Bedeutung und Herkunft der Redewendung „Jemanden durch den Kakao ziehen“
Die deutsche Redewendung „jemanden durch den Kakao ziehen“ ist im alltäglichen Sprachgebrauch zwar verbreitet, aber ihre Herkunft und ihr eigentlicher Sinn sind für viele Menschen nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Besonders unter Politkern oder in satirischen Kontexten wird sie gerne verwendet, etwa wenn bei besonderen Anlässen wie der Starkbierprobe Politiker derbleckt werden - das Derblecken gilt dabei als Höhepunkt des Festes. Doch wie kam es zu dieser merkwürdigen Formulierung, die mit Trinkschokolade nichts zu tun zu haben scheint?
Bedeutung und Verwendung im Alltag
Wenn man jemanden „durch den Kakao zieht“, bedeutet das, dass man ihn auf humorvolle, spöttische oder teilweise auch herabsetzende Art und Weise lächerlich macht oder verspottet. Schwächen lösen sich stets noch in augenzwinkerndes Wohlgefallen auf, aber die Eigenschaften, die das Miteinander von Menschen schwer machen, werden dabei offen angesprochen. Kandidaten werden virtuell durch den Kakao gezogen, um Kritik anzubringen oder lustig bloßzustellen, ohne jedoch bösartige Absichten zu haben.
- Umgangssprachlich: jemanden durch den Kakao ziehen = jemanden verspotten
- Beispiele: Politiker beim Starkbierfest werden durch den Kakao gezogen
- Virtuelle Plattformen nutzen die Redewendung für satirische Inhalte
Vergleich zu anderen Redewendungen
Interessant ist, dass sich die Redewendung „durch den Kakao ziehen“ etabliert hat, während etwa die Aufforderung, dass man gemeinsam einen Kakao trinken möchte, deutlich seltener im Alltag vorkommt. Will man jemanden für ein unverbindliches Gespräch treffen, hat sich hingegen die Redewendung etabliert, dass man auf einen Kaffee geht. Umgekehrt ist die Redensart völlig unbekannt, dass man über jemanden lästert, indem man ihn durch den Kaffee zieht. Hier schlägt also die Stunde des Kakaos.
Wortherkunft und sprachliche Wurzeln
Aber warum wird ausgerechnet Kakao als Bild verwendet? Haben Sie sich nicht auch schon gefragt, warum man in einer solchen Situation ausgerechnet in Trinkschokolade baden soll? Die Erklärung liegt im Wortspiel und den Ursprüngen der Wortbildung. So wie sich hinter Scheibenkleister ein verhüllendes Schimpfwort verbirgt, um den vulgären Begriff für Kot nicht in den Mund nehmen zu müssen, ist auch der Kakao eine scheinbar kindertümlich-harmlose Alternativbezeichnung für ein ähnlich klingendes tabuiertes Wort: Kacke.
Als Lateiner wissen wir, dass das vom Verb „cacare“ kommt, das genau das bezeichnet, wonach es klingt. Und da man das halt nicht sagt, griff man eben zum aztekischen Wort „cacao“, das die Spanier aus Mexiko nach Europa brachten. Nicht nur das Wort, übrigens, auch die Bohne und damit das Göttergesöff.
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| Wort | Ursprung | Bedeutung |
|---|---|---|
| kakao | Aztekisch / Spanisch | Trinkschokolade / als Euphemismus für „Kacke“ |
| cacare | Latein | „scheißen“ |
| Kacke | Deutsch | umgangssprachlich für Kot |
Kulturelle Einflüsse und literarische Verarbeitung
Weniger geläufig sind heute aus diesem Kontext entstandene Redewendungen wie „Kakao in der Hose haben“ oder „im Kakao sitzen“. Das mit dem Durchziehen hat sich aber ganz gut gehalten. Übrigens geht die Popularität der Redewendung auch auf ein Gedicht von Erich Kästner zurück. Um 1930 schrieb Kästner: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Der literarische Bezug unterstreicht die satirische und gesellschaftliche Dimension dieser Redensart.
Satire und gesellschaftliche Bedeutung heute
Insbesondere bei gesellschaftlichen Anlässen wie der Wiener Festwochen oder Festen wie der Starkbierprobe ist das Durch-den-Kakao-ziehen ein Knaller - und einer der Höhepunkte. Empörung bei den Kirchen hat das beispielsweise ausgelöst, wenn stereotype Rollen niemals gegeneinander ausgespielt werden, sondern Schwächen augenzwinkernd aufgelöst werden. Schritte einzuleiten, um sich über die Grenzen von Satire oder Spott zu verständigen, sind oftmals nach solchen markanten Veranstaltungen notwendig.
Missverständnisse und harmloser Gebrauch
Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, jetzt hinter jedem Kakao gleich etwas Bösartiges zu vermuten. Sollten Sie also von jemandem mit den Worten „Gehen wir auf einen Gaugau?“ zu einem Treffen geladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee. Nur selten wird „Kakao“ im Alltag negativ besetzt - oft bleibt die Redensart humorvoll oder ironisch.
Fazit zu Bedeutung und Herkunft
Zusammenfassend lässt sich sagen: „Jemanden durch den Kakao ziehen“ ist eine humorvolle, manchmal satirische Redensart. Ihre Ursprünge liegen in der Sprachvermeidung vulgärer Begriffe, wobei das „Durchziehen“ bildhaft für das Verspotten steht - und Kakao als Ersatz für das Tabuwort dient. Die Redewendung ist in der Literatur und im gesellschaftlichen Leben verankert und bleibt fester Bestandteil des deutschen Sprachschatzes.
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