Dubai-Schokolade: Hype, Geschmack und Bedeutung

Die Dubai-Schokolade ist ein mehrschichtiges, edles Konfekt: oben und unten eine feine Schokoladentafel, dazwischen eine cremige Füllung aus Pistazienbutter, Tahini (Sesampaste) und einem knusprigen Element namens Kataifi - feine Fadennudeln, im Arabischen auch Engelshaar genannt. In den sozialen Medien wird sie gefeiert und in höchsten Tönen gelobt. Die Kombination des Fadenteigs und der Pistazien-Creme verleiht der Schokolade beim Aufbrechen ihr besonderes Aussehen. Das wird auch in den entsprechenden Medien regelrecht zelebriert.

Die Geschichte der Dubai Schokolade beginnt etwa 2021 in Dubai. „Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Die Erfindung der Dubai-Schokolade wird Sarah Hamouda zugeschrieben, sie ist die Inhaberin des Unternehmens "Fix Dessert Chocolatier" in Dubai. Die erste Kreation hieß Can’t Get Knafeh of It - ein Mix aus Schokolade, Pistaziencreme, Tahini und geröstetem Kataifi-Teig. Das Besondere an der ursprünglichen Dubai Schokolade: Sie verband orientalischen Luxus mit moderner Handwerkskunst - jede Tafel wurde handgefertigt und ästhetisch inszeniert.

Dubai-Schokolade geöffnete Tafel mit Engelshaar-Textur

Wie kam es zu dem Hype?

Der Hype um die Dubai-Schokolade hat weltweit für Furore gesorgt - und das aus gutem Grund. Ein wesentlicher Treiber des Trends ist der Social-Media-Boom. Die Plattform machte die Schokolade berühmt. Die Food- und ASMR-Influencerin Maria Vehera entdeckte die Dubai-Schokolade für sich, aß sie in einem Video und trat damit einen riesigen Hype los. Auf dem deutschen Markt machte aber nicht Maria Vehera die Dubai Schokolade bekannt, sondern die Food-Influencerin Kiki Aweimer. Sie brachte die Dubai-Schokolade im April 2024 nach Deutschland. Kiki Aweimer, besser bekannt unter ihrem Account-Namen „Kiki’s Kitchen“ ist mittlerweile zu so etwas wie der Botschafterin der Dubai-Schokolade hierzulande geworden. Die Schokolade war so beliebt, dass sie kurzerhand einen Online-Shop zum Vertrieb der Süßigkeiten eröffnete. Die erste Lieferung war in kürzester Zeit ausverkauft - teilweise innerhalb weniger Minuten nach dem Verkaufsstart.

Was machte diese Schokoladensorte auf einmal so unwiderstehlich? Der Hype um die Dubai-Schokolade bedient sich einem einfachen Marketing-Prinzip: FOMO - Fear of Missing Out (dt. die Angst, etwas zu verpassen). Das FOMO-Prinzip ist - wie die Dubai-Schokolade - eigentlich nichts Neues, wurde aber durch Social Media in der vergangenen Zeit immer präsenter. Der Marketingstratege Dan Hermann erkannte 1996, dass die Angst, etwas zu verpassen, ein starker psychologischer Hebel ist, der Menschen dazu verleitet Kaufentscheidungen zu treffen. Wenn ein Produkt schwer zu bekommen ist, wollen es plötzlich alle haben. Der limitierte Zugang erzeugt Begehrlichkeit und Dringlichkeit. Ein Beispiel sind zeitlich begrenzte Angebote, die Kund*innen dazu animieren, schnell zu handeln, um eine vermeintlich exklusive Gelegenheit nicht zu verpassen. Bei der Dubai-Schokolade greift genau dieses Prinzip.

ASMR-Video: Aufbrechen und Knistern der Dubai-Schokolade

ASMR, Influencer und Inszenierung

Was ist ASMR? ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“ bzw. autonome sensorische Meridianreaktion und ist sowohl eine psychologische als auch eine körperliche Erfahrung. Sie umfasst das Gefühl von Ruhe, Glück und Schläfrigkeit sowie ein Kribbelgefühl auf der Kopfhaut, im Nacken und an der Wirbelsäule. Und das entsteht bei vielen Menschen, wenn sie bestimmte Geräusche hören, zum Beispiel, wenn jemand kaut oder in ein Mikrofon flüstert. Nichts für Menschen mit Misophonie. Gerade Influencer*innen mit Fokus auf Food, Lifestyle und Beauty inszenieren die Schokolade wie ein edles Accessoire. Es genügt, wenn ein paar Influencer ihre glamourösen Unboxing-Videos posten, und schon fühlen sich alle, als ob sie etwas verpassen, wenn sie diese Schokolade nicht besitzen. Die Schokolade wird zum Statussymbol: "Schaut her, ich habe eine, ich war der Erste!"

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Was steckt wirklich in der Tafel?

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei der Dubai-Schokolade jedoch lediglich um eine Schokolade mit einer speziellen Füllung. Diese Füllung setzt sich vorwiegend aus Pistaziencreme und gerösteten, zerkleinerten Teigfäden (Kadaifi) zusammen. Die Zutatenliste ist also relativ überschaubar. Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam-Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten. Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade.

Zutat Bedeutung
Pistaziencreme / Pistazienbutter Kerngeschmack, teurer Bestandteil
Kataifi / Engelshaar (Kadayif) Knuspriges Element, sorgt für optische und texturale Besonderheit
Tahini (Sesampaste) Verleiht nussig-salzigen Nachklang
Vollmilch- oder Bitterschokolade Basis, Außenhülle

Die Basis jeder echten Dubai Schokolade sind Pistazien - und genau die gehören zu den teuersten Nüssen der Welt. Die Kombination aus Pistaziencreme und gerafftem Engelhhaar macht ihren Geschmack und ihr Aussehen aus. Die Schokolade des Originals wird vom Schweizer Hersteller Max Felchlin AG produziert. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien.

Kritik: Qualität, Preis und Lebensmittelsicherheit

Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Das Original kostet in Dubai rund 18 € pro Tafel. In Europa kann der Preis jedoch auf mehrere Dutzend Euro steigen. Der hohe Preis ist für viele Menschen nur ein Grund zur Kritik. Ein weiterer ist die Qualität. So berichten Verbraucher*innen davon, dass viele der Schokoladen stark überzuckert sind und kaum echte Pistazien enthalten. Die Hersteller nutzen den Hype, um die eigene Schokolade teuer zu vermarkten.

Im Dezember 2024 führte die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg eine Untersuchung von acht Proben „Dubai-Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Dabei wurde der Einsatz von Palmöl anstelle von Kakaobutter in den VAE-Proben beanstandet, was eine Verbrauchertäuschung darstellt, da das Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen für Schokolade entspricht. Zudem enthielten die VAE-Proben herstellungsbedingte Verunreinigungen, was ihre Eignung für den menschlichen Verzehr in Frage stellt. In den Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam nachgewiesen, was für Personen mit Sesamallergie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.

Derzeit gibt es auch juristische Auseinandersetzungen um die Bezeichnung: Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert. Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen.

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Verbraucherschutz und Warnungen

Die Lebensmittelaufsicht warnte vor importierter Dubai-Schokolade. Stichproben von Dubai-Schokoladen enthüllen erhebliche Mängel. Die Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschützer haben auf verschiedene Qualitäts- und Sicherheitsmängel hingewiesen. Deshalb ist kritisches Lesen der Zutatenliste wichtig: Wo wurde die Schokolade hergestellt, welche Fette wurden verwendet, sind deklarationspflichtige Allergene aufgelistet?

Ist der Hype vorbei?

Ist er nun schon wieder vorbei? Der Hype um die Süßigkeit ist auch 2025 noch nicht vorbei. Mittlerweile haben auch große Marken wie Lindt eine eigene Variante der Dubai-Schokolade herausgebracht. Die Beliebtheit der Süßigkeit hat zudem zu einer verstärkten Nachfrage nach Pistazienprodukten geführt. Allerdings gibt es auch Anzeichen für eine gewisse Hype-Müdigkeit. Einige Verbraucher*innen hinterfragen den anhaltenden Trend, insbesondere angesichts der hohen Preise und der zunehmenden Verfügbarkeit in Discountern. Auch die zunehmende Verfügbarkeit führt dazu, dass der exklusive Reiz teilweise verloren geht.

Ob der Trend langfristig bestehen bleibt, hängt davon ab, ob die Dubai-Schokolade die hohen Erwartungen weiterhin erfüllt. Am Ende ist das Ganze auch ein ausgeklügeltes Marketing-Manöver. Die Wahrheit ist, dass es hier nicht nur um Geschmack oder Qualität geht. Nein, es geht um das Image. Dubai-Schokolade klingt nach Luxus, nach Exotik, nach einem Hauch von "1001 Nacht". Dubai steht für Luxus, Glanz und Social Status. Diese Schokolade bringt all das in handlichem Snackformat auf den Tisch. Und wenn wir ehrlich sind, kaufen viele von uns das Gefühl mit: das Gefühl, sich etwas Besonderes leisten zu können, dazuzugehören.

DIY, Nachhaltigkeit und Alternativen

Doch warum teuer kaufen, wenn man das kulinarische Erlebnis auch relativ einfach zuhause selbst herstellen kann? Genau das hat zu einem weiteren Trend geführt. Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und Youtuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet hier passende Alternativen.

Für die Füllung benötigt man noch zerkleinertes Engelshaar (Kadayif-Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden) das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien-Creme und Tahini. Um dem Original-Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden. Ja! Einfach Pistazienbutter, Schokolade und Tahini kombinieren. Eine Anleitung finden Sie u.a. hier.

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Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien-Konsum für die Umwelt bedeutet. Pistazien sind ein klassisches Importgut z.B. aus dem Iran, Kalifornien, Spanien oder der Türkei. Die Nachfrage weltweit ist groß und steigend. Dies wiederum verlangt nach mehr Anbauflächen. Pistazienbäume sind zwar anpassungsfähig und trockenresistent, allerdings benötigen die Plantagen viel Wasser. Die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai-Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.

Ernährungsaspekte

Ist die Dubai-Variante gesünder als normale Schokolade? Das lässt pauschal nicht beantworten, es kommt auf das Rezept bzw. die Inhaltsstoffe an. Greift man z.B. zu einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil, reduziert sich der Zuckergehalt entsprechend. Pistaziencreme kann generell gesunde Fette und Proteine enthalten, wobei die Dubai-Schokolade häufig nicht mehr als 10 Prozent davon enthält. Die in Fett gebratenen Teigfäden sind eher ungesund. Die Zufuhr an Kalorien, Zucker und Fetten unterscheidet also auch bei dieser Schokoladenvariante nicht groß von anderen. Dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von über 85 % gilt hingegen als gesünder - in Studien zeigt der regelmäßige Verzehr u.a. positive Effekte auf den Cholesterinspiegel. Hier fehlen allerdings die aufregende Vermarktung und die geschmackliche Variation.

DIY-Zutaten für selbstgemachte Dubai-Schokolade: Pistazien, Tahini, Kadayif

Fazit zur Bedeutung des Trends

Die Dubai-Schokolade ist letztlich eine perfekte Fallstudie dafür, wie leicht wir uns vom oberflächlichen Glamour verführen lassen. Es ist erstaunlich, wie schnell wir uns von Social Media einwickeln lassen. Die Schokolade wurde in Dubai erfunden, dem Symbol für Luxus und Exotik. Schon kurz nach ihrem Durchbruch verstanden Händler weltweit, dass hier ein echter Trend geboren war, und passten ihre Rezepte schnell an. Die Nachfrage führte zu vielen Nachahmungen, juristischen Auseinandersetzungen und Debatten über Qualität, Herkunft und Verbraucherschutz. Im Kern bleibt die Dubai-Schokolade jedoch: eine Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist, und die als Produktbild Luxus, Exotik und sozialen Status kommuniziert.

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