Die Ärzte — „Schokoladen“ Song und Bedeutung: Ein ausführlicher Blick
Die Ärzte sind eine Musikgruppe aus Deutschland. Ihre Heimat ist Berlin. Die Band wurde im Jahr 1982 gegründet und kommt ursprünglich aus der Punk-Rock-Szene. Bis heute haben sie ihren Stil aber oft verändert: Sie machen viele Arten von Rockmusik. Die Liedtexte der Ärzte sind sehr verschieden: Es gibt viele Liebeslieder und Lieder mit Quatschtexten, aber auch ernste Lieder, die zu einem politischen Thema Stellung nehmen. Die Ärzte engagieren sich auch für Umweltschutz und Menschenrechte und gegen Fremdenfeindlichkeit.
Die Bandgeschichte in Kürze - Kontext für das Lied
Die Ärzte wurden 1982 gegründet. Dabei waren der Schlagzeuger Dirk Felsenheimer, genannt „Bela B.“, der Gitarrist Jan Vetter, genannt „Farin Urlaub“ und der Bassist Hans Runge, genannt „Sahnie“. Sahnie verließ die Gruppe 1986, Hagen Liebing half für ihn aus. Im Jahr 1988 trennte sich die Gruppe. Doch im Jahr 1993 wurde die Gruppe mit dem neuen Bassisten Rodrigo González wiedervereinigt. In Deutschland wurden Die Ärzte 1984 mit dem Album „Debil“ bekannt. Die bekanntesten Lieder davon sind „Paul“, ein Spaßlied über einen Bademeister und „Zu spät“.
Zwei Alben kamen auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Das heißt, diese Alben dürfen nur noch Menschen kaufen, die über 18 Jahre alt sind. Ein weiteres beliebtes Lied aus der Zeit vor der Auflösung 1988 ist „Westerland“, ein Lied über einen Urlaubsort auf Sylt. Das erste bekannte Lied nach 1993 heißt „Schrei nach Liebe“. Darin kritisieren Die Ärzte die Neonazis. 2015 wurde das Lied noch einmal sehr beliebt, als Geste gegen Neonazis, die gewalttätig gegenüber Flüchtlingen sind. Weitere bekannte Lieder sind „Junge“, „M&F“, „Unrockbar“ oder „Männer sind Schweine“.
„Schokoladen“ als Ort, Konzert und kultureller Kontext
Schokoladen ich komme. Gerade bei Ticketvorverkäufen liest und hört man immer wieder von Enttäuschung und Frust bei Fans. Mittlerweile werden von irgendwelchen geldgierigen Arschlöchern automatisierte Ticket-Bots geschalten, so dass ein Mensch aus Fleisch und Blut gar keine Chance hat, an Karten zu kommen. Beziehungsweise nur nach dem VVK. Für teures Geld im billigen Internet. Scheinbar konnte aber dieses Mal nur mit Kreditkarten bezahlt werden. Ärzte 1 - Bots 0.
In Berlin fix das Reise-Gerassel im Hotel geparkt und ab vor den Schokoladen, die Location abchecken. Der Schokoladen stach sofort ins Auge. Im komplett durchgentrifizierten Stadtteil wirkte der Club wie aus der Zeit gefallen, eine Insel der Glückseligkeit. Vor Ort war soweit alles ruhig, nur ein paar Techniker und Hands lungerten gemütlich vor dem Laden herum. Also flanierten wir erst einmal die Straße entlang und verschafften uns einen Eindruck davon, wie Leipzig-Connewitz in zehn Jahren aussehen wird.
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Circa 50 Meter vom eigentlichen Club entfernt, entdeckten wir einen zweiten Schokoladen. Eine Schicki-Micki-Cafè-Bude. Diese wurde umgehend fotografisch festgehalten und das Bild an Freunde und Bekannte verschickt. Hier spielen heute Die Ärzte. Pennäler-Humor at its best. Nobelrestaurants mit wahlweise französischer oder italienischer Küche waren ebenso auszumachen wie Ayurveda-Massagen und ein Luxus-Geschäft für Pracht-Hunde von Wohlstands-Menschen. Das weckte sogleich unseren Appetit und wir begaben uns in den nahe gelegenen 24-Stunden-Döner-Pizza-Burger-Hähnchen-Hier-gibt-es-alles-Laden.
Das Konzert im Schokoladen - Ablauf und Stimmung
Endlich konnte der Schokoladen betreten werden und das dargebotene Bild des Clubs war vertraut: klein, dunkel, ein Punkrockschuppen eben. Ich war nun nicht mehr nervös, sondern positiv angespannt. Und wie steigert man dieses Gefühl am besten? Richtig, mit Bier! Also wurde umgehend die Bar aufgesucht und mit Erstaunen nahm ich die Getränkepreise wahr: Bier 2,50€, Cola 2 €. Der Club hätte an diesem Abend das sicher zahlungskräftige Publikum ordentlich melken können, tat es aber nicht. Anständig!
So winzig wie die Preise an der Bar war auch die Bühne. Im Vorfeld wurde mehrfach geunkt, wie denn der ganze Kram der Band dort seinen Platz finden solle. But it´s just Punkrock: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Mehr braucht es nicht und war auf der Bühne auch nicht auszumachen. Die für uns aufgeworfene Frage, wo wir denn stehen wollen, ließ sich schnell beantworten: ‚Egal, denn auch die letzte ist immer noch die vierte Reihe‘.
Pünktlich 19:30 Uhr betraten Bela, Farin und der Neue am Bass den Innenraum vom Schokoladen. Bühnenaufgang? Fehlanzeige. Das Publikum bildete ein Spalier und über die Bar gelangten BFR unter Applaus des Publikums auf die Bühne. Statt Musik gab es erst einmal ein Sprüchefeuerwerk, die Zeit bis 22 Uhr musste schließlich irgendwie gefüllt werden. Als Opener wurde ‚Gute Nacht‘ intoniert, sich anschließend für den schönen Abend bedankt und die Gäste in den Abend entlassen. Diese Art von Humor muss man mögen. Dem Saal inklusive uns gefiel es.
Nach dieser Einlage ging es endlich so richtig los. Mit ‚Noise‘ zeigte sich gleich, dass Die Ärzte technisch betrachtet nicht schummeln würden. Gitarre, Schlagzeug und Bass klangen nach Proberaum und waren nicht aufgemotzt. Der Mann am Mischpult musste die Monitore auf der Bühne bis zum Anschlag aufdrehen, damit BelaFarinRod selbst überhaupt etwas verstehen konnten von ihren Gesängen, denn das Publikum war sofort da. Es folgten Lieder aus allen Jahrzehnten Bandgeschichte (‚Du willst mich küssen‘, ‚Hurra‘, ‚Heulerei‘, ‚Fiasko‘, ‚Doof‘, usw.).
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Der Nerd in mir erwachte schon während des Konzertes und stellte sich die Frage, ob denn von jedem Studioalbum ein Lied gespielt werden würde. Und bis auf ‚Das ist nicht die ganze Wahrheit‘ traf dies, B-Seiten der Singles eingerechnet, tatsächlich zu. Wissen, das die Welt nicht braucht.
Setlist, Publikum und Highlights
Jede*r hat bestimmt eigene Lieblingssongs der Band. Am intensivsten nahm ich Die Ärzte in meinen Teenagerjahren wahr, die für die eigene Sozialisation am meisten prägende Zeit. Das Pickelgesicht in mir freute sich daher über dargebotene Lieder wie ‚Ignorama‘, ‚Die Wiking-Jugend hat mein Mädchen entführt‘, ‚Punkbabies‘, ‚Mein kleiner Liebling‘, ‚No Future (ohne neue Haarfrisur)‘, ‚Angeber‘ und ‚Der Afro von Paul Breitner‘. Letzteres sei laut World Wide Web wohl sogar eine Live-Premiere gewesen.
Mit ‚Alle auf Brille‘ fand auch der weltweit in allen Gesellschaftsschichten geliebte Schlachtruf „Oi!“ den Weg in die Setlist, live wie auf Platte ein Kracher. Für mich ebenfalls ein Highlight war das von Rod schnulzig-schmachtend vorgetragene ‚Kamelralley‘. Am Versuch, es schlimmer zu intonieren als Hans Runge anno dazumal, ist er jedoch krachend gescheitert.
Im Laufe des Abends wurde von den Fans ‚Geschwisterliebe‘ angesungen. Die Ärzte stimmten zumindest meiner Erinnerung nach nicht mit ein, ließen das Publikum aber gewähren. Ein gemeinsames Singen dieses Liedes wäre wohl zu viel des Guten gewesen und scheinbar wollten BFR nicht, dass das Publikum wie Uwe Barschel endet.
Bedeutung von Texten und besonders von provokativen Songs
In der Bandgeschichte der Ärzte spielen Provokation und Satire eine große Rolle. Los ging die große Indizierungswelle bei den Ärzten 1987 mit dem Lied “Geschwisterliebe”. Im Zuge der ersten Indizierung von Die Ärzte schaute die Bundesbehörde sich auch die anderen Veröffentlichung der Band genauer an - und wurde fündig. Auch auf dem Debütalbum Debil war der Humor der Ärzte nicht mit deutschen Sitten vereinbar. Die BPjS fand u.a. die Texte zu weitgehend provokant.
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Als Reaktion auf die Indizierung der beiden Alben brachten Die Ärzte 1987 das Mini-Album Ab 18 heraus, das alle indizierten Songs plus ein paar weiterer Provokationen enthielt. Ab 18 schaffte etwas sehr Beeindruckendes: Es landete gleich mehrfach auf dem Index für jugendgefährdende Schriften. Einmal natürlich wegen der Songs, aber auch das Booklet wurde indiziert. Doch Zeiten ändern sich und heute ist Gwendoline ein Art Bandlogo und ein beliebtes Tattoomotiv von Fans. Trotz oder gerade wegen der Indizierung landete Ab 18 übrigens auf Platz 33 in den Charts.
Zwischen allen Zoten gönnen sich die Ärzte immer auch Gesinnungs- und Gewissensfragen. Diesmal treten sie die offenen Türen zwischen den Geschlechtern ein. Den Heterosexuellen nehmen sie das Selbstverständnis: „Männer und Frauen sind das nackte Grauen.“ Für die Homosexuellen werben sie: „Manche Männer lieben Männer, manche Frauen eben Frauen. Da gibt’s nix zu bedauern und nix zu staunen.“ „Tamagotchi“ handelt von Verantwortung. „Waldspaziergang mit Folgen“ beschwört den Glauben als private Angelegenheit. Ein Lied heißt „Du darfst das“: „Komm, setz dich zur Wehr, stell dich einmal quer.“
Interpretation: Was kann „Schokoladen“ bedeuten?
Der Club Schokoladen als Spielort und der intime Rahmen eines kleinen Konzerts lassen das Publikum besonders nah an die Band herankommen. In diesem Kontext wird deutlich, wie Die Ärzte ihren Humor, ihre Provokationen und ihre gesellschaftlichen Aussagen in einem sehr direkten Austausch mit dem Publikum platzieren. Die Reaktionen des Publikums - vom Mitsingen bis zu LaOla-Wellen - zeigen, dass die Songs der Ärzte auf unterschiedlichen Ebenen wirken: als Entertainment, als nostalgische Erinnerung, als politische Ansage oder als gemeinschaftliches Ritual.
Die Ärzte verbinden in ihren Auftritten Ernst und Spaß, Satire und Haltung. Sie spielen Lieder aus allen Jahrzehnten, experimentieren mit Arrangements (z. B. A-Moll in verschiedenen Tonarten, Akkordeon- oder Kinderinstrument-Einsätze bei Songs wie ‚Dobly‘) und provozieren manchmal bewusst Reaktionen, sei es durch das Auslassen erwarteter Hits oder durch die Einladung des Publikums, problematische Texte selbst zu singen. Diese Mischung schafft Bedeutung: Die Ärzte fordern den Hörer heraus, lachen zu können, aber auch Stellung zu beziehen.
Songbeispiele und Autorenzuordnungen - Einblick in die Entstehung
„Kamelralley“: Eins der wenigen Sahnie-Stücke. Wir wollten, dass sich auf unserer ersten LP wenigstens ein Lied von unserem Bassisten befindet und baten ihn, eins zu schreiben. Er war damals großer Fan der Softrockband Münchner Freiheit, was ich echt zum Kotzen fand, was aber diesen schäbigen Song erklärt. Jedenfalls kam er dann mit diesem Liebeslied an, was textlich zwar völlig belanglos war, musikalisch aber, naja, ging. Damals haben wir noch regelmäßig geprobt und Stücke im Übungsraum arrangiert. Farin und ich haben erst mal den Text verändert. Die Klage eines Volldeppen, der nicht erkennt, dass sein Girl ihn verlässt, weil er zu langweilig ist. Das passte gut in unsere schwarzweiße "Punker contra Spießer"-Welt und gut zu Sahnies Stimme.
„Du willst mich küssen“: Den Song haben wir schon lange nicht mehr gespielt... ich werde mal vorschlagen, ob wir den nicht mit dem unveröffentlichten englischen Text spielen können "...I was on my way you see, to the public library to get the book of seven seals...". Fänd ich super!
„Hair today, gone tomorrow“: Auf den Text bin ich ziemlich stolz, der Song ist'n bisschen zu Powerpop. Metal wäre dem Text angemessener gewesen, aber die Gitarrenmelo ist doch immer noch echt fesselnd.
Weitere Songgeschichten zeigen die Band als Autorenkollektiv mit unterschiedlichen Stilen: Farin, Bela und Rod steuern eigene Stücke bei und alle drei singen, meistens jeder die Lieder, die er geschrieben hat. Farin Urlaub und Bela B. sind seit einiger Zeit auch jeweils allein aktiv. Vor allem Farin Urlaub hatte mit seinem „Farin Urlaub Racing Team“ schon einige Erfolge.
Setlist-Auswahl als Aussage: Was nicht gespielt wird
Gut fand ich, dass auf Stücke wie ‚Westerland‘ und ‚Zu spät‘ zugunsten anderer Perlen der Band verzichtet worden ist. Die Ärzte spielten z.B. ‚A-Moll‘ in verschiedenen Tonarten. Als dann ‚Dobly‘ angestimmt wurde (für mich ein Hit, der, warum auch immer, nicht auf den aktuellen Alben gelandet ist), stellte sich mir während der Strophe die Frage, wie zum Henker der Synthie-Part funktionieren sollte. Aber er funktionierte. Irgendwie. Und zwar so: Bela und Rod sorgten für eine leise Begleitmusik an Schlagzeug und Bass, während Farin ein Akkordeon für Kinder unters Mikrofon hielt, eben jenes malträtierte und den Refrain … naja … sang, wenn man es so nennen möchte.
Publikumserlebnis und Nachklang
Etwas ungläubig, was wir da denn gerade erlebt hatten, lagen sich Fussel und ich schwitzend aber verdammt glücklich in den Armen. Ich hatte, wie bereits erwähnt, schon einige Konzerte der Die Ärzte miterlebt. Und oft war es so, dass ich nach 1 oder 1 ½ Stunden einen Blick auf die Uhr warf und mir dachte: ‚Puh, noch so lange bis Konzertende‘. Doch die 2 ½ Stunden im Schokoladen waren für mich die kürzesten meines Lebens. Relativität und so, ihr wisst wovon ich rede respektive schreibe. Für Band und Publikum ein gleichermaßen ungewohnter und außergewöhnlicher Abend, was man auch an der Interaktion zwischen beiden Polen deutlich feststellen konnte. Zu den 100 Kartenbesitzer*innen gehören zu dürfen, lässt sich am besten mit dem Wort ‚Glück‘ umschreiben.
Der obligatorische Zugabenblock war für diesen Abend ebenfalls standesgemäß von BFR umgesetzt worden. Es erfolgte die zweite Verabschiedung des Abends und statt von der Bühne zu gehen (wo wollten sie auch hin?!), öffneten die drei einen Wandschrank auf der Bühne, „versteckten“ sich hinter der Tür mit dem Rücken zum Publikum und ließen den Club verdunkeln. Publikum und Band hatten bei dieser Aktion ihren Spaß. Anschließend wurde die Klaviatur von Ärzte-Hits bespielt mit Liedern wie ‚Unrockbar‘, ‚Himmelblau‘ und ‚Junge‘. Zwischenzeitlich erfolgte noch eine Art A-Cappella Version von Peter Maffays ‚Und es war Sommer‘. Doch jeder Abend, sei er auch noch so einzigartig, hat irgendwann einmal ein Ende. Mit ‚Dauerwelle vs. Minipli‘ lief das letzte Lied des Abends über den Bühnenäther und Bela, Farin und Rod ließen sich ausgiebig feiern.
Tabelle: Auswahl relevanter Fakten
| Aspekt | Detail |
|---|---|
| Bandgründung | 1982 in Berlin |
| Ursprungsstil | Punk-Rock |
| Wiedervereinigung | 1993 mit Rodrigo González am Bass |
| Indizierte Veröffentlichungen | Mehrere Alben/Songs in den 1980ern (z. B. „Debil“, „Ab 18“) |
| Charakter des Konzerts im Schokoladen | Kleiner Club, intensive Nähe, breite Setlist, Humor & Provokation |
| Besonderes | Interaktion mit Publikum, Überraschungen in der Setlist |
Die Ärzte sind der beste Grund, nichts Besseres zu tun haben. „Auch“ erklärt sich damit selbst als Album und Gesellschaftsspiel und wird im Inhalt der Verpackung gerecht.
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