Dubai-Schokolade: Hype, Hintergründe und Kritik
Stundenlanges Anstehen für 150 Gramm Schokolade - so geschehen in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und zuletzt Hamburg. Dabei geht es nicht um irgendeine Schokolade, es geht um die sogenannte Dubai-Schokolade.
Die sogenannte Dubai-Schokolade erlebt gerade einen Hype in den sozialen Medien. Gefühlt lieben alle die mit Engelshaar, Pistaziencreme und Sesampaste gefüllte Vollmilchschokolade. Influencer schwärmen von ihr, essen sie genüsslich oder machen sie selbst. Über Social Media hat sich die Schokolade - gefüllt mit Pistaziencreme und Kadayif (Teigfäden, die man vom türkischen Gebäck Baklava kennt) - wie ein Lauffeuer verbreitet.
Was ist Dubai-Schokolade?
Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. gehackter Pistaziencreme. Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam-Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten. Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade. Die Kombination des Fadenteigs und der Pistazien-Creme verleiht der Schokolade beim Aufbrechen ihr besonderes Aussehen. Das wird auch in den entsprechenden Medien regelrecht zelebriert.
Ursprung und Geschichte
Die Erfindung der Dubai-Schokolade wird Sarah Hamouda zugeschrieben, sie ist die Inhaberin des Unternehmens "Fix Dessert Chocolatier" in Dubai. „Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Die Idee kam ihr während ihrer zweiten Schwangerschaft, als sie nichts fand, das ihren Heißhunger stillte, wie Hamouda selbst auf der Instagram-Seite ihres Unternehmes erzählt. Sie entschied sich, sich selbst etwas auszudenken. Die Dubai-Schokolade war geboren. 2022 war Markteinführung.
Die Schokolade selbst, wie der Name bereits verrät, kommt aus Dubai. Hier vertreibt die Manufaktur namens "Fix Dessert Chocolatier" die Tafeln. Die Schokolade des Originals wird vom Schweizer Hersteller Max Felchlin AG produziert. An das Original kommt man jedoch nicht so ohne Weiteres heran. Und diese erschaffene Exklusivität macht neugierig. Der Instagram Account verrät, dass die Schokolade nur in Dubai und Abu Dhabi zu erwerben ist. Ein Post warnt eindringlich vor Betrügern.
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Wie wurde der Hype ausgelöst?
Die Plattform machte die Schokolade berühmt. Auf dem deutschen Markt machte aber nicht Maria Vehera die Dubai Schokolade bekannt, sondern die Food-Influencerin Kiki Aweimer. Kiki Aweimer, besser bekannt unter ihrem Account-Namen „Kiki’s Kitchen“ ist mittlerweile zu so etwas wie der Botschafterin der Dubai-Schokolade hierzulande geworden. Die Food- und ASMR-Influencerin Maria Vehera entdeckte die Dubai-Schokolade für sich, aß sie in einem Video und trat damit einen riesigen Hype los. ASMR-Videos, in denen das Knacken und Crunch-Geräusch zelebriert wird, verstärken die Viralität: Wenn die dann noch ordentlich knackt und cruncht, kann man sich vieler Likes sicher sein.
Der Hype um das Produkt sei "angetrieben durch den starken Einfluss der sozialen Medien und die wachsende Sehnsucht bestimmter Konsumentengruppen nach exklusiven Genussmomenten und ihrer starken Trend-Orientierung", erklärt Tim Gensheimer, Markt- und Sozialforscher am SINUS-Institut, gegenüber ZDFheute. Soziale Medien wirken dabei als Katalysator. Innerhalb weniger Tage erreiche ein Trend weltweit Konsumenten, "die immer auf der Suche nach dem nächsten großen Genusserlebnis sind". "Ohne Social Media wäre dieser rasante Erfolg undenkbar", so Gensheimer.
Marketingmechanismen: FOMO, Limitierungen und Status
Der Hype um die Dubai-Schokolade bedient sich einem einfachen Marketing-Prinzip: FOMO - Fear of Missing Out (dt. die Angst, etwas zu verpassen). Das FOMO-Prinzip ist - wie du Dubai-Schokolade - eigentlich nichts Neues, wurde aber durch Social Media in der vergangenen Zeit immer präsenter. Wenn ein Produkt schwer zu bekommen ist, wollen es plötzlich alle haben. Der limitierte Zugang erzeugt Begehrlichkeit und Dringlichkeit. Ein Beispiel sind zeitlich begrenzte Angebote, die Kund*innen dazu animieren, schnell zu handeln, um eine vermeintlich exklusive Gelegenheit nicht zu verpassen. Bei der Dubai-Schokolade greift genau dieses Prinzip.
Für diese Zielgruppen - oft Konsumpioniere - spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil: Ein hoher Preis steigert sogar das exklusive Erlebnis und verleiht dem Produkt zusätzlichen Status. Influencer*innen mit Fokus auf Food, Lifestyle und Beauty inszenieren die Schokolade wie ein edles Accessoire. Hinzu kommt der kulturelle Appeal: Für viele Menschen steht Dubai für Luxus, Glanz und Social Status. Diese Schokolade bringt all das in handlichem Snackformat auf den Tisch.
Kommerzialisierung: Hersteller, Nachahmer und Markenanmeldungen
Längst sind nahezu alle Schokoladen-Hersteller auf den Trend aufgesprungen und stellen ihre eigene Version der Dubai-Schokolade her. Lindt ist auf den Food-Trend aufgesprungen und verkauft den Porsche unter den Schokoladen nun für stolze 14,99 Euro in wechselnden deutschen Großstädten. Nur 1.000 hat das Unternehmen Lindt bundesweit produziert, 100 davon werden am Freitag in Stuttgart verkauft.
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Dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland insgesamt zahlreiche Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert. Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade.
Qualitäts- und Rechtsprobleme
Die rasante Verbreitung des Trends brachte Qualitätsprobleme mit sich. In Baden-Württemberg deckten Untersuchungen Mängel auf: In einigen Tafeln wurde kostengünstiges Palmöl anstelle von Kakaobutter verwendet; außerdem waren Zutatenlisten unvollständig - ein potenzielles Risiko für Allergiker. Die VAE-Proben wiesen herstellungsbedingte Verunreinigungen auf, was ihre Eignung für den menschlichen Verzehr in Frage stellt. In den Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam nachgewiesen, was für Personen mit Sesamallergie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.
Aktuell darf Aldi Süd eine bestimmte Schokolade, die als "Dubai-Schokolade" vermarktet wurde, gemäß einem Beschluss des Kölner Landgerichts nicht mehr verkaufen. Das Gericht stellte fest, dass die Bezeichnung irreführend sei, da die Schokolade nicht in Dubai, sondern in der Türkei hergestellt wird. Nach deutschem Recht darf ein Produkt nur dann als "Dubai-Schokolade" bezeichnet werden, wenn es tatsächlich in Dubai produziert wurde oder einen anderen klaren geografischen Bezug zu Dubai hat. Andernfalls könnten Verbraucher getäuscht werden. Das Gericht befand, dass der Hinweis auf der Verpackung, dass sie in der Türkei hergestellt wird, nicht ausreichend sei, um eine Irreführung zu verhindern.
Preisgestaltung, Weiterverkäufe und Marktschwankungen
Wie aus dem Nichts standen Menschen plötzlich Schlange vor Geschäften, um eine der begehrten Tafeln zu ergattern, die anfangs zu Preisen bis zu 30 Euro gehandelt wurden. Im Internet wurden Weiterverkäufe zu Preisen von mehreren Hundert Euro erzielt. Discounter wie Lidl boten die Schokolade für nur 3,29 Euro an. Die Verfügbarkeit schwankte stark: Während einige Filialen innerhalb von Minuten ausverkauft waren, klagten andere über viel zu große Bestände. Für mittelständische Unternehmen sind solche Schwankungen knifflig. Sie stehen vor der Frage, ob und wie sie auf solche schnelllebigen Trends aufspringen sollen, ohne dabei ihre Ressourcen zu strapazieren oder ihre Markenidentität aufs Spiel zu setzen.
Der Einzelhandel berichtet von einem Nachfragerückgang um 70 Prozent gegenüber der Hochphase Anfang November 2024. Marktforscher bestätigen: Ob sich der Hype auf Dauer halten kann, bleibt abzuwarten. Entscheidend für die Nachhaltigkeit des Trends werde sein, ob das Geschmackserlebnis die hohen Erwartungen erfüllt. Sein Fazit: "Solange der Reiz der Exklusivität und das Gefühl, Teil eines besonderen Trends zu sein, bestehen bleiben, dürfte die Nachfrage anhalten - auch wenn die Preise im Laufe der Zeit sinken könnten."
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Gesundheit, Zutaten und Nährwert
Ist die Dubai-Variante gesünder als normale Schokolade? Das lässt pauschal nicht beantworten, es kommt auf das Rezept bzw. die Inhaltsstoffe an. Greift man z.B. zu einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil, reduziert sich der Zuckergehalt entsprechend. Pistaziencreme kann generell gesunde Fette und Proteine enthalten, wobei die Dubai-Schokolade häufig nicht mehr als 10 Prozent davon enthält. Die in Fett gebratenen Teigfäden sind eher ungesund. Die Zufuhr an Kalorien, Zucker und Fetten unterscheidet also auch bei dieser Schokoladenvariante nicht groß von anderen. Dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von über 85 % gilt hingegen als gesünder - in Studien zeigt der regelmäßige Verzehr u.a. positive Effekte auf den Cholesterinspiegel.
Nachhaltigkeit und ethische Fragen
Zunächst einmal sind Schokolade und Kakao allein in der heutigen Zeit bereits ein unter moralischen Aspekten recht umkämpftes Thema. Die Ausbeutung von kleinen Kakao-Farmbetrieben durch große Schokoladenkonzerne und die daraus resultierende Kinder- und Sklavenarbeit wurden in der Vergangenheit bereits häufig in den Medien behandelt. Im Falle der Dubai-Schokolade kommt außerdem erschwerend hinzu, dass die hohen Produktionskosten der Pistazienfüllung sowie die hohe Inflationsrate den Pistazien-Bauern und Exporteuren zumindest in der Türkei „zu schaffen macht“.
Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien-Konsum für die Umwelt bedeutet. Pistazienbäume sind zwar anpassungsfähig und trockenresistent, allerdings benötigen die Plantagen viel Wasser. Die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai-Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.
DIY-Trend und Rezeptideen
Die Gefahr, sich in einer Endlosschleife solcher Videos zu verlieren, ist durchaus gegeben. Vor allem, weil nicht nur Inhalte mit dem Verzehr der Schokolade gefragt sind. Auch Anleitungen, wie man sie nachmachen kann, sind beliebt. Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und Youtuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet hier passende Alternativen. Um dem Original-Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden. Für die Füllung benötigt man noch zerkleinertes Engelshaar (Kadayif-Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden) das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien-Creme und Tahini.
Kritik, Moral und öffentliche Debatte
Bei einem sozialen Hype wie jenem um die Dubai-Schokolade ist man von einem moralischen Diskurs oft nicht weit entfernt. Dabei geht es - wie wir sehen werden - zum einen um die moralische Frage der Beschaffung von Pistazien und Schokolade im Allgemeinen, allerdings auch um die Rechtfertigung des vergleichsweise hohen Preises und des Hypes an sich. Der hohe Preis ist für viele Menschen nur ein Grund zur Kritik. Ein weiterer ist die Qualität. So berichten Verbraucher*innen davon, dass viele der Schokoladen stark überzuckert sind und kaum echte Pistazien enthalten.
Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Und an diesen Kosten setzt die Kritik der Verbraucherschützer an. Die Hersteller nutzen den Hype, um die eigene Schokolade teuer zu vermarkten. Die WELT schrieb: „Von Betrug bis Gesundheitsschädlichkeit wurde in Dubai-Schokolade alles gefunden“. Die Kritik an den Aspekten rund um die Dubai-Schokolade ist höchstens in der Disziplin der Memes zu finden, welche die Absurdität des hohen Preises und des Hypes behandeln.
Juristische Auseinandersetzungen
In Deutschland gab es Gerichtsverfahren und Abmahnungen wegen irreführender Bezeichnungen. Im Dezember 2024 hatte ein Importeur andere Händler abgemahnt, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen. Dennoch hat das Kölner Landgericht entschieden, dass eine bestimmte Bezeichnung irreführend sein kann, wenn Herstellung und Herkunft nicht deutlich genug gekennzeichnet sind.
Wird der Hype verblassen?
Der Hype scheint so schnell zu verfliegen, wie er gekommen ist. Der Einzelhandel berichtet von einem Nachfragerückgang um 70 Prozent gegenüber der Hochphase Anfang November 2024. Marktforscher bestätigen das: In der "Trendstudie 2025" des Augsburger Instituts für Generationenforschung wird prognostiziert, dass 2025 kaum noch über Dubai-Schokolade gesprochen wird. Dass der Dubai-Schokolade-Trend schnell wieder verschwinden wird, erklären Forscher mit dem Ankereffekt, einer kognitiven Verzerrung, bei der Konsumenten von einer initial genannten Information beeinflusst werden: Viele verbinden „Dubai“ mit Wohlstand und Luxus. Der gleiche Effekt würde nicht auftreten, wenn die Schokolade „Bukarest-Schokolade“ hieße. Der schnelle Trend auf Social Media-Plattformen führte also zwar zur raschen Viralisierung, jedoch auch zur kurzen Lebensdauer, denn mehr als die Hälfte aller Generationen probierte die Schokolade nur ein Mal.
Praktische Tipps für Konsumenten
- Beim Kauf Zutatenliste prüfen: Wie viel Pistazie enthält die Creme wirklich?
- Auf deklarierte Allergene achten-insbesondere Sesam und Nüsse.
- Bei Herkunftsangaben skeptisch sein: "Dubai" kann auch eine Gattungsbezeichnung sein.
- Preis-Leistungs-Verhältnis hinterfragen: Teuer heißt nicht automatisch besser.
- Für Sparsame: DIY-Rezepte nutzen und eigene Variante mit Kadaifi, Tahini und Pistaziencreme herstellen.
Tabelle: Kurzüberblick zu Kritikpunkten und Hinweise
| Kritikpunkt | Konkretes Problem | Hinweis für Verbraucher |
|---|---|---|
| Irreführende Herkunft | Produkt als "Dubai" bezeichnet, aber in Türkei hergestellt | Herkunftsetikett prüfen; Gerichtsurteile beachten |
| Qualität | Palmöl statt Kakaobutter, künstliche Farbstoffe | Zutatenliste lesen; auf echte Kakaobutter achten |
| Allergene | Unangegebener Sesam in Proben | Allergiker:innen vorsichtig sein |
| Nachhaltigkeit | Wasserverbrauch und Monokulturen bei Pistazien | Regionale und faire Herkunft bevorzugen |
| Marketing-Hype | FOMO, hohe Preise, Schnelllebigkeit | Geschmack statt Image bewerten |
Die Dubai-Schokolade ist letztlich eine perfekte Fallstudie dafür, wie leicht wir uns vom oberflächlichen Glamour verführen lassen. Am Ende ist das Ganze ein ausgeklügeltes Marketing-Manöver. Die Wahrheit ist, dass es hier nicht nur um Geschmack oder Qualität geht. Nein, es geht um das Image.
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