zurück. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm erklärt, dass „Waffel“ ursprünglich eine Bezeichnung für den Mund war, besonders für einen großen Mund mit herabhängenden Lippen. Im 19. Jahrhundert wurde das Wort „waffeln“ als Verb verwendet und bedeutete „Unsinn erzählen“ oder „schwätzen“. Es kommt von einer lautmalerischen Weiterentwicklung des Wortes „waffen“, was „schwätzen“ oder „leeres Gerede“ meint. Die Brüder Grimm beschreiben als Ursprung „die Bewegung der Kinnbacken und das dadurch hervorgerufene schmatzende Geräusch“, das durch undeutliches, schnelles Reden entsteht.

Diese lautmalerische Beschreibung lässt sich vergleichen mit anderen ähnlichen Ausdrücken wie „stammeln“, „lispeln“ oder „mummeln“, die ebenfalls undeutliche oder hastige Sprechweise symbolisieren. In einigen ober- und mitteldeutschen Dialekten wird „Waffel“ auch heutzutage noch als Synonym für den Mund verwendet.

Illustration einer offenen Mundbewegung mit hervorgehobenen Kinnbacken

Vom schnatternden Mund zur Redewendung

Die Redewendung „einen an der Waffel haben“ hat sich höchstwahrscheinlich aus dem Begriff für jemanden entwickelt, der undeutlich und schnell redet, Wörter durcheinanderwirft und Unsinn verbreitet. Daraus entstand die Bedeutung, dass eine Person „nicht ganz richtig im Kopf ist“. Im Englischen existiert ein ähnliches Wort: Das Verb to waffle bedeutet ebenfalls „schwafeln“ und das Substantiv waffle steht für „leeres Geschwätz“ - auch hier gibt es keinen Bezug zum Gebäck.

So zeigt sich, dass die Kombination aus dem Begriff „Waffel“ als Mund und dem Verhalten des „waffelns“ zu der heutigen Bedeutung der Redewendung führte. Es ist eine scherzhafte, leicht spöttische Umschreibung für jemanden, der sich seltsam oder merkwürdig verhält, besonders im Sinne geistiger Unstimmigkeit.

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Beispiele aus dem Alltag

Die Redewendung wird vielfältig verwendet. Beispiele illustrieren, wie der Ausdruck genutzt wird:

  • „Wer sich so intensiv mit Zahlen, Formeln und abstrakten Strukturen beschäftigt, der muss irgendwie einen an der Waffel haben und fürs normale Leben nicht wirklich geeignet sein!“ (Die Zeit, 2016)
  • „Die machten sich Sorgen, dass ich einen an der Waffel habe.“ (Neue Zürcher Zeitung, 2003)
  • „Da musst du schon einen an der Waffel haben, weil du zum Beispiel auch auf der Straße sechs Stunden Rad fährst, um die Ausdauer zu trainieren.“ (Welt am Sonntag, 2018)
  • „Wenn Brüssel entscheidet, dass eine Salatgurke schnurgerade sein muss, dann haben die Bürokraten nicht einen an der Waffel, sondern schützen damit ihre Gemüsebauern.“ (Alles Evolution, 2016)

Die tatsächliche Waffel: Historie des Gebäcks

Auch wenn das Gebäck selbst nichts mit der Redewendung zu tun hat, ist die Waffel an sich kulturell bedeutsam und historisch interessant. Waffeln zählen hierzulande seit dem 15. Jahrhundert eher zur gehobenen Küche. Die ältesten Waffeleisen stammen aus dem 9. Jahrhundert und zeigen die lange Tradition dieses beliebten Gebäcks.

Besonders gefeiert wird die Waffel in Schweden am „Våffeldagen“ am 25. März. Dieser Tag hat ursprünglich religiöse Wurzeln und ist verbunden mit dem christlichen Fest Mariä Verkündigung („Vårfrudagen“). Im 17. Jahrhundert kam es durch eine sprachliche Verwechslung zu einer Umbenennung von „Vårfrudagen“ zu „Våffeldagen“. In den USA hingegen wird der „National Waffle Day“ am 24. August gefeiert, dem Tag, an dem 1869 Cornelius Swarthout das Patent für ein frühes Waffeleisen erhielt.

Historisches Waffeleisen aus dem 9. Jahrhundert

Kollokationen und Variationen der Redewendung

Die Redewendung wird oft mit Adverbialbestimmungen kombiniert, zum Beispiel:

Beispiel Bedeutung
„Irgendwie einen an der Waffel haben“ Leicht verrückt oder merkwürdig sein
„Einen an der Waffel haben, weil man stundenlang Rad fährt“ Ungewöhnliches Verhalten zeigen

Solche Zusätze verstärken den humorvollen Charakter der Redewendung und passen sie an unterschiedliche Kontexte an.

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Erklärungsvideo zur Herkunft der Redewendung „einen an der Waffel haben“

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