Bedeutung und Ursprung: „Das Leben ist kurz – iss den Nachtisch zuerst“
„Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst“ von Wendy Mass erzählt die warmherzige Geschichte einer ungewöhnlichen Schatzsuche, die zur Suche nach dem Sinn des Lebens wird. Jeremy Fink steht vor einem unglaublichen Rätsel: Eine verschlossene Holzkiste, die den Sinn des Lebens verspricht - das ist alles, was ihm sein verstorbener Vater zu seinem 13. Geburtstag hinterlassen hat.
Handlungsskizze
Die Sache hat nur einen entscheidenden Haken: Die Schlüssel wurden ganz offenbar verlegt, sodass Jeremy die Kassette nicht öffnen kann. Neugierig machen sich Jeremy und seine beste Freundin Lizzy auf die Suche danach - und geraten in eine abenteuerliche Odyssee quer durch New York. Wochen zuvor hat der 12jährige ein Paket erhalten und, angesteckt von seiner besten Freundin und Nachbarin Lizzy, konnte er es nicht geschlossen lassen, auch wenn es an seine Mutter adressiert war. Darin entdeckten die beiden eine schön verzierte Holzkiste, in deren Deckel eine Nachricht an Jeremy geschnitzt war. Diese stammte von seinem Vater, der Jahre zuvor verstorben war.
Die Unterseite dieser Kassette ist mit „Der Sinn des Lebens“ eingraviert. Das hält den Jungen aber nicht davon ab, mit seiner besten Freundin Lizzy überall nach den Schlüsseln zu suchen. Fortan treiben die beiden sich auf Flohmärkten und in Pfandleihhäusern herum und kaufen alte Schlüssel. Das Ergebnis allerdings ist immer dasselbe: Keiner der Schlüssel passt.
Eines Tages beschließen Lizzy und Jeremy, in die Anwaltskanzlei einzusteigen, in der die Kassette all die Jahre seit dem Tod von Jeremys Vater aufbewahrt wurde. Dabei jedoch werden die beiden Kinder erwischt und zu Sozialstunden verdonnert. Die Sozialstunden leisten sie bei einem gewissen Mr. Oswald, der seinerseits sein Pfandleihhaus auflöst. Die beiden Kinder werden damit beauftragt, einst versetzte Gegenstände an ihre ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Ihre Aufgabe ist genauso ungewöhnlich wie die Limousine mit Chauffeur, die sie abholt. Sie müssen Sachen zurückbringen, die die ehemaligen Besitzer als Kinder ins Pfandleihhaus gebracht haben. Eine schöne Idee, bei der sich ganze Lebensläufe wiederfinden lassen.
Charaktere: Jeremy und Lizzy
Jeremy ist ein lieber Junge, der seinen Vater sehr vermisst und versucht, seiner Mutter keinen Kummer zu machen. Er ist ein wenig spleenig. Aber auf eine sympathische Art. So isst er z. B. nur bestimmte Speisen (mit Ausnahme von Süßigkeiten) und legt für interessante Dinge, wie z. B. Fehlproduktion von Süßigkeiten Sammlungen an. Über 350 Seiten wird die Suche begleitet von Erdnussbutter-Sandwich und allen möglichen Süßigkeitenbergen, die der Protagonist unentwegt in sich hineinstopft. Nach der Devise seines Vaters: „Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst“, lebt auch Jeremy. Er isst im Prinzip nur Nachtisch.
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Lizzy ist das Gegenteil von Jeremy. Sie hat es faustdick hinter den Ohren und überredet ihren besten Freund zu allerlei Abenteuern. Zumindest auf den ersten Blick. „Ihr müsst nur ihr selbst sein, und zwar so gut ihr irgend könnt. Findet heraus, wer ihr wirklich seid, findet heraus, warum ihr hier seid, und ihr werdet euer Ziel erkennen.“ Dieses Zitat aus dem Buch beschreibt diese Haltung sehr gut: Herausfinden, wer man eigentlich ist, unabhängig davon, wie die anderen einen wahrnehmen.
Erzählstil und Zielgruppenansprache
Die Autorin schreibt locker und unkompliziert von der wichtigen Frage: Warum sind wir eigentlich hier auf der Erde. Der Schreibstil ist allein schon bedingt durch die Perspektive von Jeremy Fink sehr einfach zu lesen. Trotzdem ist er nicht primitiv. Der Roman ist eine gute Mischung aus Dialogen und Beschreibungen, was dem Ganzen einen sehr guten Lesefluss gibt. Wendy Mass hat sogar den ein oder anderen Lacher eingebaut, der einem durchaus einen Schmunzler abringen kann.
Die Autorin schwankt etwas zwischen dem kindlichen Ton der 12- bzw. 13-jährigen und einer Erzählweise, die auch erwachsene Leser anspricht. Dabei gelingt es Wendy Mass, einen Kompromiss zwischen der eigentlichen Zielgruppe und dem erwachsenen Leser zu schließen. Denn der Stil sowie der Verlauf der Geschichte sind weder zu infantil, noch zu abgehoben. Beide Leserschaften werden also durchaus ihren Spaß damit haben - und das tatsächlich bis zum Ende.
Motivik und Themen: Suche nach Sinn und kleine Lebensfreuden
Die Jagd nach dem Sinn des Lebens ist zugleich eine Reise in die Lebensgeschichten der Menschen, die Jeremy und Lizzy treffen. Diese ganzen Lebensgeschichten, die sich an den in der Jugend versetzten Sachen entspinnen, berühren immer wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens. Mal geht es in die spirituelle Richtung, mal in die wissenschaftliche, aber entscheidend ist doch, was der Einzelne sich zur Aufgabe macht.
Man fühlt sich sofort in diverse einzigartige Sommer zurückversetzt, die ihre Magie auch über die Jahre der Erinnerung nicht verloren haben. Der Zauber eines solchen Sommers wird durch die Geschichte hervorragend auf den Leser transportiert. Hat man den Roman durchgelesen, kann man ganz sicher nicht umhin, gute Laune zu haben und die Welt ein wenig sonniger zu betrachten als noch vorher.
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Autorin, Übersetzung und Produktion
Wendy Mass, geboren 1967, wuchs in Livingstone, New Jersey auf. Schon als Kind liebte sie Bücher, was sie - nach einigen Schreibkursen - zur Schriftstellerin machte. Barbara Küper hat nach dem Studium der Germanistik und Anglistik als Lektorin, Lizenzmanagerin und Programmleiterin in deutschen Kinder- und Jugendbuchverlagen gearbeitet und das Buch ins Deutsche übersetzt.
| Autorin | Titel | Übersetzerin | ISBN | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Wendy Mass | Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst | Barbara Küper | 978-3-570-13718-5 | 14,95 € |
Rezeption
Was mit dem deutschen Titel albern und fast schon lächerlich klingt, entpuppt sich direkt nach Lesebeginn zu einem Roman, der anrührender kaum sein könnte. Der Leser begleitet zwei heranwachsende Kinder, Jeremy und Lizzy, bei ihrer Suche nach vier Schlüsseln, die sich bald als etwas wie die Suche nach dem Sinn des Lebens herausstellt. Die Geschichte hat viele verschiedene Ansätze der Betrachtung. Man freut sich immer, wenn mal wieder ein Snickers vorkommt, da weiß man jedenfalls wie es schmeckt.
Alles in allem ist „Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst“ von Wendy Mass ein Herz erwärmender Roman, der nicht zu sehr aufs Gemüt drückt, sondern seine Stimmung fast von ganz allein und bedingt durch die Geschichte sowie ihre Auflösung entwickelt. Zu empfehlen ist er definitiv der Zielgruppe, aber auch der erwachsenen Leserschaft, da der Roman zum Nachdenken über die kleinen Dinge im Leben anregt. Die Autorin schreibt locker und unkompliziert von der wichtigen Frage, warum wir eigentlich hier sind.
Für wen eignet sich das Buch?
- Jugendliche (12-15 Jahre), die sich mit Identitätsthemen beschäftigen.
- Erwachsene, die nostalgisch an „Sommergeschichten“ interessiert sind und leichte, berührende Lektüre schätzen.
- Leserinnen und Leser, die Geschichten mit Humor, Herz und einer Prise Philosophie mögen.
Am Ende gelingt es den beiden fast schon Jugendlichen, die Schlüssel zu finden und sie stehen einer großartig inszenierten Geschichte der Erwachsenen gegenüber. Alles, aber auch alles war geplant, nur der Inhalt der Kassette, ein Brief seines Vaters, ist wirklich echt.
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