Dubai-Schokolade: Inhaltsstoffe, Kritik und gesundheitliche Bedenken

Der Hype um die sogenannte „Dubai-Schokolade“ war groß, doch Untersuchungen staatlicher Labore und Verbraucher­schutz­organisationen haben erhebliche Mängel bei Zusammensetzung, Kennzeichnung und Sicherheit aufgezeigt. Wo Dubai‑Schokolade draufsteht, ist offenbar nicht immer echte Schokolade drin: Importierte Proben wurden analysiert und in vielen Fällen Verunreinigungen, nicht deklarierte Zutaten und gesundheitlich bedenkliche Kontaminanten gefunden.

Untersuchungen und Probenumfang

Im Jahr 2024 wurden insgesamt 38 Schokoladen und sieben Pistaziencremes untersucht. Im Dezember 2024 wurde der Beitrag „Hype um „Dubai‑Schokolade“ - Was steckt wirklich drin?“ veröffentlicht. Wie angekündigt wurden im Rahmen eines Sonderprobenprogramms weitere „Dubai‑Schokoladen“ und zusätzlich Pistaziencremes untersucht.

Bei ersten Untersuchungen waren acht Importproben „Dubai‑Schokolade“ bezüglich ihrer Gehalte an Prozesskontaminanten, Mykotoxinen und nicht deklarierten Farbstoffen auffällig. Daraufhin wurden im Rahmen eines Sonderprobenprogramms weitere 30 Proben Schokolade und sieben Proben Pistaziencreme erhoben. Von 38 Proben Schokolade waren 29 Proben nach den uns vorliegenden Unterlagen Importware aus Drittstaaten. Eine Probe stammte demnach aus Jordanien, zehn Proben aus der Türkei, 18 Proben aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und bei einer Probe war das Herkunftsland unbekannt. Zwei Proben stammten aus den Niederlanden. Wenige Proben stammen aus handwerklicher Herstellung aus Baden‑Württemberg.

Fremdfette statt Schokolade: Palmöl und Herstellungsfehler

Schokolade ist ein hochwertiges Produkt und darf gemäß der in Deutschland geltenden Kakaoverordnung als Fettbestandteile nur Kakaobutter und Milchfett enthalten. Palmöl statt Schokolade: In acht von acht Proben des Chemischen‑ und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) wurden Verunreinigungen, Farbstoffe, Allergene und Fremdfett festgestellt. Die fünf Proben aus den Vereinigten Arabischen Emiraten enthielten dagegen Fremdfett (Palmöl) statt echter Schokolade: ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung.

Vermutlich gelangten die gesundheitlich bedenklichen Stoffe über verunreinigtes Palmöl in die „Dubai‑Schokolade“. Palmöl ist besonders anfällig für die Bildung von 3‑MCPD‑ und Glycidyl‑Fettsäureestern. Durch bestimmte technologische Maßnahmen können aber auch Palmöle mit geringen Gehalten dieser toxikologisch bedenklichen Stoffe hergestellt werden.

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Prozesskontaminanten: 3‑MCPD‑ und Glycidyl‑Fettsäureester

32 Proben „Dubai‑Schokolade“ wurden am CVUA Stuttgart auf die herstellungsbedingten Kontaminanten 3‑Monochlorpropandiol‑(3‑MCPD‑) und Glycidyl‑Fettsäureester untersucht. Diese Prozesskontaminanten entstehen vor allem bei der Raffination von Fetten und Ölen und gelten als gesundheitlich bedenklich. Glycidyl‑Fettsäureester werden als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft und sollten in Lebensmitteln soweit wie möglich minimiert werden.

Neun dieser Proben überschritten den gesetzlich festgelegten Höchstwert für Glycidyl‑Fettsäureester deutlich. Sie wurden zusätzlich als nicht zum Verzehr geeignet und somit als „nicht sicher“ beurteilt, da sie eine für Verbraucherinnen und Verbraucher unzumutbar hohe Kontamination mit einer als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Substanz aufwiesen. Wir halten fest: neun von 32 Proben wurden aufgrund von herstellungsbedingten Kontaminanten als „nicht sicher“ beurteilt.

Farbstoffe und Täuschung über Pistazienanteil

32 „Dubai‑Schokoladen“ hatten eine grüne Füllung. Einige Proben waren außerdem mit farbigen Dekors verziert. 31 Proben wurden am CVUA Stuttgart auf Farbstoffe untersucht. Bei 22 Proben ermittelten wir Farbstoffe in der Füllung und im vorhandenen Dekor. Lediglich bei zwei Proben waren die nachgewiesenen Farbstoffe deklariert. Bei 20 untersuchten Proben fehlte die Deklaration, bzw. es waren andere Farbstoffe angegeben.

15 Importproben und eine Probe aus handwerklicher Herstellung enthielten synthetische Azofarbstoffe. Forschungsergebnisse deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Azofarbstoffen und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern hin. Durch den Einsatz der synthetischen Farbstoffe wird eine intensivere Färbung der Füllung erreicht. Fast alle Proben hätten mit künstlichen Farbstoffen einen höheren Anteil an qualitativen Zutaten (z. B. Pistazien) vorgetäuscht.

Pistaziengehalt: optische Aufmachung vs. Realität

Die Erwartungen an einen intensiven Pistaziengeschmack werden häufig enttäuscht. Schon bei der geschmacklichen Prüfung ist auffällig, wie wenig die „Pistazienfüllungen“ nach der hochwertigen Zutat Pistazie schmecken. Deklariert waren häufig hohe Anteile an Pistazie von mehr als 10 %, wie z. B. 44 % bei einem Produkt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bei näherem Studium des Zutatenverzeichnisses wird aber häufig klar: Die Füllungen enthalten nicht etwa 44 % Pistazie, sondern die zusammengesetzte Zutat Pistaziencreme ist mit diesem Gewichtsanteil angegeben.

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Das CVUA Freiburg bestätigte mit einem molekularbiologischen Test: So waren 18 der 26 auf den Anteil an Pistazien untersuchten Schokoladen in Ordnung; bei acht Produkten wurde Pistazie allerdings nur in geringen Anteilen - zum Teil deutlich unter 1 % - bestimmt. Bei vielen Proben fehlte zudem die mengenmäßige Angabe für die Zutat Pistazie. Diese ist u. a. aufgrund der Hervorhebung von Pistazien in der Aufmachung und oftmals durch die Nennung von Pistazie in der Bezeichnung verpflichtend anzugeben. Aufgrund dieser fehlenden Angabe wird den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht ersichtlich, wieviel Pistazie im Produkt enthalten ist.

Dubai‑Schokolade mit grüner Pistazienfüllung (Beispielbild)

Allergene und undeutliche Kennzeichnung

Insgesamt untersuchte das CVUA Freiburg 28 Proben auf Allergene. Bei vier Proben von „Dubai‑Schokoladen“ türkischer Herkunft sowie einer Probe niederländischer Herkunft wurde Sesam in hohen Anteilen bestimmt. Die Gehalte liegen im Bereich von 6.000-79.000 mg/kg (entspricht 0,6 bis 7,9 %) und damit teilweise in der Größenordnung des jeweiligen Pistazienanteils. Weder im Zutatenverzeichnis, noch in den freiwilligen Hinweisen war bei diesen Proben Sesam erwähnt.

Menschen mit einer Sesam‑Allergie können daher erwarten, dass Sesam weder als Zutat noch als Verunreinigung enthalten ist. Aufgrund der teils hohen Gehalte ist es bei diesen fünf Proben durchaus wahrscheinlich, dass Sesam‑Allergikerinnen und ‑Allergiker durch den Verzehr des Erzeugnisses gesundheitlich beeinträchtigt werden. Wir halten fest: Bei 5 von 28 auf Allergene untersuchten Proben (18 %) war Sesam in deutlichen Mengen enthalten, obwohl Sesam weder als Zutat noch im - bezüglich anderer Allergene vorhandenen - Spurenhinweis angegeben war. Sie mussten jeweils als gesundheitsschädlich für Sesamallergiker beurteilt werden.

Nur neun der 28 untersuchten Proben waren hinsichtlich der Allergene gänzlich unauffällig. In allen weiteren Produkten gab es zumindest Mängel in der Kennzeichnung. Teilweise wurden weitere Allergene wie Weizen nicht deklariert, oder sie waren zwar als mögliche Spur gekennzeichnet, aber doch in erhöhten Mengen im Bereich von annähernd 1.000 mg/kg (entspricht 0,1 %) enthalten. Verbrauchertipp: Insbesondere Menschen mit Sesamallergie sollten daher vorsichtshalber auf den Verzehr verzichten, auch wenn kein Sesam deklariert ist.

Mykotoxine und Pistaziencremes

Mykotoxine sind von verschiedenen Schimmelpilzen gebildete Stoffe, die schon in geringen Konzentrationen giftig auf Mensch und Tier wirken können. Um die Gesundheit zu schützen, hat die EU gesetzliche Höchstgehalte festgelegt - bei Pistazien für Aflatoxine und Ochratoxin A. Aflatoxine haben ein hohes krebserzeugendes Potenzial. Das CVUA Sigmaringen untersuchte insgesamt sieben Proben Pistaziencremes/-zubereitungen mit Pistazienanteilen von 15 % bis 70 %.

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Bei einem stichprobenartigen Screening seien in einer Probe mit Pistazienfüllung hohe Anteile an Schimmelpilzgiften (Mykotoxine), vor allem Aflatoxine, festgestellt worden. Bei allen vier repräsentativ entnommenen Proben wurden Höchstgehaltsüberschreitungen für Mykotoxine festgestellt und die Proben wurden entsprechend beanstandet. Wir halten fest: Bei neun von 32 Proben wurden im Rahmen von Screening‑Untersuchungen auffällige Gehalte des kanzerogenen Schimmelpilzgifts Aflatoxin B1 festgestellt. Alle neun Proben stammten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Pistazienkerne und Laboranalyse (Symbolbild)

Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOAH) und weitere Kontaminanten

Zusätzlich untersuchte das CVUA Stuttgart 25 Proben im Rahmen des Sonderprobenprogramms auch auf das Vorhandensein von Mineralölrückständen (MOSH und MOAH). In allen Proben wurden Rückstände an MOSH bestimmt (Bestimmungsgrenze 1 mg/kg). Die allermeisten Proben lagen jedoch unterhalb des Orientierungswerts für Süßwaren, Schokolade und kakaobasierte Süßwaren. Zwei von 25 Proben (8 %) waren mit Kontaminationen an MOSH und MOAH auffällig. Diese beiden Proben (eine aus der Türkei, eine aus den Vereinigten Arabischen Emiraten) wiesen MOSH‑Gehalte größer als der Orientierungswert von 9 mg/kg auf.

MOAH stuft die EFSA aufgrund des Vorkommens von genotoxischen Verbindungen als besorgniserregend ein. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes sind nach derzeitiger Verständigung der Mitgliedsstaaten bestimmbare Rückstände von MOAH in Lebensmitteln unerwünscht. Wir konnten in den beiden Proben mit auffälligem MOSH auch MOAH bestimmen, diese überschreiten jedoch aufgrund der Messunsicherheit den Wert von 1 mg/kg nicht gesichert. Fünf weitere Proben lagen im grenzwertigen Bereich von 1 mg/kg.

Weitere Befunde: Hüllen, Kennzeichnung und Schwermetalle

Das CVUA Stuttgart prüfte bei 32 „Dubai‑Schokoladen“ die Hülle auf die für Schokolade typischen Fettsäuren. Die Hüllen von zwölf Proben bestanden nicht aus Schokolade, obwohl im Zutatenverzeichnis Milchschokolade oder Bestandteile von Milchschokolade (Kakaobutter, Kakaomasse, Milchpulver) aufgeführt waren. Bei elf der beanstandeten Proben handelt es sich um Importware, davon sieben aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und vier aus der Türkei.

Für Schokoladenerzeugnisse sind Grenzwerte für Nickel und Cadmium festgelegt. Das CVUA Stuttgart untersuchte daher auch die Hüllen von 20 „Dubai‑Schokoladen“ auf diese und weitere Schwermetalle. Alle 34 „Dubai‑Schokoladen“ waren hinsichtlich Kennzeichnung mangelhaft; bei allen 34 „Dubai‑Schokoladen“ waren Kennzeichnungsmängel vorhanden.

Marktreaktionen, Sonderprobenprogramm und Verbraucherschutz

Die Ergebnisse haben dazu geführt, dass Baden‑Württemberg ein landesweites Sonderprogramm startete. Mit einem kurzfristigen Sonderprogramm sollen Proben von Dubai‑Schokolade aus Drittländern und in der EU hergestellte Produkte aus dem Handel zur Untersuchung am CVUA Stuttgart erhoben werden. Von einheimischen kleinen Herstellern, Konditoreien und Confiserien produzierte Ware werde auch berücksichtigt. Zusätzlich sollen Proben von Pistaziencreme aus dem Großhandel erhoben werden.

Die erste Untersuchungsergebnisse wurden durch das Sonderprobenprogramm bestätigt. Die Proben wurden direkt bei Händlern hier in Deutschland vor Ort genommen. Die geringe Probenanzahl ist noch kein Trend, aber die Ergebnisse sind sehr bedenklich und haben die Behörden veranlasst, landesweit Angebote an Dubai‑Schokolade zu überprüfen und unter die Lupe zu nehmen. Verbraucherminister Peter Hauk appellierte an die Importeure, ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen und dafür zu sorgen, dass hier nur einwandfreie Ware auf den Markt kommt - sowohl im Hinblick auf den Gesundheitsschutz, also auch auf den Täuschungsschutz.

CVUA‑Laboruntersuchungen zur Dubai‑Schokolade (Erklärvideo)

Was Verbraucherinnen und Verbraucher beachten sollten

  • Achten Sie auf die Mengenangaben für Pistazien im Zutatenverzeichnis. Wenn sich die Mengenangabe fehlt, ist nicht ersichtlich, wie viel Pistazie enthalten ist.
  • Insbesondere Menschen mit Sesamallergie sollten vorsichtshalber auf den Verzehr verzichten, auch wenn kein Sesam deklariert ist.
  • Prüfen Sie Kennzeichnungspflichten: Allergene müssen deutlich hervorgehoben sein; fehlen Pflichtangaben, sollten Sie vom Kauf absehen oder beim Händler nachfragen.
  • Seien Sie skeptisch gegenüber extrem hohen Preisen: Die sehr hohen Preise sind unserer Meinung nach in keinem Fall gerechtfertigt.

Alternativen und Do‑It‑Yourself

Wer nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, kann Dubai‑Schokolade auch selbst herstellen. Um dem Original‑Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden. Für die Füllung benötigt man zerkleinertes Engelshaar (Kadayif‑Fäden), das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien‑Creme und Tahini.

Nachhaltigkeitsaspekte

Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien‑Konsum für die Umwelt bedeutet. Pistazienbäume benötigen viel Wasser; die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai‑Schokolade einen weiteren, bitteren Beigeschmack.

Untersuchungsbereich Hauptergebnis
Prozesskontaminanten (3‑MCPD, Glycidyl‑Fettsäureester) 9 von 32 Proben überschritten Höchstwerte; 9 als „nicht sicher“
Farbstoffe (Azofarbstoffe) 22 von 31 Proben enthielten Farbstoffe; nur 2 deklariert
Pistazienanteil (molekulare Tests) 8 von 26 Proben hatten nur sehr geringe Pistazienanteile (<1 %)
Allergene (Sesam) 5 von 28 Proben enthielten hohe Sesamgehalte ohne Deklaration
MOSH/MOAH 2 von 25 Proben auffällig; mehrere im grenzwertigen Bereich
Mykotoxine (Aflatoxin B1) 9 von 32 Proben auffällig; alle aus VAE

Fazit für den Alltag

Die Untersuchungen zeigen: Bei importierter „Dubai‑Schokolade“ können Verbrauchertäuschung (Fremdfett statt Kakaobutter), unzureichende Kennzeichnung (fehlende Allergene, unklare Pistazienangaben) und gesundheitlich bedenkliche Kontaminanten (Glycidyl‑Fettsäureester, 3‑MCPD, Aflatoxine, MOSH/MOAH) vorkommen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten beim Kauf genau die Kennzeichnung prüfen, insbesondere Allergiehinweise und Mengenangaben zu Pistazien. Bei Unsicherheit ist Vorsicht geboten, und Menschen mit Allergien - insbesondere gegen Sesam - sollten Produkte meiden, wenn die Deklaration lückenhaft ist.

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