Beliebte deutsche Keksmarken und ihre Geschichte

Die Anfänge des Backens finden sich nicht in Europa, sondern im Ägypten der Pharaonen. Dort standen Getreide, seine Ernte und Verarbeitung zu Brot und Gebäck in hohem Ansehen. Produkte des Getreides brachte man den Göttern als Dankopfer dar, Brot und Feingebäck gab man den Toten auf ihrer weiten Reise ins Jenseits mit ins Grab. Auch in Griechenland galten Brot, Kuchen und Kleingebäck als Geschenk der Götter. Die Kunst des Backens hatte man von den Völkern jenseits des Mittelmeeres übernommen und verfeinert. Um 200 v. Chr. wurden bereits viele verschiedene Luxusgebäcke erwähnt, die man vor und nach den Mahlzeiten aß. Es gab Honigfladen, Rahmgebäck, Sesamkuchen, Krapfen aus Buchweizenmehl, Öl und Honig, Ringelkuchen, die man heiß in Wein tauchte, und Torten mit Weintrauben und Mandeln gefüllt. Die Herstellung von Kuchen-, Fein- und Kleingebäck erreichte dabei einen höheren Stellenwert als die von verschiedenen Brotsorten.

Erst zwei Jahrhunderte später gelangten die griechisch-ägyp­tischen Einflüsse nach Rom, wo es im 4. Jahrhundert n. Chr. die erste „Konditoren-Innung“ gab. Durch technische Verbesserungen bei der Mehlherstellung und der Backöfen war die Auswahl an Broten, Fein- und Kleingebäck kaum zu überblicken. Mit der Verbreitung des Christentums übernahmen und entwickelten vor allem die Klöster die Kunst der römischen Feinbäckerei. Eine Reihe von Gebäcken ist bis heute erhalten: Zöpfe, Brezeln, Hörnchen und Kipferl (Mondsicheln) sowie Sterne. Besonders beliebt waren bei Klosterbrüdern Honigkuchen und Lebkuchen aller Art, die man das ganze Jahr über aß. In den Klöstern kam man auch auf die Idee, die recht flüssige Lebkuchenmasse auf Oblaten zu streichen.

Mit der Verfügbarkeit von Zucker aus der Zuckerrübe (um 1800), von Kakao und Schokolade und von Produkten aus Mandeln und Nüssen und dem technischen Fortschritt begann vor allem in den letzten beiden Jahrhunderten der eigentliche Durchbruch für eine unüberschaubare Vielfalt höchst genussvoller Feiner Backwaren. Aus dieser Zeit der vorletzten Jahrhundertwende stammt auch der Begriff der „Dauerbackwaren“, deren klassische Vertreter der Zwieback und der Keks sind. Damals sprach man aber noch nicht von Kuchen und Keks, sondern von „Cakes und Biscuits“. Diese stammten entweder aus heimischen Bäckereien oder wurden aus England, Belgien oder Frankreich exportiert. 1889 schließlich wurde von Hermann Bahlsen in Hannover die „erste deutsche Cakesfabrik“ nach englischem Vorbild gegründet. In ihr stand die erste Fließbandanlage Europas zur Herstellung von Keksen, Kuchen & Co. Somit war der Grundstein für die industrielle Feine Backwaren-Produktion und für den Siegeszug von industriell gefertigten Feinen Backwaren gelegt.

Die Zeiten, als Feine Backwaren nur Göttern oder den Begüterten vorbehalten waren, sind heute zum Glück längst vorüber. Der hannoversche Zuckerhändler Hermann Bahlsen erfand 1891 den Butterkeks. Hermann Bahlsen (1859-1919) hat nicht nur den Butterkeks mit den 52 Zähnen erfunden, ihm ist auch das Wort "Keks" zu verdanken. Bahlsen arbeitete ab 1880 als Zuckerhändler in London und lernte dort dieses leicht süßliche Dauergebäck kennen, das die Engländer gern zum Tee aßen und "cakes" nannten. Zurück in Hannover gründete er 1889 eine Firma: die "Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen". Zwei Jahre später kamen erstmals seine "Butter Cakes" auf den Markt, die in kleinen Tüten verkauft und 1893 auf der Weltausstellung in Chicago mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurden.

Hermann Bahlsen war es wichtig, dass seine Kekse mit Buttergeschmack eine "Persönlichkeit" haben, und so nannte er sie werbewirksam "Leibniz Cakes" - zu Ehren des hannoverschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). Weil die Kunden jedoch das Wort "Cakes" nicht englisch aussprachen, deutschte Bahlsen es einfach ein und erfand 1911 den Begriff "Keks", der wenige Jahre später sogar offiziell im Duden aufgenommen wurde: 1915 steht zum ersten Mal im Rechtschreibwörterbuch der deutschen Sprache das Wort "Keks" mit der Bedeutung "trockenes, haltbares Kleingebäck".

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Historische Werbung von Bahlsen und Leibniz-Keks

100 Jahre hing ein großer, goldener Leibniz-Keks unbehelligt zwischen zwei Brezelmännern an der Fassade des Bahlsen-Stammhauses in Hannover. Bis irgendwann im Januar 2013 das fast 20 Kilogramm schwere und einen halben Meter hohe Firmenwahrzeichen aus vergoldeter Bronze aus fast fünf Metern Höhe von einem vermeintlichen Scherzkeks entwendet wurde. Wenige Tage später forderte ein bis heute unbekannter Erpresser, der sich als "Krümelmonster" ausgab, in einem Schreiben für die Rückgabe Gratis-Kekse für ein Kinderkrankenhaus und eine Spende für ein Tierheim. Andernfalls werde der vergoldete Riesenkeks bei Oskar (ebenfalls bekannt aus der Kindersendung "Sesamstraße") in der Mülltonne landen. Die Nachricht vom mysteriösen Keks-Klau in Hannover ging um die Welt. Gut zwei Wochen später, am 5. Februar 2013, tauchte der Gold-Keks - mit einer roten Schleife geschmückt - am Denkmal vor der Leibniz Universität in Hannover wieder auf und hängt seit dem 11. Juli 2013 wieder an seinen Stammplatz zwischen den Brezelmännern - auf Hochglanz poliert und von einer Videokamera überwacht.

Der große Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz forderte bekannterweise ja "Klarheit in den Worten, Brauchbarkeit in den Sachen" - was auf Bahlsens Butterkeks ohne Zweifel zutrifft - und empfahl 1683 in seiner Abhandlung, Soldaten statt mit Brot besser mit dem länger haltbaren Zwieback zu verpflegen. Doch dass der Universalgelehrte eine Schwäche für Butterplätzchen hatte, ist bislang noch nicht überliefert. Tatsächlich war es zu Bahlsens Zeit allgemein üblich, Nahrungsmittel nach bekannten Persönlichkeiten zu benennen: heute genießen wir ganz selbstverständlich Bismarckheringe, Mozartkugeln oder Schillerlocken und auch Leibniz Butterkekse.

Warum hat ein Leibniz Butterkeks eigentlich genau 52 Zähne? "Mit 50 würde der Keks anders schmecken", verriet der Enkel des Firmengründers und heutige Firmenchef Werner Michael Bahlsen in einem Focus-Interview vom 11. April 2014 aus Anlass zu seinem 65. Geburtstag. Montag, 12. Angesichts inzwischen spürbar sinkender Temperaturen dürften sich viele Deutsche nun wieder einen Knabber-Vorrat für Herbst und Winter anlegen. Welche Marken die besten Chancen haben, davon zu profitieren, zeigt das Ranking der stärksten deutschen Keksmarken, das Splendid Research erneut exklusiv für HORIZONT erstellt hat.

Bahlsen-Hauptquartier und Leibniz-Keks

Bahlsen: Von Leibniz-Cakes zum Keksimperium

Den Grundstein für das heutige Keks-Imperium legte Bahlsen mit der Idee, englische Cakes nach Deutschland zu übersetzen und zu deuten. 1891 wurde der Butterkeks geboren, und 1893 gewann Bahlsen die Goldmedaille in Chicago. Bereits 1905 begann Bahlsen, den LEIBNIZ-Keks auf dem ersten Fließband der europäischen Industrie herzustellen, und damit war die Basis für industrielle Feine Backwaren gelegt. 1911 wurde Cakes in Kekse eingedeutscht, was den Markencharakter nachhaltig veränderte. In den Jahren danach wuchs das Unternehmen durch Innovationen wie die TET-Verpackung (1904) und eine stetige Produktentwicklung weiter. Später folgten Sortimentsausweitungen, Werbekampagnen und eine internationale Expansion, die Bahlsen zum führenden deutschen Kekshersteller machte.

In den Krisenjahren der Zwanziger Jahre erlebte Bahlsen harte Zeiten, doch neue Produkte wie die Expressdose retteten den Absatz. Im Zweiten Weltkrieg war Bahlsen zunächst vierspektrig: Notverpflegungen für Soldaten, Knäckebrot und Zwieback standen im Fokus, während Berichte über Zwangsarbeit diskutiert wurden. Nach dem Krieg kehrte das Unternehmen zurück, produzierte wieder Kekse und erlebte in den folgenden Jahrzehnten weiteres Wachstum. Heute ist Bahlsen weltweit führend auf dem deutschen Keksmarkt, mit rund 2.500 Mitarbeitenden und zahlreichen Markenlinien, darunter der ikonische Leibniz-Keks.

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Lambertz: Vom Aachen-Backhaus zum Weltmarktführer für Lebkuchen

Die Geschichte von Lambertz beginnt im 17. Jahrhundert in Aachen als kleine Bäckerei. Seit 1688 prägt das Traditionsunternehmen Lambertz die süße Welt des Lebkuchens, Printen und weiterer Delikatessen. Lambertz entwickelte sich durch Übernahmen und Innovationen zu einem Weltmarktführer im Bereich Herbst- und Weihnachtsgebäck. So fanden im Laufe der Jahre zahlreiche Akquisitionen statt, darunter Lebkuchenfabriken und Pralinenhersteller, wodurch das Portfolio auf Lebkuchen, Printen, Dominosteine, Zimtsterne, Spekulatius, Baumkuchen und mehr wuchs. Die Führungsphilosophie betont Tradition und Qualität, während gleichzeitig internationale Märkte erschlossen wurden.

Lambertz wurde 1872 Hoflieferant und pflegt bis heute enge Kontakte zu Royals, Politikern und Prominenten. Der Traditions- und Familiencharakter blieb dabei erhalten, während das Unternehmen globale Strukturen annahm. In den letzten Jahrzehnten wurde der Lambertz-Konzern international durch Kooperationen, Online-Shop und multinationale Produktionslinien gestärkt. Die Marke steht heute für Verlässlichkeit, Vertrauen und Menschlichkeit, getragen von einer Geschichte, die sich über mehr als drei Jahrhunderte erstreckt.

Lambertz-Printe und Lebkuchenvielfalt

Weitere bemerkenswerte deutsche Keks- und Feingebäckmarken

  • Lambertz: eine der ältesten Süßwarenmarken Deutschlands mit internationaler Reichweite.
  • Bahlsen: dominierende Stellung auf dem deutschen Keksmarkt; innovationsgetrieben, mit Fokus auf Marken wie Leibniz und modernen Produktlinien.
  • Historische Entwicklung: Vom Luxusgebäck zu langlebigen, industriell hergestellten Feingebäcken in der Moderne.

In der heutigen Zeit spiegeln sich in diesen Marken Geschichten von Innovation, Familienführung, Krisenmanagement und kultureller Bedeutung wider - Kekse sind weit mehr als nur Snacks: Sie tragen Geschichte, Identität und Tradition in der deutschen Alltagskultur.

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